Donnerstag, 14. März 2013

Ein betrunkener Belgier, "Jojoa" und das Ende von Stahl-Kahl und Linda

27.2.2013

Gestern haben wir einen Tag frei gehabt, da es in Strömen geregnet hat. Heute regnet es auch noch, Marius darf heute jedoch anstreichen und ich soll das zuvor gesägte Holz stapeln. Linda hat uns außerdem erklärt, dass man heute kein Holz sägen dürfe. Heute ist Vollmond, Holz, das man an Vollmond säge, brenne nicht, erklärt sie mir mit vernichtender Ernsthaftigkeit. Keine Ahnung woher sie diese Information hat, sie scheint es offenbar tatsächlich zu glauben. Wenn sie diesen Trick mal den Leuten aus der Holzsägefabrik verrät, freuen die sich bestimmt ‚n Stein ins Brett: einen Feiertag pro Monat mehr und endlich ist geklärt, warum das Holz einmal im Monat nicht brennt. Damit kommt sie bestimmt noch ganz groß raus. Sie hat uns auch schon erklärt, dass Tomaten auch Gefühle haben. Genau wie Bäume oder Wasser. Wenn man einen Schluck Wasser bspw. mit „schöner“ Musik bespielt und ihn einfriert, nehme er eine schöne Form an, wenn man ihn jedoch mit „unschöner“ Musik bespielt, nehme er beim Frieren eine nicht so schöne Form an. Die Definition von „schön“ und „unschön“ setzt sie mit ihrer eigenen gleich. Verleugnet sie damit nicht die Individualität des Musikeschmacks von Wassertropfen? Dieses Thema ist sogar Marius und mir zu absurd, fest steht, dass Linda sicherlich keinen schönen Gesichtsausdruck macht, wenn an sie einfriert. Unabhängig von der Musik.

28.2.2013

Heute ist Donnerstag und der letzte Tag des Monats. Das ist eigentlich nichts Besonderes, für Marius und mich jedoch schon, da wir heute auf ein Konzert gehen. Außerdem müssen wir wegen dem Konzert nur fünf Stunden arbeiten. Wir haben uns vor kurzem für Sum41 und Billy Talent Konzerttickets in Melbourne gekauft, heute ist es soweit. Gegen drei Uhr kocht Linda uns noch ein leckeres Essen zur Stärkung und ab geht’s nach Melbourne. „Stahl-Kahl“, wie wir Karl ab jetzt insgeheim nennen (danke Krisha) erklärt, dass er von der amerikanischen Musik nicht viel halte. Wir sind vorsichtshalber vier Stunden vorher losgefahren und schaffen es so auch pünktlich anzukommen. Das Konzert ist im „Palace Theatre“, dort werden normalerweise Theaterstücke aufgeführt. Das Konzert ist echt geil. Sum41 wirken etwas verschlafen, dafür rocken Billy Talent jedoch umso mehr.

1.3.2013

Etwas verschlafen und müde kommen wir zur Arbeit und Linda steht schon erwartungsvoll in der Tür und ruft „Mensch, ihr seht aber verrockt aus!“. Leider sind wir beide wegen dem nervigen Piepton, den wir seit gestern auf den Ohren haben nicht in Stimmung über so was zu lachen. Beim Frühstückstisch eröffnet sie uns, dass „verrockt“ eine Kombination der Worte „verrückt“ und „rocken“ ist, das Wortspiel ergibt zwar jetzt einen Sinn, ändert jedoch nicht unsere Lust aufs Lachen. Den Rest des Tages stapeln wir wieder Holzklötze und haben Spaß mit dem Trecker. Gestern haben wir uns sehr angestrengt schnell zu arbeiten, damit wir u.A. schneller zum Konzert können und da meinte Linda, dass wir ziemlich langsam gearbeitet hätten und sie uns deswegen eine Stunde von unserer Arbeitszeit abzieht. Heute, mit Brummschädel, geschieht alles tatsächlich nur in Zeitlupe und Linda plaudert uns am Ende des Tages zu, dass sie sehr zufrieden mit unserer Arbeit sei.

2.3.2013

Heute dürfen wir endlich wieder sägen, Linda ist sich todsicher, dass der Vollmond vorbei ist und dass das Holz jetzt endlich wieder gut brennt. Wolle, der andere Angestellte, und ich sollen ein paar Bäume fällen und noch mehr Feuerholz sägen. Marius und mir ist schon öfters aufgefallen, dass er öfters eine Alkoholfahne hat. Heute morgen haben wir beobachtet, wie Wolle zu seinem Auto gegangen ist, sich hingekniet hat und mit einem deutlichen „GULK!“ irgendwas geleert hat. Seitdem hat er stets gelallt und noch mehr nach Alkohol gestunken. Wir haben in seinem Kofferraum geschaut und ein fünf Liter Paket Goon, also Rotwein, gefunden. Knallt der Typ sich ernsthaft ‚n Billigwein während der Arbeit rein? Auf jeden Fall soll ich mit ihm zusammen Bäume fällen. Wolle schnappt sich mit seinen läppischen 65 Jahren die Kettensäge und wackelt los zum Bäume fällen. Er erklärt mir, dass er, dank seiner ewigen Erfahrung, super Bäume fällen könne. Na dann mal los, wir sind beide motiviert und gespannt was passiert. Baum eins fällt mitten auf die Straße und Baum zwei auf den Zaun vom Nachbarn. Ob er das noch toppen kann? Klar! Baum drei fällt ebenfalls auf den Zaun und Baum vier ist zum Glück recht klein, denn er landet auf seiner Schulter. Weiter geht’s mit Baum fünf, welcher eine beachtliche Größe hat, hierfür möchte Wolle die Seilbinde von seinem Auto benutzen: Ich binde seine Seilbinde am Baum fest und er zieht mit seinem Auto, während ich säge. Ich vergleiche kurz die Höhe des Baumes mit dem Abstand von Wolles Auto zum Baum und weise ihn darauf hin, dass er besser weiter hinten parken und ziehen sollte, da der Baum in Wolles Richtung fallen wird und der Baum ist höher als der Abstand zwischen Baum und Auto. Wolle behauptet jedoch, dass passe locker.



Hier hat dieser Kerl echt Glück gehabt: Der Baum kracht ca. 40cm neben Wolles Auto auf den Boden. Was soll an dazu sagen? Wolle made my day.

3.3.2013

Heute haben wir frei und gehen einkaufen. Im Woolworth ist uns etwas Merkwürdiges aufgefallen, wir nennen es das „Porree- Rätsel“. Wir beide haben mal wieder keine Ahnung was wir kochen sollen und deswegen suchen wir unsere Inspiration in den Einkaufwägen der anderen Leute. Fast jede Frau, die optisch wie eine Hausfrau, aussieht kauft Porree ein. Marius bestätigt mir, dass auch seine Mutter vom Einkaufen stets mit einer Stange Porree vom Einkaufen zurück käme. Nun das Rätsel: Wofür braucht man das?
Uns fällt beiden nur eine Suppe ein, in der Porree drin ist, warum kaufen alle Frauen immer Porree? Gibt es irgendwo ein riesiges Porree-Lager, wo alle Frauen den Porree hinbringen oder kriegen wir beide einfach nie mit, dass Porree im Essen war?
Desweiteren wird es langsam Zeit, dass ich unsere Campingnachbarn vorstelle, mit denen wir in letzter Zeit sehr viel machen:

-Michelle, Gladice und Andy kommen aus Belgien und sind echt cool drauf. Die erleben hier offenbar ein zweites „Woodstock“: Wir haben sie schon öfters Nachts nackt baden gehen sehen und letztens haben sie eine Schlammschlacht gemacht (wo auch immer die den Schlamm her hatten). Gestern früh kam Andy um acht Uhr mit einer Tasse Rotwein zu mir und hat mir einen Schluck angeboten. Ich habe ihm erklärt, dass es gerade mal acht geschlagen hat, er guckt auf die Uhr, wirkt leicht irritiert, sagt:“ yeah, it’s eight o’clock“, fragt mich noch mal ob ich etwas Wein möchte und trottet nach meiner erneuten Verneinung von dannen.

-Romain kommt aus einem Vorort von Paris und reist allein. Er ist 23 und wir verstehen uns sehr gut mit ihm.

-Eric kommt aus Quebec, Kanada, dem französischen Teil. Er versteht sich super mit den Franzosen und hat es geschafft drei Wochen mit nur zwei Dollar auszukommen. Ein echter Sparfuchs.

Tiffan, Marion und Elise sind drei Französinnen, die ihr Auto knallbunt angemalt haben. Sie zelten seit längerer Zeit neben uns und wir verstehen uns ebenfalls sehr gut.

5.3.2013

Heute hat Linda zum Frühstück gebratene Tomaten zubereitet. Sie erklärt, dass die gebratenen Tomaten die DNA beschützen und so die Chromosomen faszinierender Weise ebenfalls komplett geschützt seien.
STOP! Wenn ich mich recht an den Biologieunterricht erinnere, ist damit das Problem der Unsterblichkeit gelöst. Sind wir jetzt unsterblich? Warum verrät sie den Trick mit den geschmorten Tomaten nicht den Leuten aus der Biologieforschung? Die forschen Jahre lang wie man unsterblich werden kann und Linda kocht ein paar Tomaten und löst so locker flockig am Frühstückstisch das Problem der Unsterblichkeit. Marius fühlt sich seit dem unbesiegbar und hat noch mehr Spaß mit der Kettensäge.
Wie soll man das bitte ernst nehmen?
Den Rest des Tages werden wir wieder in den Wald geschickt um ein paar Bäume zu ernten.

6.3.2013

Uns ist schon vor längerem aufgefallen, dass Linda eher „die Hosen anhat“ als Karl. Karl ist nämlich alles total egal. Karl hat uns am dritten Arbeitstag gesagt, dass er noch ca. drei Tage Arbeit für uns habe. Linda wusste jedoch noch alles Mögliche zu tun. Karl antwortet, egal was man sagt, immer mit „jojoa“. Heute haben wir die beiden diskutieren gehört und das ging in etwa so:

Karl: “Linda, wir brauche die Jungs doch gar nicht mehr, das könne doch alles de’ Kinder von de’ Helena mache!“

Linda: „Nein Karl! Die Bäume sind doch viel zu schwer! Wer soll die denn alle tragen?

Karl: „ Na de’ Daniel is ‚n faule Lump! Wenn der drei Hände hätt’, bräucht’ er auch drei Tasche!“

Linda: „was?“

Karl: „Na de’ Daniel is ‚n faule Lump! Wenn der drei Hände hätt’, bräucht’ er auch drei Tasche!“

Linda: „Der Daniel hat noch gar kein Auto!“

Karl:“ Jojoa!“



Offenbar sind wir beide dank Karls chronischer Unlust auf eine Diskussion mit Linda immer noch eingestellt. Linda hat öfters Probleme zu verstehen was andere ihr sagen, ihrem Hörgerät hat sie bereits abgeschworen.

8.3.2013

Freitag! Heute ist ein schöner Tag! 1. ist heute Zahltag und 2. arbeiten wir heute nicht so lange. Karl schaut sich kurz unsere Stundenzettel an, murmelt ein Mal „Jojoa“ und schaut, ob er zufällig noch genügend Geld da hat. Bei der Verabschiedung erklärt er uns noch, dass die heutige Jugend nicht mehr das sei, was sie ein Mal war. Wir bedanken uns noch für das Kompliment und fahren zu den Belgiern, Franzosen und Kanadiern, da wir heute vorhaben, mit denen in eine Kneipe mit Lifemusik zu gehen. Wir schaffen es beide einen der freien Sitzplätze im Auto zu ergattern und freuen uns auf einen coolen Barabend. Die Band ist besser als erwartet, obwohl das Publikum eigentlich nur aus Leuten von unserem Campingplatz besteht. Nach ca. 30 Minuten treffen wir auf Eric, der sich total Blau mit einer Flasche Tequilla in Hand entschuldigt, dass er nicht mehr fahren kann. Hmm, dabei müssen Marius und ich doch morgen zur Arbeit! Schlussendlich finden wir Platz bei Tiffan, Marion und Elise.

10.3.2013

Heute haben wir einen Tag frei und fahren wir nach Melbourne, wir wollen zum Hard Rock Café. Auf der Hinfahrt haben wir ein bisschen in meinem Blog rumgestöbert und festgestellt, dass uns schon echt viele komische Sachen passiert sind. Wir waren drei Mal bei einem Reifenhändler und hatten drei Mal danach einen platten Reifen. Wir hatten einen vielleicht kriminellen Anhalter an Bord. Wir hatten bis jetzt nur komische Chefs oder arbeiten mit einem „Alki“ zusammen. Genau in diesem Moment, wo wir sowieso schon alles so komisch finden, sehen wir rechts neben uns an der Ampel einen feschen Hip Hopper wie er im Buche steht, viel zu großes T-Shirt, Baggy-Hose unter den Knieen und sowieso total cool drauf. In seiner Hand: ein Bündel grüner Spargel, in das er mehrere Male genüsslich reinbeißt.
Na toll, jetzt finden wir garantiert Nichts mehr Normal.
Der Besuch im Hard Rock Cafe fällt leider aus, da das Café vor kurzem geschlossen hat.

12.3.2013

Heute ist unser letzter Arbeitstag und wir dürfen wie immer Holz hohlen. Linda begutachtet unsere erste Lieferung und bekommt fast einen Herzkasper: die gesägten Stücke sind viel zu klein. Mindestens einen halben Meter sollen die Stücke sein. Alles klar, ab jetzt sägen wir keine Pizza-Brettchen mehr, aber wer soll die Stücke hochheben? Mittlerweile haben die Stücke einen Durchmesser von bis zu 80Cm, wenn wir die einen halben Meter lang sägen, bekommen die zwei die doch nie wieder einen Zentimeter bewegt. Marius und ich holen eine weitere Ladung von den Zentnerstücken und beschließen Feierabend zu machen. Wenn Wolle die ganzen Stücke spalten muss, hat er ordentlich was zu tun. Der Arme.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zeit bei Linda und Karl echt cool war. Linda hat immer super für uns gekocht und Karl war zwar offenbar alles egal, er hat ja immer nur „jojoa“ gesagt, war aber trotzdem ebenfalls sehr freundlich. Die Bezahlung war auch mehr als fair.
Letzte Woche haben wir Tiffan, Marion und Elise mit dem Auto abgeschleppt, da sie irgendein Problem mit dem Auto hatten. Jetzt klingelt schon wieder unser Handy, ein weiterer Kerl vom Campingplatz kann hat ein Problem mit dem Auto. Sven ist von Deutschland aus bis Hong Kong mit dem Fahrrad gefahren und von da aus nach Australien geflogen. Mit seinem Fahrrad habe er noch nie so ein Problem gehabt, erklärt er mir. Wir ziehen ihn zur nächsten Werkstatt und fahren im Anschluss zum Campingplatz, da morgen fast alle von den eben vorgestellten Freunden weiterreisen und wir eine Abschlussparty machen.

13.3.2013

Heute hat Marius einen Termin beim Zahlarzt. Wusstet ihr, dass Zähne, wenn man sie in Cola einlegt, sich auflösen? Genau das war bei Marius offenbar der Fall. Die Ärztin bohrt ein bisschen in Marius Mund rum, kleistert noch was zu und er ist geheilt. Den Rest des Tages packen wir unsere Sachen zusammen und fahren endlich hier weg. Wir sind seid Weihnachten auf dem gleichen Platz und heute reisen wir endlich weiter! Jedoch nicht viel, wir sind beide total unmotiviert beim Aufräumen. Wir wundern uns wo wir schon wieder soviel Kram her haben, ist das alles von uns? Wir verschenken noch ein paar Schuhe die keinem passen, eine Leiter, zwei Stühle und ein halbes Kartenspiel und reisen dann endlich los!

15.3.2013

Noch zwei Monate, dann geht’s schon wieder nach Hause. Heute sind wir in Eden angekommen, wir haben den Staat „Victoria“ endlich verlassen.



Montag, 25. Februar 2013

Das Ende vom Ben, ein Baumhaus Bob und echt komische Großeltern

15.2.2013

Wir haben Freitag und schon wieder gibt es nichts Neues vom Ben. Ben hat uns nur eine Sms geschrieben, dass er nächste Woche mehr Arbeit für uns habe. Laut den Weingütern, bei denen wir nach Arbeit gefragt haben, beginnt die Ernte der Trauben ab nächster Woche, dementsprechend könnte sich das mit der Arbeit sogar ausnahmsweise mal bewahrheiten. Wenn wir allerdings am Sonntag keine Nachricht von Ben bekommen, dass er uns alle vier gebrauchen kann, verlassen wir die Weingegend hier endlich und fangen wieder an zu reisen. Zur Zeit ist in dieser Gegend der Wein, Äpfel und Zitronen erntereif. Zitronen gibt es jedoch nicht viel in dieser Gegend, Äpfel werden meist schlecht bezahlt und alles was mit Wein zu tun hat läuft über Ben.

17.2.2013

So, heute ist Sonntag und Tuna und ich rufen Ben an. Tuna telefoniert ein paar Minuten mit Ben und das Ergebnis ist schon wieder typisch australisch für Marius und mich. Ben erklärt, dass er Marius und mich nicht mehr haben will, da wir beide öfters nicht zu Arbeit erschienen wären und faul seien.

???

Hää? Also, hö?

Stopp! Jetzt mal langsam mit den Pferden, Ben hat keine Arbeit für uns und wir werden gefeuert weil wir nicht hingehen? Tuna und Simon wird gesagt, dass dies ihre letzte Chance sei, wenn sie noch mal zu spät kämen, wären sie auch gefeuert. Ist der Kerl irgendwie verwirrt? Der hämmert sich offenbar jeden Abend ein paar Flaschen Wein in den Kopp und versucht anschließend irgendwelche Backpacker irgendwo hin zu bestellen. Ich rufe ihn sofort an um seine eindeutige Verwechslung richtig zu stellen, dass wir gar keinen Job hatten und so die Behauptung „wir wären zu spät gekommen“ eindeutig nicht zutreffen kann. Er lehnt meine Anrufe stets ab. Na toll, hier gibt’s für Backpacker genau eine Branche in der man gut Geld verdienen kann und in dieser Branche werden Marius und ich zu 100% keinen Job finden.
Aber was ist das denn hier? Was ist das bitte für eine Arbeitssituation?

Unser erster Chef in Perth kündigt ständig seine Angestellten um sie am Folgetag wiedereinzustellen, lädt uns an dem Tag an dem sein Vater gestorben ist auf ein Bier ein und verschätzt sich bei seinen Bestellungen im fünfstelligen Bereich.

Unsere zweite Chefin, wir nennen sie „Mettchen“, ist kugelrund und zahlt ihren Angestellten nur einen Hungerlohn und wundert sich anschließend über ein schlechtes Arbeitsergebnis.

Beim dritten Versuch treffen wir auf Ben und, nun ja, offenbar schafft dieser es nicht mal ansatzweise sich einen Überblick über seine Angestellten zu verschaffen und die Tatsache, dass dieser Kerl sehr offenbar sehr viel um die Ohren hat relativiert in meinen Augen nicht mal ansatzweise den Punkt, dass er wegen einer Verwechslung schon fast willkürlich seine Angestellten durcheinander bringt und kündigt. Dass er angeblich keine Franzosen einstellt mag zwar ein Gerücht sein, wir haben und jedoch schon gewundert, dass seine erste Frage als wir eingestellt wurden auf unsere Nation bezogen war, Franzosen haben wir auch noch keine auf der Arbeit getroffen, obwohl wir schon sehr viele Leute auf der Arbeit kennengelernt haben und Franzosen gibt es hier in Australien noch mehr als Deutsche.

Was ist das bitte für Arbeitseinstellung?

Nachdem Marius und mir keine negativen Adjektive oder Schimpfwörter eingefallen sind haben wir uns noch ein paar Wörter ausgedacht, danach haben wir beschlossen, uns um einen anderen Job zu bemühen, wenn wir keinen Job finden, besuchen wir Ben in seinem Büro und erklären ihm was wir von ihm halten. Das „Phantom“ hat bis jetzt noch keine gesehen, wir haben immer nur übers Handy mit ihm Kontakt gehabt.

16.2.2013

Immerhin dürfen wir heute ausschlafen. Wir brechen gegen zehn Uhr auf und beschließen einfach alles zu geben. Wenn man einen Job will, findet man auch einen. Der erste Arbeitgeber lebt in einem riesigen Baumhaus und heißt „Boinga Bob“. Er erklärt verschlafen, dass er uns super gebrauchen könnte, jedoch völlig pleite sei. Anschließend fragen wir zwei Rentner am Straßenrand nach dem Weg zu einer Farm, da wir dort arbeiten wollen und, nachdem die beiden sich kurz beratschlagt haben höre ich in eindeutigem Deutsch die Worte „Mensch Linda, eigentlich könnte’ die Jungs doch hier super anpacke’ mit de’ Büsche und Bäume“. Wir outen uns schlagartig als Deutsche und kommen sofort ins Gespräch. Karl ist 69, lebt seit 30 Jahren in Australien und hat Maschinenbau studiert, Linda ist bereits 75 und hat eine unglaublich ausführliche Vergangenheit. Wir können morgen anfangen. Job? Check!

17.2.2013

Pünktlich um acht Uhr erreichen wir die traumhaft schöne Villa, die auf einem Berg gebaut ist und mit 42 Hektar Land auf jeden Fall auf eine Menge Geld schließen lässt. Linda und Karl sind noch gar nicht richtig wach, verschlafen bitten sie uns, den Tisch zu decken, es gebe erst noch einen Kaffee. Wolfgang ist 65 und arbeitet auch für Linda und Karl, auch er ist Deutscher. Karl erzählt mir beim Frühstück, dass die USA bereits 10.000 Dronen los geschickt hätten und so die Welt überwache. Jedes Telefongespräch und jede Sms werde abgehört, überprüft und nochmals geprüft.
Hmm, die Theorie ist zwar wage, aber interessant. Anschließend beschwert sich Karl über die Engstirnigkeit der Australier und hält mir einen Vortrag über die Verdummung des Volkes. Zuerst zeigt uns Karl seine riesige Maschinensammlung, Marius stellt fest, dass fast alle Maschinen deutscher Herkunft sind.
Als erstes kramt Karl zwei „Stihl“ Kettensägen aus seiner Werkbank und schickt uns Holz holen. Nachdem wir alles in mundgerechte Stücke zersägt hatten hat Karl uns erklärt, dass er das Holz noch kleiner haben möchte. Dafür hat er bereits in einer anderen Ecke seiner Garage eine riesige Spaltmaschine parat gemacht, mit der wir das Holz spalten sollen.

Gegen Abend lädt Linda uns noch zum Essen ein, sie hat für uns alle gekocht. Es schmeckt sehr lecker, Karl bedauert jedoch, dass ihm das Essen nicht schmecke weil es schlecht gewürzt sei, Linda verweist auf ihre Pfefferallergie.

18.2.2013

Heute sagt Linda, sie könne uns im Garten gebrauchen. Marius und ich zeigen ihr unsere zwei linken Hände, sie wirkt zwar leicht irritiert, drückt uns jedoch trotzdem eine Schaufel in die Hand und erklärt, wir sollten den Garten von Unkraut befreien. Marius und ich gucken uns fragend an und beschließen, einfach alles was nicht schön ist rauszurupfen und zu hoffen, dass Linda nicht mehr allzu viel sieht. Leider sind ihre Augen okay und sie beschließt uns andere Arbeiten zu geben. Marius stapelt weiter Holz in die Höhe und mir drückt sie einen Rasenmäher in die Hand heißt mich den Rasen zu mähen. Super, mit Rasen mähen hab ich Erfahrung, schließlich mähe ich seit vier Jahren in der Nachbarschaft den Rasen. Seit der „Blumenernte“ scheint sie mir jedoch nicht mehr so zu vertrauen was den Garten betrifft. Nachdem ich Linda erklärt habe wie man den Rasenmäher anmacht, erklärt sie mir wie an ihn benutzt. Na toll, gestern durfte ich noch nach Lust und Laune mit ’ner Kettensäge rumlaufen und heute werde ich beim Rasen mähen eingewiesen. Na ja, immerhin werden wir nach Stundenlohn bezahlt, wenn sie mir Ewigkeiten erklären muss wie man einen Rasenmäher schiebt, kann sie uns auch gerne Geld dafür geben.
Linda kocht wieder und Karl fängt wieder an zu erzählen wie das mit de dritten Reich wirklich abgelaufen ist: Die Juden wurden gar nicht getötet, die Berichte und Filme die es gibt sind laut Karl „völlig Schwachsinnig“, es habe zu dieser Zeit gerade mal 2,8 Millionen Juden in Europa gegeben, dementsprechend kann Hitler auch keine sechs Millionen getötet haben. Alle Fotos die es gibt seien „gestellt“ bzw. Fotos von deutschen Soldaten oder einfach Bürgern aus Dresden.

STOP!

Ein paar Tage vorher habe ich mich beschwert, dass Marius und ich nie einen „normalen“ Chef in Australien haben. Was soll das denn ‚nu? ‚N deutscher Nazi? Das kann doch schon wieder nicht wahr sein.. Na ja, er bezahlt uns gut und ich wollte mich sowieso gerne mal mit jemanden unterhalten, der solche Ansichten vertritt.

Wolfgang, der andere Angestellte, ist auch ein cooler Typ. Offenbar hat er sich seit längeren nicht mehr mit Deutschen unterhalten, die nicht so komische Ansichten haben wie Karl und Linda, denn er hat uns bereits heute zum zweiten Mal seine komplette Lebensgeschichte erzählt. Er ist seit 40 Jahren hier, hat sich ein riesiges Haus gebaut und durch eine patentierte Erfindung viel Geld verdient. Seine Erfindung wurde geklaut und nachgebaut, den Prozess vor Gericht hat er verloren und musste so die Kosten von 500.000$ tragen. Seine Frau hat ihn vor kurzem verlassen. Wenn man sich seinen Lebenslauf so anschaut, befindet er sich jetzt offenbar auf der „Talsohle“, weiter bergab kann es nicht gehen. „Wolle“, wie Marius und ich ihn immer nennen, tut uns irgendwie leid, der hatte ja echt viel Pech. Wir beschließen ihn heute Abend mal zu besuchen. Wolles Hütte ist ebenfalls riesig, noch viel schöner als das Haus von Linda und Karl. Wolle erklärt jedoch, dass er verkaufen müsse, da er seine Frau nicht auszahlen könne. Echt unglaublich, er hat sich das Haus komplett selber hochgezimmert, nur für das Mauern hat er sich professionelle Hilfe kommen lassen. Er war quasi für alles andere sein eigener Bauherr.
Wir laden ihn auf ein Bier ein und er freut sich riesig, beim Abschied betont er, dass er sich stets über Besuch freue.

20.2.2013

Gestern haben wir angefangen einen riesigen Zaun vom Gestrüpp zu befreien. Dafür haben wir ein Harke, eine Kettensäge, zwei Motorsensen und eine Kollektion von aktuellen Gartenscheren in modischen gelb mit Teleskoparm bekommen. Die Ausrüstung ist echt der Hammer, wieso kauft er sich zwei Motorsensen die hier über 1000$ kosten? Ganz einfach, eine hat eine Metalscheibe vorne dran und die andere ein rotierendes Plastikkabel, wäre ja total ätzend, wenn er, falls er so ein Teil mal braucht, den Aufsatz wechseln muss.
Beim Essen erklärt Karl uns, dass die Deutschen im zweiten Weltkrieg eigentlich gar nicht die „Bösen“ waren. Wusstet ihr, dass England mehr Bomben auf Berlin geworfen hat, als Deutschland insgesamt auf ganz England? Hinzu kommen dann noch Angriffe auf Dresden oder Köln. Hier wäscht man dein Hirn!
Außerdem sind die Australier total blöd: als ehemalige britische Kolonie fühlen sie sich immer noch als Gewinner des Krieges und sind so von Stolz erfüllt. Daher kommt auch die „Hochnäsigkeit“. Hmm, ist und alles irgendwie neu, aber, wie bereits geschrieben, interessant.

22.2.2013

Was für eine Hitze! Das Thermometer beschwert sich über 39°C im Schatten und wir beide über Arbeit in der Sonne. Zum Glück hat Linda uns zwei fesche Gärtnerhüte mitgegeben und zehn Liter Wasser, die nach sechs Stunden leer sind. Linda bietet uns nach der Arbeit eine warme Dusche an, während Karl sich über das „Negerwetter“ beschwert. Echt herb, dieser Kerl.

23.2.2013

Heute arbeiten wir auch an einem Samstag. Wie wir dazu kommen fragen wir uns auf dem Weg zur Arbeit auch, wir bekommen jedoch ein nettes Gehalt und da wir beide seit ewig nicht mehr gekocht haben, da uns Linda diese Aufgabe immer abgenommen hat, beschließen wir zu arbeiten und was Leckeres abzustauben. Sie hat außerdem schon erklärt, dass sie für uns „Landsleute“ gerne mitkocht. Na, da haben wir beide doch mal Glück gehabt. Die Hitze heute ist vergleichbar mit der gestrigen und zum Start ins Wochenende geben sie uns jeweils ein „Oettinger“ Bier und wir vergnügen uns noch was in Pool.
Abends fahren wir mit Tuna und Simon zu ein paar anderes deutschen Backpackern, die die Beiden auf der Arbeit kennengelernt haben.

24.2.2013

Sonntag, endlich noch mal Wochenende. Die Wochen in denen wir nicht gearbeitet haben, hatten nie so ein richtiges Wochenende, wenn man sowieso frei hat, interessiert man sich nicht dafür, welchen Tag man hat. Wir nehmen uns viel vor wie aufräumen oder die Wäsche machen, im Endeffekt ist es jedoch darauf hinausgelaufen, dass wir einkaufen gegangen sind. Immerhin hatten wir ein leckeres Abendessen.

25.2.2013

Heute schaffen wir es auf der Arbeit den Auftrag mit der Hecke abzuschließen. Beim Abendbrot beginnt auf einmal die totale Hirnwäsche: Karl und Linda klären uns über alles auf, was über den Weltkrieg nicht stimmt. Wolfgang hat uns erklärt, dass er in keinem Punkt mit den beiden konform geht, jedoch dazu rät, in einer Diskussion einfach versuchen das Thema zu wechseln. Karl und Linda stellen das dritte Reich als total toll da, im Sinne von „damals war alles besser“ und „die armen Deutschen waren die Opfer, nicht die Angreifer“. Obamas „Negerpolitik“ sei das Letzte, das Leute wie Hillary Clinton oder Rockefeller jüdischer Abstammung sind, müsse auch nicht sein. Karl fände es besser, wenn das jemand anders mache.

Marius und ich distanzieren und vollständig von dem Sch**ß den die beiden dazu erzählen. Die zwei sind echt keine dummen Menschen, obwohl insbesondere Karl mir auf die Nerven geht. Er selber hat einen Realschulabschluss gemacht und anschließend Fachabi. Er fragt mich ständig, ob ich mich mit meinem „Vollabi“ als was Besseres fühle. Immer wenn ich irgendeine blöde Frage nicht beantworten sagt er so was wie:“ Mensch, das musse doch wisse’, du bis doch der schlaue mit Abitur“.

Eine Sache will ich noch klarstellen: Wenn wir beide hier nicht super Essen bekämen, einen Pool und jede Menge Geld, hätten wir schon längst dem Karl erklärt, was wir von seinem Müll halten.

Mittwoch, 13. Februar 2013

Zwei Schnitzel, quitschender Sand und arme Franzosen

23.1.2013

Da waren wir nun, teilzeit Arbeitslos, zu fünft und mit frisch gewaschenem Auto. Unser Chef braucht heute wieder nur zwei Leute zum Arbeiten, heute gehen Marius und Tuna. Simon, Janne und ich bemühen und derweil um einen neuen Job, da uns dieses ewige hin- und her mit unserem Chef unserem Ziel auch nicht weiter bringt. Wir fahren bei einer Kartoffelfarm, einer Gärtnerei, ein paar Weingütern und mehreren Cidreherstellern vorbei, alle antworten mehr oder weniger im Einklang, dass die Saison in ungefähr drei bis vier Wochen beginne und dass sie dann ein paar Arbeiter gebrauchen könnten. Das wird uns hier irgendwie immer erzählt, egal wo wir uns nach Jobs erkundigen, es wird uns erklärt, dass wir etwas zu früh kämen. Na toll, egal wo wir sind, wir sind auf jeden Fall zu früh.
Das mit dem „zu früh da sein“ ist Neuland für alle von uns und so beschließen wir erst mal etwas zu warten, was sollen wir auch schon groß tun? Die Australier sehen ja alles etwas gelassener als wir Deutschen, stellenweise ist so was auch sehr entspannt, auf die Arbeit bezogen ist das jedoch total nervig. Wieso stellt Ben vier Leute ein, wenn er gerade mal die Hälfte von uns gebrauchen kann? Ben erzählt uns am Telefon ständig, dass er vier Leute gebrauchen könnte, zehn Minuten später schickt er eine Sms, in der steht, dass er doch nur zwei Leute gebrauchen kann.

24.1.2013

Heute gehen Marius und Simon arbeiten. Nicht dass ihr denkt, dass ich faul wäre, ich sollte mich mal wieder um einen Job etc. kümmern. Mal wieder vergeblich, der Traktor auf der Arbeit hat einen platten Reifen und so verkürzt sich der Arbeitstag von Marius und Simon um ca. 50%, ich muss die beiden abholen. Was für ein Reinfall, da hat man schon so gut wie gar keine Arbeit, da wird diese einem auch noch weggenommen durch eine Lappalie wie ein platter Reifen an einem Traktor. Ich wusste bis heute gar nicht, dass ein Traktor einen platten Reifen haben kann, hier verkürzt uns dieser gleich den Arbeitstag. Da der Farmer selbstverständlich keinen Ersatzreifen hat (offenbar wusste er auch nicht, dass man so ein Teil plätten kann) bekommen wir für den Rest der Woche frei. Super, wir haben ja auch schon Mittwoch. Yeah. Verlängertes Wochenende. Juhu.

25.1.2013

Unser verlängertes Wochenende beginnen wir, dank der starken Hitze, mit einem Strandtag. Wir beschließen nach „Frankston“ zu fahren, da Janne dort noch ein Bankkonto kündigen möchte. Frankston ist ca. 60Km entfernt und liegt direkt am Meer, sehr schön. Janne fragt mich, ob ich ihm helfen könnte, sein Bankkonto zu kündigen. Hilfsbereit wie ich bin, stellen wir uns in die Bank und warten auf eine Angestellte. Als diese nun auch eingetroffen ist, schaut sie sich seinen Personalausweis an und begrüßt ihn freundlich mit „hello Jane“ und wirkt amüsiert und irritiert zugleich, da „Jane“ ja eigentlich eher ein Frauenname ist. „Jane“ stellt den Fehler richtig und schon stehen wir vor dem nächsten Problem: in seinem Nachnamen ist ein „ß“ enthalten, das gibt es hier in Australien ja nicht. Nachdem die Angestellte ihre Tastatur knallhart unter die Lupe genommen hat und keinen „ß“-Knopf entdeckt hat, erklärt Janne einfach, dass es ein „b“ sei. Sie durchsucht die Datenbank und findet ihn sogar tatsächlich. Offenbar haben die Angestellten aus Sydney ebenfalls keinen „ß“ Knopf auf ihrer Tastatur gefunden und haben so einfach ein „b“ eingegeben. Echt stark, wenn man also mal irgendwas nicht findet, nimmt man einfach etwas, das so ähnlich aussieht.

26.1.2013

Heut ist „Australia day“, was das genau bedeutet, wissen wir nicht, aber das wollen wir noch herausfinden. Fest steht, dass der Großteil der Australier sich einen Australienhut, Schürze, Mantel, Fähnchen, Grillzange oder sonst was umgebunden hat und sich total darüber freut. In allen Parks stehen als Australienflagge verkleidete Familien und Grillen an den Bbq- Stellen um die Wette. Toller Australientag, noch viel toller ist, dass dieser auf einen Samstag fällt. Da viele Leute an einem Samstag sowieso frei haben, ist der „Australia Day“ gar kein besonderer Feiertag, da man ja sowieso ausschlafen kann. Dementsprechend wird dieser „Public Holiday“ auf Montag verschoben und so haben alle, inklusive uns, am Montag frei. Dass wir das alles so toll finden, ist natürlich Ironie. Geht es bei einem Feiertag nicht eigentlich um den Tag bzw. den Anlass, und nicht um die Tatsache, dass man einen Tag weniger arbeiten muss?

27.1.2013

Wir beschließen, in die nächste Stadt nach „Healesville“ zu fahren um ein bisschen einzukaufen und uns gegen Abend noch mit Shaun, unserem australischen Freund zu treffen. Shaun fragen wir auch sofort nach dem Hintergrund des „Australia Days“. Shaun erklärt, dass er sich zwar freue, dass er morgen nicht arbeiten müsste, jedoch den Hintergrund für totalen Schwachsinn halte. Er erklärt, dass man an diesem besagten Tag die Vertreibung der Aboriginies feiere und dementsprechend „das Bestehen“ der australischen Rasse. Ich hatte bis jetzt noch nicht die Möglichkeit, das im Internet mal nachzuprüfen, wenn das jedoch stimmt, finde ich den Hintergrund dieses Tages ziemlich.. krass?

28.1.2013

Australia Day, Wuhu, schon wieder. Wir freuen uns alle einen Ast und fahren anschließend in die Stadt. Wir kaufen ein bisschen ein und rufen Ben mehr oder weniger in Dauerschleife an. Dieser blöde Chef, wozu hat er eigentlich ein Handy? Nachdem wir ihn irgendwann mal erreicht haben, erklärt er uns, er könne uns alle vier Morgen gebrauchen, es gebe wieder etwas zu „Botteln“, also Weinflaschen abfüllen. Klingt super, das haben wir schon mal gemacht, das letzte Mal gab es sogar ein paar Weinflaschen umsonst, besser kann es nicht laufen. Kurze Zeit später kommt eine Sms von ihm, in der steht, dass der Farmer einen neuen Reifen habe und so zwei Leute gebrauchen könnte.
???
Also so langsam glauben wir, dass der Kerl ein Rad ab hat.
Weitere zehn Minuten später schickt Ben uns die Adresse, wo er drei Leute zum Botteln gebrauchen könnte.
???
Wat’n nu? Hat er Arbeit für drei Leute? Für zwei? Fünf? Aber wir sind doch nur zu viert! Janne beteuert, dass er zwar gerne in unserer Reisegruppe mitreist, dass er mit auf die Arbeit kommt, könnten wir uns jedoch abschminken. Was für ein verwirrter Chef. Hat der zu viel Wein getrunken?

29.1.2013

Über Nacht hat er uns noch eine Sms gesendet, dass er drei Leute bei dem Mann mit dem kaputten Traktor braucht. Irgendwie schaffe ich es schon wieder mich aus der Affäre zu ziehen und schicke Marius zusammen mit Tuna und Simon los. Janne und ich gehen derweil in die Stadt. Ich habe gehört, dass ein Motorradführerschein in Australien sehr einfach zu machen sei. Ich suche mir im Internet zwei Adressen von zwei Fahrschulen raus und beschließe gleich mal vorbei zu fahren. Die erste Adresse gibt es gar nicht und die zwei liegt in einem Vorort einer noch nicht gebauten Stadt, also irgendwo im nirgendwo. Schlussendlich finde ich in einem Motorradladen Auskunft und der freundliche Inhaber schreibt mir die Adresse von einer Fahrschule raus. Nachdem ich auch dahin gegurkt bin, werde ich von einer sehr unfreundlich Dame begrüßt, die mir eine Broschüre in die Hand drückt und ca. 25 Mal beteuert, dass sie keine Ahnung habe und Motorräder sie nicht interessierten. Die Broschüre verspricht mir, dass ich innerhalb von spätestens zwei Tagen meinen Führerschein habe und dieser mich nur 400$ koste. Außerdem darf ich mit einem netten Honda Motorrad fahren. Klingt viel versprechend. Schlussendlich rufe ich bei der Broschüre an und eine sehr nette, jedoch elektronische Frauenstimme versichert mir, dass ich nicht mehr allzu lange warten müsste, ich jedoch mit der Hotline eine sehr gute Wahl getroffen hätte. Offenbar keine gute Wahl, sonst wäre ich ja nicht in der Warteschleife, nach zehn Minuten werde ich jedoch schon verbunden. Mir wird erklärt, dass ich erst meinen internationalen Führerschein auf einen „Victoria Roads“ Führerschein umschreiben lassen muss, damit ich einen Führerschein machen kann. Anschließend werde ich in das zwei Tages Programm aufgenommen und kann so eine „Learner Permit“ machen, d.h. ich darf auf den Straßen des Staates Victoria mit einem Motorrad rumfahren, so lange ich mir eine gelbes und lächerliches „L“ an das Nummernschild hänge. Das „L“ berechtigt mich mit einem Motorrad zu fahren, jedoch ohne Sozius und nur Tagsüber. Nach drei Monaten darf ich dann mein lächerliches „L“ gegen einen echten, australischen Führerschein eintauschen. Den darf ich mir dann in Deutschland zu einem internationalen Führerschein umschreiben lassen und darf ihn dort auch weiternutzen. Die werte Dame ist sich jedoch nicht sicher, ob ich, als Ausländer, länger mit dem gelben „L“ rum fahren muss. Also wende ich mich direkt an das Straßenverkehrsamt in Düsseldorf. Dort wird mir erklärt, dass ich sechs Monate mit den blöden „L“ rumfahren müsse, um einen gültigen Führerschein zu erhalten. Außerdem dürfte ich meinen Führerschein ausschließlich in Victoria abholen, müsste also die Zeit hier bleiben.

4.2.2013

Heute sollte ich mich eigentlich mit Simon zusammen um einen Job bemühen, um acht Uhr in er früh werde ich jedoch vom Handy geweckt und muss doch zur Arbeit. Marius und Tuna sind schon vorgefahren, da ursprünglich nur zwei Leute für die Arbeit vorgesehen waren. Beim „Netting“ geht es darum, riesige Netze über die Weinberge zu spannen, damit den ganzen Vögeln hier das Trauben naschen Unmöglich gemacht wird. Zwei Leute laufen hinter einem Trecker her, der mit einer riesigen und wackeligen Konstruktion die Netze verteilt.

5.2.2013

Good bye, Janne.

Heute bringen wir Janne, unseren Mitreiser, zum Bus. Tuna und ich haben es mal wieder geschafft uns erfolgreich aus der Affäre zu ziehen, wir schicken Marius und Simon auf die Arbeit und bringen Janne zum Bus. Unglaublicherweise haben wir es geschafft einen Parkplatz ohne Abschleppen, Strafen und sonstige unnötige blöden Sachen gefunden. Wir nehmen Abschied von Janne und,

Janne: die Zeit mit dir hier war wirklich sehr cool, wir hatten sehr viel Spaß. Ärgerlichweise hast du fast Nichts hier vergessen. Schade, Marius fand deine Jacke echt schön und ich mochte die schwarze Mütze. Wehe du kommst uns nicht besuchen, dann versteckt Marius wieder alle Sachen von dir ;-) .

6.2.2013

Da es mal wieder und angeblich zu „heiß“ zum arbeiten ist, haben wir mal wieder frei bekommen. Unsere Freude hält sich in Grenzen und wir beschließen nach Thomastown zu fahren. Thomastown ist ca. 80 Kilometer von unserem Campingplatz entfernt und liegt nicht am Strand. Eigentlich ein untypisches Reiseziel für Leute wie uns, ein Arbeitskollege von meinem Vater ist jedoch letztes Wochenende von Dabringhausen aus nach Melbourne geflogen und hat mir eine Hand voll Zeitschriften aus Deutschland mitgebracht. Meine Eltern meinten außerdem, dass sie mir noch eine Hand voll Haribo etc. mit eingepackt hätten und da haben Marius und ich uns das mit dem komischen Reiseziel natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Auf dem Rückweg fällt Marius auf, dass die Drehzahlanzeige nicht mehr funktioniert, außerdem stockt die Musik im Radio ständig. Echt nervig, welches Kabel ist denn jetzt schon wieder durchgebrannt? Wir beschließen vorerst weiterzufahren und zu hoffen, dass es kein teures Kabel ist. Dann fällt uns auf, dass die Batterieanzeige anzeigt, dass unsere Batterie komplett leer ist. Kein Wunder, dass wir keine Musik mehr hören können, wir halten an und machen prüfend die Motorhaube auf. Da wir allerdings nicht so viel Ahnung von Autos haben, entdecken wir nur einen Motor, jede menge Kabel und andere Metallteile, was davon jetzt kaputt sein könnte wissen wir auf Anhieb nicht. Was kann kaputt sein, wenn der Motor läuft, die Batterie jedoch keinen Strom mehr bekommt? Wir rätseln und tippen auf die Lichtmaschine. Da es sowieso noch hell ist, beschließen wir einfach ins Auto zu steigen und ohne Licht nach Hause zu fahren und uns morgen darum zu kümmern, da es sowieso schon anfängt zu dämmern. Ins Auto steigen klappt super, das mit dem „ohne Licht“ auch, das Fahren können wir uns jedoch abschminken, da unser Auto nicht mehr anspringt. Logisch, die Batterie ist ja leer. Tolle Wurst. Wieso bekommen Marius und ich eigentlich die ganze Zeit diese „tollen Würstchen“ ab? Wir beschließen die Wurst Wurst sein zu lassen und freuen uns lieber, dass wir am Hang geparkt haben und unser Auto einfach zur nächsten Tankstelle rollen können. Der Tankwart erklärt, dass es weit und breit keine Mechaniker gebe und dass auch er gerade keine neue Lichtmaschine dabei habe. Wäre auch viel zu einfach und schön gewesen. Im Grunde brauchen wir nur ein bisschen Energie für unsere Batterie, mit Starthilfe könnten wir also weiterfahren. Zum Glück haben wir Überbrückungskabel dabei und fragen so einfach jemanden der gerade tankt nach einem „Jumpstart“. Dank der Hilfsbereitschaft der Australier wird uns auf der Stelle geholfen. Desto länger wir die Überbrückungskabel anschließen, desto mehr wird unsere Batterie geladen und desto weiter können wir fahren. Marius schließt also schnell die Kabel an, während ich den Autobesitzer über Wind, Wetter und wundersame Kängurus zutexte. So schaffen Marius und ich es ca. 20 Sekunden rauszuhandeln und beschließen möglichst schnell weiterzufahren. Der Autobesitzer wirkt nach unserem abrupten Abbruch der Überbrückungsaktion leicht irritiert, Marius drückt derweil verstärkt auf Gas, um das Ausgehen des Motors zu verhindern. Auch das führt zu merkwürdigen Blicken an einer Ampel, an der wir mit ca. 4000 Umdrehungen im Leerlauf auf grün gewartet haben. Kurze Zeit später fahren wir auf einer Landstraße in Richtung Heimat und unser Auto beschließt mal wieder auszugehen und Marius setzt den Karren in den Graben. Na toll, jedoch haben wir mal wieder Glück im Unglück: ein Anwohner mit zwei Schnitzeln, in jeder Hand eins, hat die Aktion offenbar beobachtet und erklärt sich bereit, uns mit einem Jumpstart auszuhelfen. Er macht die Motorhaube auf und deutet mit vollem Mund auf die Lichtmaschine und gibt fragwürdige Laute von sich, die anhand seiner Gestik jedoch irgendwas mit der Lichtmaschine zu tun haben. Marius schließt wieder die Überbrückungskabel an und ich erkläre dem Schnitzel wieso und weshalb wir in Australien sind, wir schaffen es wieder 20 Sekunden rauszuhandeln. Unser Auto macht weitere fünf Kilometer mit und wir stehen wieder im Graben. Außerdem ist es mittlerweile dunkel, eine Fahrt ohne Licht ist also zu gefährlich. Wir Parken den Karren im Graben, zapfen uns ein wenig Wein ab und beschließen einfach, wie in alten Zeiten, zu wandern.

Diese ganze Aktion ist im Grunde genommen schon wieder total bescheuert, für uns jedoch in Australien irgendwie total normal. Unser Auto hat mal wieder irgendwelche Probleme und uns hilft ein Typ, der genauso viele Hände wie Schnitzel hat. Selbstverständlich gehen Marius und ich nicht einfach nach Hause und gut ist, nein, das ganze wird natürlich noch verrückter:

Nach ca. vier Metern werden wir mitgenommen von einem gut gelaunten Australier, ungefähr 25 Jahre und wenn ich schreibe „gut gelaunt“, meine ich: sehr gut gelaunt. Sein Slalomfahrstil ist zwar fragwürdig, jedoch auch irgendwie entspannend. Er fragt mich, ob ich in dieser Gegend schon Wombats gesehen hätte, ich verneine wahrheitsgemäß und er setzt sein Auto prompt in den Graben, macht seine Suchscheinwerfer an und erklärt, dass es an dieser einen Stelle immer welche gebe. Heute offenbar nicht, wir erkunden trotzdem weiterhin mit seinem vier Liter Dieselmotor den Graben und biegen schließlich wieder auf die Straße ab. Er fragt ob wir zur Zeit am arbeiten wären, ich verneine erneut wahrheitsgemäß und er bietet uns einen Job als Putzkraft in seiner Fabrik an. Wir? Reinigungsfachkraft? Das Letzte, das wir gewienert haben war unser Auto und das steht jetzt im Graben. Wir tauschen trotzdem die Handynummern aus und er bringt uns tatsächlich bis zu unserem Trailer. Sehr freundlich.

7.2.2013

Vorgestern haben wir auf unserem Campingplatz im Busch zwei weitere deutsche Backpacker kennengelernt. Benny und Kevin sind beide mitte 20 und Benny hat Maschinenbau studiert und vor kurzem ist sein Differential am Auto kaputt gegangen, das er anschließend eigenständig ausgetauscht hat. Er klärt sich bereit, mit Marius zu einem Schrottplatz zu fahren um eine neue Lichtmaschine zu organisieren und diese gleich einzubauen. Nach mehreren Stunden Arbeit läuft unser Auto wieder, vielen Dank noch mal Benny.

8.2.2013

Heute ist Freitag, endlich Wochenende. Haha, höhö und noch mal haha, wir haben sowieso immer frei. Wir sind zu sechst und beschließen ein wenig Urlaub von den freien Tagen zu machen und zu Wilsons Promontory zu fahren. Wilsons Prom. ist ein großer Nationalpark an dem auch der südlichste Punkt Australiens liegt. Reisegruppe „ab in den Süden“ bricht gegen Mittag auf und kommt gegen Abend auf den überfüllten, jedoch freien Campingplatz an. Wir feiern in Simons Geburtstag rein, machen ein kleines Feuer und diskutieren über Gott und die Welt.

9.2.2013

Heute wollen wir in den Nationalpark, zuerst an einen Strand und gegen Nachmittag wollen wir einen der zahlreichen Berge besteigen. Der „Whisky Bay“ hat nicht nur einen coolen Namen, bis zu drei Meter hohe Wellen sorgen für eine geile Zeit im Meer.
Der Mount Oberon ist mit 580 Metern der höchste Berg im Nationalpark und der Anstieg dauert mehr als eine Stunde, lohnt sich aber. Auf dem Heimweg sehen wir jede Menge Wombats, da hätte der Typ seinen Karren letztens noch nicht Mal in den Graben setzen müssen.

10.2.2013

Heute fahren nur Marius, Tono und ich in den Nationalpark, der Rest unserer fröhlichen Gemeinde beschließt sein Glück im Angeln zu versuchen. Wir fahren zum „squeky beach“ und, der Strand macht seinem Namen tatsächlich alle Ehre (squeeze= quitschen): beim Betreten des Strandes fällt uns auf, dass dieser komische Quitschgeräusche von sich gibt. Quitschvergnügt gehen wir ins Wasser und laufen anschließend einen anderen Berg hoch. Auch hier ist die Aussicht wieder mal unglaublich.

11.2.2013

ALAAF! Ein großes ALAAF! aus Australien an alle Jecken und ein „helau“ an alle die, die keine Ahnung haben.
Wir fahren zurück in unseren alten Park und fühlen uns heimisch.

13.2.2013

Wir suchen die ganze Zeit nach vergeblich nach Arbeit, manchmal können wir jedoch beim Ben arbeiten. Wir haben ein großes Franzosencamp neben uns, von denen hat keiner Arbeit. Franzosen sind hier wo wir arbeiten sehr ungerne gesehen, im Internet findet man häufig Arbeitsangebote mit der Überschrift „no french people“, wenn man sich bei Weingütern vorstellt, werden wir meistens zuerst gefragt, aus welchem Land wir kommen. Die Franzosen haben es dementsprechend noch schwieriger, einen Job zu finden, unsere französischen Nachbarn sind laut Aussagen komplett pleite.

Dienstag, 22. Januar 2013

Tuna, Simon und ein ziemlich teurer Parkplatz

14.1.2013

Es ist mal wieder unglaublich heiß und da wir mittlerweile zu fünft sind, beschließen wir, irgendwo hin zu fahren, wo es klimatisiert ist und so reisen wir in die nächste Bücherei. Wir haben Spaß mit dem kostenlosen Internet und genießen die Temperatur. Nichtsdestotrotz sind Marius und ich noch auf der Suche nach Arbeit. Beim Ben, unserem ehemaligen Chef, haben wir sicherlich einen Stein im Brett, seitdem ich ihm letztens die Leute von der Arbeitsagentur auf den Hals gehetzt habe, weil er nicht zahlen wollte. Ich rufe ihn an und er erklärt, dass er zur Zeit keine Arbeit habe. Ich gebe Bens Nummer an Arne und Tobi (die anderen beiden Backpacker) weiter und Ben sagt, sie könnten morgen anfangen. Alles klar, das war’s dann wohl mit dem Weinberg.
Gegen Abend kochen wir zusammen und Tobi ruft einen anderen Arbeitgeber an, bei dem er vorher schon mal mit Arne zusammen gearbeitet hat, der Arbeitgeber hat morgen Arbeit für vier von uns. „Juhu, endlich wieder in die Firma“ freut sich Marius und auch ich freue mich auch über Arbeit.

15.1.2013

Die „Firma“, wie Marius es stets nennt, ist eigentlich gar keine Firma sondern nur eine Garage in der wir Tomaten sortieren. Wir sortieren nach Größe, Farbe, Lust und Laune, immer wenn wir zwölf kleine Päckchen voll haben, sortieren wir diese in einen Karton und pro Karton bekommen wir zwei Dollar. Das ist das erste Mal, dass wir keinen Stundenlohn haben sondern nach Menge bezahlt werden, dieses Mal heißt es „auf Zeit“ arbeiten, nicht „zeitweise“ mal arbeiten. Irgendwie hat uns der andere Job besser gefallen, da hat man auch viel mehr Geld verdient. Nachdem wir alle Tomaten fleißig einsortiert hatten, kam eine Lieferung Brombeeren und Himbeeren, insbesondere bei den Himbeeren war es schwierig, aufeinen Stundenlohn von mehr als acht Dollar zu kommen, das ist hier so gut wir gar Nichts. Ein Glück ist gar nicht mehr so viel zu tun, gegen 17 Uhr machen wir Feierabend, am Samstag können wir wieder arbeiten. Super! Verlängertes Wochenende! Das passt uns super, wir kaufen alles für einen Grillabend (Fleisch, Goon) ein. Der Abend mit den anderen Backpackern ist sehr lustig und wir bleiben lange auf.

17.1.2012

Unser glorreiches Quintett hat beschlossen, nach Melbourne zu fahren, Tobi und Arne heißen ab jetzt Tuna und Simon, da Marius mit den Namen durcheinander gekommen ist. „Reisegruppe Melbourne“ bricht gegen Mittag auf und kommen am frühen Nachmittag am Strand in Melbourne an, und das ist auch gut so, da es heute unglaublich heiß ist. Wir bleiben sehr lange im Wasser und fahren anschließend zu Freunden von Tuna und Simon, die hier studieren und ein Haus gestellt bekommen haben. Heute Abend wollen wir das Nachtleben in Melbourne mal unter die Lupe nehmen. Eine Lupe brauchen wir auch, in der Nacht lebt leider gar nicht so viel wie erhofft, die meisten Clubs oder Pups haben entweder ab ein Uhr nachts geschlossen, oder sind unbezahlbar. Im „Luna Park“ haben sich zwölf Trommler eingefunden, die auf ihrer Trommel trommeln und so einige begeisterte Trommelfans um sich scharren. Wir hören den Trommlern eine Zeit lang zu und fahren anschließend mit der ersten S-Bahn nach Hause. Tuna kennt sich am Besten von uns in Melbourne aus und so sind wir auch schon gegen Sonnenaufgang zurück in der Wohnung, in der wir auch übernachten dürfen.

18.1.2012

Nachdem alle ausreichend geschlafen und gefrühstückt haben, brechen wir auf in Richtung Melbourne. Wir wollen auf den Victoria Market, ein sehr großer und berühmter Markt in Melbourne, der allerdings nur bis 17 Uhr geöffnet hat. Da wir sowieso mal wieder spät dran sind, beschließen wir, nicht außerhalb von Melbourne zu parken sondern diesmal gleich in der Innenstadt. Die Schilder sind unschlüssig, wir sind uns aber sicher, dass wir auf den Platz wo wir stehen, auch stehen dürfen. Parkhäuser kosten in der Innenstadt 17$ pro Stunde. Der Victoria Market natürlich schon um 16 Uhr vorbei und nicht wie ausgeschrieben um 17 Uhr, wir lassen und jedoch mal wieder nicht aus der Ruhe bringen und traben zurück Richtung Auto.

Kennt ihr den Moment, wenn man in ein Parkhaus geht und sich so denkt:“ Ey man, wo ist mein Auto?“ Auf größeren Parkplätzen passiert das auch schon mal. Unser Auto haben wir in der Victoria Street stehen lassen, als wir jedoch auf das schwarze Stück Asphalt geblickt haben, auf dem vorher unser Auto stand, hatten wir leider keinen dieser „Ey man, wo ist mein Auto?“ Momente, das war mehr so ein „F*?k, mein Auto ist weg!!“ Moment. Unser Auto ist weg. Aber wo ist es? Geklaut? Schließlich entdecken wir auf dem Schild ein kleines, rotes „C“ und eine Aufschrift, die uns verbietet zwischen 16 Uhr und 18 Uhr dort zu parken, sonst darf man so lange dort stehen wie man will. Wir haben 16:20 Uhr. Auf der Parkuhr entdecken wir einen kleinen Sticker, auf dem eine Telefonnummer vom Abschleppdienst steht. Die elektronische Frauenstimme verrät mir, dass ich mein Auto am anderen Ende der Stadt wieder abholen kann, 322$ kostet uns der Spaß. Ironischerweise liegt der Abschleppdienst genau auf der Straße, auf der wir ursprünglich und umsonst Parken wollten. Dort angekommen warten ca. 15 Leute mit uns zusammen an der Kasse um ihr Auto abzuholen, der Abschleppdienst ist nur für die Innenstadt von Melbourne. Anscheinend sind wir nicht die einzigen, die das mit den Schildern nicht auf Anhieb verstanden haben. Kleinen rotes „C“ bedeutet also: Abschleppen. Die Innenstadt ist noch mal in drei Bezirke aufgeteilt die natürlich auch noch mal unterschiedlich viel kosten, ein Glück haben wir uns den günstigsten Abschlepptarif ausgesucht. Und wenn das alles wäre: Da wir auf dem falschen Parkplatz geparkt haben, sind wir logischerweise Falschparker, das belohnt die Stadt mit weiteren 141$. Dagegen ist falsch Parken in Deutschland ja ein Schnäppchen. Ab 16 Uhr durfte man da nicht mehr parken, wir haben um 16:04 das Parkticket für’s falsch Parken bekommen und wurden um 16:11 abgeschleppt. Das nenn ich mal Service!!!
Andere Leute kaufen sich einen Parkplatz für 17$ die Stunde und wir leisten uns gleich den Premiumplatz mit Überraschungseffekt. Na ja, immerhin wissen wir jetzt, wie viel der teuerste Parkplatz in Melbourne kostet: 463$.

19.1.2013

Auf geht es wieder in die Firma, Himbeeren sortieren und Brombeeren stapeln. Wir lassen uns auch nicht mit der Sache mit dem Parken aus der Ruhe bringen. Viel wichtiger ist, wir brauchen jetzt wieder einen Job! Ben, der ehemalige Traubenpflückerchef geht nicht mehr an sein Handy und Tuna und Simon wollten ja eigentlich auch schon für ihn arbeiten, haben es jedoch mangels Erreichbarkeit seinerseits nicht geschafft ein Treffen o.Ä. zu arrangieren. Schließlich nehme ich unser Handy, stelle ein, dass der Angerufene meine Nummer nicht sehen kann und rufe erneut an. Dieses mal melde ich mich nicht wie sonst immer unter dem Namen „Steve“, sondern „Steffähn“, mit einer langen Betonung auf dem „äh“. Ben sagt, dass er gerade noch vier deutsche Backpacker gebrauchen kann und wir sind eingestellt. Ha!, was für ein Idiot. Wir stapeln und verpacken noch ein paar Beeren, fahren nach Hause zum Campingplatz und freuen uns.

21.1.2013

Um 7:30 sollen wir da sein und sind pünktlich wie die Maurer eine halbe Stunde zu früh. Chris, unser Supervisorin, also die Chefin, kennen Marius und ich noch vom letzten Jahr, da wir auch schon mal mit ihr gearbeitet haben, ist auch schon da und freut sich, dass wir so pünktlich sind. Unsere heutige Arbeit nennt sich „botteln“, wir füllen Weinflaschen ab. Dafür hat sich das Weingut eine mobile Bottelmaschine kommen lassen, in einem Truck werden die Flaschen erst gereinigt, abgefüllt, Drehverschluss bzw. Korken drauf gepresst, etikettiert, in Kartons gelegt und gestapelt. Marius und Simon haben die Kartons gestapelt während Tuna die Flaschen in die Kartons gelegt hat und ich die Flaschen vorne in die Maschine gestellt habe. 27.428 Flaschen haben wir an dem Tag abgefüllt, alle 1,167 Sekunden stellt die Maschine eine Flasche fertig. Nach elf Stunden werden wir auf ein Bier eingeladen und das Weingut schenkt uns 13 Flaschen Wein.

22.1.2013

Ben schreibt uns um fünf Uhr morgens, dass er heute nur zwei von uns vieren gebrauchen kann. Marius und ich bringen Tuna und Simon zur Arbeit und gehen etwas in die Stadt, da wir unser Auto mal richtig gründlich reinigen wollen. Die Staubsauger in der Waschstraße erinnern an einen „einarmigen Banditen“ aus Las Vegas, viele bunte Farben und Leuchtschriften versuchen einen davon zu überzeugen, sein Auto mit einer Sprühpistole von innen einzusprühen, um anschließend einen feschen Erdbeer- oder Vanilleduft im Interieur zu haben. Echt verrückt, diese Australier.

Sonntag, 13. Januar 2013

Knust, ein Pool und eine Baracke

4.1.2013

Es ist.. ähm, Montag? Freitag? Fest steht, dass wir irgendeinen Tag und nicht Nacht haben, dementsprechend fahren wir in die Stadt und gucken, was man hier so treiben kann. Die Stadt Yarra Junction ist nicht sonderlich groß und deswegen kann man auch nicht viel treiben. Wir setzen uns in die Bücherei und laden sämtliche Elektrogeräte auf und gehen im Schwimmbad duschen. Heute Abend wollen ein paar Schwaben, die wir auf der Arbeit kennengelernt haben zu Besuch kommen, sie kommen gerade von der „Great Ocean Road“ und sind verständlicherweise voll mit positiven Eindrücken der bewundernswerten Naturwunder. Außerdem lehren sie uns wie kreativ man mit der deutschen Sprache umgehen kann: abgesehen von dem lustigen Akzent gibt es auch jede Menge neue Wörter.

Gestern haben wir ein paar Deutsche getroffen, die sich in Sydney kennengelernt haben und aus vier verschiedenen Himmelsrichtungen Deutschlands kommen, deswegen gibt es einige sprachliche Streitigkeiten. Die vier haben sich gestern den ganzen Abend über die Existenz von Wörtern wie „Tuschkasten“ (Kasten mit Wasserfarben), „Knust“ (Endstück vom Brot), oder „ich hab da keinen Turn drauf“ ( modern für: kein’ Bock) gestritten. Nachdem sich die Schwaben zu uns gesetzt hatten und fest behauptet haben, dass das Endstück vom Brot nicht wie Marius und ich gesagt haben „Knäppchen“ heißt, sondern „Riebele“, war der Diskussion gar kein Ende mehr zu setzen.

5.1.2012

Wir haben Januar und es ist komischerweise sehr heiß. Gestern Abend haben wir mit den Schwaben zusammen ums Lagerfeuer gesessen und Geschichten aus Australien ausgetauscht. Marius, Janne und ich sind uns einig, dass der Dialekt der Schwaben uns zwar amüsiert, jedoch in manchen Fällen schwer ernst zu nehmen ist. Wir haben jedoch jede Menge Spaß zusammen.
Abends gehen wir einkaufen und lernen ein paar Mädchen aus Berlin kennen, sie beschließen kurzfristig mit uns zu kommen, damit sie auf ihrem Campingplatz keine weiteren Gebühren mehr zahlen müssen. Die Mädchen aus Berlin behaupten doch tatsächlich, dass man das Endstück vom Brot „Kanten“ nennt. „Kanten“, „Riebele“, Knust“ oder „Knäppchen“, fest steht, dass die letzte Scheibe nicht die Leckerste ist.

7.1.2013

Das Wetter ist unglaublich warm und wir beschließen, in die Library zu fahren. Vorher müssen wir noch zu einem Reifenhändler, um unseren platten Reifen reparieren zu lassen. Den Rest des Tages verbringen wir in der Bücherei und genießen die Klimaanlage und das freie Internet. Da uns unser Chef unser Geld immer noch nicht überwiesen hat, suche ich im Internet nach Hilfe. Eine Art Arbeitsagentur verspricht im Internet sich um so was zu kümmern. Ich rufe Ben erneut an und spreche ihm auf die Mailbox, dass er bald Post von der Arbeitsagentur bekomme, sofern ich nicht langsam mal mein Geld bekomme. Da er meinen Anruf nicht beantwortet, setze ich meine Drohung in die Tat um und kontaktiere die Arbeitsagentur. Ca. fünf Minuten später bekomme ich einen Anruf von Ben und er entschuldigt sich für das Dilemma und erkundigt sich nach unserem Bankkonto. Na also, geht doch.

9.1.2013

Ben, unser alter Chef, meldet sich nicht mehr und ob er weiterhin Arbeit für uns hat ist unklar. Wahrscheinlich mag er uns seit gestern sowieso nicht mehr allzu gerne. Die Schwaben beschließen das Feld zu räumen und brechen auf. Da die Mädels aus Berlin am arbeiten sind, beschließen wir etwas aufzuräumen um anschließend in Ruhe zu kochen und anschließend ein paar Filme zu schauen.

10.1.2013

Da wir voraussichtlich auch bald weiterreisen werden, beschließen wir noch mal nach Melbourne zu fahren. Unsere Freunde haben uns ein Paket per Post geschickt, dieses sollte mittlerweile angekommen sein. Ich habe schon öfters bei dem Postamt angerufen, abgesehen von extra langen Warteschleifen und überflüssigen Infos über die australische Post konnte ich jedoch bis jetzt nicht in Erfahrung bringen. Wir gehen also zum Postamt und, siehe da, das Paket ist endlich da!!!

Das Paket enthält:

-Vier Boxershorts (Danke, wir wollten sowieso noch mal wechseln)

-Jede Menge Briefe (Danke, der Marius hat bei dem ganzen Papierkram zwar fast einen Anfall bekommen, wir haben uns jedoch total gefreut!!!!)

-Ein Kochbuch (Danke Mama, aber was ist bitte „Fenchel“?!?)

-Ein Stück Tannenbaum (auch hier Danke dafür, leider hat der Ast die Reise nicht so richtig überlebt, das Ankleben der Nadeln erschien uns zu stressig und dementsprechend ist und bleibt der Ast braun)

-Ein Kölnaufkleber fürs Auto (Auch hier Danke, wir sind garantiert die Einzigen die so was hier haben)

-Ein Satz Gitarrensaiten und ein Plektron (Danke Tobi, der Kram ist hier ein Vermögen wert)

Vielen Dank geht insbesondere an Jan und Sabi, da die beiden das Paket verschickt haben. Vielen Dank auch an alle anderen die sich mit Zettel und Stift bewaffnet haben (und nicht wie der Herr Helmer „Kosten und Mühen“ gescheut haben, kleiner Spaß am Rande ;-) ) und uns dieses Paket gesendet haben.

11.1.2013

Da wir gestern zu viel mit dem Paket beschäftigt waren und zu allem Überfluss auch noch keinen Parkplatz gefunden haben, ist unser Tag in Melbourne mehr oder weniger ins Wasser gefallen. Also beschließen wir noch mal aufzubrechen. Am frühen Morgen kommt ein Ranger vorbei (ein Ranger ist sozusagen ein Polizist, der sich nur um Wälder und Natur kümmert) und erklärt, dass ab heute absolutes Lagerfeuerverbot gelte, da es sehr heiß werde. Wir beschließen kurzerhand an den Strand zu fahren und genießen das Wetter in vollen Zügen.

Anschließend hat uns ein Kumpel namens „Shaun“ auf eine Geburtstagsparty eingeladen in Healesville, in der Nähe von dem Dorf in dem wir campen. Vorher besuchen wir noch einen anderen Kumpel in Melbourne, der gerade bei Bekannten auf einem „Chillerabend“ ist. Dieser Chillerabend findet in der letzten Baracke statt, die man sich vorstellen kann: Ca. 15 Jugendliche leben zusammen in einem Haus, es tropft Wasser von der Decke, alle Möbel sind zertreten, es stinkt, in der Küche steht nur ein einziger Campingkocher im Wert von zehn Dollar, die Toilette ist.. Okay, ab hier hört die Sache an untauglich für den Blog zu werden. Wir sind so dreist und schießen ein paar Fotos und machen uns auf den Weg zu Shaun. Shaun lebt mit einem Kumpel und seiner Freundin zusammen in einem Haus. Eine Freundin feiert Geburtstag und wir werden freundlicherweise eingeladen. Zum Glück ist diese Poolparty das exakte Gegenteil von der Bruchbude in der wir vorher waren, die Leute sehen aus wie echte Menschen und das Haus scheint von einer Familie bewohnt zu sein. Wir feiern mit den Australiern bis in die späte Nacht und haben jede Menge Spaß.

12.1.2013

Shaun ist völlig verkatert und auch wir drei sind uns einig, dass unser Kopfweh beweist wie toll die Party war. Sehr toll. Wir frühstücken bei Subway und anschließend tauschen Shaun und ich Musik aus. Die Australier haben einen sehr interessanten und eigenen Geschmack, sehr cool.
Der Reifenhändler scheint nicht der beste Mann seines Faches zu sein, der Reifen ist schon wieder platt, obwohl wir ihn bis jetzt noch nicht montiert haben. Na toll.
Gegen Abend kommen zwei weitere deutsche Backpacker vorbei und wir tauschen mal wieder unsere Lebensgeschichten aus.

Donnerstag, 3. Januar 2013

Eine Traubenschlacht, ein weit entfernter Busch und komische Postangestellte

14.12.2012

Nach dem wir gestern sehr entspannt Heu durch die Gegend getragen haben, haben wir unseren neuen Job natürlich erst mal gefeiert. Wir haben uns ins Zelt gesetzt und gehofft, dass der Dauerregen endlich aufhört. Außerdem wollte sich unser Boss nicht melden und uns sagen, wo er uns heute sehen will. Heute morgen um 5:20 kam erst die Adresse per Sms. Das war auch ungefähr der Moment in dem ich mich gefragt habe, warum ausgerechnet Marius und ich den angeblich verregnettesten Winter und Frühling miterleben dürfen.
Unsere heutige Mission lautet: Wire lifting, oder auch: faul sein und abhängen. Die Weinroben in den Weinbergen wachsen an diesem „Wire“ hoch und werden so stabilisiert, unsere Aufgabe ist es, das Kabel, also das „Wire“ rauszuziehen und 30cm höher wieder anzubringen. Da sämtliche Vorrichtungen schon da sind, müssen wir nur einmal an dem Kabel ziehen, es hochdrücken und einhaken. Wir arbeiten mit einem Iren und zwei anderen Deutschen zusammen. Chris und Kevin kommen aus Köln und Solingen, wir verstehen und prächtig und dadurch wird unser Arbeitstempo selbstverständlich (fast) gar nicht beeinträchtigt. Unser unmotivierter „Supervisor“, also der Chef, scheint sich sowieso gar nicht dafür zu interessieren was wir so treiben.

15.12.2012

Endlich Wochenende, haben wir uns aber auch verdient nach diesen neun ultra harten Arbeitsstunden. Haha.
Gegen Abend kommen Chris und Kevin vorbei und bringen Bier mit. Ihr weißer Bus fällt durch eine sehr elegante Kuh-Optik auf. Wir machen ein kleines Lagerfeuer und trinken Bier. Nieselregen, Lagerfeuer, Bier, in solchen Momenten vergisst man doch glatt, dass man in Australien ist und nicht in Deutschland.

16.12.2012

Juhu, es regnet. Gegen Nachmittag fängt das Wetter endlich an besser zu werden und Marius und ich ergreifen sofort die Gelegenheit und trocknen unsere Arbeitsklamotten, die seit Freitag total nass sind.

17.12.2012

Ich hasse Montage.

18.12.2012

Happy Birthday to me! Um Punkt zwölf singt Janne mir ein Ständchen und Marius schläft zum Rhythmus. Weitere fünf Stunden später klingelt auch schon mein Wecker. Puh, habe ich ein Glück, dass ich das Geburtstagskind bin. Das Geburtstagskind darf nämlich entscheiden.

„Das Geburtstagskind will ein super Sandwich zum Frühstück und Kaffee und Sonne und Fritten und ich will nach Köln und was leckeres zum Essen und für die Arbeit ebenfalls!“

Wie im Flug hat Marius Messer, Schere und Brot zusammengesucht und mir ein ansehnliches Riesenbrot geschmiert.
Unsere Arbeit besteht heute, genau wie gestern, aus gar Nichts tun und Konversation führen. Unser 14-köpfiges Team besteht aus:

-Vier weiteren deutschen, die seit drei Wochen hier arbeiten und sich in Sydney kennengelernt haben.

-Ein anderes deutsches Pärchen, Vivian und Viviane (Vivian ist offenbar auch ein männlicher Vorname) könnten optisch sogar Geschwister sein.

-Zwei unmotivierte Engländer

-Zwei unglaublich motivierte Australier, Marius, mir und zwei ältere Supervisor (Aufsichtspersonen).

Wir sollen den ganzen Tag wieder „Wire Lifting“ machen. Da die „Wire“ aber schon „gelifted“ sind, können wir heute noch nicht mal so tun als würden wir arbeiten.
Nachdem wir alle Pausen verdoppelt hatten und die Arbeit dementsprechend kürzer und entspannter ausgefallen ist, war auch schon Feierabend.
Die Arbeit ist wirklich ein schlechter Witz. Nachdem wir die bereits gelifteten Wires noch mal geliftet haben wechseln wir den Ort und arbeiten auf einem anderen Weinberg weiter. Hier sollen wir irgendwelche Weinroben beschneiden, wir haben allerdings bis heute nicht verstanden, welchen Teil wir abschneiden sollen und welchen nicht. Abgesehen von den beiden motivierten Australiern hat das offenbar niemand so richtig verstanden: die zwei Engländer sitzen einfach nur auf dem Boden rum, Vivi& Vivi laufen total verplant über das Feld und Marius und ich liefern uns eine filmreife Traubenschlacht mit Nahkampfszenen und Distanzschüssen mit den anderen Backpackern.

Wir haben beschlossen, meinen Geburtstag mit Chris und Kevin auf deren Campingplatz zu feiern, hier leben auch die anderen deutschen Backpacker. Wir machen zusammen ein sehr leckeres Barbeque und alle Leute tanzen nach meiner Pfeife, da das Geburtstagskind ja entscheiden darf. Echt total klasse, so’n Geburtstag.

Ich bekomme von Janne eine Kiste Bier geschenkt, vielen Dank noch mal.

20.12.2012

Wunderbar, gestern haben wir genauso viel Nichts gemacht wie die vorherigen Tage, heute bekommen wir dafür noch Unterstützung von Chris und Kevin. Die Supervisor erklären uns, sie freuten sich sehr bald auf Weihnachten und die Arbeit sei eigentlich egal. Dieser blöde Arbeitstag ist unglaublich langweilig, abgesehen von der Traubenschlacht. So stellen wir uns eine Klassenfahrt mit der 10a der Rüdli Hauptschule aus Berlin vor: Man macht nur Blödsinn und hofft, dass man nicht von Lehrern, bzw. Supervisorn gesehen wird, ein paar Leute sprechen kein Deutsch, die Aufsichtspersonen sind total genervt und keiner Bock auf die Tätigkeit, die wir angeblich machen sollen.
Abends gehen wir wieder zu Chris und Kevin auf den Campingplatz und machen mit den anderen Backpackern eine Abschiedsparty, da der Großteil von ihnen vor hat morgen aufzubrechen. Wir feiern bis in die späte Nacht, die Weinfarm, auf der wir heute gearbeitet haben, kann uns nicht ernsthaft erzählen, dass es noch etwas zu tun gebe, dementsprechend stellen wir uns vorsichtshalber darauf ein, dass wir morgen ausschlafen können.

21.12.2012

Da heute sowieso die Welt unter geht, kommt uns die Sache mit dem Ausschlafen gerade recht. Was tut man an so einem apokalyptischen Freitag? Konto auflösen? Sich betrinken? Kurve kratzen? Armageddon feiern und durch die Gegend eiern? Wir beschließen, Letzteres zu tun und besuchen Chris und Kevin. Marius hat sich leichtfertig mit einem Flip Flop bekleidet und nachdem Zeh auf Wurzel gestoßen ist und das Blut fließt, beschließt er, vorsichtshalber bei Chris und Kevin zu bleiben. Janne und ich versuchen währenddessen meine Kamera zu reparieren, da diese den Geist aufgegeben hat. Nach kurzer Zeit bemerken wir, dass hier kein technisches Geschick auf Ratlosigkeit trifft und so treffen wir den Entschluss kurzerhand in die nächste Stadt zu fahren, um jemanden zu suchen der etwas mehr Geschick und Rat hat. Im nächsten Kameraladen rät man mir, es wäre geschickter, eine neue Kamera zu kaufen, da eine Reparatur mehr koste als eine Neue. Tolle Wurst, aber garantiert nicht vor Weihnachten.

22.12.2012

Immer noch kein Weltuntergang in Sicht! Echt langweilig, dann brauchen wir ja doch noch einen Tannenbaum. Heutige Mission: Tannenbaum kaufen! Wir durchqueren gefühlte 15 Einkaufszentren, bis wir schließlich im Coles Supermarkt eine astreine Plastiktanne im Miniformat finden. Normalerweise sind Bäume die astrein sind, also ohne Äste, nicht so gut, aber bei unserem Plastikbusch mit tollen Lampen die die Farbe wechseln, machen wir eine Ausnahme. Tolles Teil! Im benachbarten Schrottladen, wo es Krempel den niemand wirklich braucht zum halben Preis gibt, schießen wir noch drei tolle Nikolausmützen und so kommt richtige Weihnachtsstimmung auf.

24.12.2012

Weihnachtszeit, Weihnachtszeit, sagt allen bescheid!

Bescheid.

Wir haben trotz der Tanne und den albernen Mützen echt kein Weihnachtsfeeling, das Wetter ist nicht so gut und das bremst unsere Laune ein Stück. Chris und Kevin haben mit ihrem Kuhauto bei uns übernachtet und treten gegen elf Uhr den Heimweg an. Sie erzählen, sie hätten sich gestern auf einer Gravel Road, also einer unbefestigten Straße, irgendwo mit ihrer Kuh im Wald verirrt und sie hätten dank der miserablen Straßenverhältnisse starke Probleme mit ihrer Kuh gehabt. Tja, so eine Kuh hat eben kein Allrad! Unser Pajero ist natürlich keine Kuh und kann deswegen die Ruckelpiste passieren. Wir machen einen Ausflug zu fünft und kommen an coolen Fotospots vorbei.
Desweiteren folgt ein Billiardtunier auf dem Campingplatz. Marius und mir macht das Kugelstoßen prächtig Spaß und merkwürdigerweise stehen Marius und ich uns im Finale gegenüber und können gar nicht verstehen warum wir da sind, haben wir das Spiel doch nur so gerade verstanden. Billiard ist in meinen Augen übrigens kein Sport sondern ein Spiel. Nachdem wir stundenlang irgendwelche blöden Rückrunden gespielt haben (die Anderen konnten ebenfalls nicht glauben, dass Marius und ich die Finalisten sind) geht es los zum Pizza essen. Verplant wie wir eben sind, hat es schon bald zehn Uhr geschlagen und die meisten Restaurants etc. haben schon geschlossen. In einer einzigen Pizzeria brennt noch Licht und die italienische Mama Mia belegt noch ein paar letzte Pizzen, bevor sie die Feiertage einleitet. Genau hier ordern wir auch unsere Pizzen zu super Preisen. Gegessen wir am Campingplatz. Tolle Weihnachten, wir sitzen um elf Uhr Abends in einer verlassenen Küche auf einem Campingplatz und essen Pizza. Der Höhepunkt sollte allerdings noch folgen: Chris spielt an seiner Pizza rum und entdeckt eine Küchenschabe unter dem Käse. Na toll, frohes Fest, ‚n Käfer im Essen, schlechtes Wetter und die Batterien im Plastikbaum zeigen uns jetzt, warum sie so günstig waren und geben den Geist auf. Wir haben zwar abgeklärt, dass ich im Blog schreibe, dass wir total tolle Weihnachten am Strand hatten, damit alle neidisch werden, aber ich habe mir überlegt, ehrlich zu bleiben.
Danach telefonieren wir noch mit unseren geliebten Freunden aus der Heimat und gucken Abends unseren lieblings Weihnachtsfilm „Schöne Bescherung“.

26.12.2012

Chris und Kevin sind mittlerweile nach „Cameron Corner“ aufgebrochen, da sie dort Silvester zelebrieren wollen. Dort trifft der Staat Victoria auf South Australia und New South Wales, dank der Zeitverschiebung zwischen den Staaten kann man dort in einer Stunde drei Mal Silvester feiern. Ist bestimmt auch lustig.

27.12.2012

So, das Fest ist überstanden. Wir haben es sogar total gut überstanden, wir leben noch und haben lediglich Rückenschmerzen von dem vielen liegen, das Wetter war nicht so klasse in den letzten Tagen. Immerhin haben wir den Trailer ordnungsgemäß bewacht, unsere einzigen Tätigkeiten haben sich auf ein paar Spaziergänge und ein paar Filme beschränkt. Was soll man auch tun, bei schlechtem Wetter?
Heute fahren wir nach Melbourne, unsere Freunde haben uns ein Paket zusammengestellt und es sollte mittlerweile da sein. Das Postamt in Melbourne hat allerdings geschlossen, am 31., pünktlich zu Silvester, soll es wieder offen haben. Da die Parksituation in Melbourne blöderweise echt mieß ist, fahren wir wieder heim und schauen einen der wenigen Filme, die wir noch nicht gesehen haben.

29.12.2012

Welcher Tag ist heute?

Wir haben mittlerweile echt den Überblick über solche „Nebensächlichkeiten“ verloren. Wir müssen niemals zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, da niemand uns zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sehen will und die Supermärkte haben auch Sonntags geöffnet.
Das Handy behauptet, wir hätten Donnerstag, wir schenken ihm glauben und beschließen zu Duschen. In der Stadt gehen wir ins Internet und machen ein paar Einkäufe.
Gegen Abend kommen ein paar Australier unseren Alters auf unseren Campingplatz und laden uns auf ein Barbeque ein, sehr nett von ihnen. Einer von ihnen sieht total blass aus und geht sehr früh schlafen, seine Freunde erklären uns, er sei schwer krank und habe nur noch drei Monate zu leben, echt krass was man hier stellenweise für Leute trifft.
Seine Freunde fragen uns was wir Silvester vorhaben und laden uns auf eine „Bushparty“ ein, das lassen wir uns selbstverständlich nicht zwei mal sagen.

31.12.2012

So, das Postamt in Melbourne hat wieder geöffnet und mit ganz viel Glück ist unser Paket schon da! Also, auf geht es nach Melbourne. Die Frau aus dem Postamt lässt mich wissen, dass die Pakete in die „Bourla Street Nr. 380“ umgeleitet werden, unser Navi lässt mich wissen, dass es diese Straße nicht gibt, zumindest nicht in Melbourne. Also zurück zum Postamt, eine andere Angestellte entschuldigt sich für den Fehler und korrigiert den Namen in „Bourke Street“, das Postamt habe heute allerdings geschlossen. Schon wieder so ‚ne tolle Wurst. Was noch viel nerviger ist, unser Chef hat und unser Geld noch nicht überwiesen, alle anderen Backpacker, die für ihn gearbeitet haben, haben mir gesagt, dass er normalerweise sehr zuverlässig sei, was die Zahlungen betreffe. Vielleicht hat der Kerl auch einfach nur Urlaub gemacht und sein Handy mal weggesperrt, ich habe ihm bereits mehrere Sms Nachrichten gesendet und möchte ihm jetzt nicht auf die Nerven gehen.
Also, auf geht es in den Busch zu der Buschparty. Die Party ist zwar 150Km entfernt, wir waren uns jedoch einig, dass wir alle schon sehr viele Feuerwerke gesehen haben und dass wir so mal in den Busch gehen können und das berühmte Feuerwerk in Melbourne verpassen können. In Australien ist es verboten, Feuerwerkskörper zu verkaufen, dementsprechend gibt es nur professionelle Feuerwerke in Großstädten. Das Einzige, das ich nicht verstehen kann ist, es gibt sooo viele Büsche in Australien, warum muss dieser blöde Busch soweit entfernt sein? Und, wie hat der Organisator diesen Busch gefunden? Na ja, wird schon seine Gründe haben. Die Party ist echt gut, die Technomusik ist zwar nicht so mein Fall aber wir lernen lustige Leute kennen. Um Punkt zwölf umarmt sich jeder und wir stoßen an.

1.1.2013

„Frosch Neusch!“

Die Party war echt super, die Idee zu dritt im Auto zu schlafen wäre nur halb so schlecht gewesen, wenn es wenigstens einen Parkplatz im Schatten gegeben hätte. Marius ist mal wieder der Einzige, der sich zum Schlafen zwingen kann.
Das Aufstehen zwischen Bierdosen in praller Sonne ist jedoch Nichts im Vergleich mit der Heimfahrt. Merkwürdigerweise kommen wir jedoch genau da an, wo wir hinwollten. Zwar im Schneckentempo, es ist jedoch das Endresultat, was zählt.

2.1.2012

Heute soll der andere Postladen wieder offen haben, also ab nach Melbourne in die Bourke Street. Wegen der schlechten Parksituation lässt Marius mich wieder an einer Straßenkreuzung raus und ich gehe los in Richtung Bourke Street. Die besagte Straße kommt mir sehr schmal vor, außerdem wundert es mich, dass ich auf einmal in einem Chinaviertel bin. Hausnummer 380 entpuppt sich schließlich als ein indonesisches Fast food Restaurant. Sieht echt einladend aus, dieser Laden, ich bin jedoch überhaupt nicht hungrig, ich will endlich ein Paket haben! Also, zurück zum Postamt. Nach 15 Minuten Warten wird mir schließlich erklärt, dass es noch eine andere Bourke Street gebe, da sei dann auch das Postamt. Endlich! Auf zu dem Postamt, das Paket ist noch nicht da. Schon wieder so eine tolle Wurst.
Ich kann doch nicht schon wieder mit leeren Händen nach Hause kommen. Überall steht irgendwas von „Sale“ und ich denke mir, wenn nicht jetzt, wann dann. Jetzt gibt es Kameras garantiert am günstigsten. Der erste Händler ist sehr unfreundlich und so beschließe ich zu dem Nächsten zu gehen. Der Asiate erkennt, dass ich ein Backpacker bin und drückt mir ein gummiartiges Dings in die Hand und erklärt, sie sei wasserdicht bis in unglaublich tiefe Tiefen und Schockfest. Ich erkläre ihm, dass ich zwar nicht der Ordentlichste bin, aber trotzdem schon auf eine Kamera aufpassen könnte und was das mit dem Wasser betrifft, sei ich sowieso eher der Badewannentyp. Andere Angebote hat er leider auch nicht auf Lager. Also gehe ich wieder zu dem anderen Händler und kaufe eine Kamera.

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Ein winkendes Renterteam, Janne und jemand der gern Cola trinkt

22.11.2012

Wir haben ca. 50Km außerhalb von Adelaide einen schönen Campingplatz mit Einfahrt zum Strand entdeckt. Die Einfahrt ist wieder für Autos zugänglich, darauf fallen wir aber nicht noch mal rein. Der Strand wird ausschließlich zu Fuß betreten.
Die anderen Backpacker, die wir in Perth auf dem Campingplatz kennen gelernt haben sind von Perth aus nach Darwin gefahren, dann über Alice Springs nach Adelaide. Wir treffen uns mit ihnen und verbringen einen Tag am Strand. Wir beschließen zusammen morgen weiterzureisen und zwar nach Mannum, ein kleines Dorf 100Km nord-östlich von Adelaide. Die beiden kennen in dem Dorf einen schönen Campingplatz.

23.11.2012

Der Platz ist nur mit einer Fähre zu erreichen und wirklich sehr schön. Die Überfahrt ist kostenfrei und der bärtige Fährmann könnte Werbung für Fishermans Friend machen. Wir Campen direkt am „Murray River“ und theoretisch könnte man vom Zelt aus direkt ins Wasser springen, bzw. jemand der besser springen kann als wir beide könnte das. Wir schauen Abends zusammen ein paar Filme und trinken ein paar Bierchen.

24.11.2012

Heute war echt schon wieder ein witziger Tag. Um den heutigen Tag gut beschreiben zu können, müsst ihr zuerst unsere Nachbarn kennenlernen:

-Hansi der Hundeflüsterer lebt mit vier Hunden zusammen in seinem Auto, teilt Frühstück, Matraze und höchstwahrscheinlich sogar Kleidung mit seinen Hunden. Heute morgen ist er zuerst mit seinen Lieblingen baden gegangen und hat anschließend ein gemeinsames Frühstück zu Fünft organisiert. Er lebt in seinem Auto und schläft doch tatsächlich mit seinen vier Freunden auf einer Doppelmatraze.

-Ein sehr freundlich wirkendes und ständig winkendes Rentnerteam.

Und natürlich Mattes und Franzi, die beiden Backpacker aus Perth, die ihr Zelt direkt neben unseren aufgeschlagen haben.

Die Geschichte beginnt damit, dass Marius und ich auf die Idee gekommen sind, schwimmen zu gehen. Am Ufer des Flusses steht ein Baum, an dem ein sehr elastisches Seil befestigt ist. Wer seinen Einstieg ins kalte Nass also etwas beschleunigen möchte, kann sich wie Tarzan bzw. in unserem Fall wie ein nasser Sack an das Seil hängen und wie Tarzan an der Liane oder, wieder auf uns bezogen, wie ein nasser Sack an einem Seil ins Wasser schwingen. Da das Seil nahezu Gummiartig ist, dauert es nur Sekunden, bis einer von uns beiden das Seil loslässt, es sich wie ein Gummi zusammen zieht und sich einmal in ca. acht Meter Höhe um den Baum wickelt. Das Seil ist jedoch lang genug um dran zu kommen. Wir versuchen es genau so wieder runter zu bekommen, wie es da hoch gekommen ist: lang ziehen und flitschen lassen. Fehlanzeige, ein Versuch später hat sich das Seil drei mal in acht Meter Höhe im Gestrüpp verheddert und ist nicht Mals mal mit einer Leiter zu erreichen. Marius beschließt kurzerhand das Seil einfach mit einem Ball frei zu werfen, wie man sich jedoch denken kann, hängt der Ball ebenfalls zwei Würfe später beim Seil.
Wir zwei nasse Säcke beschließen, uns zuerst um den Ball zu kümmern und anschließend das Seil wieder in den Originalzustand zurück zu bringen. Wir nehmen also ein paar Steine und versuchen den Ball zu treffen, das sieht unser winkender Nachbar, kommt vorbei und wirft auch ein paar Steine. Wir bleiben erfolglos.
Der andere Nachbar, der Hundefreund hat die Situation offenbar auch beobachtet, bindet ein Seil an eine Harke und erklärt mir, ich solle doch einfach die Harke an das andere Seil werfen und so das Seil einfach runterziehen. Marius überlegt sich währenddessen, dass wenn das Seil schon nicht zu uns kommt, muss er halt zum Seil klettern. Der winkende Rentner kramt eine wahrscheinlich unbenutzte Kletterausrüstung aus seinem Wohnwagen und überreicht sie Marius. Der kann damit allerdings herzlich wenig anfangen und hängt sie einfach an den Baum. Ich riskiere derweil Kopf und Knie und werfe mit des Nachbars fragwürdiger Harkenkonstruktion gen Seil. Mattes hat die ganze Situation schmunzelnd beobachtet und macht angesichts der kläglichen Kletterversuche von Marius schon mal ausfindig, ob es weit zum nächsten Krankenhaus ist. Marius vergleicht daraufhin den Preis von dem Ball mit dem von seinem Leben und der Höhe des Baumes und beschließt seine Mission abzubrechen.
Der winkende Nachbar und der Hundefreund verlassen das Feld und Franzi und Mattes kommen dazu. Franzi sichert sich vorerst mit einem Stuhl und einem kalten Getränk einen Logenplatz und Mattes hat die schlaue Idee das Seil mit Hilfe einer Angel wieder runterzubekommen. Die Angel ist echt super, die Angelleine jedoch nicht. So kommt es, dass nach kurzer Zeit drei Angelgewichte und zwölf Meter Seil bei dem Ball und der Liane hängen. Der Hundemann und der winkende Rentner setzen sich ebenfalls mit einem kühlen Bier in Sichtweite und haben Spaß beim Beobachten.
Mittlerweile sind weitere Nachbarn angereist, ein klapperdünner Rentner mit Fischerhut reißt mit seiner Familie an und schaut sich unsere Unternehmung aus der Ferne an. Da unsere Angerschnur kläglich versagt hat, werfen wir mittlerweile mit Zeltschnüren nach dem blöden Seil. Der Fischerhut kommt vorbei und rät uns, doch einfach eine Angelschnur zu werfen, ich zeige ihm den kläglichen Rest der von Unserer übrig ist und will mich wieder unserer Mission zuwenden. Der Fischerhut erklärt mir jedoch, er sei Haiangler und habe dementsprechend extra starke und tolle Angelschnüre. Zehn Minuten später sitzt er mit Stühlen und seiner Vierköpfigen Familie ebenfalls ums Geschehen herum und genießt ein kühles Blondes.
Dass wir offenbar von dem halben Campingplatz beobachtet werden ist nur das Eine, als dann allerdings eine siebenköpfige Familie von schwarzen Schwänen aus dem Wasser angepaddelt kam und sich das Geschehen von den letzten freien Plätzen angeschaut hat…

..Das kann mal wieder nur Marius und mir passieren.
Aus dem Versuch schwimmen zu gehen ist mittlerweile eine mehr als zweistündige Mission geworden an der mehr als zehn Leute beteiligt sind.

Schlussendlich schaffen wir es mit der Angel von dem Fischerhut das blöde Seil wieder in den Originalzustand zurück zu bringen.

Immerhin kann man uns nicht vorwerfen, dass wir heute nur rum gesessen haben.

25.11.2012

Es ist Sonntag und wie bis jetzt immer in South Australia, super Wetter. Wir gehen tagsüber mehrmals Schwimmen und kaufen noch etwas für Morgen ein, da Marius da ja Geburtstag hat. Abends machen wir ein kleines Feuer und schauen zusammen einen Film. Um exakt zwölf Uhr stoßen Marius und ich mit einem Bier an, er hat ja schließlich Geburtstag. Marius freut sich über keine Geschenke und Luftkekse. Ich mein, was soll ich ihm schon groß schenken? Wir haben eine gemeinsame Kasse und dementsprechend würde er seine eigenen Geschenke selbst finanzieren.

26.11.2012

Marius hat Geburtstag. Tolle Party. Die siebenköpfige Schwanenfamilie kommt vorbei und gackert ein bisschen, wir frühstücken ausgiebig und schauen ein paar Filme. Das Wetter verschlechtert sich gegen Nachmittag und deswegen schauen wir noch ein paar Filme. Marius beschwert sich über die nicht vorhandene Geburtstagsstimmung und ich mich über viereckige Augen.
Was ist denn das auch für ein Geburtstag? Letztes Jahr standen wir in der Bar und haben den Jung’ hochleben lassen und dieses Jahr freut er sich, dass seine Eltern anrufen. Letztes Jahr war es ca. 5°C, dieses Jahr 26°C. Generell ist es im November in Deutschland total kalt, die letzten Tage war es hier stellenweise über 30°C. Kein Wunder, dass Marius kein Geburtstagsfeeling hat.

28.11.2012

Ich wache auf und stelle fest, dass es irgendwie total warm ist. Laut Wetterbericht ist es heute 42°C warm und gefühlte 49°C. Echt verwirrend. Wir wussten zwar, dass die Jahreszeiten in Australien vertauscht sind, allerdings ist uns das bis jetzt noch nie so richtig aufgefallen, da es recht viel geregnet hat und Regen passt in Deutschland ja zu jeder Jahreszeit. Heute ist es 42°C warm und der Kalender behauptet strikt es sei bald Dezember.
Wir bleiben den ganzen Tag mehr oder weniger in Zelt- und Wassernähe und gehen regelmäßig schwimmen. In der Nacht „kühlt“ es sich auf 32°C ab, wir sitzen um 23:00 Uhr immer noch in Badeshorts am Wasser und trinken ein kühles Bier.

29.11.2012

Das Wetter ist ähnlich wie gestern, allerdings merkt man, dass es bald gewittern wird. Wir machen alle unsere Zelte hochseetauglich und warten gespannt auf das Unwetter. Dieses „Unwetter“ ist eigentlich gar kein Unwetter sondern wahrscheinlich eher die Apokalypse, alle zwei Sekunden blitzt es und der Platzregen ist unglaublich. In diesen Momenten bin ich jedes Mal glücklich, dass das Auto zur Zeit mein Schlafplatz ist, Marius beschwert nämlich über einen ansehnlichen Flusslauf in seinem Zelt. Er lenkt jedoch ein, dass das Plätschern einen beruhigenden Einfluss auf seinen Schlaf habe, finde ich super.

30.11.2012

Wir beschließen das Feld zu räumen, Mannum ist zwar schön, es gibt aber sicherlich noch andere schöne Flecken in Australien. Heute schaffen es wir bis nach Victoria, dem kleinen Staat in dem Melbourne liegt.

1.12.2012

Außerdem liegt in Victoria noch die Great Ocean Road. Die Great Ocean Road beginnt in Warnambool und endet in Torquay und ist für die Australier eine Art „Mythos und Legende“. Sie sehen bis heute in der Panoramastraße einen legendären Sieg über die Natur, so heißt es zumindest in der Broschüre. Die Straße wurde 1919 zur Arbeitsbeschaffung gebaut und zur Besiedlung der Gebiete, die bis dato nur mit dem Schiff zu erreichen waren. Wie der Name schon sagt, führt die Straße recht viel am Meer entlang und garantiert so für tolle Aussicht. Um diese tolle Aussicht auch wahrnehmen zu können, warten wir auf besseres Wetter und siedeln uns für drei Tage in der Nähe von dem kleinen Dorf Cobden an.

2.12.2012

In Cobden ist mal wieder eine ganze Schar von Hunden begraben. Und offenbar auch jede Menge Menschen, hier ist echt nicht der Bär los. Und wo wir gerade schon mal bei den Tiermetaphern sind: im Dorfeigenen Alkoholladen kann man eine Katze im Sack kaufen. Jede Menge unbekannte Goonsorten zu stark reduzierten Preisen und Kaugummis die keiner mag für nur einen Dollar. Wir langen kräftig zu, bereuen wir auch.
Gegen Abend kochen wir zusammen mit Mattes und Franzi. Marius und meine Geschmacksnerven scheinen echt Mausetod zu sein, wir würzen die Soße, Franzi probiert und springt daraufhin hektisch im Sechseck und trinkt einen Liter Wasser auf Ex. Mattes behauptet jedoch, Franzi sei einfach nur überempfindlich und so können Marius und ich nach einem Film beruhigt schlafen gehen.

Um den ersten Advent anständig zu würdigen haben wir übrigens eine Herdplatte von unserem Herd angezündet, uns gleichmäßig um den Herd verteilt und in weißer Hoffnung „Let it Snow“ gesungen.

4.12.2012

Das Wetter ist nach wie vor noch nicht so gut, morgen soll es ja besser werden, deswegen bleiben wir heute noch hier. Wir fahren in die nächste Stadt, Camperdown. In diesem Dorf ist nicht der Hund begraben, hier ist schon eher was los. Wir gehen in die Bücherei und nutzen das kostenlose W-lan. Gegen Abend kochen wir wieder zusammen.

5.12.2012

Auf geht es Richtung Great Ocean Road. Unser Trailer hat von dem Sturm in der vorherigen Nacht leider einen Schaden genommen, er ist an einer Seite gerissen. Wir beschließen es selbst zu nähen.

Was brauchen wir?

So’n silbernen Pin und so ‚ne Schnur. Ein Glück bin ich Waldorfschüler und weiß was zu tun ist (Danke Frau Schäfer). Ab zum nächsten Nähladen, Pin und Faden in die Täsch und go. Die Frau aus dem Nähgeschäft freut sich zwar über unseren Elan, beteuert jedoch, dass es nicht gerade einfach ist, einen Campingtrailer zusammen zu nähen. Man brauche da schon Ahnung von, sie empfiehlt einen Schneider aus Camperdown, der das wohl für kleines Geld nähe.
Der Schneider aus Camperdown erklärt uns, er müsse zuerst den kompletten Trailer auseinander bauen um den nähen zu können, er schätzt den Schaden dementsprechend auf 200$. Das ist uns beiden natürlich zu viel, wir haben ja schließlich schon den Pin und die Schnur gekauft. Wir hoffen, dass es in den nächsten Tagen nicht so viel regnet und brechen auf in Richtung Great Ocean Road.
Die Great Ocean Road ist wirklich wunderschön, alle fünf Kilometer ca. kann man anhalten um Naturwunder zu bestaunen. Wir schaffen ca. die Hälfte von der Strecke und übernachten auf einem Campingplatz irgendwo im Nichts.

6.12.2012

Nikolausi!

Ich hab gestern Abend extra meine Schuhe vor die Autotür gestellt, das Einzige was ich darin jedoch heute morgen gefunden hab ist ein altes paar Socken vom Vortag. Toller Nikolaus. Wir fahren weiter und bestaunen Wasserfälle und andere tolle Naturwunder, gegen Abend enden wir auf einem Campingplatz ziemlich hoch auf einem Berg. Am Ende des Platzes steht ein Schild:“ 4wd Only“.
4wd bedeutet, dass alle Räder sich in die gleiche Richtung drehen. Oder auch: Allrad. Da unser Auto mit dieser bewunderswerten Technik ausgestattet ist, springen wir rein ins Auto und ab geht es den Berg hoch. Wir fahren ca. 15Kilometer über die Ruckelpiste, bis wir am wahrscheinlich höchsten Punkt angekommen sind. Es macht echt unglaublich viel Spaß mit so einem Fahrzeug durch die Wildnis zu fahren. Unser Auto ist zwar offenbar kein großer Sandfan, die Ruckelpiste meistert er jedoch meisterhaft.

7.12.2012

Unsere heutige Mission lautet bis nach Melbourne vor zu dringen und Janne vom Flughafen abzuholen. Janne haben wir in der Nähe von Perth auf dem Campingplatz angeholt, er hat danach in Thailand Urlaub gemacht und wir holen ihn jetzt vom Flughafen ab.
Ab Melbourne gibt es Aldi. A-L-D-I! Mehr Heimatsgefühle auf einen Schwung wären wahrscheinlich schädlich: Rivera Cola zum halben Preis, Maginon Elektrogeräte unschlagbar günstig und eine original getreue Aldioptik sorgen für einen enthusiastischen Einkauf. Voll bepackt mit Lebensmitteln und Krempel den wir nie wieder brauchen geht es ab zum Flughafen, Janne abholen. Dieser weiß leider nicht genau, wo er gerade steht, außerdem macht uns unser Navi, das sich offenbar genau so schlecht in Melbourne auskennt wie wir beide, zu schaffen.
Welcher Terminal? Domestic? Kam er nicht aus Darwin? Terminal B wie.. business? Nee! Wo ? Terminal C wie Cello sieht sehr verlassen aus. Schlussendlich finden wir ihn durch Zufall an Terminal A. A wie abholen halt.

8.12.2012

Wir fahren auf einen Campingplatz in der Nähe von Ballarat. Wir haben beschlossen, Weihnachten uns Silvester zu fünft in Melbourne zu feiern, laut den befragten Australiern soll es da am schönsten sein. Von Melbourne haben wir bis jetzt nicht so viel gesehen, wir sind nur ein mal mit dem Auto durchgefahren und das war dank Trailer sehr anstrengend.

10.12.2012

Mattes und Franzi beschließen weiter zu fahren, sie sagen, sie hätten einen anderen Campingplatz ausfindig gemacht, der bessere Bewertungen habe. Marius, Janne und ich beschließen jedoch vorerst noch etwas zu bleiben, da uns der Platz sehr gut gefällt. Die Landschaft hier ist wirklich unglaublich schön, man kann sehr cool spazieren gehen und dank der unglaublich steilen Berge sogar klettern. In einem nahe gelegenen Fluss kann man Schwimmen, solange man auf eiskaltes Wasser steht und man hat generell seine Ruhe. Wir beschließen uns um einen Job zu kümmern.

12.12.2012

Sämtliche Farmen in der Umgebung haben keine Arbeit mehr bis Neujahr, der Harvestguide erklärt ebenfalls recht pessimistisch, dass es vor Weihnachten wohl eher keine Jobs mehr gebe. In Ballarat kann man sich noch als Leiharbeiter für Mienenarbeit bewerben, davon haben wir jedoch seit Kalgoorlie die Schnauze voll.
Ein Farmer erklärt uns, wir sollten ein Dorf weiter fahren und da nach „Gordon“ fragen. Wir kommen in dem Dorf an und sehen zuerst die „Gordon Public Hall“. Das ging ja einfach, da müssen wir rein. Voller Hoffnung laufen wir ins Gebäude und treffen unerwartet auf ca. 50 Rentner beim Weihnachtsschmaus.
Das war wohl der falsche Gordon, wir hoffen, dass wir unentdeckt bleiben, eine Renterin winkt uns jedoch ran und fragt nach unserem Anliegen. Wär auch echt sehr merkwürdig, wenn wir drei Jungspunde zwischen all den Tattergreisen, Omis und begrabenen Hunden nicht entdeckt werden würden. Wir erklären ihr Wahrheitsgemäß, dass wir nach Arbeit suchen und sie erklärt daraufhin, dass wir in der Küche nachfragen sollten, da seien welche die uns weiterhelfen können. In der Küche erwarten uns, wie erwartet, noch mehr Omis beim Aufräumen. Ich erkläre unser Anliegen, sie fragt, ob wir schon gegessen hätten. Das Weihnachtsbuffet wäre etwas zu viel gewesen und wir sollten gefälligst helfen, damit es nicht in der Tonne lande. Zack, 1, 2, 3 hat sie drei Teller organisiert und eh wir uns versehen stehen wir am Buffet und bewundern die Auswahl und den guten Geschmack der Rentner. Oma Hilde sagt wir sollten gefälligst mehr grünen Salat essen, während Oma Trude uns eifrig Kartoffelsalat auflädt. So gut haben wir seit langen nicht gegessen, dabei wollten wir eigentlich einen Job. Ein etwas jüngeres Mädchen versucht uns in dem Minidorf weiterzuhelfen, wir bleiben jedoch erfolglos.
Ein weiteres Telefonat mit dem Harvestguide soll nun endlich erfolgreich sein! Wir haben einen Job auf einen Weinfarm, ca. 50Kilometer östlich von Melbourne. Ich rufe an, frage wann wir anfangen können, er sagt: um sieben.

Ähh..sieben..? Sieben..Uhr???

Wir sind in den letzten Tagen nicht vor elf Uhr aufgestanden und sieben erscheint uns ziemlich früh, wir beschließen direkt loszufahren.

13.12.2012

Gegen 5:30 klingelt bei uns beiden der Wecker und wir fragen diesen, ob es ein schlechter Scherz sei oder ob es wirklich schon so früh ist. Der Wecker scheint es jedoch ernst zu meinen, also ab ins Auto und los. Zum wach werden trinken wir eine Cola.
Heute arbeiten wir bei Brett, einem gut gelaunten Freund von unserem Chef. Brett hat eine große Farm und wir sollen ihm helfen, Heu aufzuladen. Er lädt uns zuerst auf ein Käffchen ein.
Nach ca. 30Minuten Arbeit ist Brett offenbar durstig und wirft eine Cola in die Runde. Wunderbar, so arbeit man doch gerne, nach langer Arbeit endlich mal was zu trinken. Weitere 20Minuten später zieht Brett wieder los um eine weitere Cola für uns zu holen. Wird auch mal Zeit, wir haben ja schließlich schon halb 9.
Pünktlich zur nächsten Cola kommt Tommy, ein weiterer 17 Jähriger und fleißiger Gehilfe. Tommy hat offenbar zuviel Energie, er turnt bald links, bald rechts um den Anhänger und macht den Großteil der Arbeit mehr oder weniger alleine. Um so besser für Uns.
Pünktlich zur nächsten Cola haben wir schon die fünfte Fuhre Heu in den Speicher gebracht, nach einer weiteren Fuhre ist alles Heu fertig gepackt. Er drückt uns einen sehr großzügigen Lohn in die Hand und gibt uns für den Rest des Tages frei.

SO ARBEITET MAN GERNE!