16.3.2013
Endlich können wir wieder reisen. Wir haben sehr viel Zeit im „Kurth Kiln Regional Park“, in der Nähe von Melbourne verbracht, es ist sehr viel passiert. Wir haben uns von Janne, unserem Mitfahrer verabschiedet, wir haben viele neue Gesichter kennengelernt, wir haben für einen offenbar total schrägen Ben gearbeitet der offenbar zu viel Wein trinkt, dann haben wir bei einer tatsächlich schrägen, deutschen Familie gearbeitet mit einem Angestellten der tatsächlich zu viel Wein trinkt.. Komisch ist nur, dass die Arbeit bei den tatsächlich schrägen Leuten viel besser geklappt hat, als die Arbeit bei dem offenbar schrägen Ben, aber das ist Vergangenheit.
Die letzte Nacht haben wir auf einem sehr schönen Campingplatz direkt am Meer verbracht, wunderschönes Australien! Der Sonnenuntergang war cool, den Sonnenaufgang haben wir selbstverständlich verschlafen.
Im Anschluss fahren wir nach Narooma, zum „Australia Stone“, in ein Stück Fels wurde durch Wind und Wasserkraft über Jahrhunderte die umgekehrte Form Australiens in Stein gemeißelt. Außerdem sehen wir ein paar Robben, die am Meeresrand rumliegen. Mensch, das sind vielleicht faule Tiere.
17.3.2013
Wir fahren weiter auf dem „Princess Highway“ in Richtung Norden und machen Rast in „Jervis Bay“, einem großen Nationalpark. Der Nationalpark ist für den „Hyams Beach“ bekannt, der weißeste Strand der Welt, ausgezeichnet vom „Guinessbuch der Rekorde“. Das Wasser ist glasklar, man kann bis zur Brust im Wasser stehen und sieht trotzdem noch seine Füße. Der Strand ist zwar ziemlich voll, wir lassen uns es jedoch nicht nehmen, einige völlig entspannte Minuten in der Horizontalen dort zu verbringen. Das nenn’ ich mal entspanntes Reisen.
18.3.2013
Heute fahren wir ein bisschen durch New South Wales und übernachten in der Nähe von Sydney. Unser eigentliches Ziel ist nicht Sydney, wir sind wegen den „Blue Mountains“ hier hingefahren. Diese „blauen Berge“ liegen auf einem 600-1000 Meter hohen Plateau in einem riesigen Nationalpark der seit 2001 Weltkulturerbe ist. Wir finden ein schattiges Plätzchen auf ca. 800 Meter Höhe in den Blue Moauntains und morgen werden wir uns die Blaue Mountains mal aus der Nähe anschauen.
19.3.2013
Man kann mit dem Auto über die Berge fahren und an zahlreichen Ausguckpunkten lässt sich bestaunen, wie einige Teile des Berges offenbar 300 Meter nach unten abgesackt sind. Der Park ist übersäht mit 91 Eukalyptusarten, wenn das Öl dieser Bäume in der Hitze verdampft, bildet sich ein feiner Nebel, der sich als blauer Schimmer über diese Bäume legt, daher der Name und die augenscheinlich blaue Farbe der Bäume.
Die Aussicht lässt sich leider nicht mal ansatzweise in Worte fassen und kommt auf Fotos auch nicht richtig rüber. Man kann zu Fuß bis an den Rand einer 300 Meter tiefen Klippe gehen und in die Tiefe blicken. Egal in welche Richtung man schaut, man befindet sich einfach mal eben 300 Meter höher als alles andere, Bäume werden zu kleinen Sträuchern und Tiere lassen sich mit dem bloßem Auge nicht erkennen, obwohl der Wald unten sicherlich voll von Koalas, Schlangen und anderen Lebewesen ist.
20.3.2013
Alle guten Dinge sind drei? Schön wär’s! Heute morgen wache ich in meiner Schlafkoje auf und wunder mich, warum ich in embryonal Stellung hinten links im Auto liege. Da ich schon drei Mal so aufgewacht bin, weiß ich mittlerweile aus Erfahrung, dass diese Pose eigentlich nur auf einen platten Reifen zurückzuführen ist. Unglücklicherweise liege ich richtig mit meiner Diagnose und wunder mich, welcher Idiot eine Schraube genau dahin legt, wo wir unser Auto parken wollen? Die letzten drei Male, als wir beim Reifenhändler waren, sind wir erneut mit einem Reifen ohne Luft Zuhause angekommen, ich bin mal gespannt ob der Reifenhändler Vorort die Kunst einen Reifen zu Flicken beherrscht. Vorsichtshalber bleiben wir jedoch noch eine Nacht hier. Außerdem kommen Chris und Kevin, die beiden Backpacker aus Solingen und Köln, uns besuchen. Chris hat morgen Geburtstag und wir wollen in seinen Geburtstag reinfeiern.
Chris und Kevin fahren zu dem Aussichtspunkt, an dem Marius und ich gestern auch waren und Marius und ich klappern den Reifenhändler und alle anderen touristischen Attraktionen der Blue Mountains ab. Der Alles überragende Spot von gestern bleibt ungeschlagen, hier wimmelt es von diesen neumodischen, asiatischen Kameraköppen, außerdem ist alles mit Geländern abgesperrt. Die Aussicht wird durch Reparaturarbeiten an der „Scenic World“ gestört, ein Hubschrauber kreist ständig durch Blickfeld und liefert Material für die Arbeiten an der steilsten Zahnradbahn des Kontinents. Für schlappe 35$ darf man mit einer Seilbahn ins Tal fahren um unten eine Wanderung durch Tal zu machen.
Den Abend verbringen wir am Lagerfeuer mit Chris, Kevin und ein paar anderen deutschen Backpackern, die wir spontan aus der Nachbarschaft aufgesammelt haben. Mittlerweile merkt man, dass der Staat New South Wales der beliebteste Startpunkt für die meisten Backpacker ist. Die typischste Backpackerroute beginnt in Sydney, führt durch die Blue Mountains und geht dann weiter in Richtung Norden nach Brisbane oder sogar Cairns, genau die Strecke fahren wir jetzt auch. Man sieht seit Sydney immer mehr Backpackerautos auf der Strecke.
22.3.2013
Gestern sind wir von den Blue Mountains in richtung Norden aufgebrochen. Auf dem Weg haben wir noch einen weiteren, sehr schönen Spot mitgenommen. Es gibt wieder keine Absperrung, man kann bis zu den 300M hohen Klippen gehen und mehr oder weniger die Beine baumeln lassen.
Australien ist ja berüchtigt für seine Tierwelt. Es gibt Echsen, die länger als einen Meter werden, oder welche, die auf zwei Beinen laufen. Es gibt Schlangen die 30Cm lang sind und bis zu zehn Menschen töten können, nacheinander. Koalas leben auf Bäumen und schlafen 18 Stunden am Tag, alles ganz toll. Dann gibt es aber noch Possums, die nachtaktiven Räuber leben auf Bäumen und ähneln einer riesigen Ratte, nur etwas niedlicher. Die Viecher klettern immer auf Bäumen rum, können allerdings gar nicht so gut klettern, wie man erwartet: wir haben schon öfters so’n Viech von 20M runterfallen sehen. Offenbar scheinen sie jedoch dafür gebaut zu sein, nach so einem Sturz schaut sich so ein Possum eigentlich nur kurz um und beginnt die nächste halsbrecherische Klettertour im Baum. Gestern Abend ist eines von diesen blöden Viechern aufs Autodach gefallen, als ich gerade schlafen wollte. Hier gibt’s echt komische Tiere.
24.3.2013
Heute geht es nach Byron Bay, eine Küstenstadt, die erstens der östlichste Punkt des australischen Festlandes ist und zweitens wegen eines sehr schönen Sandstrandes beliebt bei Surfern ist. Wir nehmen aus Versehen einen Anhalter mit und finden so auch schnell zum besten Strand der Stadt. Das Wasser ist wieder glasklar, wir verbringen wieder lange Zeit im kühlen Nass.
26.3.2013
Es ist Dienstag und wir fahren nach „Surfers Paradise“ an der „Gold Coast“. Das Paradies der Surfer liegt in Queensland, dem so genannten „Sunshine State“. Die Stadt ist die zweitgrößte Stadt des Staates und machst seinen Namen alle Ehre: durch Kilometer lange Strände und kristallklares Wasser fühlen wir uns gezwungen uns schlagartig auf den Strand zu legen oder im Meer zu baden. Anschließend erkunden wir ein wenig die Innenstadt, die optisch jedoch nichts Besonderes ist.
Gegen acht Uhr brechen wir auf um uns einen Schlafplatz zu suchen, leider sind in unserem Campingbüchern im Umkreis von 300Km keine weiteren Plätze verzeichnet, wir erfahren jedoch von einem betrunkenem Pärchen mit Kind, dass es 50Km in Richtung Norden eine Bp-Tankstelle gebe, die auf einem großen Parkplatz Campinggäste für eine Nacht begrüßen. Dort kommen wir gegen elf Uhr an, schlagen unser Zelt auf und stellen fest, dass der Parkplatz wegen riesigen Halogenscheinwerfern mehr oder weniger taghell ist. Für Marius kein Problem, er hat ja immer noch seinen beneidenswerten „Kopp in Schoß“ Trick, ich finde jedoch so gut wie gar keinen Schlaf.
27.3.2013
Da wir gegen sechs Uhr aufbrechen sollen, kommt mir die kurze Nacht nicht allzu lange vor. Zuerst fahren wir zu Subway und hämmern und jeweils sieben Tassen Kaffee und eine Hand voll Espresso rein, anschließend geht es weiter in die Hauptstadt von Queensland, Brisbane. Brisbane ist eine sehr schöne Stadt, es gibt einen riesigen Swimmingpool mit Sandstrand in der Innenstadt und unzählige schöne Stellen. Schon gegen neun Uhr finden wir unser Auto in einer Seitenstraße wieder und Marius fällt auf, dass das Kabel, das für die Lampen am Trailer steuert, kaputt ist. Er nimmt den Kabelsalat auseinander und versucht ein System zu erkennen, während ich mich mit der Karte anfreunde und feststelle, dass wir beide noch mindestens 200Km Autobahn vor uns haben. Nachts auf der Autobahn ohne Beleuchtung am Anhänger erscheint und als sehr gefährlich, deswegen müssen wir das Problem lösen! Marius hat fünf Kabel in fünf verschiedenen Farben und eine Buchse, die mit den Zahlen 1-7 versehen ist. Welches Kabel gehört jedoch wo rein? Weiß ist Strom? Gelb? Wann leuchtet der Blinker? Links? Warum so wenig Kabel und so viele Steckplätze? Ich erinnere mich aus dem Matheunterricht noch daran, dass es, wenn man fünf Kabel und sieben Steckplätze hat genau... sehr viele Möglichkeiten gibt, wie man die Kabel falsch anschließen kann und nur genau eine, die Richtig ist.. Wir probieren es trotzdem auf gut Glück, nach kurzer Zeit hat Marius eine der falschen Möglichkeiten gefunden, die zwar recht kreativ ist, jedoch Autobahn tauglich: Blinker links und rechts stimmen, jedoch, wenn man auf die Bremse tritt, leuchten die Blinker auch. Ist zwar ein bisschen blöd, dass der Warnblinker bei jeder Betätigung der Bremse leuchtet, es ist aber Fahrtauglich. Wir fahren los und bemerken schon nach 50Metern einen großen Nachteil: Wenn man bremst, geht der Blinker aus. Außerdem haben wir keine Tachobeleuchtung mehr. Also basteln wir weiter, dieses mal jedoch im Regen. Brisbane liegt im „Sunshine State“ und hat mit mehr als 300 regenfreien Tagen im Jahr einen sehr sonnigen Durchschnitt aufzuweisen, ausgerechnet jetzt regnet es natürlich. Schlussendlich finden wir eine weitere kreative Lösung, es leuchtet einfach jede Lampe am Trailer, egal was wir machen.
Kennt ihr das, wenn man nachts über eine Autobahn fährt und so zwei Chaoten mit Warnblinker am Straßengraben stehen sieht und man sich einfach freut, dass man Nichts damit zu tun hat? Drei mal dürft ihr raten, wo wir heute zwischen zwölf Uhr Nachts und zwei waren.
Nachdem wir also mit unserer kreativen Trailerbeleuchtung losgefahren sind und nach 40 Minuten Fahrt erneut geprüft haben, ob unsere Lampen alle Leuchten, setzt sich plötzlich ein schöner BMW vor uns, macht kurz den Warnblinker an und fährt weiter. Ein Land Cruiser folgt ihm, betätigt ebenfalls den Warnblinker und plötzlich werden wir von hinten mit Lichthupe angehupt. Alles klar, irgendwas stimmt nicht, wir fahren links ran und prüfen, was von unserem Lampensortiment noch alles leuchtet. Leider gibt es nicht viel zu prüfen, dass abgesehen vom Fernlicht und den normalen Lampen vorne Nichts mehr leuchtet, sieht jeder Idiot, also auch wir. Na toll, und nu’? So können wir schlecht die letzten 120Km weiter fahren. Am Auto sind zwei Sicherungen durchgebrannt, die wir austauschen. Marius fängt genervt wieder an zu basteln und hat nach kurzer Zeit einen Fehler gefunden, jedoch sind dabei zwei weitere 10-Amp Sicherungen durchgebrannt und damit ist unser Vorrat an zehner Sicherungen aufgebraucht. Da sich das Wetter wieder aufgeklart hat, nehmen wir einfach eine Sicherung vom Scheibenwischer und die elektrischen Fensterheber müssen auch dran glauben. Das mit den elektrischen Fensterhebern kommt uns übrigens total spanisch vor, wir haben die Fenster bis jetzt immer runtergekurbelt, im Handbuch vom Auto ist der Steckplatz, aus dem wir die Sicherung haben, eindeutig als elektrischer Fensterherber beschriftet.
Wir fummeln also weiter an den Kabeln rum und hoffen, dass wir erneut auf eine fahrtaugliche Lösung treffen, die Gewinde von der Buchse sind leidet schon so verschlissen, dass Marius den Lötzinn rauskramt und wir anfangen, mit Hilfe von einem Feuerzeug die Sachen zu löten. Das Löten ist gar nicht mal so einfach, wenn alle 20 Sekunden ein Meter von einem ein bis zu 30 Meter langer „Road Train“, also ein riesiger Laster mit bis zu drei Anhängern vorbei rauscht. Wir wissen mittlerweile welche Kabel für die Blinker zuständig sind, löten diese fest und beschließen, einfach mit Warnblinker weiterzufahren. Nach ca. 20 Km ist plötzlich eine große Polizeikontrolle vor uns, da wir mittlerweile aus Erfahrung wissen, dass die Polizei nicht so auf die „ich drück da ma ‚n Auge zu“ Nummer stehen, fahren wir noch rechtzeitig ab und beschließen einfach bis zu nächsten Einfahrt über die Landstraße zu fahren. Was wir natürlich nicht wissen: diese „Landstraße“ führt über einen Pass, also einen sehr hohen Berg. Die schmale Straße nach oben ist kein Problem, der Weg nach unten führt über eine unbefestigte Straße und ist nur für Autos mit Allrad ohne Anhänger ausgelegt. Das Schild mit dem Anhänger übersehen wir und kommen schließlich gegen drei Uhr Nachts auf einem schönen Campingplatz an. Was für ein Tag, erst schlafen wir kaum, dann hämmert wir uns bei Subway eine Überdosis Kaffee rein, nachdem man wir uns dann eine schöne Großstadt angeschaut haben, dürfen wir uns dann noch im Halbschlaf mit blöden Trailerlampen rumschlagen und irgendwelche sausteile Geländestrecken runtereiern.
28.3.2013
Unser Plan: Trailer verfluchen, steile Klippe suchen, rückwärts mit dem Trailer ranfahren und..
Wir beschließen den Plan über den Haufen zu werfen und uns lieber recht entspannt um die Reparatur des Trailers zu kümmern und einen Job zu finden. Die kaputte Buchse ist schnell ausgetauscht, komischerweise finden wir auch sehr schnell einen Job auf einer Zitronenfarm. Entfernung: 1250Km, Zeit bis zum Arbeitsbeginn: 24 Stunden. Da wir sowieso in Richtung Norden wollen, kommt uns die Gelegenheit gerade recht, Pedal aufs Blech und die Juckelei gen Norden geht los. Obwohl wir erst um 16:00 Uhr losgefahren sind schaffen wir heute noch 750Km.
29.3.2013
Wir haben auf einer Rest Area mehr oder weniger mitten in der Wüste übernachtet. Die Fahrt durch die Wüste ist wieder total langweilig und anspruchslos, wir schauen ein paar Filme und spielen Mau mau.
Gegen 16:00 Uhr kommen wir pünktlich in Charters Towers an und finden verblüffender Weise die Farm auf Anhieb. Wir arbeiten mit ca. zehn deutschen, fünf italienschen und einer Hand voll Backpackern aus den Niederlanden zusammen. Mary, unsere Chefin erklärt, dass wir doch erst am Montag anfangen zu arbeiten, da Ostern sei. Na doll, jetzt haben wir 24 Stunden im Auto verbracht um jetzt hier zwei weitere Tage rumzusitzen.
31.3.2013
Mittlerweile hat sich die die Anzahl der Angestellten vergrößert, wir sammeln jetzt förmlich mit einem Multi-Kulti Team die Zitronen zusammen, es sind noch Franzosen und ein Amerikaner eingetroffen.
Samstag, 30. März 2013
Donnerstag, 14. März 2013
Ein betrunkener Belgier, "Jojoa" und das Ende von Stahl-Kahl und Linda
27.2.2013
Gestern haben wir einen Tag frei gehabt, da es in Strömen geregnet hat. Heute regnet es auch noch, Marius darf heute jedoch anstreichen und ich soll das zuvor gesägte Holz stapeln. Linda hat uns außerdem erklärt, dass man heute kein Holz sägen dürfe. Heute ist Vollmond, Holz, das man an Vollmond säge, brenne nicht, erklärt sie mir mit vernichtender Ernsthaftigkeit. Keine Ahnung woher sie diese Information hat, sie scheint es offenbar tatsächlich zu glauben. Wenn sie diesen Trick mal den Leuten aus der Holzsägefabrik verrät, freuen die sich bestimmt ‚n Stein ins Brett: einen Feiertag pro Monat mehr und endlich ist geklärt, warum das Holz einmal im Monat nicht brennt. Damit kommt sie bestimmt noch ganz groß raus. Sie hat uns auch schon erklärt, dass Tomaten auch Gefühle haben. Genau wie Bäume oder Wasser. Wenn man einen Schluck Wasser bspw. mit „schöner“ Musik bespielt und ihn einfriert, nehme er eine schöne Form an, wenn man ihn jedoch mit „unschöner“ Musik bespielt, nehme er beim Frieren eine nicht so schöne Form an. Die Definition von „schön“ und „unschön“ setzt sie mit ihrer eigenen gleich. Verleugnet sie damit nicht die Individualität des Musikeschmacks von Wassertropfen? Dieses Thema ist sogar Marius und mir zu absurd, fest steht, dass Linda sicherlich keinen schönen Gesichtsausdruck macht, wenn an sie einfriert. Unabhängig von der Musik.
28.2.2013
Heute ist Donnerstag und der letzte Tag des Monats. Das ist eigentlich nichts Besonderes, für Marius und mich jedoch schon, da wir heute auf ein Konzert gehen. Außerdem müssen wir wegen dem Konzert nur fünf Stunden arbeiten. Wir haben uns vor kurzem für Sum41 und Billy Talent Konzerttickets in Melbourne gekauft, heute ist es soweit. Gegen drei Uhr kocht Linda uns noch ein leckeres Essen zur Stärkung und ab geht’s nach Melbourne. „Stahl-Kahl“, wie wir Karl ab jetzt insgeheim nennen (danke Krisha) erklärt, dass er von der amerikanischen Musik nicht viel halte. Wir sind vorsichtshalber vier Stunden vorher losgefahren und schaffen es so auch pünktlich anzukommen. Das Konzert ist im „Palace Theatre“, dort werden normalerweise Theaterstücke aufgeführt. Das Konzert ist echt geil. Sum41 wirken etwas verschlafen, dafür rocken Billy Talent jedoch umso mehr.
1.3.2013
Etwas verschlafen und müde kommen wir zur Arbeit und Linda steht schon erwartungsvoll in der Tür und ruft „Mensch, ihr seht aber verrockt aus!“. Leider sind wir beide wegen dem nervigen Piepton, den wir seit gestern auf den Ohren haben nicht in Stimmung über so was zu lachen. Beim Frühstückstisch eröffnet sie uns, dass „verrockt“ eine Kombination der Worte „verrückt“ und „rocken“ ist, das Wortspiel ergibt zwar jetzt einen Sinn, ändert jedoch nicht unsere Lust aufs Lachen. Den Rest des Tages stapeln wir wieder Holzklötze und haben Spaß mit dem Trecker. Gestern haben wir uns sehr angestrengt schnell zu arbeiten, damit wir u.A. schneller zum Konzert können und da meinte Linda, dass wir ziemlich langsam gearbeitet hätten und sie uns deswegen eine Stunde von unserer Arbeitszeit abzieht. Heute, mit Brummschädel, geschieht alles tatsächlich nur in Zeitlupe und Linda plaudert uns am Ende des Tages zu, dass sie sehr zufrieden mit unserer Arbeit sei.
2.3.2013
Heute dürfen wir endlich wieder sägen, Linda ist sich todsicher, dass der Vollmond vorbei ist und dass das Holz jetzt endlich wieder gut brennt. Wolle, der andere Angestellte, und ich sollen ein paar Bäume fällen und noch mehr Feuerholz sägen. Marius und mir ist schon öfters aufgefallen, dass er öfters eine Alkoholfahne hat. Heute morgen haben wir beobachtet, wie Wolle zu seinem Auto gegangen ist, sich hingekniet hat und mit einem deutlichen „GULK!“ irgendwas geleert hat. Seitdem hat er stets gelallt und noch mehr nach Alkohol gestunken. Wir haben in seinem Kofferraum geschaut und ein fünf Liter Paket Goon, also Rotwein, gefunden. Knallt der Typ sich ernsthaft ‚n Billigwein während der Arbeit rein? Auf jeden Fall soll ich mit ihm zusammen Bäume fällen. Wolle schnappt sich mit seinen läppischen 65 Jahren die Kettensäge und wackelt los zum Bäume fällen. Er erklärt mir, dass er, dank seiner ewigen Erfahrung, super Bäume fällen könne. Na dann mal los, wir sind beide motiviert und gespannt was passiert. Baum eins fällt mitten auf die Straße und Baum zwei auf den Zaun vom Nachbarn. Ob er das noch toppen kann? Klar! Baum drei fällt ebenfalls auf den Zaun und Baum vier ist zum Glück recht klein, denn er landet auf seiner Schulter. Weiter geht’s mit Baum fünf, welcher eine beachtliche Größe hat, hierfür möchte Wolle die Seilbinde von seinem Auto benutzen: Ich binde seine Seilbinde am Baum fest und er zieht mit seinem Auto, während ich säge. Ich vergleiche kurz die Höhe des Baumes mit dem Abstand von Wolles Auto zum Baum und weise ihn darauf hin, dass er besser weiter hinten parken und ziehen sollte, da der Baum in Wolles Richtung fallen wird und der Baum ist höher als der Abstand zwischen Baum und Auto. Wolle behauptet jedoch, dass passe locker.
…
Hier hat dieser Kerl echt Glück gehabt: Der Baum kracht ca. 40cm neben Wolles Auto auf den Boden. Was soll an dazu sagen? Wolle made my day.
3.3.2013
Heute haben wir frei und gehen einkaufen. Im Woolworth ist uns etwas Merkwürdiges aufgefallen, wir nennen es das „Porree- Rätsel“. Wir beide haben mal wieder keine Ahnung was wir kochen sollen und deswegen suchen wir unsere Inspiration in den Einkaufwägen der anderen Leute. Fast jede Frau, die optisch wie eine Hausfrau, aussieht kauft Porree ein. Marius bestätigt mir, dass auch seine Mutter vom Einkaufen stets mit einer Stange Porree vom Einkaufen zurück käme. Nun das Rätsel: Wofür braucht man das?
Uns fällt beiden nur eine Suppe ein, in der Porree drin ist, warum kaufen alle Frauen immer Porree? Gibt es irgendwo ein riesiges Porree-Lager, wo alle Frauen den Porree hinbringen oder kriegen wir beide einfach nie mit, dass Porree im Essen war?
Desweiteren wird es langsam Zeit, dass ich unsere Campingnachbarn vorstelle, mit denen wir in letzter Zeit sehr viel machen:
-Michelle, Gladice und Andy kommen aus Belgien und sind echt cool drauf. Die erleben hier offenbar ein zweites „Woodstock“: Wir haben sie schon öfters Nachts nackt baden gehen sehen und letztens haben sie eine Schlammschlacht gemacht (wo auch immer die den Schlamm her hatten). Gestern früh kam Andy um acht Uhr mit einer Tasse Rotwein zu mir und hat mir einen Schluck angeboten. Ich habe ihm erklärt, dass es gerade mal acht geschlagen hat, er guckt auf die Uhr, wirkt leicht irritiert, sagt:“ yeah, it’s eight o’clock“, fragt mich noch mal ob ich etwas Wein möchte und trottet nach meiner erneuten Verneinung von dannen.
-Romain kommt aus einem Vorort von Paris und reist allein. Er ist 23 und wir verstehen uns sehr gut mit ihm.
-Eric kommt aus Quebec, Kanada, dem französischen Teil. Er versteht sich super mit den Franzosen und hat es geschafft drei Wochen mit nur zwei Dollar auszukommen. Ein echter Sparfuchs.
Tiffan, Marion und Elise sind drei Französinnen, die ihr Auto knallbunt angemalt haben. Sie zelten seit längerer Zeit neben uns und wir verstehen uns ebenfalls sehr gut.
5.3.2013
Heute hat Linda zum Frühstück gebratene Tomaten zubereitet. Sie erklärt, dass die gebratenen Tomaten die DNA beschützen und so die Chromosomen faszinierender Weise ebenfalls komplett geschützt seien.
STOP! Wenn ich mich recht an den Biologieunterricht erinnere, ist damit das Problem der Unsterblichkeit gelöst. Sind wir jetzt unsterblich? Warum verrät sie den Trick mit den geschmorten Tomaten nicht den Leuten aus der Biologieforschung? Die forschen Jahre lang wie man unsterblich werden kann und Linda kocht ein paar Tomaten und löst so locker flockig am Frühstückstisch das Problem der Unsterblichkeit. Marius fühlt sich seit dem unbesiegbar und hat noch mehr Spaß mit der Kettensäge.
Wie soll man das bitte ernst nehmen?
Den Rest des Tages werden wir wieder in den Wald geschickt um ein paar Bäume zu ernten.
6.3.2013
Uns ist schon vor längerem aufgefallen, dass Linda eher „die Hosen anhat“ als Karl. Karl ist nämlich alles total egal. Karl hat uns am dritten Arbeitstag gesagt, dass er noch ca. drei Tage Arbeit für uns habe. Linda wusste jedoch noch alles Mögliche zu tun. Karl antwortet, egal was man sagt, immer mit „jojoa“. Heute haben wir die beiden diskutieren gehört und das ging in etwa so:
Karl: “Linda, wir brauche die Jungs doch gar nicht mehr, das könne doch alles de’ Kinder von de’ Helena mache!“
Linda: „Nein Karl! Die Bäume sind doch viel zu schwer! Wer soll die denn alle tragen?
Karl: „ Na de’ Daniel is ‚n faule Lump! Wenn der drei Hände hätt’, bräucht’ er auch drei Tasche!“
Linda: „was?“
Karl: „Na de’ Daniel is ‚n faule Lump! Wenn der drei Hände hätt’, bräucht’ er auch drei Tasche!“
Linda: „Der Daniel hat noch gar kein Auto!“
Karl:“ Jojoa!“
…
Offenbar sind wir beide dank Karls chronischer Unlust auf eine Diskussion mit Linda immer noch eingestellt. Linda hat öfters Probleme zu verstehen was andere ihr sagen, ihrem Hörgerät hat sie bereits abgeschworen.
8.3.2013
Freitag! Heute ist ein schöner Tag! 1. ist heute Zahltag und 2. arbeiten wir heute nicht so lange. Karl schaut sich kurz unsere Stundenzettel an, murmelt ein Mal „Jojoa“ und schaut, ob er zufällig noch genügend Geld da hat. Bei der Verabschiedung erklärt er uns noch, dass die heutige Jugend nicht mehr das sei, was sie ein Mal war. Wir bedanken uns noch für das Kompliment und fahren zu den Belgiern, Franzosen und Kanadiern, da wir heute vorhaben, mit denen in eine Kneipe mit Lifemusik zu gehen. Wir schaffen es beide einen der freien Sitzplätze im Auto zu ergattern und freuen uns auf einen coolen Barabend. Die Band ist besser als erwartet, obwohl das Publikum eigentlich nur aus Leuten von unserem Campingplatz besteht. Nach ca. 30 Minuten treffen wir auf Eric, der sich total Blau mit einer Flasche Tequilla in Hand entschuldigt, dass er nicht mehr fahren kann. Hmm, dabei müssen Marius und ich doch morgen zur Arbeit! Schlussendlich finden wir Platz bei Tiffan, Marion und Elise.
10.3.2013
Heute haben wir einen Tag frei und fahren wir nach Melbourne, wir wollen zum Hard Rock Café. Auf der Hinfahrt haben wir ein bisschen in meinem Blog rumgestöbert und festgestellt, dass uns schon echt viele komische Sachen passiert sind. Wir waren drei Mal bei einem Reifenhändler und hatten drei Mal danach einen platten Reifen. Wir hatten einen vielleicht kriminellen Anhalter an Bord. Wir hatten bis jetzt nur komische Chefs oder arbeiten mit einem „Alki“ zusammen. Genau in diesem Moment, wo wir sowieso schon alles so komisch finden, sehen wir rechts neben uns an der Ampel einen feschen Hip Hopper wie er im Buche steht, viel zu großes T-Shirt, Baggy-Hose unter den Knieen und sowieso total cool drauf. In seiner Hand: ein Bündel grüner Spargel, in das er mehrere Male genüsslich reinbeißt.
Na toll, jetzt finden wir garantiert Nichts mehr Normal.
Der Besuch im Hard Rock Cafe fällt leider aus, da das Café vor kurzem geschlossen hat.
12.3.2013
Heute ist unser letzter Arbeitstag und wir dürfen wie immer Holz hohlen. Linda begutachtet unsere erste Lieferung und bekommt fast einen Herzkasper: die gesägten Stücke sind viel zu klein. Mindestens einen halben Meter sollen die Stücke sein. Alles klar, ab jetzt sägen wir keine Pizza-Brettchen mehr, aber wer soll die Stücke hochheben? Mittlerweile haben die Stücke einen Durchmesser von bis zu 80Cm, wenn wir die einen halben Meter lang sägen, bekommen die zwei die doch nie wieder einen Zentimeter bewegt. Marius und ich holen eine weitere Ladung von den Zentnerstücken und beschließen Feierabend zu machen. Wenn Wolle die ganzen Stücke spalten muss, hat er ordentlich was zu tun. Der Arme.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zeit bei Linda und Karl echt cool war. Linda hat immer super für uns gekocht und Karl war zwar offenbar alles egal, er hat ja immer nur „jojoa“ gesagt, war aber trotzdem ebenfalls sehr freundlich. Die Bezahlung war auch mehr als fair.
Letzte Woche haben wir Tiffan, Marion und Elise mit dem Auto abgeschleppt, da sie irgendein Problem mit dem Auto hatten. Jetzt klingelt schon wieder unser Handy, ein weiterer Kerl vom Campingplatz kann hat ein Problem mit dem Auto. Sven ist von Deutschland aus bis Hong Kong mit dem Fahrrad gefahren und von da aus nach Australien geflogen. Mit seinem Fahrrad habe er noch nie so ein Problem gehabt, erklärt er mir. Wir ziehen ihn zur nächsten Werkstatt und fahren im Anschluss zum Campingplatz, da morgen fast alle von den eben vorgestellten Freunden weiterreisen und wir eine Abschlussparty machen.
13.3.2013
Heute hat Marius einen Termin beim Zahlarzt. Wusstet ihr, dass Zähne, wenn man sie in Cola einlegt, sich auflösen? Genau das war bei Marius offenbar der Fall. Die Ärztin bohrt ein bisschen in Marius Mund rum, kleistert noch was zu und er ist geheilt. Den Rest des Tages packen wir unsere Sachen zusammen und fahren endlich hier weg. Wir sind seid Weihnachten auf dem gleichen Platz und heute reisen wir endlich weiter! Jedoch nicht viel, wir sind beide total unmotiviert beim Aufräumen. Wir wundern uns wo wir schon wieder soviel Kram her haben, ist das alles von uns? Wir verschenken noch ein paar Schuhe die keinem passen, eine Leiter, zwei Stühle und ein halbes Kartenspiel und reisen dann endlich los!
15.3.2013
Noch zwei Monate, dann geht’s schon wieder nach Hause. Heute sind wir in Eden angekommen, wir haben den Staat „Victoria“ endlich verlassen.
Gestern haben wir einen Tag frei gehabt, da es in Strömen geregnet hat. Heute regnet es auch noch, Marius darf heute jedoch anstreichen und ich soll das zuvor gesägte Holz stapeln. Linda hat uns außerdem erklärt, dass man heute kein Holz sägen dürfe. Heute ist Vollmond, Holz, das man an Vollmond säge, brenne nicht, erklärt sie mir mit vernichtender Ernsthaftigkeit. Keine Ahnung woher sie diese Information hat, sie scheint es offenbar tatsächlich zu glauben. Wenn sie diesen Trick mal den Leuten aus der Holzsägefabrik verrät, freuen die sich bestimmt ‚n Stein ins Brett: einen Feiertag pro Monat mehr und endlich ist geklärt, warum das Holz einmal im Monat nicht brennt. Damit kommt sie bestimmt noch ganz groß raus. Sie hat uns auch schon erklärt, dass Tomaten auch Gefühle haben. Genau wie Bäume oder Wasser. Wenn man einen Schluck Wasser bspw. mit „schöner“ Musik bespielt und ihn einfriert, nehme er eine schöne Form an, wenn man ihn jedoch mit „unschöner“ Musik bespielt, nehme er beim Frieren eine nicht so schöne Form an. Die Definition von „schön“ und „unschön“ setzt sie mit ihrer eigenen gleich. Verleugnet sie damit nicht die Individualität des Musikeschmacks von Wassertropfen? Dieses Thema ist sogar Marius und mir zu absurd, fest steht, dass Linda sicherlich keinen schönen Gesichtsausdruck macht, wenn an sie einfriert. Unabhängig von der Musik.
28.2.2013
Heute ist Donnerstag und der letzte Tag des Monats. Das ist eigentlich nichts Besonderes, für Marius und mich jedoch schon, da wir heute auf ein Konzert gehen. Außerdem müssen wir wegen dem Konzert nur fünf Stunden arbeiten. Wir haben uns vor kurzem für Sum41 und Billy Talent Konzerttickets in Melbourne gekauft, heute ist es soweit. Gegen drei Uhr kocht Linda uns noch ein leckeres Essen zur Stärkung und ab geht’s nach Melbourne. „Stahl-Kahl“, wie wir Karl ab jetzt insgeheim nennen (danke Krisha) erklärt, dass er von der amerikanischen Musik nicht viel halte. Wir sind vorsichtshalber vier Stunden vorher losgefahren und schaffen es so auch pünktlich anzukommen. Das Konzert ist im „Palace Theatre“, dort werden normalerweise Theaterstücke aufgeführt. Das Konzert ist echt geil. Sum41 wirken etwas verschlafen, dafür rocken Billy Talent jedoch umso mehr.
1.3.2013
Etwas verschlafen und müde kommen wir zur Arbeit und Linda steht schon erwartungsvoll in der Tür und ruft „Mensch, ihr seht aber verrockt aus!“. Leider sind wir beide wegen dem nervigen Piepton, den wir seit gestern auf den Ohren haben nicht in Stimmung über so was zu lachen. Beim Frühstückstisch eröffnet sie uns, dass „verrockt“ eine Kombination der Worte „verrückt“ und „rocken“ ist, das Wortspiel ergibt zwar jetzt einen Sinn, ändert jedoch nicht unsere Lust aufs Lachen. Den Rest des Tages stapeln wir wieder Holzklötze und haben Spaß mit dem Trecker. Gestern haben wir uns sehr angestrengt schnell zu arbeiten, damit wir u.A. schneller zum Konzert können und da meinte Linda, dass wir ziemlich langsam gearbeitet hätten und sie uns deswegen eine Stunde von unserer Arbeitszeit abzieht. Heute, mit Brummschädel, geschieht alles tatsächlich nur in Zeitlupe und Linda plaudert uns am Ende des Tages zu, dass sie sehr zufrieden mit unserer Arbeit sei.
2.3.2013
Heute dürfen wir endlich wieder sägen, Linda ist sich todsicher, dass der Vollmond vorbei ist und dass das Holz jetzt endlich wieder gut brennt. Wolle, der andere Angestellte, und ich sollen ein paar Bäume fällen und noch mehr Feuerholz sägen. Marius und mir ist schon öfters aufgefallen, dass er öfters eine Alkoholfahne hat. Heute morgen haben wir beobachtet, wie Wolle zu seinem Auto gegangen ist, sich hingekniet hat und mit einem deutlichen „GULK!“ irgendwas geleert hat. Seitdem hat er stets gelallt und noch mehr nach Alkohol gestunken. Wir haben in seinem Kofferraum geschaut und ein fünf Liter Paket Goon, also Rotwein, gefunden. Knallt der Typ sich ernsthaft ‚n Billigwein während der Arbeit rein? Auf jeden Fall soll ich mit ihm zusammen Bäume fällen. Wolle schnappt sich mit seinen läppischen 65 Jahren die Kettensäge und wackelt los zum Bäume fällen. Er erklärt mir, dass er, dank seiner ewigen Erfahrung, super Bäume fällen könne. Na dann mal los, wir sind beide motiviert und gespannt was passiert. Baum eins fällt mitten auf die Straße und Baum zwei auf den Zaun vom Nachbarn. Ob er das noch toppen kann? Klar! Baum drei fällt ebenfalls auf den Zaun und Baum vier ist zum Glück recht klein, denn er landet auf seiner Schulter. Weiter geht’s mit Baum fünf, welcher eine beachtliche Größe hat, hierfür möchte Wolle die Seilbinde von seinem Auto benutzen: Ich binde seine Seilbinde am Baum fest und er zieht mit seinem Auto, während ich säge. Ich vergleiche kurz die Höhe des Baumes mit dem Abstand von Wolles Auto zum Baum und weise ihn darauf hin, dass er besser weiter hinten parken und ziehen sollte, da der Baum in Wolles Richtung fallen wird und der Baum ist höher als der Abstand zwischen Baum und Auto. Wolle behauptet jedoch, dass passe locker.
…
Hier hat dieser Kerl echt Glück gehabt: Der Baum kracht ca. 40cm neben Wolles Auto auf den Boden. Was soll an dazu sagen? Wolle made my day.
3.3.2013
Heute haben wir frei und gehen einkaufen. Im Woolworth ist uns etwas Merkwürdiges aufgefallen, wir nennen es das „Porree- Rätsel“. Wir beide haben mal wieder keine Ahnung was wir kochen sollen und deswegen suchen wir unsere Inspiration in den Einkaufwägen der anderen Leute. Fast jede Frau, die optisch wie eine Hausfrau, aussieht kauft Porree ein. Marius bestätigt mir, dass auch seine Mutter vom Einkaufen stets mit einer Stange Porree vom Einkaufen zurück käme. Nun das Rätsel: Wofür braucht man das?
Uns fällt beiden nur eine Suppe ein, in der Porree drin ist, warum kaufen alle Frauen immer Porree? Gibt es irgendwo ein riesiges Porree-Lager, wo alle Frauen den Porree hinbringen oder kriegen wir beide einfach nie mit, dass Porree im Essen war?
Desweiteren wird es langsam Zeit, dass ich unsere Campingnachbarn vorstelle, mit denen wir in letzter Zeit sehr viel machen:
-Michelle, Gladice und Andy kommen aus Belgien und sind echt cool drauf. Die erleben hier offenbar ein zweites „Woodstock“: Wir haben sie schon öfters Nachts nackt baden gehen sehen und letztens haben sie eine Schlammschlacht gemacht (wo auch immer die den Schlamm her hatten). Gestern früh kam Andy um acht Uhr mit einer Tasse Rotwein zu mir und hat mir einen Schluck angeboten. Ich habe ihm erklärt, dass es gerade mal acht geschlagen hat, er guckt auf die Uhr, wirkt leicht irritiert, sagt:“ yeah, it’s eight o’clock“, fragt mich noch mal ob ich etwas Wein möchte und trottet nach meiner erneuten Verneinung von dannen.
-Romain kommt aus einem Vorort von Paris und reist allein. Er ist 23 und wir verstehen uns sehr gut mit ihm.
-Eric kommt aus Quebec, Kanada, dem französischen Teil. Er versteht sich super mit den Franzosen und hat es geschafft drei Wochen mit nur zwei Dollar auszukommen. Ein echter Sparfuchs.
Tiffan, Marion und Elise sind drei Französinnen, die ihr Auto knallbunt angemalt haben. Sie zelten seit längerer Zeit neben uns und wir verstehen uns ebenfalls sehr gut.
5.3.2013
Heute hat Linda zum Frühstück gebratene Tomaten zubereitet. Sie erklärt, dass die gebratenen Tomaten die DNA beschützen und so die Chromosomen faszinierender Weise ebenfalls komplett geschützt seien.
STOP! Wenn ich mich recht an den Biologieunterricht erinnere, ist damit das Problem der Unsterblichkeit gelöst. Sind wir jetzt unsterblich? Warum verrät sie den Trick mit den geschmorten Tomaten nicht den Leuten aus der Biologieforschung? Die forschen Jahre lang wie man unsterblich werden kann und Linda kocht ein paar Tomaten und löst so locker flockig am Frühstückstisch das Problem der Unsterblichkeit. Marius fühlt sich seit dem unbesiegbar und hat noch mehr Spaß mit der Kettensäge.
Wie soll man das bitte ernst nehmen?
Den Rest des Tages werden wir wieder in den Wald geschickt um ein paar Bäume zu ernten.
6.3.2013
Uns ist schon vor längerem aufgefallen, dass Linda eher „die Hosen anhat“ als Karl. Karl ist nämlich alles total egal. Karl hat uns am dritten Arbeitstag gesagt, dass er noch ca. drei Tage Arbeit für uns habe. Linda wusste jedoch noch alles Mögliche zu tun. Karl antwortet, egal was man sagt, immer mit „jojoa“. Heute haben wir die beiden diskutieren gehört und das ging in etwa so:
Karl: “Linda, wir brauche die Jungs doch gar nicht mehr, das könne doch alles de’ Kinder von de’ Helena mache!“
Linda: „Nein Karl! Die Bäume sind doch viel zu schwer! Wer soll die denn alle tragen?
Karl: „ Na de’ Daniel is ‚n faule Lump! Wenn der drei Hände hätt’, bräucht’ er auch drei Tasche!“
Linda: „was?“
Karl: „Na de’ Daniel is ‚n faule Lump! Wenn der drei Hände hätt’, bräucht’ er auch drei Tasche!“
Linda: „Der Daniel hat noch gar kein Auto!“
Karl:“ Jojoa!“
…
Offenbar sind wir beide dank Karls chronischer Unlust auf eine Diskussion mit Linda immer noch eingestellt. Linda hat öfters Probleme zu verstehen was andere ihr sagen, ihrem Hörgerät hat sie bereits abgeschworen.
8.3.2013
Freitag! Heute ist ein schöner Tag! 1. ist heute Zahltag und 2. arbeiten wir heute nicht so lange. Karl schaut sich kurz unsere Stundenzettel an, murmelt ein Mal „Jojoa“ und schaut, ob er zufällig noch genügend Geld da hat. Bei der Verabschiedung erklärt er uns noch, dass die heutige Jugend nicht mehr das sei, was sie ein Mal war. Wir bedanken uns noch für das Kompliment und fahren zu den Belgiern, Franzosen und Kanadiern, da wir heute vorhaben, mit denen in eine Kneipe mit Lifemusik zu gehen. Wir schaffen es beide einen der freien Sitzplätze im Auto zu ergattern und freuen uns auf einen coolen Barabend. Die Band ist besser als erwartet, obwohl das Publikum eigentlich nur aus Leuten von unserem Campingplatz besteht. Nach ca. 30 Minuten treffen wir auf Eric, der sich total Blau mit einer Flasche Tequilla in Hand entschuldigt, dass er nicht mehr fahren kann. Hmm, dabei müssen Marius und ich doch morgen zur Arbeit! Schlussendlich finden wir Platz bei Tiffan, Marion und Elise.
10.3.2013
Heute haben wir einen Tag frei und fahren wir nach Melbourne, wir wollen zum Hard Rock Café. Auf der Hinfahrt haben wir ein bisschen in meinem Blog rumgestöbert und festgestellt, dass uns schon echt viele komische Sachen passiert sind. Wir waren drei Mal bei einem Reifenhändler und hatten drei Mal danach einen platten Reifen. Wir hatten einen vielleicht kriminellen Anhalter an Bord. Wir hatten bis jetzt nur komische Chefs oder arbeiten mit einem „Alki“ zusammen. Genau in diesem Moment, wo wir sowieso schon alles so komisch finden, sehen wir rechts neben uns an der Ampel einen feschen Hip Hopper wie er im Buche steht, viel zu großes T-Shirt, Baggy-Hose unter den Knieen und sowieso total cool drauf. In seiner Hand: ein Bündel grüner Spargel, in das er mehrere Male genüsslich reinbeißt.
Na toll, jetzt finden wir garantiert Nichts mehr Normal.
Der Besuch im Hard Rock Cafe fällt leider aus, da das Café vor kurzem geschlossen hat.
12.3.2013
Heute ist unser letzter Arbeitstag und wir dürfen wie immer Holz hohlen. Linda begutachtet unsere erste Lieferung und bekommt fast einen Herzkasper: die gesägten Stücke sind viel zu klein. Mindestens einen halben Meter sollen die Stücke sein. Alles klar, ab jetzt sägen wir keine Pizza-Brettchen mehr, aber wer soll die Stücke hochheben? Mittlerweile haben die Stücke einen Durchmesser von bis zu 80Cm, wenn wir die einen halben Meter lang sägen, bekommen die zwei die doch nie wieder einen Zentimeter bewegt. Marius und ich holen eine weitere Ladung von den Zentnerstücken und beschließen Feierabend zu machen. Wenn Wolle die ganzen Stücke spalten muss, hat er ordentlich was zu tun. Der Arme.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Zeit bei Linda und Karl echt cool war. Linda hat immer super für uns gekocht und Karl war zwar offenbar alles egal, er hat ja immer nur „jojoa“ gesagt, war aber trotzdem ebenfalls sehr freundlich. Die Bezahlung war auch mehr als fair.
Letzte Woche haben wir Tiffan, Marion und Elise mit dem Auto abgeschleppt, da sie irgendein Problem mit dem Auto hatten. Jetzt klingelt schon wieder unser Handy, ein weiterer Kerl vom Campingplatz kann hat ein Problem mit dem Auto. Sven ist von Deutschland aus bis Hong Kong mit dem Fahrrad gefahren und von da aus nach Australien geflogen. Mit seinem Fahrrad habe er noch nie so ein Problem gehabt, erklärt er mir. Wir ziehen ihn zur nächsten Werkstatt und fahren im Anschluss zum Campingplatz, da morgen fast alle von den eben vorgestellten Freunden weiterreisen und wir eine Abschlussparty machen.
13.3.2013
Heute hat Marius einen Termin beim Zahlarzt. Wusstet ihr, dass Zähne, wenn man sie in Cola einlegt, sich auflösen? Genau das war bei Marius offenbar der Fall. Die Ärztin bohrt ein bisschen in Marius Mund rum, kleistert noch was zu und er ist geheilt. Den Rest des Tages packen wir unsere Sachen zusammen und fahren endlich hier weg. Wir sind seid Weihnachten auf dem gleichen Platz und heute reisen wir endlich weiter! Jedoch nicht viel, wir sind beide total unmotiviert beim Aufräumen. Wir wundern uns wo wir schon wieder soviel Kram her haben, ist das alles von uns? Wir verschenken noch ein paar Schuhe die keinem passen, eine Leiter, zwei Stühle und ein halbes Kartenspiel und reisen dann endlich los!
15.3.2013
Noch zwei Monate, dann geht’s schon wieder nach Hause. Heute sind wir in Eden angekommen, wir haben den Staat „Victoria“ endlich verlassen.
Montag, 25. Februar 2013
Das Ende vom Ben, ein Baumhaus Bob und echt komische Großeltern
15.2.2013
Wir haben Freitag und schon wieder gibt es nichts Neues vom Ben. Ben hat uns nur eine Sms geschrieben, dass er nächste Woche mehr Arbeit für uns habe. Laut den Weingütern, bei denen wir nach Arbeit gefragt haben, beginnt die Ernte der Trauben ab nächster Woche, dementsprechend könnte sich das mit der Arbeit sogar ausnahmsweise mal bewahrheiten. Wenn wir allerdings am Sonntag keine Nachricht von Ben bekommen, dass er uns alle vier gebrauchen kann, verlassen wir die Weingegend hier endlich und fangen wieder an zu reisen. Zur Zeit ist in dieser Gegend der Wein, Äpfel und Zitronen erntereif. Zitronen gibt es jedoch nicht viel in dieser Gegend, Äpfel werden meist schlecht bezahlt und alles was mit Wein zu tun hat läuft über Ben.
17.2.2013
So, heute ist Sonntag und Tuna und ich rufen Ben an. Tuna telefoniert ein paar Minuten mit Ben und das Ergebnis ist schon wieder typisch australisch für Marius und mich. Ben erklärt, dass er Marius und mich nicht mehr haben will, da wir beide öfters nicht zu Arbeit erschienen wären und faul seien.
???
Hää? Also, hö?
Stopp! Jetzt mal langsam mit den Pferden, Ben hat keine Arbeit für uns und wir werden gefeuert weil wir nicht hingehen? Tuna und Simon wird gesagt, dass dies ihre letzte Chance sei, wenn sie noch mal zu spät kämen, wären sie auch gefeuert. Ist der Kerl irgendwie verwirrt? Der hämmert sich offenbar jeden Abend ein paar Flaschen Wein in den Kopp und versucht anschließend irgendwelche Backpacker irgendwo hin zu bestellen. Ich rufe ihn sofort an um seine eindeutige Verwechslung richtig zu stellen, dass wir gar keinen Job hatten und so die Behauptung „wir wären zu spät gekommen“ eindeutig nicht zutreffen kann. Er lehnt meine Anrufe stets ab. Na toll, hier gibt’s für Backpacker genau eine Branche in der man gut Geld verdienen kann und in dieser Branche werden Marius und ich zu 100% keinen Job finden.
Aber was ist das denn hier? Was ist das bitte für eine Arbeitssituation?
Unser erster Chef in Perth kündigt ständig seine Angestellten um sie am Folgetag wiedereinzustellen, lädt uns an dem Tag an dem sein Vater gestorben ist auf ein Bier ein und verschätzt sich bei seinen Bestellungen im fünfstelligen Bereich.
Unsere zweite Chefin, wir nennen sie „Mettchen“, ist kugelrund und zahlt ihren Angestellten nur einen Hungerlohn und wundert sich anschließend über ein schlechtes Arbeitsergebnis.
Beim dritten Versuch treffen wir auf Ben und, nun ja, offenbar schafft dieser es nicht mal ansatzweise sich einen Überblick über seine Angestellten zu verschaffen und die Tatsache, dass dieser Kerl sehr offenbar sehr viel um die Ohren hat relativiert in meinen Augen nicht mal ansatzweise den Punkt, dass er wegen einer Verwechslung schon fast willkürlich seine Angestellten durcheinander bringt und kündigt. Dass er angeblich keine Franzosen einstellt mag zwar ein Gerücht sein, wir haben und jedoch schon gewundert, dass seine erste Frage als wir eingestellt wurden auf unsere Nation bezogen war, Franzosen haben wir auch noch keine auf der Arbeit getroffen, obwohl wir schon sehr viele Leute auf der Arbeit kennengelernt haben und Franzosen gibt es hier in Australien noch mehr als Deutsche.
Was ist das bitte für Arbeitseinstellung?
Nachdem Marius und mir keine negativen Adjektive oder Schimpfwörter eingefallen sind haben wir uns noch ein paar Wörter ausgedacht, danach haben wir beschlossen, uns um einen anderen Job zu bemühen, wenn wir keinen Job finden, besuchen wir Ben in seinem Büro und erklären ihm was wir von ihm halten. Das „Phantom“ hat bis jetzt noch keine gesehen, wir haben immer nur übers Handy mit ihm Kontakt gehabt.
16.2.2013
Immerhin dürfen wir heute ausschlafen. Wir brechen gegen zehn Uhr auf und beschließen einfach alles zu geben. Wenn man einen Job will, findet man auch einen. Der erste Arbeitgeber lebt in einem riesigen Baumhaus und heißt „Boinga Bob“. Er erklärt verschlafen, dass er uns super gebrauchen könnte, jedoch völlig pleite sei. Anschließend fragen wir zwei Rentner am Straßenrand nach dem Weg zu einer Farm, da wir dort arbeiten wollen und, nachdem die beiden sich kurz beratschlagt haben höre ich in eindeutigem Deutsch die Worte „Mensch Linda, eigentlich könnte’ die Jungs doch hier super anpacke’ mit de’ Büsche und Bäume“. Wir outen uns schlagartig als Deutsche und kommen sofort ins Gespräch. Karl ist 69, lebt seit 30 Jahren in Australien und hat Maschinenbau studiert, Linda ist bereits 75 und hat eine unglaublich ausführliche Vergangenheit. Wir können morgen anfangen. Job? Check!
17.2.2013
Pünktlich um acht Uhr erreichen wir die traumhaft schöne Villa, die auf einem Berg gebaut ist und mit 42 Hektar Land auf jeden Fall auf eine Menge Geld schließen lässt. Linda und Karl sind noch gar nicht richtig wach, verschlafen bitten sie uns, den Tisch zu decken, es gebe erst noch einen Kaffee. Wolfgang ist 65 und arbeitet auch für Linda und Karl, auch er ist Deutscher. Karl erzählt mir beim Frühstück, dass die USA bereits 10.000 Dronen los geschickt hätten und so die Welt überwache. Jedes Telefongespräch und jede Sms werde abgehört, überprüft und nochmals geprüft.
Hmm, die Theorie ist zwar wage, aber interessant. Anschließend beschwert sich Karl über die Engstirnigkeit der Australier und hält mir einen Vortrag über die Verdummung des Volkes. Zuerst zeigt uns Karl seine riesige Maschinensammlung, Marius stellt fest, dass fast alle Maschinen deutscher Herkunft sind.
Als erstes kramt Karl zwei „Stihl“ Kettensägen aus seiner Werkbank und schickt uns Holz holen. Nachdem wir alles in mundgerechte Stücke zersägt hatten hat Karl uns erklärt, dass er das Holz noch kleiner haben möchte. Dafür hat er bereits in einer anderen Ecke seiner Garage eine riesige Spaltmaschine parat gemacht, mit der wir das Holz spalten sollen.
Gegen Abend lädt Linda uns noch zum Essen ein, sie hat für uns alle gekocht. Es schmeckt sehr lecker, Karl bedauert jedoch, dass ihm das Essen nicht schmecke weil es schlecht gewürzt sei, Linda verweist auf ihre Pfefferallergie.
18.2.2013
Heute sagt Linda, sie könne uns im Garten gebrauchen. Marius und ich zeigen ihr unsere zwei linken Hände, sie wirkt zwar leicht irritiert, drückt uns jedoch trotzdem eine Schaufel in die Hand und erklärt, wir sollten den Garten von Unkraut befreien. Marius und ich gucken uns fragend an und beschließen, einfach alles was nicht schön ist rauszurupfen und zu hoffen, dass Linda nicht mehr allzu viel sieht. Leider sind ihre Augen okay und sie beschließt uns andere Arbeiten zu geben. Marius stapelt weiter Holz in die Höhe und mir drückt sie einen Rasenmäher in die Hand heißt mich den Rasen zu mähen. Super, mit Rasen mähen hab ich Erfahrung, schließlich mähe ich seit vier Jahren in der Nachbarschaft den Rasen. Seit der „Blumenernte“ scheint sie mir jedoch nicht mehr so zu vertrauen was den Garten betrifft. Nachdem ich Linda erklärt habe wie man den Rasenmäher anmacht, erklärt sie mir wie an ihn benutzt. Na toll, gestern durfte ich noch nach Lust und Laune mit ’ner Kettensäge rumlaufen und heute werde ich beim Rasen mähen eingewiesen. Na ja, immerhin werden wir nach Stundenlohn bezahlt, wenn sie mir Ewigkeiten erklären muss wie man einen Rasenmäher schiebt, kann sie uns auch gerne Geld dafür geben.
Linda kocht wieder und Karl fängt wieder an zu erzählen wie das mit de dritten Reich wirklich abgelaufen ist: Die Juden wurden gar nicht getötet, die Berichte und Filme die es gibt sind laut Karl „völlig Schwachsinnig“, es habe zu dieser Zeit gerade mal 2,8 Millionen Juden in Europa gegeben, dementsprechend kann Hitler auch keine sechs Millionen getötet haben. Alle Fotos die es gibt seien „gestellt“ bzw. Fotos von deutschen Soldaten oder einfach Bürgern aus Dresden.
STOP!
Ein paar Tage vorher habe ich mich beschwert, dass Marius und ich nie einen „normalen“ Chef in Australien haben. Was soll das denn ‚nu? ‚N deutscher Nazi? Das kann doch schon wieder nicht wahr sein.. Na ja, er bezahlt uns gut und ich wollte mich sowieso gerne mal mit jemanden unterhalten, der solche Ansichten vertritt.
Wolfgang, der andere Angestellte, ist auch ein cooler Typ. Offenbar hat er sich seit längeren nicht mehr mit Deutschen unterhalten, die nicht so komische Ansichten haben wie Karl und Linda, denn er hat uns bereits heute zum zweiten Mal seine komplette Lebensgeschichte erzählt. Er ist seit 40 Jahren hier, hat sich ein riesiges Haus gebaut und durch eine patentierte Erfindung viel Geld verdient. Seine Erfindung wurde geklaut und nachgebaut, den Prozess vor Gericht hat er verloren und musste so die Kosten von 500.000$ tragen. Seine Frau hat ihn vor kurzem verlassen. Wenn man sich seinen Lebenslauf so anschaut, befindet er sich jetzt offenbar auf der „Talsohle“, weiter bergab kann es nicht gehen. „Wolle“, wie Marius und ich ihn immer nennen, tut uns irgendwie leid, der hatte ja echt viel Pech. Wir beschließen ihn heute Abend mal zu besuchen. Wolles Hütte ist ebenfalls riesig, noch viel schöner als das Haus von Linda und Karl. Wolle erklärt jedoch, dass er verkaufen müsse, da er seine Frau nicht auszahlen könne. Echt unglaublich, er hat sich das Haus komplett selber hochgezimmert, nur für das Mauern hat er sich professionelle Hilfe kommen lassen. Er war quasi für alles andere sein eigener Bauherr.
Wir laden ihn auf ein Bier ein und er freut sich riesig, beim Abschied betont er, dass er sich stets über Besuch freue.
20.2.2013
Gestern haben wir angefangen einen riesigen Zaun vom Gestrüpp zu befreien. Dafür haben wir ein Harke, eine Kettensäge, zwei Motorsensen und eine Kollektion von aktuellen Gartenscheren in modischen gelb mit Teleskoparm bekommen. Die Ausrüstung ist echt der Hammer, wieso kauft er sich zwei Motorsensen die hier über 1000$ kosten? Ganz einfach, eine hat eine Metalscheibe vorne dran und die andere ein rotierendes Plastikkabel, wäre ja total ätzend, wenn er, falls er so ein Teil mal braucht, den Aufsatz wechseln muss.
Beim Essen erklärt Karl uns, dass die Deutschen im zweiten Weltkrieg eigentlich gar nicht die „Bösen“ waren. Wusstet ihr, dass England mehr Bomben auf Berlin geworfen hat, als Deutschland insgesamt auf ganz England? Hinzu kommen dann noch Angriffe auf Dresden oder Köln. Hier wäscht man dein Hirn!
Außerdem sind die Australier total blöd: als ehemalige britische Kolonie fühlen sie sich immer noch als Gewinner des Krieges und sind so von Stolz erfüllt. Daher kommt auch die „Hochnäsigkeit“. Hmm, ist und alles irgendwie neu, aber, wie bereits geschrieben, interessant.
22.2.2013
Was für eine Hitze! Das Thermometer beschwert sich über 39°C im Schatten und wir beide über Arbeit in der Sonne. Zum Glück hat Linda uns zwei fesche Gärtnerhüte mitgegeben und zehn Liter Wasser, die nach sechs Stunden leer sind. Linda bietet uns nach der Arbeit eine warme Dusche an, während Karl sich über das „Negerwetter“ beschwert. Echt herb, dieser Kerl.
23.2.2013
Heute arbeiten wir auch an einem Samstag. Wie wir dazu kommen fragen wir uns auf dem Weg zur Arbeit auch, wir bekommen jedoch ein nettes Gehalt und da wir beide seit ewig nicht mehr gekocht haben, da uns Linda diese Aufgabe immer abgenommen hat, beschließen wir zu arbeiten und was Leckeres abzustauben. Sie hat außerdem schon erklärt, dass sie für uns „Landsleute“ gerne mitkocht. Na, da haben wir beide doch mal Glück gehabt. Die Hitze heute ist vergleichbar mit der gestrigen und zum Start ins Wochenende geben sie uns jeweils ein „Oettinger“ Bier und wir vergnügen uns noch was in Pool.
Abends fahren wir mit Tuna und Simon zu ein paar anderes deutschen Backpackern, die die Beiden auf der Arbeit kennengelernt haben.
24.2.2013
Sonntag, endlich noch mal Wochenende. Die Wochen in denen wir nicht gearbeitet haben, hatten nie so ein richtiges Wochenende, wenn man sowieso frei hat, interessiert man sich nicht dafür, welchen Tag man hat. Wir nehmen uns viel vor wie aufräumen oder die Wäsche machen, im Endeffekt ist es jedoch darauf hinausgelaufen, dass wir einkaufen gegangen sind. Immerhin hatten wir ein leckeres Abendessen.
25.2.2013
Heute schaffen wir es auf der Arbeit den Auftrag mit der Hecke abzuschließen. Beim Abendbrot beginnt auf einmal die totale Hirnwäsche: Karl und Linda klären uns über alles auf, was über den Weltkrieg nicht stimmt. Wolfgang hat uns erklärt, dass er in keinem Punkt mit den beiden konform geht, jedoch dazu rät, in einer Diskussion einfach versuchen das Thema zu wechseln. Karl und Linda stellen das dritte Reich als total toll da, im Sinne von „damals war alles besser“ und „die armen Deutschen waren die Opfer, nicht die Angreifer“. Obamas „Negerpolitik“ sei das Letzte, das Leute wie Hillary Clinton oder Rockefeller jüdischer Abstammung sind, müsse auch nicht sein. Karl fände es besser, wenn das jemand anders mache.
Marius und ich distanzieren und vollständig von dem Sch**ß den die beiden dazu erzählen. Die zwei sind echt keine dummen Menschen, obwohl insbesondere Karl mir auf die Nerven geht. Er selber hat einen Realschulabschluss gemacht und anschließend Fachabi. Er fragt mich ständig, ob ich mich mit meinem „Vollabi“ als was Besseres fühle. Immer wenn ich irgendeine blöde Frage nicht beantworten sagt er so was wie:“ Mensch, das musse doch wisse’, du bis doch der schlaue mit Abitur“.
Eine Sache will ich noch klarstellen: Wenn wir beide hier nicht super Essen bekämen, einen Pool und jede Menge Geld, hätten wir schon längst dem Karl erklärt, was wir von seinem Müll halten.
Wir haben Freitag und schon wieder gibt es nichts Neues vom Ben. Ben hat uns nur eine Sms geschrieben, dass er nächste Woche mehr Arbeit für uns habe. Laut den Weingütern, bei denen wir nach Arbeit gefragt haben, beginnt die Ernte der Trauben ab nächster Woche, dementsprechend könnte sich das mit der Arbeit sogar ausnahmsweise mal bewahrheiten. Wenn wir allerdings am Sonntag keine Nachricht von Ben bekommen, dass er uns alle vier gebrauchen kann, verlassen wir die Weingegend hier endlich und fangen wieder an zu reisen. Zur Zeit ist in dieser Gegend der Wein, Äpfel und Zitronen erntereif. Zitronen gibt es jedoch nicht viel in dieser Gegend, Äpfel werden meist schlecht bezahlt und alles was mit Wein zu tun hat läuft über Ben.
17.2.2013
So, heute ist Sonntag und Tuna und ich rufen Ben an. Tuna telefoniert ein paar Minuten mit Ben und das Ergebnis ist schon wieder typisch australisch für Marius und mich. Ben erklärt, dass er Marius und mich nicht mehr haben will, da wir beide öfters nicht zu Arbeit erschienen wären und faul seien.
???
Hää? Also, hö?
Stopp! Jetzt mal langsam mit den Pferden, Ben hat keine Arbeit für uns und wir werden gefeuert weil wir nicht hingehen? Tuna und Simon wird gesagt, dass dies ihre letzte Chance sei, wenn sie noch mal zu spät kämen, wären sie auch gefeuert. Ist der Kerl irgendwie verwirrt? Der hämmert sich offenbar jeden Abend ein paar Flaschen Wein in den Kopp und versucht anschließend irgendwelche Backpacker irgendwo hin zu bestellen. Ich rufe ihn sofort an um seine eindeutige Verwechslung richtig zu stellen, dass wir gar keinen Job hatten und so die Behauptung „wir wären zu spät gekommen“ eindeutig nicht zutreffen kann. Er lehnt meine Anrufe stets ab. Na toll, hier gibt’s für Backpacker genau eine Branche in der man gut Geld verdienen kann und in dieser Branche werden Marius und ich zu 100% keinen Job finden.
Aber was ist das denn hier? Was ist das bitte für eine Arbeitssituation?
Unser erster Chef in Perth kündigt ständig seine Angestellten um sie am Folgetag wiedereinzustellen, lädt uns an dem Tag an dem sein Vater gestorben ist auf ein Bier ein und verschätzt sich bei seinen Bestellungen im fünfstelligen Bereich.
Unsere zweite Chefin, wir nennen sie „Mettchen“, ist kugelrund und zahlt ihren Angestellten nur einen Hungerlohn und wundert sich anschließend über ein schlechtes Arbeitsergebnis.
Beim dritten Versuch treffen wir auf Ben und, nun ja, offenbar schafft dieser es nicht mal ansatzweise sich einen Überblick über seine Angestellten zu verschaffen und die Tatsache, dass dieser Kerl sehr offenbar sehr viel um die Ohren hat relativiert in meinen Augen nicht mal ansatzweise den Punkt, dass er wegen einer Verwechslung schon fast willkürlich seine Angestellten durcheinander bringt und kündigt. Dass er angeblich keine Franzosen einstellt mag zwar ein Gerücht sein, wir haben und jedoch schon gewundert, dass seine erste Frage als wir eingestellt wurden auf unsere Nation bezogen war, Franzosen haben wir auch noch keine auf der Arbeit getroffen, obwohl wir schon sehr viele Leute auf der Arbeit kennengelernt haben und Franzosen gibt es hier in Australien noch mehr als Deutsche.
Was ist das bitte für Arbeitseinstellung?
Nachdem Marius und mir keine negativen Adjektive oder Schimpfwörter eingefallen sind haben wir uns noch ein paar Wörter ausgedacht, danach haben wir beschlossen, uns um einen anderen Job zu bemühen, wenn wir keinen Job finden, besuchen wir Ben in seinem Büro und erklären ihm was wir von ihm halten. Das „Phantom“ hat bis jetzt noch keine gesehen, wir haben immer nur übers Handy mit ihm Kontakt gehabt.
16.2.2013
Immerhin dürfen wir heute ausschlafen. Wir brechen gegen zehn Uhr auf und beschließen einfach alles zu geben. Wenn man einen Job will, findet man auch einen. Der erste Arbeitgeber lebt in einem riesigen Baumhaus und heißt „Boinga Bob“. Er erklärt verschlafen, dass er uns super gebrauchen könnte, jedoch völlig pleite sei. Anschließend fragen wir zwei Rentner am Straßenrand nach dem Weg zu einer Farm, da wir dort arbeiten wollen und, nachdem die beiden sich kurz beratschlagt haben höre ich in eindeutigem Deutsch die Worte „Mensch Linda, eigentlich könnte’ die Jungs doch hier super anpacke’ mit de’ Büsche und Bäume“. Wir outen uns schlagartig als Deutsche und kommen sofort ins Gespräch. Karl ist 69, lebt seit 30 Jahren in Australien und hat Maschinenbau studiert, Linda ist bereits 75 und hat eine unglaublich ausführliche Vergangenheit. Wir können morgen anfangen. Job? Check!
17.2.2013
Pünktlich um acht Uhr erreichen wir die traumhaft schöne Villa, die auf einem Berg gebaut ist und mit 42 Hektar Land auf jeden Fall auf eine Menge Geld schließen lässt. Linda und Karl sind noch gar nicht richtig wach, verschlafen bitten sie uns, den Tisch zu decken, es gebe erst noch einen Kaffee. Wolfgang ist 65 und arbeitet auch für Linda und Karl, auch er ist Deutscher. Karl erzählt mir beim Frühstück, dass die USA bereits 10.000 Dronen los geschickt hätten und so die Welt überwache. Jedes Telefongespräch und jede Sms werde abgehört, überprüft und nochmals geprüft.
Hmm, die Theorie ist zwar wage, aber interessant. Anschließend beschwert sich Karl über die Engstirnigkeit der Australier und hält mir einen Vortrag über die Verdummung des Volkes. Zuerst zeigt uns Karl seine riesige Maschinensammlung, Marius stellt fest, dass fast alle Maschinen deutscher Herkunft sind.
Als erstes kramt Karl zwei „Stihl“ Kettensägen aus seiner Werkbank und schickt uns Holz holen. Nachdem wir alles in mundgerechte Stücke zersägt hatten hat Karl uns erklärt, dass er das Holz noch kleiner haben möchte. Dafür hat er bereits in einer anderen Ecke seiner Garage eine riesige Spaltmaschine parat gemacht, mit der wir das Holz spalten sollen.
Gegen Abend lädt Linda uns noch zum Essen ein, sie hat für uns alle gekocht. Es schmeckt sehr lecker, Karl bedauert jedoch, dass ihm das Essen nicht schmecke weil es schlecht gewürzt sei, Linda verweist auf ihre Pfefferallergie.
18.2.2013
Heute sagt Linda, sie könne uns im Garten gebrauchen. Marius und ich zeigen ihr unsere zwei linken Hände, sie wirkt zwar leicht irritiert, drückt uns jedoch trotzdem eine Schaufel in die Hand und erklärt, wir sollten den Garten von Unkraut befreien. Marius und ich gucken uns fragend an und beschließen, einfach alles was nicht schön ist rauszurupfen und zu hoffen, dass Linda nicht mehr allzu viel sieht. Leider sind ihre Augen okay und sie beschließt uns andere Arbeiten zu geben. Marius stapelt weiter Holz in die Höhe und mir drückt sie einen Rasenmäher in die Hand heißt mich den Rasen zu mähen. Super, mit Rasen mähen hab ich Erfahrung, schließlich mähe ich seit vier Jahren in der Nachbarschaft den Rasen. Seit der „Blumenernte“ scheint sie mir jedoch nicht mehr so zu vertrauen was den Garten betrifft. Nachdem ich Linda erklärt habe wie man den Rasenmäher anmacht, erklärt sie mir wie an ihn benutzt. Na toll, gestern durfte ich noch nach Lust und Laune mit ’ner Kettensäge rumlaufen und heute werde ich beim Rasen mähen eingewiesen. Na ja, immerhin werden wir nach Stundenlohn bezahlt, wenn sie mir Ewigkeiten erklären muss wie man einen Rasenmäher schiebt, kann sie uns auch gerne Geld dafür geben.
Linda kocht wieder und Karl fängt wieder an zu erzählen wie das mit de dritten Reich wirklich abgelaufen ist: Die Juden wurden gar nicht getötet, die Berichte und Filme die es gibt sind laut Karl „völlig Schwachsinnig“, es habe zu dieser Zeit gerade mal 2,8 Millionen Juden in Europa gegeben, dementsprechend kann Hitler auch keine sechs Millionen getötet haben. Alle Fotos die es gibt seien „gestellt“ bzw. Fotos von deutschen Soldaten oder einfach Bürgern aus Dresden.
STOP!
Ein paar Tage vorher habe ich mich beschwert, dass Marius und ich nie einen „normalen“ Chef in Australien haben. Was soll das denn ‚nu? ‚N deutscher Nazi? Das kann doch schon wieder nicht wahr sein.. Na ja, er bezahlt uns gut und ich wollte mich sowieso gerne mal mit jemanden unterhalten, der solche Ansichten vertritt.
Wolfgang, der andere Angestellte, ist auch ein cooler Typ. Offenbar hat er sich seit längeren nicht mehr mit Deutschen unterhalten, die nicht so komische Ansichten haben wie Karl und Linda, denn er hat uns bereits heute zum zweiten Mal seine komplette Lebensgeschichte erzählt. Er ist seit 40 Jahren hier, hat sich ein riesiges Haus gebaut und durch eine patentierte Erfindung viel Geld verdient. Seine Erfindung wurde geklaut und nachgebaut, den Prozess vor Gericht hat er verloren und musste so die Kosten von 500.000$ tragen. Seine Frau hat ihn vor kurzem verlassen. Wenn man sich seinen Lebenslauf so anschaut, befindet er sich jetzt offenbar auf der „Talsohle“, weiter bergab kann es nicht gehen. „Wolle“, wie Marius und ich ihn immer nennen, tut uns irgendwie leid, der hatte ja echt viel Pech. Wir beschließen ihn heute Abend mal zu besuchen. Wolles Hütte ist ebenfalls riesig, noch viel schöner als das Haus von Linda und Karl. Wolle erklärt jedoch, dass er verkaufen müsse, da er seine Frau nicht auszahlen könne. Echt unglaublich, er hat sich das Haus komplett selber hochgezimmert, nur für das Mauern hat er sich professionelle Hilfe kommen lassen. Er war quasi für alles andere sein eigener Bauherr.
Wir laden ihn auf ein Bier ein und er freut sich riesig, beim Abschied betont er, dass er sich stets über Besuch freue.
20.2.2013
Gestern haben wir angefangen einen riesigen Zaun vom Gestrüpp zu befreien. Dafür haben wir ein Harke, eine Kettensäge, zwei Motorsensen und eine Kollektion von aktuellen Gartenscheren in modischen gelb mit Teleskoparm bekommen. Die Ausrüstung ist echt der Hammer, wieso kauft er sich zwei Motorsensen die hier über 1000$ kosten? Ganz einfach, eine hat eine Metalscheibe vorne dran und die andere ein rotierendes Plastikkabel, wäre ja total ätzend, wenn er, falls er so ein Teil mal braucht, den Aufsatz wechseln muss.
Beim Essen erklärt Karl uns, dass die Deutschen im zweiten Weltkrieg eigentlich gar nicht die „Bösen“ waren. Wusstet ihr, dass England mehr Bomben auf Berlin geworfen hat, als Deutschland insgesamt auf ganz England? Hinzu kommen dann noch Angriffe auf Dresden oder Köln. Hier wäscht man dein Hirn!
Außerdem sind die Australier total blöd: als ehemalige britische Kolonie fühlen sie sich immer noch als Gewinner des Krieges und sind so von Stolz erfüllt. Daher kommt auch die „Hochnäsigkeit“. Hmm, ist und alles irgendwie neu, aber, wie bereits geschrieben, interessant.
22.2.2013
Was für eine Hitze! Das Thermometer beschwert sich über 39°C im Schatten und wir beide über Arbeit in der Sonne. Zum Glück hat Linda uns zwei fesche Gärtnerhüte mitgegeben und zehn Liter Wasser, die nach sechs Stunden leer sind. Linda bietet uns nach der Arbeit eine warme Dusche an, während Karl sich über das „Negerwetter“ beschwert. Echt herb, dieser Kerl.
23.2.2013
Heute arbeiten wir auch an einem Samstag. Wie wir dazu kommen fragen wir uns auf dem Weg zur Arbeit auch, wir bekommen jedoch ein nettes Gehalt und da wir beide seit ewig nicht mehr gekocht haben, da uns Linda diese Aufgabe immer abgenommen hat, beschließen wir zu arbeiten und was Leckeres abzustauben. Sie hat außerdem schon erklärt, dass sie für uns „Landsleute“ gerne mitkocht. Na, da haben wir beide doch mal Glück gehabt. Die Hitze heute ist vergleichbar mit der gestrigen und zum Start ins Wochenende geben sie uns jeweils ein „Oettinger“ Bier und wir vergnügen uns noch was in Pool.
Abends fahren wir mit Tuna und Simon zu ein paar anderes deutschen Backpackern, die die Beiden auf der Arbeit kennengelernt haben.
24.2.2013
Sonntag, endlich noch mal Wochenende. Die Wochen in denen wir nicht gearbeitet haben, hatten nie so ein richtiges Wochenende, wenn man sowieso frei hat, interessiert man sich nicht dafür, welchen Tag man hat. Wir nehmen uns viel vor wie aufräumen oder die Wäsche machen, im Endeffekt ist es jedoch darauf hinausgelaufen, dass wir einkaufen gegangen sind. Immerhin hatten wir ein leckeres Abendessen.
25.2.2013
Heute schaffen wir es auf der Arbeit den Auftrag mit der Hecke abzuschließen. Beim Abendbrot beginnt auf einmal die totale Hirnwäsche: Karl und Linda klären uns über alles auf, was über den Weltkrieg nicht stimmt. Wolfgang hat uns erklärt, dass er in keinem Punkt mit den beiden konform geht, jedoch dazu rät, in einer Diskussion einfach versuchen das Thema zu wechseln. Karl und Linda stellen das dritte Reich als total toll da, im Sinne von „damals war alles besser“ und „die armen Deutschen waren die Opfer, nicht die Angreifer“. Obamas „Negerpolitik“ sei das Letzte, das Leute wie Hillary Clinton oder Rockefeller jüdischer Abstammung sind, müsse auch nicht sein. Karl fände es besser, wenn das jemand anders mache.
Marius und ich distanzieren und vollständig von dem Sch**ß den die beiden dazu erzählen. Die zwei sind echt keine dummen Menschen, obwohl insbesondere Karl mir auf die Nerven geht. Er selber hat einen Realschulabschluss gemacht und anschließend Fachabi. Er fragt mich ständig, ob ich mich mit meinem „Vollabi“ als was Besseres fühle. Immer wenn ich irgendeine blöde Frage nicht beantworten sagt er so was wie:“ Mensch, das musse doch wisse’, du bis doch der schlaue mit Abitur“.
Eine Sache will ich noch klarstellen: Wenn wir beide hier nicht super Essen bekämen, einen Pool und jede Menge Geld, hätten wir schon längst dem Karl erklärt, was wir von seinem Müll halten.
Mittwoch, 13. Februar 2013
Zwei Schnitzel, quitschender Sand und arme Franzosen
23.1.2013
Da waren wir nun, teilzeit Arbeitslos, zu fünft und mit frisch gewaschenem Auto. Unser Chef braucht heute wieder nur zwei Leute zum Arbeiten, heute gehen Marius und Tuna. Simon, Janne und ich bemühen und derweil um einen neuen Job, da uns dieses ewige hin- und her mit unserem Chef unserem Ziel auch nicht weiter bringt. Wir fahren bei einer Kartoffelfarm, einer Gärtnerei, ein paar Weingütern und mehreren Cidreherstellern vorbei, alle antworten mehr oder weniger im Einklang, dass die Saison in ungefähr drei bis vier Wochen beginne und dass sie dann ein paar Arbeiter gebrauchen könnten. Das wird uns hier irgendwie immer erzählt, egal wo wir uns nach Jobs erkundigen, es wird uns erklärt, dass wir etwas zu früh kämen. Na toll, egal wo wir sind, wir sind auf jeden Fall zu früh.
Das mit dem „zu früh da sein“ ist Neuland für alle von uns und so beschließen wir erst mal etwas zu warten, was sollen wir auch schon groß tun? Die Australier sehen ja alles etwas gelassener als wir Deutschen, stellenweise ist so was auch sehr entspannt, auf die Arbeit bezogen ist das jedoch total nervig. Wieso stellt Ben vier Leute ein, wenn er gerade mal die Hälfte von uns gebrauchen kann? Ben erzählt uns am Telefon ständig, dass er vier Leute gebrauchen könnte, zehn Minuten später schickt er eine Sms, in der steht, dass er doch nur zwei Leute gebrauchen kann.
24.1.2013
Heute gehen Marius und Simon arbeiten. Nicht dass ihr denkt, dass ich faul wäre, ich sollte mich mal wieder um einen Job etc. kümmern. Mal wieder vergeblich, der Traktor auf der Arbeit hat einen platten Reifen und so verkürzt sich der Arbeitstag von Marius und Simon um ca. 50%, ich muss die beiden abholen. Was für ein Reinfall, da hat man schon so gut wie gar keine Arbeit, da wird diese einem auch noch weggenommen durch eine Lappalie wie ein platter Reifen an einem Traktor. Ich wusste bis heute gar nicht, dass ein Traktor einen platten Reifen haben kann, hier verkürzt uns dieser gleich den Arbeitstag. Da der Farmer selbstverständlich keinen Ersatzreifen hat (offenbar wusste er auch nicht, dass man so ein Teil plätten kann) bekommen wir für den Rest der Woche frei. Super, wir haben ja auch schon Mittwoch. Yeah. Verlängertes Wochenende. Juhu.
25.1.2013
Unser verlängertes Wochenende beginnen wir, dank der starken Hitze, mit einem Strandtag. Wir beschließen nach „Frankston“ zu fahren, da Janne dort noch ein Bankkonto kündigen möchte. Frankston ist ca. 60Km entfernt und liegt direkt am Meer, sehr schön. Janne fragt mich, ob ich ihm helfen könnte, sein Bankkonto zu kündigen. Hilfsbereit wie ich bin, stellen wir uns in die Bank und warten auf eine Angestellte. Als diese nun auch eingetroffen ist, schaut sie sich seinen Personalausweis an und begrüßt ihn freundlich mit „hello Jane“ und wirkt amüsiert und irritiert zugleich, da „Jane“ ja eigentlich eher ein Frauenname ist. „Jane“ stellt den Fehler richtig und schon stehen wir vor dem nächsten Problem: in seinem Nachnamen ist ein „ß“ enthalten, das gibt es hier in Australien ja nicht. Nachdem die Angestellte ihre Tastatur knallhart unter die Lupe genommen hat und keinen „ß“-Knopf entdeckt hat, erklärt Janne einfach, dass es ein „b“ sei. Sie durchsucht die Datenbank und findet ihn sogar tatsächlich. Offenbar haben die Angestellten aus Sydney ebenfalls keinen „ß“ Knopf auf ihrer Tastatur gefunden und haben so einfach ein „b“ eingegeben. Echt stark, wenn man also mal irgendwas nicht findet, nimmt man einfach etwas, das so ähnlich aussieht.
26.1.2013
Heut ist „Australia day“, was das genau bedeutet, wissen wir nicht, aber das wollen wir noch herausfinden. Fest steht, dass der Großteil der Australier sich einen Australienhut, Schürze, Mantel, Fähnchen, Grillzange oder sonst was umgebunden hat und sich total darüber freut. In allen Parks stehen als Australienflagge verkleidete Familien und Grillen an den Bbq- Stellen um die Wette. Toller Australientag, noch viel toller ist, dass dieser auf einen Samstag fällt. Da viele Leute an einem Samstag sowieso frei haben, ist der „Australia Day“ gar kein besonderer Feiertag, da man ja sowieso ausschlafen kann. Dementsprechend wird dieser „Public Holiday“ auf Montag verschoben und so haben alle, inklusive uns, am Montag frei. Dass wir das alles so toll finden, ist natürlich Ironie. Geht es bei einem Feiertag nicht eigentlich um den Tag bzw. den Anlass, und nicht um die Tatsache, dass man einen Tag weniger arbeiten muss?
27.1.2013
Wir beschließen, in die nächste Stadt nach „Healesville“ zu fahren um ein bisschen einzukaufen und uns gegen Abend noch mit Shaun, unserem australischen Freund zu treffen. Shaun fragen wir auch sofort nach dem Hintergrund des „Australia Days“. Shaun erklärt, dass er sich zwar freue, dass er morgen nicht arbeiten müsste, jedoch den Hintergrund für totalen Schwachsinn halte. Er erklärt, dass man an diesem besagten Tag die Vertreibung der Aboriginies feiere und dementsprechend „das Bestehen“ der australischen Rasse. Ich hatte bis jetzt noch nicht die Möglichkeit, das im Internet mal nachzuprüfen, wenn das jedoch stimmt, finde ich den Hintergrund dieses Tages ziemlich.. krass?
28.1.2013
Australia Day, Wuhu, schon wieder. Wir freuen uns alle einen Ast und fahren anschließend in die Stadt. Wir kaufen ein bisschen ein und rufen Ben mehr oder weniger in Dauerschleife an. Dieser blöde Chef, wozu hat er eigentlich ein Handy? Nachdem wir ihn irgendwann mal erreicht haben, erklärt er uns, er könne uns alle vier Morgen gebrauchen, es gebe wieder etwas zu „Botteln“, also Weinflaschen abfüllen. Klingt super, das haben wir schon mal gemacht, das letzte Mal gab es sogar ein paar Weinflaschen umsonst, besser kann es nicht laufen. Kurze Zeit später kommt eine Sms von ihm, in der steht, dass der Farmer einen neuen Reifen habe und so zwei Leute gebrauchen könnte.
???
Also so langsam glauben wir, dass der Kerl ein Rad ab hat.
Weitere zehn Minuten später schickt Ben uns die Adresse, wo er drei Leute zum Botteln gebrauchen könnte.
???
Wat’n nu? Hat er Arbeit für drei Leute? Für zwei? Fünf? Aber wir sind doch nur zu viert! Janne beteuert, dass er zwar gerne in unserer Reisegruppe mitreist, dass er mit auf die Arbeit kommt, könnten wir uns jedoch abschminken. Was für ein verwirrter Chef. Hat der zu viel Wein getrunken?
29.1.2013
Über Nacht hat er uns noch eine Sms gesendet, dass er drei Leute bei dem Mann mit dem kaputten Traktor braucht. Irgendwie schaffe ich es schon wieder mich aus der Affäre zu ziehen und schicke Marius zusammen mit Tuna und Simon los. Janne und ich gehen derweil in die Stadt. Ich habe gehört, dass ein Motorradführerschein in Australien sehr einfach zu machen sei. Ich suche mir im Internet zwei Adressen von zwei Fahrschulen raus und beschließe gleich mal vorbei zu fahren. Die erste Adresse gibt es gar nicht und die zwei liegt in einem Vorort einer noch nicht gebauten Stadt, also irgendwo im nirgendwo. Schlussendlich finde ich in einem Motorradladen Auskunft und der freundliche Inhaber schreibt mir die Adresse von einer Fahrschule raus. Nachdem ich auch dahin gegurkt bin, werde ich von einer sehr unfreundlich Dame begrüßt, die mir eine Broschüre in die Hand drückt und ca. 25 Mal beteuert, dass sie keine Ahnung habe und Motorräder sie nicht interessierten. Die Broschüre verspricht mir, dass ich innerhalb von spätestens zwei Tagen meinen Führerschein habe und dieser mich nur 400$ koste. Außerdem darf ich mit einem netten Honda Motorrad fahren. Klingt viel versprechend. Schlussendlich rufe ich bei der Broschüre an und eine sehr nette, jedoch elektronische Frauenstimme versichert mir, dass ich nicht mehr allzu lange warten müsste, ich jedoch mit der Hotline eine sehr gute Wahl getroffen hätte. Offenbar keine gute Wahl, sonst wäre ich ja nicht in der Warteschleife, nach zehn Minuten werde ich jedoch schon verbunden. Mir wird erklärt, dass ich erst meinen internationalen Führerschein auf einen „Victoria Roads“ Führerschein umschreiben lassen muss, damit ich einen Führerschein machen kann. Anschließend werde ich in das zwei Tages Programm aufgenommen und kann so eine „Learner Permit“ machen, d.h. ich darf auf den Straßen des Staates Victoria mit einem Motorrad rumfahren, so lange ich mir eine gelbes und lächerliches „L“ an das Nummernschild hänge. Das „L“ berechtigt mich mit einem Motorrad zu fahren, jedoch ohne Sozius und nur Tagsüber. Nach drei Monaten darf ich dann mein lächerliches „L“ gegen einen echten, australischen Führerschein eintauschen. Den darf ich mir dann in Deutschland zu einem internationalen Führerschein umschreiben lassen und darf ihn dort auch weiternutzen. Die werte Dame ist sich jedoch nicht sicher, ob ich, als Ausländer, länger mit dem gelben „L“ rum fahren muss. Also wende ich mich direkt an das Straßenverkehrsamt in Düsseldorf. Dort wird mir erklärt, dass ich sechs Monate mit den blöden „L“ rumfahren müsse, um einen gültigen Führerschein zu erhalten. Außerdem dürfte ich meinen Führerschein ausschließlich in Victoria abholen, müsste also die Zeit hier bleiben.
4.2.2013
Heute sollte ich mich eigentlich mit Simon zusammen um einen Job bemühen, um acht Uhr in er früh werde ich jedoch vom Handy geweckt und muss doch zur Arbeit. Marius und Tuna sind schon vorgefahren, da ursprünglich nur zwei Leute für die Arbeit vorgesehen waren. Beim „Netting“ geht es darum, riesige Netze über die Weinberge zu spannen, damit den ganzen Vögeln hier das Trauben naschen Unmöglich gemacht wird. Zwei Leute laufen hinter einem Trecker her, der mit einer riesigen und wackeligen Konstruktion die Netze verteilt.
5.2.2013
Good bye, Janne.
Heute bringen wir Janne, unseren Mitreiser, zum Bus. Tuna und ich haben es mal wieder geschafft uns erfolgreich aus der Affäre zu ziehen, wir schicken Marius und Simon auf die Arbeit und bringen Janne zum Bus. Unglaublicherweise haben wir es geschafft einen Parkplatz ohne Abschleppen, Strafen und sonstige unnötige blöden Sachen gefunden. Wir nehmen Abschied von Janne und,
Janne: die Zeit mit dir hier war wirklich sehr cool, wir hatten sehr viel Spaß. Ärgerlichweise hast du fast Nichts hier vergessen. Schade, Marius fand deine Jacke echt schön und ich mochte die schwarze Mütze. Wehe du kommst uns nicht besuchen, dann versteckt Marius wieder alle Sachen von dir ;-) .
6.2.2013
Da es mal wieder und angeblich zu „heiß“ zum arbeiten ist, haben wir mal wieder frei bekommen. Unsere Freude hält sich in Grenzen und wir beschließen nach Thomastown zu fahren. Thomastown ist ca. 80 Kilometer von unserem Campingplatz entfernt und liegt nicht am Strand. Eigentlich ein untypisches Reiseziel für Leute wie uns, ein Arbeitskollege von meinem Vater ist jedoch letztes Wochenende von Dabringhausen aus nach Melbourne geflogen und hat mir eine Hand voll Zeitschriften aus Deutschland mitgebracht. Meine Eltern meinten außerdem, dass sie mir noch eine Hand voll Haribo etc. mit eingepackt hätten und da haben Marius und ich uns das mit dem komischen Reiseziel natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Auf dem Rückweg fällt Marius auf, dass die Drehzahlanzeige nicht mehr funktioniert, außerdem stockt die Musik im Radio ständig. Echt nervig, welches Kabel ist denn jetzt schon wieder durchgebrannt? Wir beschließen vorerst weiterzufahren und zu hoffen, dass es kein teures Kabel ist. Dann fällt uns auf, dass die Batterieanzeige anzeigt, dass unsere Batterie komplett leer ist. Kein Wunder, dass wir keine Musik mehr hören können, wir halten an und machen prüfend die Motorhaube auf. Da wir allerdings nicht so viel Ahnung von Autos haben, entdecken wir nur einen Motor, jede menge Kabel und andere Metallteile, was davon jetzt kaputt sein könnte wissen wir auf Anhieb nicht. Was kann kaputt sein, wenn der Motor läuft, die Batterie jedoch keinen Strom mehr bekommt? Wir rätseln und tippen auf die Lichtmaschine. Da es sowieso noch hell ist, beschließen wir einfach ins Auto zu steigen und ohne Licht nach Hause zu fahren und uns morgen darum zu kümmern, da es sowieso schon anfängt zu dämmern. Ins Auto steigen klappt super, das mit dem „ohne Licht“ auch, das Fahren können wir uns jedoch abschminken, da unser Auto nicht mehr anspringt. Logisch, die Batterie ist ja leer. Tolle Wurst. Wieso bekommen Marius und ich eigentlich die ganze Zeit diese „tollen Würstchen“ ab? Wir beschließen die Wurst Wurst sein zu lassen und freuen uns lieber, dass wir am Hang geparkt haben und unser Auto einfach zur nächsten Tankstelle rollen können. Der Tankwart erklärt, dass es weit und breit keine Mechaniker gebe und dass auch er gerade keine neue Lichtmaschine dabei habe. Wäre auch viel zu einfach und schön gewesen. Im Grunde brauchen wir nur ein bisschen Energie für unsere Batterie, mit Starthilfe könnten wir also weiterfahren. Zum Glück haben wir Überbrückungskabel dabei und fragen so einfach jemanden der gerade tankt nach einem „Jumpstart“. Dank der Hilfsbereitschaft der Australier wird uns auf der Stelle geholfen. Desto länger wir die Überbrückungskabel anschließen, desto mehr wird unsere Batterie geladen und desto weiter können wir fahren. Marius schließt also schnell die Kabel an, während ich den Autobesitzer über Wind, Wetter und wundersame Kängurus zutexte. So schaffen Marius und ich es ca. 20 Sekunden rauszuhandeln und beschließen möglichst schnell weiterzufahren. Der Autobesitzer wirkt nach unserem abrupten Abbruch der Überbrückungsaktion leicht irritiert, Marius drückt derweil verstärkt auf Gas, um das Ausgehen des Motors zu verhindern. Auch das führt zu merkwürdigen Blicken an einer Ampel, an der wir mit ca. 4000 Umdrehungen im Leerlauf auf grün gewartet haben. Kurze Zeit später fahren wir auf einer Landstraße in Richtung Heimat und unser Auto beschließt mal wieder auszugehen und Marius setzt den Karren in den Graben. Na toll, jedoch haben wir mal wieder Glück im Unglück: ein Anwohner mit zwei Schnitzeln, in jeder Hand eins, hat die Aktion offenbar beobachtet und erklärt sich bereit, uns mit einem Jumpstart auszuhelfen. Er macht die Motorhaube auf und deutet mit vollem Mund auf die Lichtmaschine und gibt fragwürdige Laute von sich, die anhand seiner Gestik jedoch irgendwas mit der Lichtmaschine zu tun haben. Marius schließt wieder die Überbrückungskabel an und ich erkläre dem Schnitzel wieso und weshalb wir in Australien sind, wir schaffen es wieder 20 Sekunden rauszuhandeln. Unser Auto macht weitere fünf Kilometer mit und wir stehen wieder im Graben. Außerdem ist es mittlerweile dunkel, eine Fahrt ohne Licht ist also zu gefährlich. Wir Parken den Karren im Graben, zapfen uns ein wenig Wein ab und beschließen einfach, wie in alten Zeiten, zu wandern.
Diese ganze Aktion ist im Grunde genommen schon wieder total bescheuert, für uns jedoch in Australien irgendwie total normal. Unser Auto hat mal wieder irgendwelche Probleme und uns hilft ein Typ, der genauso viele Hände wie Schnitzel hat. Selbstverständlich gehen Marius und ich nicht einfach nach Hause und gut ist, nein, das ganze wird natürlich noch verrückter:
Nach ca. vier Metern werden wir mitgenommen von einem gut gelaunten Australier, ungefähr 25 Jahre und wenn ich schreibe „gut gelaunt“, meine ich: sehr gut gelaunt. Sein Slalomfahrstil ist zwar fragwürdig, jedoch auch irgendwie entspannend. Er fragt mich, ob ich in dieser Gegend schon Wombats gesehen hätte, ich verneine wahrheitsgemäß und er setzt sein Auto prompt in den Graben, macht seine Suchscheinwerfer an und erklärt, dass es an dieser einen Stelle immer welche gebe. Heute offenbar nicht, wir erkunden trotzdem weiterhin mit seinem vier Liter Dieselmotor den Graben und biegen schließlich wieder auf die Straße ab. Er fragt ob wir zur Zeit am arbeiten wären, ich verneine erneut wahrheitsgemäß und er bietet uns einen Job als Putzkraft in seiner Fabrik an. Wir? Reinigungsfachkraft? Das Letzte, das wir gewienert haben war unser Auto und das steht jetzt im Graben. Wir tauschen trotzdem die Handynummern aus und er bringt uns tatsächlich bis zu unserem Trailer. Sehr freundlich.
7.2.2013
Vorgestern haben wir auf unserem Campingplatz im Busch zwei weitere deutsche Backpacker kennengelernt. Benny und Kevin sind beide mitte 20 und Benny hat Maschinenbau studiert und vor kurzem ist sein Differential am Auto kaputt gegangen, das er anschließend eigenständig ausgetauscht hat. Er klärt sich bereit, mit Marius zu einem Schrottplatz zu fahren um eine neue Lichtmaschine zu organisieren und diese gleich einzubauen. Nach mehreren Stunden Arbeit läuft unser Auto wieder, vielen Dank noch mal Benny.
8.2.2013
Heute ist Freitag, endlich Wochenende. Haha, höhö und noch mal haha, wir haben sowieso immer frei. Wir sind zu sechst und beschließen ein wenig Urlaub von den freien Tagen zu machen und zu Wilsons Promontory zu fahren. Wilsons Prom. ist ein großer Nationalpark an dem auch der südlichste Punkt Australiens liegt. Reisegruppe „ab in den Süden“ bricht gegen Mittag auf und kommt gegen Abend auf den überfüllten, jedoch freien Campingplatz an. Wir feiern in Simons Geburtstag rein, machen ein kleines Feuer und diskutieren über Gott und die Welt.
9.2.2013
Heute wollen wir in den Nationalpark, zuerst an einen Strand und gegen Nachmittag wollen wir einen der zahlreichen Berge besteigen. Der „Whisky Bay“ hat nicht nur einen coolen Namen, bis zu drei Meter hohe Wellen sorgen für eine geile Zeit im Meer.
Der Mount Oberon ist mit 580 Metern der höchste Berg im Nationalpark und der Anstieg dauert mehr als eine Stunde, lohnt sich aber. Auf dem Heimweg sehen wir jede Menge Wombats, da hätte der Typ seinen Karren letztens noch nicht Mal in den Graben setzen müssen.
10.2.2013
Heute fahren nur Marius, Tono und ich in den Nationalpark, der Rest unserer fröhlichen Gemeinde beschließt sein Glück im Angeln zu versuchen. Wir fahren zum „squeky beach“ und, der Strand macht seinem Namen tatsächlich alle Ehre (squeeze= quitschen): beim Betreten des Strandes fällt uns auf, dass dieser komische Quitschgeräusche von sich gibt. Quitschvergnügt gehen wir ins Wasser und laufen anschließend einen anderen Berg hoch. Auch hier ist die Aussicht wieder mal unglaublich.
11.2.2013
ALAAF! Ein großes ALAAF! aus Australien an alle Jecken und ein „helau“ an alle die, die keine Ahnung haben.
Wir fahren zurück in unseren alten Park und fühlen uns heimisch.
13.2.2013
Wir suchen die ganze Zeit nach vergeblich nach Arbeit, manchmal können wir jedoch beim Ben arbeiten. Wir haben ein großes Franzosencamp neben uns, von denen hat keiner Arbeit. Franzosen sind hier wo wir arbeiten sehr ungerne gesehen, im Internet findet man häufig Arbeitsangebote mit der Überschrift „no french people“, wenn man sich bei Weingütern vorstellt, werden wir meistens zuerst gefragt, aus welchem Land wir kommen. Die Franzosen haben es dementsprechend noch schwieriger, einen Job zu finden, unsere französischen Nachbarn sind laut Aussagen komplett pleite.
Da waren wir nun, teilzeit Arbeitslos, zu fünft und mit frisch gewaschenem Auto. Unser Chef braucht heute wieder nur zwei Leute zum Arbeiten, heute gehen Marius und Tuna. Simon, Janne und ich bemühen und derweil um einen neuen Job, da uns dieses ewige hin- und her mit unserem Chef unserem Ziel auch nicht weiter bringt. Wir fahren bei einer Kartoffelfarm, einer Gärtnerei, ein paar Weingütern und mehreren Cidreherstellern vorbei, alle antworten mehr oder weniger im Einklang, dass die Saison in ungefähr drei bis vier Wochen beginne und dass sie dann ein paar Arbeiter gebrauchen könnten. Das wird uns hier irgendwie immer erzählt, egal wo wir uns nach Jobs erkundigen, es wird uns erklärt, dass wir etwas zu früh kämen. Na toll, egal wo wir sind, wir sind auf jeden Fall zu früh.
Das mit dem „zu früh da sein“ ist Neuland für alle von uns und so beschließen wir erst mal etwas zu warten, was sollen wir auch schon groß tun? Die Australier sehen ja alles etwas gelassener als wir Deutschen, stellenweise ist so was auch sehr entspannt, auf die Arbeit bezogen ist das jedoch total nervig. Wieso stellt Ben vier Leute ein, wenn er gerade mal die Hälfte von uns gebrauchen kann? Ben erzählt uns am Telefon ständig, dass er vier Leute gebrauchen könnte, zehn Minuten später schickt er eine Sms, in der steht, dass er doch nur zwei Leute gebrauchen kann.
24.1.2013
Heute gehen Marius und Simon arbeiten. Nicht dass ihr denkt, dass ich faul wäre, ich sollte mich mal wieder um einen Job etc. kümmern. Mal wieder vergeblich, der Traktor auf der Arbeit hat einen platten Reifen und so verkürzt sich der Arbeitstag von Marius und Simon um ca. 50%, ich muss die beiden abholen. Was für ein Reinfall, da hat man schon so gut wie gar keine Arbeit, da wird diese einem auch noch weggenommen durch eine Lappalie wie ein platter Reifen an einem Traktor. Ich wusste bis heute gar nicht, dass ein Traktor einen platten Reifen haben kann, hier verkürzt uns dieser gleich den Arbeitstag. Da der Farmer selbstverständlich keinen Ersatzreifen hat (offenbar wusste er auch nicht, dass man so ein Teil plätten kann) bekommen wir für den Rest der Woche frei. Super, wir haben ja auch schon Mittwoch. Yeah. Verlängertes Wochenende. Juhu.
25.1.2013
Unser verlängertes Wochenende beginnen wir, dank der starken Hitze, mit einem Strandtag. Wir beschließen nach „Frankston“ zu fahren, da Janne dort noch ein Bankkonto kündigen möchte. Frankston ist ca. 60Km entfernt und liegt direkt am Meer, sehr schön. Janne fragt mich, ob ich ihm helfen könnte, sein Bankkonto zu kündigen. Hilfsbereit wie ich bin, stellen wir uns in die Bank und warten auf eine Angestellte. Als diese nun auch eingetroffen ist, schaut sie sich seinen Personalausweis an und begrüßt ihn freundlich mit „hello Jane“ und wirkt amüsiert und irritiert zugleich, da „Jane“ ja eigentlich eher ein Frauenname ist. „Jane“ stellt den Fehler richtig und schon stehen wir vor dem nächsten Problem: in seinem Nachnamen ist ein „ß“ enthalten, das gibt es hier in Australien ja nicht. Nachdem die Angestellte ihre Tastatur knallhart unter die Lupe genommen hat und keinen „ß“-Knopf entdeckt hat, erklärt Janne einfach, dass es ein „b“ sei. Sie durchsucht die Datenbank und findet ihn sogar tatsächlich. Offenbar haben die Angestellten aus Sydney ebenfalls keinen „ß“ Knopf auf ihrer Tastatur gefunden und haben so einfach ein „b“ eingegeben. Echt stark, wenn man also mal irgendwas nicht findet, nimmt man einfach etwas, das so ähnlich aussieht.
26.1.2013
Heut ist „Australia day“, was das genau bedeutet, wissen wir nicht, aber das wollen wir noch herausfinden. Fest steht, dass der Großteil der Australier sich einen Australienhut, Schürze, Mantel, Fähnchen, Grillzange oder sonst was umgebunden hat und sich total darüber freut. In allen Parks stehen als Australienflagge verkleidete Familien und Grillen an den Bbq- Stellen um die Wette. Toller Australientag, noch viel toller ist, dass dieser auf einen Samstag fällt. Da viele Leute an einem Samstag sowieso frei haben, ist der „Australia Day“ gar kein besonderer Feiertag, da man ja sowieso ausschlafen kann. Dementsprechend wird dieser „Public Holiday“ auf Montag verschoben und so haben alle, inklusive uns, am Montag frei. Dass wir das alles so toll finden, ist natürlich Ironie. Geht es bei einem Feiertag nicht eigentlich um den Tag bzw. den Anlass, und nicht um die Tatsache, dass man einen Tag weniger arbeiten muss?
27.1.2013
Wir beschließen, in die nächste Stadt nach „Healesville“ zu fahren um ein bisschen einzukaufen und uns gegen Abend noch mit Shaun, unserem australischen Freund zu treffen. Shaun fragen wir auch sofort nach dem Hintergrund des „Australia Days“. Shaun erklärt, dass er sich zwar freue, dass er morgen nicht arbeiten müsste, jedoch den Hintergrund für totalen Schwachsinn halte. Er erklärt, dass man an diesem besagten Tag die Vertreibung der Aboriginies feiere und dementsprechend „das Bestehen“ der australischen Rasse. Ich hatte bis jetzt noch nicht die Möglichkeit, das im Internet mal nachzuprüfen, wenn das jedoch stimmt, finde ich den Hintergrund dieses Tages ziemlich.. krass?
28.1.2013
Australia Day, Wuhu, schon wieder. Wir freuen uns alle einen Ast und fahren anschließend in die Stadt. Wir kaufen ein bisschen ein und rufen Ben mehr oder weniger in Dauerschleife an. Dieser blöde Chef, wozu hat er eigentlich ein Handy? Nachdem wir ihn irgendwann mal erreicht haben, erklärt er uns, er könne uns alle vier Morgen gebrauchen, es gebe wieder etwas zu „Botteln“, also Weinflaschen abfüllen. Klingt super, das haben wir schon mal gemacht, das letzte Mal gab es sogar ein paar Weinflaschen umsonst, besser kann es nicht laufen. Kurze Zeit später kommt eine Sms von ihm, in der steht, dass der Farmer einen neuen Reifen habe und so zwei Leute gebrauchen könnte.
???
Also so langsam glauben wir, dass der Kerl ein Rad ab hat.
Weitere zehn Minuten später schickt Ben uns die Adresse, wo er drei Leute zum Botteln gebrauchen könnte.
???
Wat’n nu? Hat er Arbeit für drei Leute? Für zwei? Fünf? Aber wir sind doch nur zu viert! Janne beteuert, dass er zwar gerne in unserer Reisegruppe mitreist, dass er mit auf die Arbeit kommt, könnten wir uns jedoch abschminken. Was für ein verwirrter Chef. Hat der zu viel Wein getrunken?
29.1.2013
Über Nacht hat er uns noch eine Sms gesendet, dass er drei Leute bei dem Mann mit dem kaputten Traktor braucht. Irgendwie schaffe ich es schon wieder mich aus der Affäre zu ziehen und schicke Marius zusammen mit Tuna und Simon los. Janne und ich gehen derweil in die Stadt. Ich habe gehört, dass ein Motorradführerschein in Australien sehr einfach zu machen sei. Ich suche mir im Internet zwei Adressen von zwei Fahrschulen raus und beschließe gleich mal vorbei zu fahren. Die erste Adresse gibt es gar nicht und die zwei liegt in einem Vorort einer noch nicht gebauten Stadt, also irgendwo im nirgendwo. Schlussendlich finde ich in einem Motorradladen Auskunft und der freundliche Inhaber schreibt mir die Adresse von einer Fahrschule raus. Nachdem ich auch dahin gegurkt bin, werde ich von einer sehr unfreundlich Dame begrüßt, die mir eine Broschüre in die Hand drückt und ca. 25 Mal beteuert, dass sie keine Ahnung habe und Motorräder sie nicht interessierten. Die Broschüre verspricht mir, dass ich innerhalb von spätestens zwei Tagen meinen Führerschein habe und dieser mich nur 400$ koste. Außerdem darf ich mit einem netten Honda Motorrad fahren. Klingt viel versprechend. Schlussendlich rufe ich bei der Broschüre an und eine sehr nette, jedoch elektronische Frauenstimme versichert mir, dass ich nicht mehr allzu lange warten müsste, ich jedoch mit der Hotline eine sehr gute Wahl getroffen hätte. Offenbar keine gute Wahl, sonst wäre ich ja nicht in der Warteschleife, nach zehn Minuten werde ich jedoch schon verbunden. Mir wird erklärt, dass ich erst meinen internationalen Führerschein auf einen „Victoria Roads“ Führerschein umschreiben lassen muss, damit ich einen Führerschein machen kann. Anschließend werde ich in das zwei Tages Programm aufgenommen und kann so eine „Learner Permit“ machen, d.h. ich darf auf den Straßen des Staates Victoria mit einem Motorrad rumfahren, so lange ich mir eine gelbes und lächerliches „L“ an das Nummernschild hänge. Das „L“ berechtigt mich mit einem Motorrad zu fahren, jedoch ohne Sozius und nur Tagsüber. Nach drei Monaten darf ich dann mein lächerliches „L“ gegen einen echten, australischen Führerschein eintauschen. Den darf ich mir dann in Deutschland zu einem internationalen Führerschein umschreiben lassen und darf ihn dort auch weiternutzen. Die werte Dame ist sich jedoch nicht sicher, ob ich, als Ausländer, länger mit dem gelben „L“ rum fahren muss. Also wende ich mich direkt an das Straßenverkehrsamt in Düsseldorf. Dort wird mir erklärt, dass ich sechs Monate mit den blöden „L“ rumfahren müsse, um einen gültigen Führerschein zu erhalten. Außerdem dürfte ich meinen Führerschein ausschließlich in Victoria abholen, müsste also die Zeit hier bleiben.
4.2.2013
Heute sollte ich mich eigentlich mit Simon zusammen um einen Job bemühen, um acht Uhr in er früh werde ich jedoch vom Handy geweckt und muss doch zur Arbeit. Marius und Tuna sind schon vorgefahren, da ursprünglich nur zwei Leute für die Arbeit vorgesehen waren. Beim „Netting“ geht es darum, riesige Netze über die Weinberge zu spannen, damit den ganzen Vögeln hier das Trauben naschen Unmöglich gemacht wird. Zwei Leute laufen hinter einem Trecker her, der mit einer riesigen und wackeligen Konstruktion die Netze verteilt.
5.2.2013
Good bye, Janne.
Heute bringen wir Janne, unseren Mitreiser, zum Bus. Tuna und ich haben es mal wieder geschafft uns erfolgreich aus der Affäre zu ziehen, wir schicken Marius und Simon auf die Arbeit und bringen Janne zum Bus. Unglaublicherweise haben wir es geschafft einen Parkplatz ohne Abschleppen, Strafen und sonstige unnötige blöden Sachen gefunden. Wir nehmen Abschied von Janne und,
Janne: die Zeit mit dir hier war wirklich sehr cool, wir hatten sehr viel Spaß. Ärgerlichweise hast du fast Nichts hier vergessen. Schade, Marius fand deine Jacke echt schön und ich mochte die schwarze Mütze. Wehe du kommst uns nicht besuchen, dann versteckt Marius wieder alle Sachen von dir ;-) .
6.2.2013
Da es mal wieder und angeblich zu „heiß“ zum arbeiten ist, haben wir mal wieder frei bekommen. Unsere Freude hält sich in Grenzen und wir beschließen nach Thomastown zu fahren. Thomastown ist ca. 80 Kilometer von unserem Campingplatz entfernt und liegt nicht am Strand. Eigentlich ein untypisches Reiseziel für Leute wie uns, ein Arbeitskollege von meinem Vater ist jedoch letztes Wochenende von Dabringhausen aus nach Melbourne geflogen und hat mir eine Hand voll Zeitschriften aus Deutschland mitgebracht. Meine Eltern meinten außerdem, dass sie mir noch eine Hand voll Haribo etc. mit eingepackt hätten und da haben Marius und ich uns das mit dem komischen Reiseziel natürlich nicht zwei Mal sagen lassen. Auf dem Rückweg fällt Marius auf, dass die Drehzahlanzeige nicht mehr funktioniert, außerdem stockt die Musik im Radio ständig. Echt nervig, welches Kabel ist denn jetzt schon wieder durchgebrannt? Wir beschließen vorerst weiterzufahren und zu hoffen, dass es kein teures Kabel ist. Dann fällt uns auf, dass die Batterieanzeige anzeigt, dass unsere Batterie komplett leer ist. Kein Wunder, dass wir keine Musik mehr hören können, wir halten an und machen prüfend die Motorhaube auf. Da wir allerdings nicht so viel Ahnung von Autos haben, entdecken wir nur einen Motor, jede menge Kabel und andere Metallteile, was davon jetzt kaputt sein könnte wissen wir auf Anhieb nicht. Was kann kaputt sein, wenn der Motor läuft, die Batterie jedoch keinen Strom mehr bekommt? Wir rätseln und tippen auf die Lichtmaschine. Da es sowieso noch hell ist, beschließen wir einfach ins Auto zu steigen und ohne Licht nach Hause zu fahren und uns morgen darum zu kümmern, da es sowieso schon anfängt zu dämmern. Ins Auto steigen klappt super, das mit dem „ohne Licht“ auch, das Fahren können wir uns jedoch abschminken, da unser Auto nicht mehr anspringt. Logisch, die Batterie ist ja leer. Tolle Wurst. Wieso bekommen Marius und ich eigentlich die ganze Zeit diese „tollen Würstchen“ ab? Wir beschließen die Wurst Wurst sein zu lassen und freuen uns lieber, dass wir am Hang geparkt haben und unser Auto einfach zur nächsten Tankstelle rollen können. Der Tankwart erklärt, dass es weit und breit keine Mechaniker gebe und dass auch er gerade keine neue Lichtmaschine dabei habe. Wäre auch viel zu einfach und schön gewesen. Im Grunde brauchen wir nur ein bisschen Energie für unsere Batterie, mit Starthilfe könnten wir also weiterfahren. Zum Glück haben wir Überbrückungskabel dabei und fragen so einfach jemanden der gerade tankt nach einem „Jumpstart“. Dank der Hilfsbereitschaft der Australier wird uns auf der Stelle geholfen. Desto länger wir die Überbrückungskabel anschließen, desto mehr wird unsere Batterie geladen und desto weiter können wir fahren. Marius schließt also schnell die Kabel an, während ich den Autobesitzer über Wind, Wetter und wundersame Kängurus zutexte. So schaffen Marius und ich es ca. 20 Sekunden rauszuhandeln und beschließen möglichst schnell weiterzufahren. Der Autobesitzer wirkt nach unserem abrupten Abbruch der Überbrückungsaktion leicht irritiert, Marius drückt derweil verstärkt auf Gas, um das Ausgehen des Motors zu verhindern. Auch das führt zu merkwürdigen Blicken an einer Ampel, an der wir mit ca. 4000 Umdrehungen im Leerlauf auf grün gewartet haben. Kurze Zeit später fahren wir auf einer Landstraße in Richtung Heimat und unser Auto beschließt mal wieder auszugehen und Marius setzt den Karren in den Graben. Na toll, jedoch haben wir mal wieder Glück im Unglück: ein Anwohner mit zwei Schnitzeln, in jeder Hand eins, hat die Aktion offenbar beobachtet und erklärt sich bereit, uns mit einem Jumpstart auszuhelfen. Er macht die Motorhaube auf und deutet mit vollem Mund auf die Lichtmaschine und gibt fragwürdige Laute von sich, die anhand seiner Gestik jedoch irgendwas mit der Lichtmaschine zu tun haben. Marius schließt wieder die Überbrückungskabel an und ich erkläre dem Schnitzel wieso und weshalb wir in Australien sind, wir schaffen es wieder 20 Sekunden rauszuhandeln. Unser Auto macht weitere fünf Kilometer mit und wir stehen wieder im Graben. Außerdem ist es mittlerweile dunkel, eine Fahrt ohne Licht ist also zu gefährlich. Wir Parken den Karren im Graben, zapfen uns ein wenig Wein ab und beschließen einfach, wie in alten Zeiten, zu wandern.
Diese ganze Aktion ist im Grunde genommen schon wieder total bescheuert, für uns jedoch in Australien irgendwie total normal. Unser Auto hat mal wieder irgendwelche Probleme und uns hilft ein Typ, der genauso viele Hände wie Schnitzel hat. Selbstverständlich gehen Marius und ich nicht einfach nach Hause und gut ist, nein, das ganze wird natürlich noch verrückter:
Nach ca. vier Metern werden wir mitgenommen von einem gut gelaunten Australier, ungefähr 25 Jahre und wenn ich schreibe „gut gelaunt“, meine ich: sehr gut gelaunt. Sein Slalomfahrstil ist zwar fragwürdig, jedoch auch irgendwie entspannend. Er fragt mich, ob ich in dieser Gegend schon Wombats gesehen hätte, ich verneine wahrheitsgemäß und er setzt sein Auto prompt in den Graben, macht seine Suchscheinwerfer an und erklärt, dass es an dieser einen Stelle immer welche gebe. Heute offenbar nicht, wir erkunden trotzdem weiterhin mit seinem vier Liter Dieselmotor den Graben und biegen schließlich wieder auf die Straße ab. Er fragt ob wir zur Zeit am arbeiten wären, ich verneine erneut wahrheitsgemäß und er bietet uns einen Job als Putzkraft in seiner Fabrik an. Wir? Reinigungsfachkraft? Das Letzte, das wir gewienert haben war unser Auto und das steht jetzt im Graben. Wir tauschen trotzdem die Handynummern aus und er bringt uns tatsächlich bis zu unserem Trailer. Sehr freundlich.
7.2.2013
Vorgestern haben wir auf unserem Campingplatz im Busch zwei weitere deutsche Backpacker kennengelernt. Benny und Kevin sind beide mitte 20 und Benny hat Maschinenbau studiert und vor kurzem ist sein Differential am Auto kaputt gegangen, das er anschließend eigenständig ausgetauscht hat. Er klärt sich bereit, mit Marius zu einem Schrottplatz zu fahren um eine neue Lichtmaschine zu organisieren und diese gleich einzubauen. Nach mehreren Stunden Arbeit läuft unser Auto wieder, vielen Dank noch mal Benny.
8.2.2013
Heute ist Freitag, endlich Wochenende. Haha, höhö und noch mal haha, wir haben sowieso immer frei. Wir sind zu sechst und beschließen ein wenig Urlaub von den freien Tagen zu machen und zu Wilsons Promontory zu fahren. Wilsons Prom. ist ein großer Nationalpark an dem auch der südlichste Punkt Australiens liegt. Reisegruppe „ab in den Süden“ bricht gegen Mittag auf und kommt gegen Abend auf den überfüllten, jedoch freien Campingplatz an. Wir feiern in Simons Geburtstag rein, machen ein kleines Feuer und diskutieren über Gott und die Welt.
9.2.2013
Heute wollen wir in den Nationalpark, zuerst an einen Strand und gegen Nachmittag wollen wir einen der zahlreichen Berge besteigen. Der „Whisky Bay“ hat nicht nur einen coolen Namen, bis zu drei Meter hohe Wellen sorgen für eine geile Zeit im Meer.
Der Mount Oberon ist mit 580 Metern der höchste Berg im Nationalpark und der Anstieg dauert mehr als eine Stunde, lohnt sich aber. Auf dem Heimweg sehen wir jede Menge Wombats, da hätte der Typ seinen Karren letztens noch nicht Mal in den Graben setzen müssen.
10.2.2013
Heute fahren nur Marius, Tono und ich in den Nationalpark, der Rest unserer fröhlichen Gemeinde beschließt sein Glück im Angeln zu versuchen. Wir fahren zum „squeky beach“ und, der Strand macht seinem Namen tatsächlich alle Ehre (squeeze= quitschen): beim Betreten des Strandes fällt uns auf, dass dieser komische Quitschgeräusche von sich gibt. Quitschvergnügt gehen wir ins Wasser und laufen anschließend einen anderen Berg hoch. Auch hier ist die Aussicht wieder mal unglaublich.
11.2.2013
ALAAF! Ein großes ALAAF! aus Australien an alle Jecken und ein „helau“ an alle die, die keine Ahnung haben.
Wir fahren zurück in unseren alten Park und fühlen uns heimisch.
13.2.2013
Wir suchen die ganze Zeit nach vergeblich nach Arbeit, manchmal können wir jedoch beim Ben arbeiten. Wir haben ein großes Franzosencamp neben uns, von denen hat keiner Arbeit. Franzosen sind hier wo wir arbeiten sehr ungerne gesehen, im Internet findet man häufig Arbeitsangebote mit der Überschrift „no french people“, wenn man sich bei Weingütern vorstellt, werden wir meistens zuerst gefragt, aus welchem Land wir kommen. Die Franzosen haben es dementsprechend noch schwieriger, einen Job zu finden, unsere französischen Nachbarn sind laut Aussagen komplett pleite.
Dienstag, 22. Januar 2013
Tuna, Simon und ein ziemlich teurer Parkplatz
14.1.2013
Es ist mal wieder unglaublich heiß und da wir mittlerweile zu fünft sind, beschließen wir, irgendwo hin zu fahren, wo es klimatisiert ist und so reisen wir in die nächste Bücherei. Wir haben Spaß mit dem kostenlosen Internet und genießen die Temperatur. Nichtsdestotrotz sind Marius und ich noch auf der Suche nach Arbeit. Beim Ben, unserem ehemaligen Chef, haben wir sicherlich einen Stein im Brett, seitdem ich ihm letztens die Leute von der Arbeitsagentur auf den Hals gehetzt habe, weil er nicht zahlen wollte. Ich rufe ihn an und er erklärt, dass er zur Zeit keine Arbeit habe. Ich gebe Bens Nummer an Arne und Tobi (die anderen beiden Backpacker) weiter und Ben sagt, sie könnten morgen anfangen. Alles klar, das war’s dann wohl mit dem Weinberg.
Gegen Abend kochen wir zusammen und Tobi ruft einen anderen Arbeitgeber an, bei dem er vorher schon mal mit Arne zusammen gearbeitet hat, der Arbeitgeber hat morgen Arbeit für vier von uns. „Juhu, endlich wieder in die Firma“ freut sich Marius und auch ich freue mich auch über Arbeit.
15.1.2013
Die „Firma“, wie Marius es stets nennt, ist eigentlich gar keine Firma sondern nur eine Garage in der wir Tomaten sortieren. Wir sortieren nach Größe, Farbe, Lust und Laune, immer wenn wir zwölf kleine Päckchen voll haben, sortieren wir diese in einen Karton und pro Karton bekommen wir zwei Dollar. Das ist das erste Mal, dass wir keinen Stundenlohn haben sondern nach Menge bezahlt werden, dieses Mal heißt es „auf Zeit“ arbeiten, nicht „zeitweise“ mal arbeiten. Irgendwie hat uns der andere Job besser gefallen, da hat man auch viel mehr Geld verdient. Nachdem wir alle Tomaten fleißig einsortiert hatten, kam eine Lieferung Brombeeren und Himbeeren, insbesondere bei den Himbeeren war es schwierig, aufeinen Stundenlohn von mehr als acht Dollar zu kommen, das ist hier so gut wir gar Nichts. Ein Glück ist gar nicht mehr so viel zu tun, gegen 17 Uhr machen wir Feierabend, am Samstag können wir wieder arbeiten. Super! Verlängertes Wochenende! Das passt uns super, wir kaufen alles für einen Grillabend (Fleisch, Goon) ein. Der Abend mit den anderen Backpackern ist sehr lustig und wir bleiben lange auf.
17.1.2012
Unser glorreiches Quintett hat beschlossen, nach Melbourne zu fahren, Tobi und Arne heißen ab jetzt Tuna und Simon, da Marius mit den Namen durcheinander gekommen ist. „Reisegruppe Melbourne“ bricht gegen Mittag auf und kommen am frühen Nachmittag am Strand in Melbourne an, und das ist auch gut so, da es heute unglaublich heiß ist. Wir bleiben sehr lange im Wasser und fahren anschließend zu Freunden von Tuna und Simon, die hier studieren und ein Haus gestellt bekommen haben. Heute Abend wollen wir das Nachtleben in Melbourne mal unter die Lupe nehmen. Eine Lupe brauchen wir auch, in der Nacht lebt leider gar nicht so viel wie erhofft, die meisten Clubs oder Pups haben entweder ab ein Uhr nachts geschlossen, oder sind unbezahlbar. Im „Luna Park“ haben sich zwölf Trommler eingefunden, die auf ihrer Trommel trommeln und so einige begeisterte Trommelfans um sich scharren. Wir hören den Trommlern eine Zeit lang zu und fahren anschließend mit der ersten S-Bahn nach Hause. Tuna kennt sich am Besten von uns in Melbourne aus und so sind wir auch schon gegen Sonnenaufgang zurück in der Wohnung, in der wir auch übernachten dürfen.
18.1.2012
Nachdem alle ausreichend geschlafen und gefrühstückt haben, brechen wir auf in Richtung Melbourne. Wir wollen auf den Victoria Market, ein sehr großer und berühmter Markt in Melbourne, der allerdings nur bis 17 Uhr geöffnet hat. Da wir sowieso mal wieder spät dran sind, beschließen wir, nicht außerhalb von Melbourne zu parken sondern diesmal gleich in der Innenstadt. Die Schilder sind unschlüssig, wir sind uns aber sicher, dass wir auf den Platz wo wir stehen, auch stehen dürfen. Parkhäuser kosten in der Innenstadt 17$ pro Stunde. Der Victoria Market natürlich schon um 16 Uhr vorbei und nicht wie ausgeschrieben um 17 Uhr, wir lassen und jedoch mal wieder nicht aus der Ruhe bringen und traben zurück Richtung Auto.
Kennt ihr den Moment, wenn man in ein Parkhaus geht und sich so denkt:“ Ey man, wo ist mein Auto?“ Auf größeren Parkplätzen passiert das auch schon mal. Unser Auto haben wir in der Victoria Street stehen lassen, als wir jedoch auf das schwarze Stück Asphalt geblickt haben, auf dem vorher unser Auto stand, hatten wir leider keinen dieser „Ey man, wo ist mein Auto?“ Momente, das war mehr so ein „F*?k, mein Auto ist weg!!“ Moment. Unser Auto ist weg. Aber wo ist es? Geklaut? Schließlich entdecken wir auf dem Schild ein kleines, rotes „C“ und eine Aufschrift, die uns verbietet zwischen 16 Uhr und 18 Uhr dort zu parken, sonst darf man so lange dort stehen wie man will. Wir haben 16:20 Uhr. Auf der Parkuhr entdecken wir einen kleinen Sticker, auf dem eine Telefonnummer vom Abschleppdienst steht. Die elektronische Frauenstimme verrät mir, dass ich mein Auto am anderen Ende der Stadt wieder abholen kann, 322$ kostet uns der Spaß. Ironischerweise liegt der Abschleppdienst genau auf der Straße, auf der wir ursprünglich und umsonst Parken wollten. Dort angekommen warten ca. 15 Leute mit uns zusammen an der Kasse um ihr Auto abzuholen, der Abschleppdienst ist nur für die Innenstadt von Melbourne. Anscheinend sind wir nicht die einzigen, die das mit den Schildern nicht auf Anhieb verstanden haben. Kleinen rotes „C“ bedeutet also: Abschleppen. Die Innenstadt ist noch mal in drei Bezirke aufgeteilt die natürlich auch noch mal unterschiedlich viel kosten, ein Glück haben wir uns den günstigsten Abschlepptarif ausgesucht. Und wenn das alles wäre: Da wir auf dem falschen Parkplatz geparkt haben, sind wir logischerweise Falschparker, das belohnt die Stadt mit weiteren 141$. Dagegen ist falsch Parken in Deutschland ja ein Schnäppchen. Ab 16 Uhr durfte man da nicht mehr parken, wir haben um 16:04 das Parkticket für’s falsch Parken bekommen und wurden um 16:11 abgeschleppt. Das nenn ich mal Service!!!
Andere Leute kaufen sich einen Parkplatz für 17$ die Stunde und wir leisten uns gleich den Premiumplatz mit Überraschungseffekt. Na ja, immerhin wissen wir jetzt, wie viel der teuerste Parkplatz in Melbourne kostet: 463$.
19.1.2013
Auf geht es wieder in die Firma, Himbeeren sortieren und Brombeeren stapeln. Wir lassen uns auch nicht mit der Sache mit dem Parken aus der Ruhe bringen. Viel wichtiger ist, wir brauchen jetzt wieder einen Job! Ben, der ehemalige Traubenpflückerchef geht nicht mehr an sein Handy und Tuna und Simon wollten ja eigentlich auch schon für ihn arbeiten, haben es jedoch mangels Erreichbarkeit seinerseits nicht geschafft ein Treffen o.Ä. zu arrangieren. Schließlich nehme ich unser Handy, stelle ein, dass der Angerufene meine Nummer nicht sehen kann und rufe erneut an. Dieses mal melde ich mich nicht wie sonst immer unter dem Namen „Steve“, sondern „Steffähn“, mit einer langen Betonung auf dem „äh“. Ben sagt, dass er gerade noch vier deutsche Backpacker gebrauchen kann und wir sind eingestellt. Ha!, was für ein Idiot. Wir stapeln und verpacken noch ein paar Beeren, fahren nach Hause zum Campingplatz und freuen uns.
21.1.2013
Um 7:30 sollen wir da sein und sind pünktlich wie die Maurer eine halbe Stunde zu früh. Chris, unser Supervisorin, also die Chefin, kennen Marius und ich noch vom letzten Jahr, da wir auch schon mal mit ihr gearbeitet haben, ist auch schon da und freut sich, dass wir so pünktlich sind. Unsere heutige Arbeit nennt sich „botteln“, wir füllen Weinflaschen ab. Dafür hat sich das Weingut eine mobile Bottelmaschine kommen lassen, in einem Truck werden die Flaschen erst gereinigt, abgefüllt, Drehverschluss bzw. Korken drauf gepresst, etikettiert, in Kartons gelegt und gestapelt. Marius und Simon haben die Kartons gestapelt während Tuna die Flaschen in die Kartons gelegt hat und ich die Flaschen vorne in die Maschine gestellt habe. 27.428 Flaschen haben wir an dem Tag abgefüllt, alle 1,167 Sekunden stellt die Maschine eine Flasche fertig. Nach elf Stunden werden wir auf ein Bier eingeladen und das Weingut schenkt uns 13 Flaschen Wein.
22.1.2013
Ben schreibt uns um fünf Uhr morgens, dass er heute nur zwei von uns vieren gebrauchen kann. Marius und ich bringen Tuna und Simon zur Arbeit und gehen etwas in die Stadt, da wir unser Auto mal richtig gründlich reinigen wollen. Die Staubsauger in der Waschstraße erinnern an einen „einarmigen Banditen“ aus Las Vegas, viele bunte Farben und Leuchtschriften versuchen einen davon zu überzeugen, sein Auto mit einer Sprühpistole von innen einzusprühen, um anschließend einen feschen Erdbeer- oder Vanilleduft im Interieur zu haben. Echt verrückt, diese Australier.
Es ist mal wieder unglaublich heiß und da wir mittlerweile zu fünft sind, beschließen wir, irgendwo hin zu fahren, wo es klimatisiert ist und so reisen wir in die nächste Bücherei. Wir haben Spaß mit dem kostenlosen Internet und genießen die Temperatur. Nichtsdestotrotz sind Marius und ich noch auf der Suche nach Arbeit. Beim Ben, unserem ehemaligen Chef, haben wir sicherlich einen Stein im Brett, seitdem ich ihm letztens die Leute von der Arbeitsagentur auf den Hals gehetzt habe, weil er nicht zahlen wollte. Ich rufe ihn an und er erklärt, dass er zur Zeit keine Arbeit habe. Ich gebe Bens Nummer an Arne und Tobi (die anderen beiden Backpacker) weiter und Ben sagt, sie könnten morgen anfangen. Alles klar, das war’s dann wohl mit dem Weinberg.
Gegen Abend kochen wir zusammen und Tobi ruft einen anderen Arbeitgeber an, bei dem er vorher schon mal mit Arne zusammen gearbeitet hat, der Arbeitgeber hat morgen Arbeit für vier von uns. „Juhu, endlich wieder in die Firma“ freut sich Marius und auch ich freue mich auch über Arbeit.
15.1.2013
Die „Firma“, wie Marius es stets nennt, ist eigentlich gar keine Firma sondern nur eine Garage in der wir Tomaten sortieren. Wir sortieren nach Größe, Farbe, Lust und Laune, immer wenn wir zwölf kleine Päckchen voll haben, sortieren wir diese in einen Karton und pro Karton bekommen wir zwei Dollar. Das ist das erste Mal, dass wir keinen Stundenlohn haben sondern nach Menge bezahlt werden, dieses Mal heißt es „auf Zeit“ arbeiten, nicht „zeitweise“ mal arbeiten. Irgendwie hat uns der andere Job besser gefallen, da hat man auch viel mehr Geld verdient. Nachdem wir alle Tomaten fleißig einsortiert hatten, kam eine Lieferung Brombeeren und Himbeeren, insbesondere bei den Himbeeren war es schwierig, aufeinen Stundenlohn von mehr als acht Dollar zu kommen, das ist hier so gut wir gar Nichts. Ein Glück ist gar nicht mehr so viel zu tun, gegen 17 Uhr machen wir Feierabend, am Samstag können wir wieder arbeiten. Super! Verlängertes Wochenende! Das passt uns super, wir kaufen alles für einen Grillabend (Fleisch, Goon) ein. Der Abend mit den anderen Backpackern ist sehr lustig und wir bleiben lange auf.
17.1.2012
Unser glorreiches Quintett hat beschlossen, nach Melbourne zu fahren, Tobi und Arne heißen ab jetzt Tuna und Simon, da Marius mit den Namen durcheinander gekommen ist. „Reisegruppe Melbourne“ bricht gegen Mittag auf und kommen am frühen Nachmittag am Strand in Melbourne an, und das ist auch gut so, da es heute unglaublich heiß ist. Wir bleiben sehr lange im Wasser und fahren anschließend zu Freunden von Tuna und Simon, die hier studieren und ein Haus gestellt bekommen haben. Heute Abend wollen wir das Nachtleben in Melbourne mal unter die Lupe nehmen. Eine Lupe brauchen wir auch, in der Nacht lebt leider gar nicht so viel wie erhofft, die meisten Clubs oder Pups haben entweder ab ein Uhr nachts geschlossen, oder sind unbezahlbar. Im „Luna Park“ haben sich zwölf Trommler eingefunden, die auf ihrer Trommel trommeln und so einige begeisterte Trommelfans um sich scharren. Wir hören den Trommlern eine Zeit lang zu und fahren anschließend mit der ersten S-Bahn nach Hause. Tuna kennt sich am Besten von uns in Melbourne aus und so sind wir auch schon gegen Sonnenaufgang zurück in der Wohnung, in der wir auch übernachten dürfen.
18.1.2012
Nachdem alle ausreichend geschlafen und gefrühstückt haben, brechen wir auf in Richtung Melbourne. Wir wollen auf den Victoria Market, ein sehr großer und berühmter Markt in Melbourne, der allerdings nur bis 17 Uhr geöffnet hat. Da wir sowieso mal wieder spät dran sind, beschließen wir, nicht außerhalb von Melbourne zu parken sondern diesmal gleich in der Innenstadt. Die Schilder sind unschlüssig, wir sind uns aber sicher, dass wir auf den Platz wo wir stehen, auch stehen dürfen. Parkhäuser kosten in der Innenstadt 17$ pro Stunde. Der Victoria Market natürlich schon um 16 Uhr vorbei und nicht wie ausgeschrieben um 17 Uhr, wir lassen und jedoch mal wieder nicht aus der Ruhe bringen und traben zurück Richtung Auto.
Kennt ihr den Moment, wenn man in ein Parkhaus geht und sich so denkt:“ Ey man, wo ist mein Auto?“ Auf größeren Parkplätzen passiert das auch schon mal. Unser Auto haben wir in der Victoria Street stehen lassen, als wir jedoch auf das schwarze Stück Asphalt geblickt haben, auf dem vorher unser Auto stand, hatten wir leider keinen dieser „Ey man, wo ist mein Auto?“ Momente, das war mehr so ein „F*?k, mein Auto ist weg!!“ Moment. Unser Auto ist weg. Aber wo ist es? Geklaut? Schließlich entdecken wir auf dem Schild ein kleines, rotes „C“ und eine Aufschrift, die uns verbietet zwischen 16 Uhr und 18 Uhr dort zu parken, sonst darf man so lange dort stehen wie man will. Wir haben 16:20 Uhr. Auf der Parkuhr entdecken wir einen kleinen Sticker, auf dem eine Telefonnummer vom Abschleppdienst steht. Die elektronische Frauenstimme verrät mir, dass ich mein Auto am anderen Ende der Stadt wieder abholen kann, 322$ kostet uns der Spaß. Ironischerweise liegt der Abschleppdienst genau auf der Straße, auf der wir ursprünglich und umsonst Parken wollten. Dort angekommen warten ca. 15 Leute mit uns zusammen an der Kasse um ihr Auto abzuholen, der Abschleppdienst ist nur für die Innenstadt von Melbourne. Anscheinend sind wir nicht die einzigen, die das mit den Schildern nicht auf Anhieb verstanden haben. Kleinen rotes „C“ bedeutet also: Abschleppen. Die Innenstadt ist noch mal in drei Bezirke aufgeteilt die natürlich auch noch mal unterschiedlich viel kosten, ein Glück haben wir uns den günstigsten Abschlepptarif ausgesucht. Und wenn das alles wäre: Da wir auf dem falschen Parkplatz geparkt haben, sind wir logischerweise Falschparker, das belohnt die Stadt mit weiteren 141$. Dagegen ist falsch Parken in Deutschland ja ein Schnäppchen. Ab 16 Uhr durfte man da nicht mehr parken, wir haben um 16:04 das Parkticket für’s falsch Parken bekommen und wurden um 16:11 abgeschleppt. Das nenn ich mal Service!!!
Andere Leute kaufen sich einen Parkplatz für 17$ die Stunde und wir leisten uns gleich den Premiumplatz mit Überraschungseffekt. Na ja, immerhin wissen wir jetzt, wie viel der teuerste Parkplatz in Melbourne kostet: 463$.
19.1.2013
Auf geht es wieder in die Firma, Himbeeren sortieren und Brombeeren stapeln. Wir lassen uns auch nicht mit der Sache mit dem Parken aus der Ruhe bringen. Viel wichtiger ist, wir brauchen jetzt wieder einen Job! Ben, der ehemalige Traubenpflückerchef geht nicht mehr an sein Handy und Tuna und Simon wollten ja eigentlich auch schon für ihn arbeiten, haben es jedoch mangels Erreichbarkeit seinerseits nicht geschafft ein Treffen o.Ä. zu arrangieren. Schließlich nehme ich unser Handy, stelle ein, dass der Angerufene meine Nummer nicht sehen kann und rufe erneut an. Dieses mal melde ich mich nicht wie sonst immer unter dem Namen „Steve“, sondern „Steffähn“, mit einer langen Betonung auf dem „äh“. Ben sagt, dass er gerade noch vier deutsche Backpacker gebrauchen kann und wir sind eingestellt. Ha!, was für ein Idiot. Wir stapeln und verpacken noch ein paar Beeren, fahren nach Hause zum Campingplatz und freuen uns.
21.1.2013
Um 7:30 sollen wir da sein und sind pünktlich wie die Maurer eine halbe Stunde zu früh. Chris, unser Supervisorin, also die Chefin, kennen Marius und ich noch vom letzten Jahr, da wir auch schon mal mit ihr gearbeitet haben, ist auch schon da und freut sich, dass wir so pünktlich sind. Unsere heutige Arbeit nennt sich „botteln“, wir füllen Weinflaschen ab. Dafür hat sich das Weingut eine mobile Bottelmaschine kommen lassen, in einem Truck werden die Flaschen erst gereinigt, abgefüllt, Drehverschluss bzw. Korken drauf gepresst, etikettiert, in Kartons gelegt und gestapelt. Marius und Simon haben die Kartons gestapelt während Tuna die Flaschen in die Kartons gelegt hat und ich die Flaschen vorne in die Maschine gestellt habe. 27.428 Flaschen haben wir an dem Tag abgefüllt, alle 1,167 Sekunden stellt die Maschine eine Flasche fertig. Nach elf Stunden werden wir auf ein Bier eingeladen und das Weingut schenkt uns 13 Flaschen Wein.
22.1.2013
Ben schreibt uns um fünf Uhr morgens, dass er heute nur zwei von uns vieren gebrauchen kann. Marius und ich bringen Tuna und Simon zur Arbeit und gehen etwas in die Stadt, da wir unser Auto mal richtig gründlich reinigen wollen. Die Staubsauger in der Waschstraße erinnern an einen „einarmigen Banditen“ aus Las Vegas, viele bunte Farben und Leuchtschriften versuchen einen davon zu überzeugen, sein Auto mit einer Sprühpistole von innen einzusprühen, um anschließend einen feschen Erdbeer- oder Vanilleduft im Interieur zu haben. Echt verrückt, diese Australier.
Sonntag, 13. Januar 2013
Knust, ein Pool und eine Baracke
4.1.2013
Es ist.. ähm, Montag? Freitag? Fest steht, dass wir irgendeinen Tag und nicht Nacht haben, dementsprechend fahren wir in die Stadt und gucken, was man hier so treiben kann. Die Stadt Yarra Junction ist nicht sonderlich groß und deswegen kann man auch nicht viel treiben. Wir setzen uns in die Bücherei und laden sämtliche Elektrogeräte auf und gehen im Schwimmbad duschen. Heute Abend wollen ein paar Schwaben, die wir auf der Arbeit kennengelernt haben zu Besuch kommen, sie kommen gerade von der „Great Ocean Road“ und sind verständlicherweise voll mit positiven Eindrücken der bewundernswerten Naturwunder. Außerdem lehren sie uns wie kreativ man mit der deutschen Sprache umgehen kann: abgesehen von dem lustigen Akzent gibt es auch jede Menge neue Wörter.
Gestern haben wir ein paar Deutsche getroffen, die sich in Sydney kennengelernt haben und aus vier verschiedenen Himmelsrichtungen Deutschlands kommen, deswegen gibt es einige sprachliche Streitigkeiten. Die vier haben sich gestern den ganzen Abend über die Existenz von Wörtern wie „Tuschkasten“ (Kasten mit Wasserfarben), „Knust“ (Endstück vom Brot), oder „ich hab da keinen Turn drauf“ ( modern für: kein’ Bock) gestritten. Nachdem sich die Schwaben zu uns gesetzt hatten und fest behauptet haben, dass das Endstück vom Brot nicht wie Marius und ich gesagt haben „Knäppchen“ heißt, sondern „Riebele“, war der Diskussion gar kein Ende mehr zu setzen.
5.1.2012
Wir haben Januar und es ist komischerweise sehr heiß. Gestern Abend haben wir mit den Schwaben zusammen ums Lagerfeuer gesessen und Geschichten aus Australien ausgetauscht. Marius, Janne und ich sind uns einig, dass der Dialekt der Schwaben uns zwar amüsiert, jedoch in manchen Fällen schwer ernst zu nehmen ist. Wir haben jedoch jede Menge Spaß zusammen.
Abends gehen wir einkaufen und lernen ein paar Mädchen aus Berlin kennen, sie beschließen kurzfristig mit uns zu kommen, damit sie auf ihrem Campingplatz keine weiteren Gebühren mehr zahlen müssen. Die Mädchen aus Berlin behaupten doch tatsächlich, dass man das Endstück vom Brot „Kanten“ nennt. „Kanten“, „Riebele“, Knust“ oder „Knäppchen“, fest steht, dass die letzte Scheibe nicht die Leckerste ist.
7.1.2013
Das Wetter ist unglaublich warm und wir beschließen, in die Library zu fahren. Vorher müssen wir noch zu einem Reifenhändler, um unseren platten Reifen reparieren zu lassen. Den Rest des Tages verbringen wir in der Bücherei und genießen die Klimaanlage und das freie Internet. Da uns unser Chef unser Geld immer noch nicht überwiesen hat, suche ich im Internet nach Hilfe. Eine Art Arbeitsagentur verspricht im Internet sich um so was zu kümmern. Ich rufe Ben erneut an und spreche ihm auf die Mailbox, dass er bald Post von der Arbeitsagentur bekomme, sofern ich nicht langsam mal mein Geld bekomme. Da er meinen Anruf nicht beantwortet, setze ich meine Drohung in die Tat um und kontaktiere die Arbeitsagentur. Ca. fünf Minuten später bekomme ich einen Anruf von Ben und er entschuldigt sich für das Dilemma und erkundigt sich nach unserem Bankkonto. Na also, geht doch.
9.1.2013
Ben, unser alter Chef, meldet sich nicht mehr und ob er weiterhin Arbeit für uns hat ist unklar. Wahrscheinlich mag er uns seit gestern sowieso nicht mehr allzu gerne. Die Schwaben beschließen das Feld zu räumen und brechen auf. Da die Mädels aus Berlin am arbeiten sind, beschließen wir etwas aufzuräumen um anschließend in Ruhe zu kochen und anschließend ein paar Filme zu schauen.
10.1.2013
Da wir voraussichtlich auch bald weiterreisen werden, beschließen wir noch mal nach Melbourne zu fahren. Unsere Freunde haben uns ein Paket per Post geschickt, dieses sollte mittlerweile angekommen sein. Ich habe schon öfters bei dem Postamt angerufen, abgesehen von extra langen Warteschleifen und überflüssigen Infos über die australische Post konnte ich jedoch bis jetzt nicht in Erfahrung bringen. Wir gehen also zum Postamt und, siehe da, das Paket ist endlich da!!!
Das Paket enthält:
-Vier Boxershorts (Danke, wir wollten sowieso noch mal wechseln)
-Jede Menge Briefe (Danke, der Marius hat bei dem ganzen Papierkram zwar fast einen Anfall bekommen, wir haben uns jedoch total gefreut!!!!)
-Ein Kochbuch (Danke Mama, aber was ist bitte „Fenchel“?!?)
-Ein Stück Tannenbaum (auch hier Danke dafür, leider hat der Ast die Reise nicht so richtig überlebt, das Ankleben der Nadeln erschien uns zu stressig und dementsprechend ist und bleibt der Ast braun)
-Ein Kölnaufkleber fürs Auto (Auch hier Danke, wir sind garantiert die Einzigen die so was hier haben)
-Ein Satz Gitarrensaiten und ein Plektron (Danke Tobi, der Kram ist hier ein Vermögen wert)
Vielen Dank geht insbesondere an Jan und Sabi, da die beiden das Paket verschickt haben. Vielen Dank auch an alle anderen die sich mit Zettel und Stift bewaffnet haben (und nicht wie der Herr Helmer „Kosten und Mühen“ gescheut haben, kleiner Spaß am Rande ;-) ) und uns dieses Paket gesendet haben.
11.1.2013
Da wir gestern zu viel mit dem Paket beschäftigt waren und zu allem Überfluss auch noch keinen Parkplatz gefunden haben, ist unser Tag in Melbourne mehr oder weniger ins Wasser gefallen. Also beschließen wir noch mal aufzubrechen. Am frühen Morgen kommt ein Ranger vorbei (ein Ranger ist sozusagen ein Polizist, der sich nur um Wälder und Natur kümmert) und erklärt, dass ab heute absolutes Lagerfeuerverbot gelte, da es sehr heiß werde. Wir beschließen kurzerhand an den Strand zu fahren und genießen das Wetter in vollen Zügen.
Anschließend hat uns ein Kumpel namens „Shaun“ auf eine Geburtstagsparty eingeladen in Healesville, in der Nähe von dem Dorf in dem wir campen. Vorher besuchen wir noch einen anderen Kumpel in Melbourne, der gerade bei Bekannten auf einem „Chillerabend“ ist. Dieser Chillerabend findet in der letzten Baracke statt, die man sich vorstellen kann: Ca. 15 Jugendliche leben zusammen in einem Haus, es tropft Wasser von der Decke, alle Möbel sind zertreten, es stinkt, in der Küche steht nur ein einziger Campingkocher im Wert von zehn Dollar, die Toilette ist.. Okay, ab hier hört die Sache an untauglich für den Blog zu werden. Wir sind so dreist und schießen ein paar Fotos und machen uns auf den Weg zu Shaun. Shaun lebt mit einem Kumpel und seiner Freundin zusammen in einem Haus. Eine Freundin feiert Geburtstag und wir werden freundlicherweise eingeladen. Zum Glück ist diese Poolparty das exakte Gegenteil von der Bruchbude in der wir vorher waren, die Leute sehen aus wie echte Menschen und das Haus scheint von einer Familie bewohnt zu sein. Wir feiern mit den Australiern bis in die späte Nacht und haben jede Menge Spaß.
12.1.2013
Shaun ist völlig verkatert und auch wir drei sind uns einig, dass unser Kopfweh beweist wie toll die Party war. Sehr toll. Wir frühstücken bei Subway und anschließend tauschen Shaun und ich Musik aus. Die Australier haben einen sehr interessanten und eigenen Geschmack, sehr cool.
Der Reifenhändler scheint nicht der beste Mann seines Faches zu sein, der Reifen ist schon wieder platt, obwohl wir ihn bis jetzt noch nicht montiert haben. Na toll.
Gegen Abend kommen zwei weitere deutsche Backpacker vorbei und wir tauschen mal wieder unsere Lebensgeschichten aus.
Es ist.. ähm, Montag? Freitag? Fest steht, dass wir irgendeinen Tag und nicht Nacht haben, dementsprechend fahren wir in die Stadt und gucken, was man hier so treiben kann. Die Stadt Yarra Junction ist nicht sonderlich groß und deswegen kann man auch nicht viel treiben. Wir setzen uns in die Bücherei und laden sämtliche Elektrogeräte auf und gehen im Schwimmbad duschen. Heute Abend wollen ein paar Schwaben, die wir auf der Arbeit kennengelernt haben zu Besuch kommen, sie kommen gerade von der „Great Ocean Road“ und sind verständlicherweise voll mit positiven Eindrücken der bewundernswerten Naturwunder. Außerdem lehren sie uns wie kreativ man mit der deutschen Sprache umgehen kann: abgesehen von dem lustigen Akzent gibt es auch jede Menge neue Wörter.
Gestern haben wir ein paar Deutsche getroffen, die sich in Sydney kennengelernt haben und aus vier verschiedenen Himmelsrichtungen Deutschlands kommen, deswegen gibt es einige sprachliche Streitigkeiten. Die vier haben sich gestern den ganzen Abend über die Existenz von Wörtern wie „Tuschkasten“ (Kasten mit Wasserfarben), „Knust“ (Endstück vom Brot), oder „ich hab da keinen Turn drauf“ ( modern für: kein’ Bock) gestritten. Nachdem sich die Schwaben zu uns gesetzt hatten und fest behauptet haben, dass das Endstück vom Brot nicht wie Marius und ich gesagt haben „Knäppchen“ heißt, sondern „Riebele“, war der Diskussion gar kein Ende mehr zu setzen.
5.1.2012
Wir haben Januar und es ist komischerweise sehr heiß. Gestern Abend haben wir mit den Schwaben zusammen ums Lagerfeuer gesessen und Geschichten aus Australien ausgetauscht. Marius, Janne und ich sind uns einig, dass der Dialekt der Schwaben uns zwar amüsiert, jedoch in manchen Fällen schwer ernst zu nehmen ist. Wir haben jedoch jede Menge Spaß zusammen.
Abends gehen wir einkaufen und lernen ein paar Mädchen aus Berlin kennen, sie beschließen kurzfristig mit uns zu kommen, damit sie auf ihrem Campingplatz keine weiteren Gebühren mehr zahlen müssen. Die Mädchen aus Berlin behaupten doch tatsächlich, dass man das Endstück vom Brot „Kanten“ nennt. „Kanten“, „Riebele“, Knust“ oder „Knäppchen“, fest steht, dass die letzte Scheibe nicht die Leckerste ist.
7.1.2013
Das Wetter ist unglaublich warm und wir beschließen, in die Library zu fahren. Vorher müssen wir noch zu einem Reifenhändler, um unseren platten Reifen reparieren zu lassen. Den Rest des Tages verbringen wir in der Bücherei und genießen die Klimaanlage und das freie Internet. Da uns unser Chef unser Geld immer noch nicht überwiesen hat, suche ich im Internet nach Hilfe. Eine Art Arbeitsagentur verspricht im Internet sich um so was zu kümmern. Ich rufe Ben erneut an und spreche ihm auf die Mailbox, dass er bald Post von der Arbeitsagentur bekomme, sofern ich nicht langsam mal mein Geld bekomme. Da er meinen Anruf nicht beantwortet, setze ich meine Drohung in die Tat um und kontaktiere die Arbeitsagentur. Ca. fünf Minuten später bekomme ich einen Anruf von Ben und er entschuldigt sich für das Dilemma und erkundigt sich nach unserem Bankkonto. Na also, geht doch.
9.1.2013
Ben, unser alter Chef, meldet sich nicht mehr und ob er weiterhin Arbeit für uns hat ist unklar. Wahrscheinlich mag er uns seit gestern sowieso nicht mehr allzu gerne. Die Schwaben beschließen das Feld zu räumen und brechen auf. Da die Mädels aus Berlin am arbeiten sind, beschließen wir etwas aufzuräumen um anschließend in Ruhe zu kochen und anschließend ein paar Filme zu schauen.
10.1.2013
Da wir voraussichtlich auch bald weiterreisen werden, beschließen wir noch mal nach Melbourne zu fahren. Unsere Freunde haben uns ein Paket per Post geschickt, dieses sollte mittlerweile angekommen sein. Ich habe schon öfters bei dem Postamt angerufen, abgesehen von extra langen Warteschleifen und überflüssigen Infos über die australische Post konnte ich jedoch bis jetzt nicht in Erfahrung bringen. Wir gehen also zum Postamt und, siehe da, das Paket ist endlich da!!!
Das Paket enthält:
-Vier Boxershorts (Danke, wir wollten sowieso noch mal wechseln)
-Jede Menge Briefe (Danke, der Marius hat bei dem ganzen Papierkram zwar fast einen Anfall bekommen, wir haben uns jedoch total gefreut!!!!)
-Ein Kochbuch (Danke Mama, aber was ist bitte „Fenchel“?!?)
-Ein Stück Tannenbaum (auch hier Danke dafür, leider hat der Ast die Reise nicht so richtig überlebt, das Ankleben der Nadeln erschien uns zu stressig und dementsprechend ist und bleibt der Ast braun)
-Ein Kölnaufkleber fürs Auto (Auch hier Danke, wir sind garantiert die Einzigen die so was hier haben)
-Ein Satz Gitarrensaiten und ein Plektron (Danke Tobi, der Kram ist hier ein Vermögen wert)
Vielen Dank geht insbesondere an Jan und Sabi, da die beiden das Paket verschickt haben. Vielen Dank auch an alle anderen die sich mit Zettel und Stift bewaffnet haben (und nicht wie der Herr Helmer „Kosten und Mühen“ gescheut haben, kleiner Spaß am Rande ;-) ) und uns dieses Paket gesendet haben.
11.1.2013
Da wir gestern zu viel mit dem Paket beschäftigt waren und zu allem Überfluss auch noch keinen Parkplatz gefunden haben, ist unser Tag in Melbourne mehr oder weniger ins Wasser gefallen. Also beschließen wir noch mal aufzubrechen. Am frühen Morgen kommt ein Ranger vorbei (ein Ranger ist sozusagen ein Polizist, der sich nur um Wälder und Natur kümmert) und erklärt, dass ab heute absolutes Lagerfeuerverbot gelte, da es sehr heiß werde. Wir beschließen kurzerhand an den Strand zu fahren und genießen das Wetter in vollen Zügen.
Anschließend hat uns ein Kumpel namens „Shaun“ auf eine Geburtstagsparty eingeladen in Healesville, in der Nähe von dem Dorf in dem wir campen. Vorher besuchen wir noch einen anderen Kumpel in Melbourne, der gerade bei Bekannten auf einem „Chillerabend“ ist. Dieser Chillerabend findet in der letzten Baracke statt, die man sich vorstellen kann: Ca. 15 Jugendliche leben zusammen in einem Haus, es tropft Wasser von der Decke, alle Möbel sind zertreten, es stinkt, in der Küche steht nur ein einziger Campingkocher im Wert von zehn Dollar, die Toilette ist.. Okay, ab hier hört die Sache an untauglich für den Blog zu werden. Wir sind so dreist und schießen ein paar Fotos und machen uns auf den Weg zu Shaun. Shaun lebt mit einem Kumpel und seiner Freundin zusammen in einem Haus. Eine Freundin feiert Geburtstag und wir werden freundlicherweise eingeladen. Zum Glück ist diese Poolparty das exakte Gegenteil von der Bruchbude in der wir vorher waren, die Leute sehen aus wie echte Menschen und das Haus scheint von einer Familie bewohnt zu sein. Wir feiern mit den Australiern bis in die späte Nacht und haben jede Menge Spaß.
12.1.2013
Shaun ist völlig verkatert und auch wir drei sind uns einig, dass unser Kopfweh beweist wie toll die Party war. Sehr toll. Wir frühstücken bei Subway und anschließend tauschen Shaun und ich Musik aus. Die Australier haben einen sehr interessanten und eigenen Geschmack, sehr cool.
Der Reifenhändler scheint nicht der beste Mann seines Faches zu sein, der Reifen ist schon wieder platt, obwohl wir ihn bis jetzt noch nicht montiert haben. Na toll.
Gegen Abend kommen zwei weitere deutsche Backpacker vorbei und wir tauschen mal wieder unsere Lebensgeschichten aus.
Donnerstag, 3. Januar 2013
Eine Traubenschlacht, ein weit entfernter Busch und komische Postangestellte
14.12.2012
Nach dem wir gestern sehr entspannt Heu durch die Gegend getragen haben, haben wir unseren neuen Job natürlich erst mal gefeiert. Wir haben uns ins Zelt gesetzt und gehofft, dass der Dauerregen endlich aufhört. Außerdem wollte sich unser Boss nicht melden und uns sagen, wo er uns heute sehen will. Heute morgen um 5:20 kam erst die Adresse per Sms. Das war auch ungefähr der Moment in dem ich mich gefragt habe, warum ausgerechnet Marius und ich den angeblich verregnettesten Winter und Frühling miterleben dürfen.
Unsere heutige Mission lautet: Wire lifting, oder auch: faul sein und abhängen. Die Weinroben in den Weinbergen wachsen an diesem „Wire“ hoch und werden so stabilisiert, unsere Aufgabe ist es, das Kabel, also das „Wire“ rauszuziehen und 30cm höher wieder anzubringen. Da sämtliche Vorrichtungen schon da sind, müssen wir nur einmal an dem Kabel ziehen, es hochdrücken und einhaken. Wir arbeiten mit einem Iren und zwei anderen Deutschen zusammen. Chris und Kevin kommen aus Köln und Solingen, wir verstehen und prächtig und dadurch wird unser Arbeitstempo selbstverständlich (fast) gar nicht beeinträchtigt. Unser unmotivierter „Supervisor“, also der Chef, scheint sich sowieso gar nicht dafür zu interessieren was wir so treiben.
15.12.2012
Endlich Wochenende, haben wir uns aber auch verdient nach diesen neun ultra harten Arbeitsstunden. Haha.
Gegen Abend kommen Chris und Kevin vorbei und bringen Bier mit. Ihr weißer Bus fällt durch eine sehr elegante Kuh-Optik auf. Wir machen ein kleines Lagerfeuer und trinken Bier. Nieselregen, Lagerfeuer, Bier, in solchen Momenten vergisst man doch glatt, dass man in Australien ist und nicht in Deutschland.
16.12.2012
Juhu, es regnet. Gegen Nachmittag fängt das Wetter endlich an besser zu werden und Marius und ich ergreifen sofort die Gelegenheit und trocknen unsere Arbeitsklamotten, die seit Freitag total nass sind.
17.12.2012
Ich hasse Montage.
18.12.2012
Happy Birthday to me! Um Punkt zwölf singt Janne mir ein Ständchen und Marius schläft zum Rhythmus. Weitere fünf Stunden später klingelt auch schon mein Wecker. Puh, habe ich ein Glück, dass ich das Geburtstagskind bin. Das Geburtstagskind darf nämlich entscheiden.
„Das Geburtstagskind will ein super Sandwich zum Frühstück und Kaffee und Sonne und Fritten und ich will nach Köln und was leckeres zum Essen und für die Arbeit ebenfalls!“
Wie im Flug hat Marius Messer, Schere und Brot zusammengesucht und mir ein ansehnliches Riesenbrot geschmiert.
Unsere Arbeit besteht heute, genau wie gestern, aus gar Nichts tun und Konversation führen. Unser 14-köpfiges Team besteht aus:
-Vier weiteren deutschen, die seit drei Wochen hier arbeiten und sich in Sydney kennengelernt haben.
-Ein anderes deutsches Pärchen, Vivian und Viviane (Vivian ist offenbar auch ein männlicher Vorname) könnten optisch sogar Geschwister sein.
-Zwei unmotivierte Engländer
-Zwei unglaublich motivierte Australier, Marius, mir und zwei ältere Supervisor (Aufsichtspersonen).
Wir sollen den ganzen Tag wieder „Wire Lifting“ machen. Da die „Wire“ aber schon „gelifted“ sind, können wir heute noch nicht mal so tun als würden wir arbeiten.
Nachdem wir alle Pausen verdoppelt hatten und die Arbeit dementsprechend kürzer und entspannter ausgefallen ist, war auch schon Feierabend.
Die Arbeit ist wirklich ein schlechter Witz. Nachdem wir die bereits gelifteten Wires noch mal geliftet haben wechseln wir den Ort und arbeiten auf einem anderen Weinberg weiter. Hier sollen wir irgendwelche Weinroben beschneiden, wir haben allerdings bis heute nicht verstanden, welchen Teil wir abschneiden sollen und welchen nicht. Abgesehen von den beiden motivierten Australiern hat das offenbar niemand so richtig verstanden: die zwei Engländer sitzen einfach nur auf dem Boden rum, Vivi& Vivi laufen total verplant über das Feld und Marius und ich liefern uns eine filmreife Traubenschlacht mit Nahkampfszenen und Distanzschüssen mit den anderen Backpackern.
Wir haben beschlossen, meinen Geburtstag mit Chris und Kevin auf deren Campingplatz zu feiern, hier leben auch die anderen deutschen Backpacker. Wir machen zusammen ein sehr leckeres Barbeque und alle Leute tanzen nach meiner Pfeife, da das Geburtstagskind ja entscheiden darf. Echt total klasse, so’n Geburtstag.
Ich bekomme von Janne eine Kiste Bier geschenkt, vielen Dank noch mal.
20.12.2012
Wunderbar, gestern haben wir genauso viel Nichts gemacht wie die vorherigen Tage, heute bekommen wir dafür noch Unterstützung von Chris und Kevin. Die Supervisor erklären uns, sie freuten sich sehr bald auf Weihnachten und die Arbeit sei eigentlich egal. Dieser blöde Arbeitstag ist unglaublich langweilig, abgesehen von der Traubenschlacht. So stellen wir uns eine Klassenfahrt mit der 10a der Rüdli Hauptschule aus Berlin vor: Man macht nur Blödsinn und hofft, dass man nicht von Lehrern, bzw. Supervisorn gesehen wird, ein paar Leute sprechen kein Deutsch, die Aufsichtspersonen sind total genervt und keiner Bock auf die Tätigkeit, die wir angeblich machen sollen.
Abends gehen wir wieder zu Chris und Kevin auf den Campingplatz und machen mit den anderen Backpackern eine Abschiedsparty, da der Großteil von ihnen vor hat morgen aufzubrechen. Wir feiern bis in die späte Nacht, die Weinfarm, auf der wir heute gearbeitet haben, kann uns nicht ernsthaft erzählen, dass es noch etwas zu tun gebe, dementsprechend stellen wir uns vorsichtshalber darauf ein, dass wir morgen ausschlafen können.
21.12.2012
Da heute sowieso die Welt unter geht, kommt uns die Sache mit dem Ausschlafen gerade recht. Was tut man an so einem apokalyptischen Freitag? Konto auflösen? Sich betrinken? Kurve kratzen? Armageddon feiern und durch die Gegend eiern? Wir beschließen, Letzteres zu tun und besuchen Chris und Kevin. Marius hat sich leichtfertig mit einem Flip Flop bekleidet und nachdem Zeh auf Wurzel gestoßen ist und das Blut fließt, beschließt er, vorsichtshalber bei Chris und Kevin zu bleiben. Janne und ich versuchen währenddessen meine Kamera zu reparieren, da diese den Geist aufgegeben hat. Nach kurzer Zeit bemerken wir, dass hier kein technisches Geschick auf Ratlosigkeit trifft und so treffen wir den Entschluss kurzerhand in die nächste Stadt zu fahren, um jemanden zu suchen der etwas mehr Geschick und Rat hat. Im nächsten Kameraladen rät man mir, es wäre geschickter, eine neue Kamera zu kaufen, da eine Reparatur mehr koste als eine Neue. Tolle Wurst, aber garantiert nicht vor Weihnachten.
22.12.2012
Immer noch kein Weltuntergang in Sicht! Echt langweilig, dann brauchen wir ja doch noch einen Tannenbaum. Heutige Mission: Tannenbaum kaufen! Wir durchqueren gefühlte 15 Einkaufszentren, bis wir schließlich im Coles Supermarkt eine astreine Plastiktanne im Miniformat finden. Normalerweise sind Bäume die astrein sind, also ohne Äste, nicht so gut, aber bei unserem Plastikbusch mit tollen Lampen die die Farbe wechseln, machen wir eine Ausnahme. Tolles Teil! Im benachbarten Schrottladen, wo es Krempel den niemand wirklich braucht zum halben Preis gibt, schießen wir noch drei tolle Nikolausmützen und so kommt richtige Weihnachtsstimmung auf.
24.12.2012
Weihnachtszeit, Weihnachtszeit, sagt allen bescheid!
Bescheid.
Wir haben trotz der Tanne und den albernen Mützen echt kein Weihnachtsfeeling, das Wetter ist nicht so gut und das bremst unsere Laune ein Stück. Chris und Kevin haben mit ihrem Kuhauto bei uns übernachtet und treten gegen elf Uhr den Heimweg an. Sie erzählen, sie hätten sich gestern auf einer Gravel Road, also einer unbefestigten Straße, irgendwo mit ihrer Kuh im Wald verirrt und sie hätten dank der miserablen Straßenverhältnisse starke Probleme mit ihrer Kuh gehabt. Tja, so eine Kuh hat eben kein Allrad! Unser Pajero ist natürlich keine Kuh und kann deswegen die Ruckelpiste passieren. Wir machen einen Ausflug zu fünft und kommen an coolen Fotospots vorbei.
Desweiteren folgt ein Billiardtunier auf dem Campingplatz. Marius und mir macht das Kugelstoßen prächtig Spaß und merkwürdigerweise stehen Marius und ich uns im Finale gegenüber und können gar nicht verstehen warum wir da sind, haben wir das Spiel doch nur so gerade verstanden. Billiard ist in meinen Augen übrigens kein Sport sondern ein Spiel. Nachdem wir stundenlang irgendwelche blöden Rückrunden gespielt haben (die Anderen konnten ebenfalls nicht glauben, dass Marius und ich die Finalisten sind) geht es los zum Pizza essen. Verplant wie wir eben sind, hat es schon bald zehn Uhr geschlagen und die meisten Restaurants etc. haben schon geschlossen. In einer einzigen Pizzeria brennt noch Licht und die italienische Mama Mia belegt noch ein paar letzte Pizzen, bevor sie die Feiertage einleitet. Genau hier ordern wir auch unsere Pizzen zu super Preisen. Gegessen wir am Campingplatz. Tolle Weihnachten, wir sitzen um elf Uhr Abends in einer verlassenen Küche auf einem Campingplatz und essen Pizza. Der Höhepunkt sollte allerdings noch folgen: Chris spielt an seiner Pizza rum und entdeckt eine Küchenschabe unter dem Käse. Na toll, frohes Fest, ‚n Käfer im Essen, schlechtes Wetter und die Batterien im Plastikbaum zeigen uns jetzt, warum sie so günstig waren und geben den Geist auf. Wir haben zwar abgeklärt, dass ich im Blog schreibe, dass wir total tolle Weihnachten am Strand hatten, damit alle neidisch werden, aber ich habe mir überlegt, ehrlich zu bleiben.
Danach telefonieren wir noch mit unseren geliebten Freunden aus der Heimat und gucken Abends unseren lieblings Weihnachtsfilm „Schöne Bescherung“.
26.12.2012
Chris und Kevin sind mittlerweile nach „Cameron Corner“ aufgebrochen, da sie dort Silvester zelebrieren wollen. Dort trifft der Staat Victoria auf South Australia und New South Wales, dank der Zeitverschiebung zwischen den Staaten kann man dort in einer Stunde drei Mal Silvester feiern. Ist bestimmt auch lustig.
27.12.2012
So, das Fest ist überstanden. Wir haben es sogar total gut überstanden, wir leben noch und haben lediglich Rückenschmerzen von dem vielen liegen, das Wetter war nicht so klasse in den letzten Tagen. Immerhin haben wir den Trailer ordnungsgemäß bewacht, unsere einzigen Tätigkeiten haben sich auf ein paar Spaziergänge und ein paar Filme beschränkt. Was soll man auch tun, bei schlechtem Wetter?
Heute fahren wir nach Melbourne, unsere Freunde haben uns ein Paket zusammengestellt und es sollte mittlerweile da sein. Das Postamt in Melbourne hat allerdings geschlossen, am 31., pünktlich zu Silvester, soll es wieder offen haben. Da die Parksituation in Melbourne blöderweise echt mieß ist, fahren wir wieder heim und schauen einen der wenigen Filme, die wir noch nicht gesehen haben.
29.12.2012
Welcher Tag ist heute?
Wir haben mittlerweile echt den Überblick über solche „Nebensächlichkeiten“ verloren. Wir müssen niemals zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, da niemand uns zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sehen will und die Supermärkte haben auch Sonntags geöffnet.
Das Handy behauptet, wir hätten Donnerstag, wir schenken ihm glauben und beschließen zu Duschen. In der Stadt gehen wir ins Internet und machen ein paar Einkäufe.
Gegen Abend kommen ein paar Australier unseren Alters auf unseren Campingplatz und laden uns auf ein Barbeque ein, sehr nett von ihnen. Einer von ihnen sieht total blass aus und geht sehr früh schlafen, seine Freunde erklären uns, er sei schwer krank und habe nur noch drei Monate zu leben, echt krass was man hier stellenweise für Leute trifft.
Seine Freunde fragen uns was wir Silvester vorhaben und laden uns auf eine „Bushparty“ ein, das lassen wir uns selbstverständlich nicht zwei mal sagen.
31.12.2012
So, das Postamt in Melbourne hat wieder geöffnet und mit ganz viel Glück ist unser Paket schon da! Also, auf geht es nach Melbourne. Die Frau aus dem Postamt lässt mich wissen, dass die Pakete in die „Bourla Street Nr. 380“ umgeleitet werden, unser Navi lässt mich wissen, dass es diese Straße nicht gibt, zumindest nicht in Melbourne. Also zurück zum Postamt, eine andere Angestellte entschuldigt sich für den Fehler und korrigiert den Namen in „Bourke Street“, das Postamt habe heute allerdings geschlossen. Schon wieder so ‚ne tolle Wurst. Was noch viel nerviger ist, unser Chef hat und unser Geld noch nicht überwiesen, alle anderen Backpacker, die für ihn gearbeitet haben, haben mir gesagt, dass er normalerweise sehr zuverlässig sei, was die Zahlungen betreffe. Vielleicht hat der Kerl auch einfach nur Urlaub gemacht und sein Handy mal weggesperrt, ich habe ihm bereits mehrere Sms Nachrichten gesendet und möchte ihm jetzt nicht auf die Nerven gehen.
Also, auf geht es in den Busch zu der Buschparty. Die Party ist zwar 150Km entfernt, wir waren uns jedoch einig, dass wir alle schon sehr viele Feuerwerke gesehen haben und dass wir so mal in den Busch gehen können und das berühmte Feuerwerk in Melbourne verpassen können. In Australien ist es verboten, Feuerwerkskörper zu verkaufen, dementsprechend gibt es nur professionelle Feuerwerke in Großstädten. Das Einzige, das ich nicht verstehen kann ist, es gibt sooo viele Büsche in Australien, warum muss dieser blöde Busch soweit entfernt sein? Und, wie hat der Organisator diesen Busch gefunden? Na ja, wird schon seine Gründe haben. Die Party ist echt gut, die Technomusik ist zwar nicht so mein Fall aber wir lernen lustige Leute kennen. Um Punkt zwölf umarmt sich jeder und wir stoßen an.
1.1.2013
„Frosch Neusch!“
Die Party war echt super, die Idee zu dritt im Auto zu schlafen wäre nur halb so schlecht gewesen, wenn es wenigstens einen Parkplatz im Schatten gegeben hätte. Marius ist mal wieder der Einzige, der sich zum Schlafen zwingen kann.
Das Aufstehen zwischen Bierdosen in praller Sonne ist jedoch Nichts im Vergleich mit der Heimfahrt. Merkwürdigerweise kommen wir jedoch genau da an, wo wir hinwollten. Zwar im Schneckentempo, es ist jedoch das Endresultat, was zählt.
2.1.2012
Heute soll der andere Postladen wieder offen haben, also ab nach Melbourne in die Bourke Street. Wegen der schlechten Parksituation lässt Marius mich wieder an einer Straßenkreuzung raus und ich gehe los in Richtung Bourke Street. Die besagte Straße kommt mir sehr schmal vor, außerdem wundert es mich, dass ich auf einmal in einem Chinaviertel bin. Hausnummer 380 entpuppt sich schließlich als ein indonesisches Fast food Restaurant. Sieht echt einladend aus, dieser Laden, ich bin jedoch überhaupt nicht hungrig, ich will endlich ein Paket haben! Also, zurück zum Postamt. Nach 15 Minuten Warten wird mir schließlich erklärt, dass es noch eine andere Bourke Street gebe, da sei dann auch das Postamt. Endlich! Auf zu dem Postamt, das Paket ist noch nicht da. Schon wieder so eine tolle Wurst.
Ich kann doch nicht schon wieder mit leeren Händen nach Hause kommen. Überall steht irgendwas von „Sale“ und ich denke mir, wenn nicht jetzt, wann dann. Jetzt gibt es Kameras garantiert am günstigsten. Der erste Händler ist sehr unfreundlich und so beschließe ich zu dem Nächsten zu gehen. Der Asiate erkennt, dass ich ein Backpacker bin und drückt mir ein gummiartiges Dings in die Hand und erklärt, sie sei wasserdicht bis in unglaublich tiefe Tiefen und Schockfest. Ich erkläre ihm, dass ich zwar nicht der Ordentlichste bin, aber trotzdem schon auf eine Kamera aufpassen könnte und was das mit dem Wasser betrifft, sei ich sowieso eher der Badewannentyp. Andere Angebote hat er leider auch nicht auf Lager. Also gehe ich wieder zu dem anderen Händler und kaufe eine Kamera.
Nach dem wir gestern sehr entspannt Heu durch die Gegend getragen haben, haben wir unseren neuen Job natürlich erst mal gefeiert. Wir haben uns ins Zelt gesetzt und gehofft, dass der Dauerregen endlich aufhört. Außerdem wollte sich unser Boss nicht melden und uns sagen, wo er uns heute sehen will. Heute morgen um 5:20 kam erst die Adresse per Sms. Das war auch ungefähr der Moment in dem ich mich gefragt habe, warum ausgerechnet Marius und ich den angeblich verregnettesten Winter und Frühling miterleben dürfen.
Unsere heutige Mission lautet: Wire lifting, oder auch: faul sein und abhängen. Die Weinroben in den Weinbergen wachsen an diesem „Wire“ hoch und werden so stabilisiert, unsere Aufgabe ist es, das Kabel, also das „Wire“ rauszuziehen und 30cm höher wieder anzubringen. Da sämtliche Vorrichtungen schon da sind, müssen wir nur einmal an dem Kabel ziehen, es hochdrücken und einhaken. Wir arbeiten mit einem Iren und zwei anderen Deutschen zusammen. Chris und Kevin kommen aus Köln und Solingen, wir verstehen und prächtig und dadurch wird unser Arbeitstempo selbstverständlich (fast) gar nicht beeinträchtigt. Unser unmotivierter „Supervisor“, also der Chef, scheint sich sowieso gar nicht dafür zu interessieren was wir so treiben.
15.12.2012
Endlich Wochenende, haben wir uns aber auch verdient nach diesen neun ultra harten Arbeitsstunden. Haha.
Gegen Abend kommen Chris und Kevin vorbei und bringen Bier mit. Ihr weißer Bus fällt durch eine sehr elegante Kuh-Optik auf. Wir machen ein kleines Lagerfeuer und trinken Bier. Nieselregen, Lagerfeuer, Bier, in solchen Momenten vergisst man doch glatt, dass man in Australien ist und nicht in Deutschland.
16.12.2012
Juhu, es regnet. Gegen Nachmittag fängt das Wetter endlich an besser zu werden und Marius und ich ergreifen sofort die Gelegenheit und trocknen unsere Arbeitsklamotten, die seit Freitag total nass sind.
17.12.2012
Ich hasse Montage.
18.12.2012
Happy Birthday to me! Um Punkt zwölf singt Janne mir ein Ständchen und Marius schläft zum Rhythmus. Weitere fünf Stunden später klingelt auch schon mein Wecker. Puh, habe ich ein Glück, dass ich das Geburtstagskind bin. Das Geburtstagskind darf nämlich entscheiden.
„Das Geburtstagskind will ein super Sandwich zum Frühstück und Kaffee und Sonne und Fritten und ich will nach Köln und was leckeres zum Essen und für die Arbeit ebenfalls!“
Wie im Flug hat Marius Messer, Schere und Brot zusammengesucht und mir ein ansehnliches Riesenbrot geschmiert.
Unsere Arbeit besteht heute, genau wie gestern, aus gar Nichts tun und Konversation führen. Unser 14-köpfiges Team besteht aus:
-Vier weiteren deutschen, die seit drei Wochen hier arbeiten und sich in Sydney kennengelernt haben.
-Ein anderes deutsches Pärchen, Vivian und Viviane (Vivian ist offenbar auch ein männlicher Vorname) könnten optisch sogar Geschwister sein.
-Zwei unmotivierte Engländer
-Zwei unglaublich motivierte Australier, Marius, mir und zwei ältere Supervisor (Aufsichtspersonen).
Wir sollen den ganzen Tag wieder „Wire Lifting“ machen. Da die „Wire“ aber schon „gelifted“ sind, können wir heute noch nicht mal so tun als würden wir arbeiten.
Nachdem wir alle Pausen verdoppelt hatten und die Arbeit dementsprechend kürzer und entspannter ausgefallen ist, war auch schon Feierabend.
Die Arbeit ist wirklich ein schlechter Witz. Nachdem wir die bereits gelifteten Wires noch mal geliftet haben wechseln wir den Ort und arbeiten auf einem anderen Weinberg weiter. Hier sollen wir irgendwelche Weinroben beschneiden, wir haben allerdings bis heute nicht verstanden, welchen Teil wir abschneiden sollen und welchen nicht. Abgesehen von den beiden motivierten Australiern hat das offenbar niemand so richtig verstanden: die zwei Engländer sitzen einfach nur auf dem Boden rum, Vivi& Vivi laufen total verplant über das Feld und Marius und ich liefern uns eine filmreife Traubenschlacht mit Nahkampfszenen und Distanzschüssen mit den anderen Backpackern.
Wir haben beschlossen, meinen Geburtstag mit Chris und Kevin auf deren Campingplatz zu feiern, hier leben auch die anderen deutschen Backpacker. Wir machen zusammen ein sehr leckeres Barbeque und alle Leute tanzen nach meiner Pfeife, da das Geburtstagskind ja entscheiden darf. Echt total klasse, so’n Geburtstag.
Ich bekomme von Janne eine Kiste Bier geschenkt, vielen Dank noch mal.
20.12.2012
Wunderbar, gestern haben wir genauso viel Nichts gemacht wie die vorherigen Tage, heute bekommen wir dafür noch Unterstützung von Chris und Kevin. Die Supervisor erklären uns, sie freuten sich sehr bald auf Weihnachten und die Arbeit sei eigentlich egal. Dieser blöde Arbeitstag ist unglaublich langweilig, abgesehen von der Traubenschlacht. So stellen wir uns eine Klassenfahrt mit der 10a der Rüdli Hauptschule aus Berlin vor: Man macht nur Blödsinn und hofft, dass man nicht von Lehrern, bzw. Supervisorn gesehen wird, ein paar Leute sprechen kein Deutsch, die Aufsichtspersonen sind total genervt und keiner Bock auf die Tätigkeit, die wir angeblich machen sollen.
Abends gehen wir wieder zu Chris und Kevin auf den Campingplatz und machen mit den anderen Backpackern eine Abschiedsparty, da der Großteil von ihnen vor hat morgen aufzubrechen. Wir feiern bis in die späte Nacht, die Weinfarm, auf der wir heute gearbeitet haben, kann uns nicht ernsthaft erzählen, dass es noch etwas zu tun gebe, dementsprechend stellen wir uns vorsichtshalber darauf ein, dass wir morgen ausschlafen können.
21.12.2012
Da heute sowieso die Welt unter geht, kommt uns die Sache mit dem Ausschlafen gerade recht. Was tut man an so einem apokalyptischen Freitag? Konto auflösen? Sich betrinken? Kurve kratzen? Armageddon feiern und durch die Gegend eiern? Wir beschließen, Letzteres zu tun und besuchen Chris und Kevin. Marius hat sich leichtfertig mit einem Flip Flop bekleidet und nachdem Zeh auf Wurzel gestoßen ist und das Blut fließt, beschließt er, vorsichtshalber bei Chris und Kevin zu bleiben. Janne und ich versuchen währenddessen meine Kamera zu reparieren, da diese den Geist aufgegeben hat. Nach kurzer Zeit bemerken wir, dass hier kein technisches Geschick auf Ratlosigkeit trifft und so treffen wir den Entschluss kurzerhand in die nächste Stadt zu fahren, um jemanden zu suchen der etwas mehr Geschick und Rat hat. Im nächsten Kameraladen rät man mir, es wäre geschickter, eine neue Kamera zu kaufen, da eine Reparatur mehr koste als eine Neue. Tolle Wurst, aber garantiert nicht vor Weihnachten.
22.12.2012
Immer noch kein Weltuntergang in Sicht! Echt langweilig, dann brauchen wir ja doch noch einen Tannenbaum. Heutige Mission: Tannenbaum kaufen! Wir durchqueren gefühlte 15 Einkaufszentren, bis wir schließlich im Coles Supermarkt eine astreine Plastiktanne im Miniformat finden. Normalerweise sind Bäume die astrein sind, also ohne Äste, nicht so gut, aber bei unserem Plastikbusch mit tollen Lampen die die Farbe wechseln, machen wir eine Ausnahme. Tolles Teil! Im benachbarten Schrottladen, wo es Krempel den niemand wirklich braucht zum halben Preis gibt, schießen wir noch drei tolle Nikolausmützen und so kommt richtige Weihnachtsstimmung auf.
24.12.2012
Weihnachtszeit, Weihnachtszeit, sagt allen bescheid!
Bescheid.
Wir haben trotz der Tanne und den albernen Mützen echt kein Weihnachtsfeeling, das Wetter ist nicht so gut und das bremst unsere Laune ein Stück. Chris und Kevin haben mit ihrem Kuhauto bei uns übernachtet und treten gegen elf Uhr den Heimweg an. Sie erzählen, sie hätten sich gestern auf einer Gravel Road, also einer unbefestigten Straße, irgendwo mit ihrer Kuh im Wald verirrt und sie hätten dank der miserablen Straßenverhältnisse starke Probleme mit ihrer Kuh gehabt. Tja, so eine Kuh hat eben kein Allrad! Unser Pajero ist natürlich keine Kuh und kann deswegen die Ruckelpiste passieren. Wir machen einen Ausflug zu fünft und kommen an coolen Fotospots vorbei.
Desweiteren folgt ein Billiardtunier auf dem Campingplatz. Marius und mir macht das Kugelstoßen prächtig Spaß und merkwürdigerweise stehen Marius und ich uns im Finale gegenüber und können gar nicht verstehen warum wir da sind, haben wir das Spiel doch nur so gerade verstanden. Billiard ist in meinen Augen übrigens kein Sport sondern ein Spiel. Nachdem wir stundenlang irgendwelche blöden Rückrunden gespielt haben (die Anderen konnten ebenfalls nicht glauben, dass Marius und ich die Finalisten sind) geht es los zum Pizza essen. Verplant wie wir eben sind, hat es schon bald zehn Uhr geschlagen und die meisten Restaurants etc. haben schon geschlossen. In einer einzigen Pizzeria brennt noch Licht und die italienische Mama Mia belegt noch ein paar letzte Pizzen, bevor sie die Feiertage einleitet. Genau hier ordern wir auch unsere Pizzen zu super Preisen. Gegessen wir am Campingplatz. Tolle Weihnachten, wir sitzen um elf Uhr Abends in einer verlassenen Küche auf einem Campingplatz und essen Pizza. Der Höhepunkt sollte allerdings noch folgen: Chris spielt an seiner Pizza rum und entdeckt eine Küchenschabe unter dem Käse. Na toll, frohes Fest, ‚n Käfer im Essen, schlechtes Wetter und die Batterien im Plastikbaum zeigen uns jetzt, warum sie so günstig waren und geben den Geist auf. Wir haben zwar abgeklärt, dass ich im Blog schreibe, dass wir total tolle Weihnachten am Strand hatten, damit alle neidisch werden, aber ich habe mir überlegt, ehrlich zu bleiben.
Danach telefonieren wir noch mit unseren geliebten Freunden aus der Heimat und gucken Abends unseren lieblings Weihnachtsfilm „Schöne Bescherung“.
26.12.2012
Chris und Kevin sind mittlerweile nach „Cameron Corner“ aufgebrochen, da sie dort Silvester zelebrieren wollen. Dort trifft der Staat Victoria auf South Australia und New South Wales, dank der Zeitverschiebung zwischen den Staaten kann man dort in einer Stunde drei Mal Silvester feiern. Ist bestimmt auch lustig.
27.12.2012
So, das Fest ist überstanden. Wir haben es sogar total gut überstanden, wir leben noch und haben lediglich Rückenschmerzen von dem vielen liegen, das Wetter war nicht so klasse in den letzten Tagen. Immerhin haben wir den Trailer ordnungsgemäß bewacht, unsere einzigen Tätigkeiten haben sich auf ein paar Spaziergänge und ein paar Filme beschränkt. Was soll man auch tun, bei schlechtem Wetter?
Heute fahren wir nach Melbourne, unsere Freunde haben uns ein Paket zusammengestellt und es sollte mittlerweile da sein. Das Postamt in Melbourne hat allerdings geschlossen, am 31., pünktlich zu Silvester, soll es wieder offen haben. Da die Parksituation in Melbourne blöderweise echt mieß ist, fahren wir wieder heim und schauen einen der wenigen Filme, die wir noch nicht gesehen haben.
29.12.2012
Welcher Tag ist heute?
Wir haben mittlerweile echt den Überblick über solche „Nebensächlichkeiten“ verloren. Wir müssen niemals zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sein, da niemand uns zu einer bestimmten Zeit an einem bestimmten Ort sehen will und die Supermärkte haben auch Sonntags geöffnet.
Das Handy behauptet, wir hätten Donnerstag, wir schenken ihm glauben und beschließen zu Duschen. In der Stadt gehen wir ins Internet und machen ein paar Einkäufe.
Gegen Abend kommen ein paar Australier unseren Alters auf unseren Campingplatz und laden uns auf ein Barbeque ein, sehr nett von ihnen. Einer von ihnen sieht total blass aus und geht sehr früh schlafen, seine Freunde erklären uns, er sei schwer krank und habe nur noch drei Monate zu leben, echt krass was man hier stellenweise für Leute trifft.
Seine Freunde fragen uns was wir Silvester vorhaben und laden uns auf eine „Bushparty“ ein, das lassen wir uns selbstverständlich nicht zwei mal sagen.
31.12.2012
So, das Postamt in Melbourne hat wieder geöffnet und mit ganz viel Glück ist unser Paket schon da! Also, auf geht es nach Melbourne. Die Frau aus dem Postamt lässt mich wissen, dass die Pakete in die „Bourla Street Nr. 380“ umgeleitet werden, unser Navi lässt mich wissen, dass es diese Straße nicht gibt, zumindest nicht in Melbourne. Also zurück zum Postamt, eine andere Angestellte entschuldigt sich für den Fehler und korrigiert den Namen in „Bourke Street“, das Postamt habe heute allerdings geschlossen. Schon wieder so ‚ne tolle Wurst. Was noch viel nerviger ist, unser Chef hat und unser Geld noch nicht überwiesen, alle anderen Backpacker, die für ihn gearbeitet haben, haben mir gesagt, dass er normalerweise sehr zuverlässig sei, was die Zahlungen betreffe. Vielleicht hat der Kerl auch einfach nur Urlaub gemacht und sein Handy mal weggesperrt, ich habe ihm bereits mehrere Sms Nachrichten gesendet und möchte ihm jetzt nicht auf die Nerven gehen.
Also, auf geht es in den Busch zu der Buschparty. Die Party ist zwar 150Km entfernt, wir waren uns jedoch einig, dass wir alle schon sehr viele Feuerwerke gesehen haben und dass wir so mal in den Busch gehen können und das berühmte Feuerwerk in Melbourne verpassen können. In Australien ist es verboten, Feuerwerkskörper zu verkaufen, dementsprechend gibt es nur professionelle Feuerwerke in Großstädten. Das Einzige, das ich nicht verstehen kann ist, es gibt sooo viele Büsche in Australien, warum muss dieser blöde Busch soweit entfernt sein? Und, wie hat der Organisator diesen Busch gefunden? Na ja, wird schon seine Gründe haben. Die Party ist echt gut, die Technomusik ist zwar nicht so mein Fall aber wir lernen lustige Leute kennen. Um Punkt zwölf umarmt sich jeder und wir stoßen an.
1.1.2013
„Frosch Neusch!“
Die Party war echt super, die Idee zu dritt im Auto zu schlafen wäre nur halb so schlecht gewesen, wenn es wenigstens einen Parkplatz im Schatten gegeben hätte. Marius ist mal wieder der Einzige, der sich zum Schlafen zwingen kann.
Das Aufstehen zwischen Bierdosen in praller Sonne ist jedoch Nichts im Vergleich mit der Heimfahrt. Merkwürdigerweise kommen wir jedoch genau da an, wo wir hinwollten. Zwar im Schneckentempo, es ist jedoch das Endresultat, was zählt.
2.1.2012
Heute soll der andere Postladen wieder offen haben, also ab nach Melbourne in die Bourke Street. Wegen der schlechten Parksituation lässt Marius mich wieder an einer Straßenkreuzung raus und ich gehe los in Richtung Bourke Street. Die besagte Straße kommt mir sehr schmal vor, außerdem wundert es mich, dass ich auf einmal in einem Chinaviertel bin. Hausnummer 380 entpuppt sich schließlich als ein indonesisches Fast food Restaurant. Sieht echt einladend aus, dieser Laden, ich bin jedoch überhaupt nicht hungrig, ich will endlich ein Paket haben! Also, zurück zum Postamt. Nach 15 Minuten Warten wird mir schließlich erklärt, dass es noch eine andere Bourke Street gebe, da sei dann auch das Postamt. Endlich! Auf zu dem Postamt, das Paket ist noch nicht da. Schon wieder so eine tolle Wurst.
Ich kann doch nicht schon wieder mit leeren Händen nach Hause kommen. Überall steht irgendwas von „Sale“ und ich denke mir, wenn nicht jetzt, wann dann. Jetzt gibt es Kameras garantiert am günstigsten. Der erste Händler ist sehr unfreundlich und so beschließe ich zu dem Nächsten zu gehen. Der Asiate erkennt, dass ich ein Backpacker bin und drückt mir ein gummiartiges Dings in die Hand und erklärt, sie sei wasserdicht bis in unglaublich tiefe Tiefen und Schockfest. Ich erkläre ihm, dass ich zwar nicht der Ordentlichste bin, aber trotzdem schon auf eine Kamera aufpassen könnte und was das mit dem Wasser betrifft, sei ich sowieso eher der Badewannentyp. Andere Angebote hat er leider auch nicht auf Lager. Also gehe ich wieder zu dem anderen Händler und kaufe eine Kamera.
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