Mittwoch, 17. Oktober 2012

Vom Gammler zum Gärtner

5.10.2012

Wir sind immer noch Arbeitslos aber es ist ja ein Ende in Sicht. Wir freuen uns schon drauf! Das Leben als Arbeitsloser und nicht mals Harzt VI Empfänger ist 1.) teuer und 2.) auf Dauer Anstrengend und langweilig. Wir haben das Gefühl in eine Art Lethargie gerutscht zu sein: Ich stehe morgens auf und das Erste was ich tue ist nachschauen was Marius gerade so treibt. In ganz grob gesagt 100% der Fälle liegt dieser im Bett und beobachtet die Trailerdecke. Dann spielen wir eine Runde Schnick-schnack-schnuck darum, wer Kaffeewasser aufsetzt. Der Gewinner setzt sich auf seinen Stuhl und bekommt dann halt ‚n Kaffee zum Frühstück. Dieser Kram findet in der Regel zwischen zehn und elf Uhr statt, anschließend sitzen wir meistens auf unseren Stühlen und joa, was kann man schon so tun? Wir haben nicht mehr soviel Geld und um was zu erleben braucht man Geld. Oder Ideen!
Mittwoch morgen, ich hatte gerade das Kaffeewasserbattle gewonnen, da kam Marius auf die grandiose Schnapsidee ein Brot zu backen. Über die Zutaten waren wir uns ein bisschen unklar, fest steht: Zwiebeln, Speck und Parmesan. Den Rest ergoogeln wir uns im Internet.

Hefe. Mehl.

Sowas ist uns bis dato noch nie in die Tüte gekommen, aber es gibt ja bekanntlich immer ein erstes Mal. Also: Zutaten mit einer großen Menge Phantasie und Humor Rezeptgetreu nach eigenem Willen verrühren und hoffen, dass etwas entsteht, das mit noch viel mehr Phantasie einem Teig ähnelt und anschließend ziehen lassen. Ziehen lassen heißt übrigens in der Bäckersprache dass man den Kram in die Ecke stellt und hofft, dass nichts Unerwartetes passiert. Die Hefe hat ihr Bestes getan, wir hatten auf einmal doppelt soviel Teig wie vorher. Das war zwar unerwartet aber gar nicht mal so schlecht. Dem schlauen Leser wird wahrscheinlich jetzt schon aufgefallen sein, dass man zum Backen einen Ofen braucht, aber wir sind ja auch nicht ganz dumm. Wir haben ein silbernes Metallgerät, das kann man einfach ins Feuer schmeißen. Falls man etwas Backen möchte tut man das zu Backende einfach in dieses besagte Gerät und schmeißt es dann ins Feuer. Anschließend macht man sich Gedanken wir man dieses nun kochend heiße Teil wieder auf dem Feuer bekommt und genau dann sollte der Braten auch ungefähr Genießbar sein. In unserem Fall ist es halt kein Braten sondern ein Brot. Unglaublich, das Brot ist noch größter geworden. Wir haben uns aufgrund von Form des Silberteils dazu entschlossen, kleine Würstchen zu rollen anstatt einem großen Klumpen. Der Ofen hat in der Regel irgendwas zwischen 40-600° Celsius und das macht das Einschätzen der Backzeit etwas schwieriger. Aber es hat funktioniert, wir beißen beide einmal ab und sind mehr oder weniger satt. Vielleicht sollten wir in Zukunft ein bisschen sparsamer mit der Hefe umgehen, statt vier Personen können wir jetzt halb Kölle und eine hungrige Räuberbande mit unserem Vorrat ernähren. An sich schmeckt unser Brot aber gar nicht so schlecht, nur halt etwas Hefelastig. Wir üben halt noch.
Ansonsten ist diese Woche echt nichts passiert, Marius hat vier Mal hintereinander das Kaffeewasserbattle gewonnen und das an einem Tag, sonst war es echt ruhig.
Wir haben unsere Nachbarn kennengelernt, Craig und Frank, Craig ist Ende vierzig und reist in einem alten Schulbus durch Australien, Frank ist Exmechaniker, zugezogen aus der Schweiz und reist nun auch durch Australien. Sie kommen uns besuchen und Craig schenkt uns eine Gasflasche, da er einen neuen Herd hat und nicht mehr gebrauchen kann. Marius meckert zwar, dass er sich mehr über eine Pfanne oder so als Nachbarschafts-Willkommensgeschenk gefreut hat, aber diese Bemerkung hat selbstverständlich einen ironischen Unterton. Frank als Exmechaniker schenkt und noch ein paar Sicherungen fürs Auto und repariert uns einen Adapter der uns kaputt gegangen ist. Damit sind wir beide sehr zufrieden.
Am Abend kommt ein englisches Pärchen und klärt uns über deren Lebensgeschichte auf: Sie reisen seit mehr als zwei Jahren durch Australien und haben es durch ein paar schlaue Tricks geschafft ihr Visum zu verlängern. Echt witzig, wie wir die Zwei kennen gelernt haben, wir sind gerade auf Feuerholzjagt gewesen, da quatscht sie mich von der Seite an und erklärt, dass es seit Oktober in diesen Breiten verboten ist Lagerfeuer zu machen. Wenn sich das Feuer jedoch in Grenzen halte, sei es schon okay. Ich versichere ihr gerade, dass wir wirklich nur ein kleines Feuer machen wollte, just in diesem Moment läuft Marius mit einem ca. sechs Meter langen Baum im Hintergrund vorbei, winkt kurz rüber und ruft: „ Jo hab einen!“. Die Beiden nehmen es mit Humor und gesellen sich zu uns. Echt nett die beiden, sie sind ca. 40 Jahre alt und verwirklichen sich gerade ihren Lebenstraum. Nach dem Essen geht sie schlafen und er wirkt irgendwie erleichtert, bringt ein Fass Goon und jede Menge Bier mit. Er scheint echt fröhlich zu sein, endlich noch mal ein Bierchen über den Durst wie in der Jugend und keine Ehefrau die einem ständig auf die Finger haut und die Bierchen an ein einer oder zwei Händen abzählt. Über den Abend verteilt schenken die Beiden uns: eine Mundharmonika, einen großen Eimer und Waschmittel. Immer merkwürdiger, was die Nachbarn uns so schenken, Marius beschwert sich wieder und sagt, er hätte lieber noch eine Gasflasche statt dem Eimer bekommen, aber vielleicht will ja jemand tauschen. Gegen fünf Uhr geht unser guter Freund ins Bett und vergisst eigentlich so ziemlich alles was er mitgebracht hat. Außer seine Ukulele, die hat er mitgenommen. Schade.

7.10.2012

Mensch hatten wir ein langweiliges Wochenende. Jeder Bewegungsablauf geschieht in Zeitlupe und wir haben außerdem beschlossen, dass das Kaffeewasserbattle bereits nach einer Runde entschieden ist und nicht erst nach dreien. Den Tag über sortieren wir unsere Teebeutel nach dem Alphabet und trinken echt viel Kaffee. Morgen ist unser erster Arbeitstag, endlich mal raus aus diesem Gammelleben und noch ein mal irgendwas machen, wir sind beide echt schrecklich Antriebslos. Wir haben beide keine Lust auf gar Nichts und selbst wenn wir dann mal wieder gar Nichts gemacht haben, sind wir beide froh, wenn wir wieder in unseren Stühlen sitzen und dem Feuer zugucken können wie es seine vernichtende Kraft beweist.

8.10.2012

Pünktlich drei Minuten vor Arbeitsbeginn stehen wir mit hochgekrempelten Armen in der Gärtnerei und lassen uns einweisen. Unsere erste Aufgabe ist Blumenpötte durch die Gegend tragen. Marius schnappt sich zwei Töpfe und kehrt mit einer Hand voll Blätter zurück und beschwert sich, dass man ihn mal hätte einweisen können, dass man Blumen nicht schütteln darf. Fängt ja schon mal gut an. Den Rest des Tages verbringen wir damit, Kies in Schubkarren zu laden und möglichst gleichmäßig in der Gegend zu verstreuen. Geht zwar in den Rücken aber immerhin wissen wir jetzt wieder wofür Arme und Beine ursprünglich mal vorgesehen waren. Nicht nur zum Kaffeekochen.

10.10.2012

Tag drei in der Gärtnerei. Irgendwie sind die Leute nicht mehr ganz so freundlich wie ursprünglich. Generell kommt uns der ganze Laden irgendwie komisch vor: Der Familienbetrieb besteht abgesehen von einer Taiwanerin und Marius und mir nur aus einer Familie. Michael ist jetzt 50 und arbeitet seit er neun Jahre alt ist da, Darren ist 52 und arbeitet auch seit er neun Jahre ist in dem Betrieb. Küchenfrau Camilla ist nicht sehr freundlich und scheint die Ehefrau vom Chef, John zu sein. Alle Mitarbeiter scheinen irgendwie Angst vor John zu haben. Heute kam Darren zu mir und hat mich gefragt, ob ich ihm helfen kann die „f*#cking Flowers“ abzuladen, er habe Rückenprobleme und es sei zu schwer für ihn. Allerdings sollte ich aufpassen, dass John uns nicht zu zweit einen Blumentopf tragen sieht, da John sonst sehr sauer werden würde. Michael scheint überhaupt keine Lust zu haben seinen Job zu machen. Er hat Heuschnupfen und seit er neun ist täglich damit zu kämpfen, so berichtet er. Wer kommt denn bitte mit neun Jahren auf die Idee in Papas Blumenladen zu arbeiten wenn man Heuschnupfen hat? Auch Monica, die Taiwanerin( alle nennen sie Monica, da ihr richtiger Name angeblich viel zu schwer zu merken ist) erzählt, dass wir sehr viel Respekt vor John haben sollten, sie selbst habe schon sehr oft Stress mit ihm gehabt. John meckert, dass Marius zu langsam sei. Anstatt zu Marius zu gehen und ihm das selbst zu sagen, sagt er es mir damit ich ihm es übermitteln kann.
???
Marius hat zu den ganzen Tag an einer Maschine gearbeitet. Seine Bewegungsabläufe haben sich zu an diesem Tag lediglich darauf beschränkt, alle drei Minuten, wenn die Maschine einen Sack mit Rindenmulch vollgemacht hat, diesen auf die Seite zu stellen um anschließend einen neuen anzuschließen. Wenn die Maschine nun mal drei Minuten braucht, braucht auch Marius, Supermann oder sogar John persönlich drei Minuten für einen Sack Rindenmulch. C’est la vie, John.
Gegen sieben Abends kommen wir an unserem Zeltplatz an und lernen ein paar deutsche Backpacker kennen. Janne, Franzi und Mattes haben sich ebenfalls in Australien kennengelernt und reisen seit mehreren Monaten zusammen durch Australien. Das Trio kommt auch gerade von der Arbeit, sie haben auf einer Show gearbeitet. Diese Show lässt sich in etwa mit einer deutschen Kirmes vergleichen, erklären sie.

12.10.2012

Es ist Freitag! Unser erstes wirkliches Wochenende! Wir fahren gleich zum nächsten Bottleshop und hängen uns zwei Becks an den langen Arm. Das erste Mal, dass wir uns hier mal ein Bier aus dem Bottleshop gönnen. Natürlich ein Gutes, Deutsches. Echt lecker!
Den Abend verbringen wir mit unseren deutschen Kollegen, mit denen wir uns im Laufe der Woche angefreundet haben. Janne ist mit 30 Jahren der Älteste in der Runde, Mattes und Franzi sind bei 22 und sind seit sechs Monaten ein Pärchen. Janne ist vom geistigen Alter offenbar auf Marius und meinem Niveau und so haben wir viel Spaß miteinander.
Die anderen Beiden scheinen uns hingegen ein paar Dekaden im Voraus zu sein, sie gehen jeden Abend zwischen neun und zehn ins Bett, während Janne, Marius und ich noch am Feuer sitzen.
Sie geben uns noch ein paar sinnvolle Tipps für Australien und klären uns über die Notwendigkeit von Kopflampen auf. Kopflampen sind zwar echt schräge Hüte aber total klasse, mit diesen Helligkeitsdingern kann man sogar was sehen wenn es dunkel ist. Unglaublich, wir beide sind bis jetzt im dunkeln immer auf die Nase gefallen.

13.10.2012

Wunderbar! Wochenende, Zeit für Regen! Die ganze Woche über war das Wetter echt wunderbar, kurze Hose, T-Shirt, Sonnenbrille. Aber da waren wir ja auf der Arbeit, heute, am freien Samstag regnet es. Ein Glück ist unser Trailer, abgesehen von einer kleinen Ecke ziemlich Hochseetauglich. Diese eine Ecke ist übrigens auch die, aus der Marius am Morgen seinen Mp3 Player gefischt hat. Funktioniert natürlich noch. Den Rest des Tages verbringen wir zu fünft oder zu dritt im Trailer und schauen uns irgendwelche Filme an. Was soll man auch schon tun? Hier soll es total tolle und hohe Wasserfälle geben, aber wer fährt schon zu einem Wasserfall, wenn er einen beachtlichen Bach vor der Tür hat? Wir können quasi zwischen Auto und Trailer wählen. Wir decken uns mit Pizza Snax, Bier und Brötchen ein und entscheiden uns für den Trailer. Blöde Sonne, die kann uns mal gestohlen bleiben!

14.10.2012

Das tut sie auch. Schon wieder nur Regen. Blöde Sonne! Soll uns doch nicht gestohlen bleiben. Janne, Marius und ich decken uns mit noch mehr Pizza Snax und Brötchen ein, um unserer Beschäftigung vom Vortag nachzugehen während unser altes Ehepaar im Nachbarzelt Monopoly spielt.

16.10.12

Mittlerweile fängt uns der Job an Spaß zu machen. John meckert zwar manchmal rum, seine beiden Söhne haben uns jedoch schon erklärt, dass John niemals zufrieden mit irgendetwas ist.
Michael ist vielleicht ein schräger Vogel. Hat sich vor kurze ein neues Auto gekauft: einen knallgelben Transporter von Kia.
Echt schön.
Heute kam eine Arbeitskollegin angelaufen um ihn etwas zu fragen:

Kollegin: „Michael?“

Michael: „yeah?“

Kollegin: „ I just wanted to ask…“

Michael: “RRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖAAAAAAAAAARRRR”

Genau in diesem Moment hat Michael offenbar nichts Besseres zu tun als seine komische Damenkettensäge anzuwerfen um einen nahe gelegenen Busch zu trimmen. Seine Kollegin scheint das gar nicht registriert zu haben und plappert einfach weiter. Michael gibt mir mit einer Hand ein Zeichen, dass er sie nicht mag und schließlich verschwindet sie wieder.

17.10.12

Heute war echt ein entspannender Arbeitstag. Michael hat Marius bei sich Zuhause abgeladen, damit er dort ein bisschen rumgärtnern kann und ich hab in der Gärtnerei rumgegärtnert. Metallica, Guns ‚n Roses und Johnny Cash sorgen für eine angenehme Arbeitsatmosphäre. Da ich den ganzen Tag alleine arbeite kann ich mein Arbeitstempo selbst bestimmen und bin offenbar dank der motivierenden Musik schon gegen Mittag mit meiner Arbeit fertig, obwohl diese für den ganzen Tag bestimmt war. Na toll, anstatt mit eine bequeme Liege zu geben sägt Michael mit seinem Blumenmopped noch ein paar Flowers zurecht und ich kann weitermachen. So war das eigentlich nicht gedacht, aber immerhin hat er nun einen guten Eindruck. Mein ehemaliger Chef wollte schließlich auch immer, dass ich einen guten Eindruck mache.
Da Marius mit dem Auto zu Michaels Haus gefahren ist bringt Michael mich nach Feierabend zu ihm nach Hause. Jetzt verstehen wir beide auch endlich mal, warum Michael für seinen Papa arbeitet: Sein Haus ist echt riesig, im Garten sorgen Swimmingpool mit Rutsche und ein Tennisplatz für ein ansehnliches Grundstück. Michael lädt uns auf ein Bier ein und ist verblüfft, nachdem Marius und ich das Bier mit einem Feuerzeug aufgemacht haben, er behauptet, er habe das noch nie gesehen.


Dienstag, 2. Oktober 2012

Raus aus der Wüste, rein in die Stadt!

20.9.2012

Nachdem wir unseren Ben erfolgreich an der Tanke losgeworden sind befanden wir uns in einer menschenleeren Stadt namens Norseman. Von hier aus gab es drei Möglichkeiten für uns weiterzureisen. Allerdings keine wirklich tollen: 1.), den kompletten Trip zurück fahren, 2.) über den Eyre Highway weiter richtung Osten oder 3.) weiter Richtung Norden. Ersteres fällt schon mal weg, das kennen wir ja schon und Arbeit gab es in diesen Breiten offensichtlich ja nicht, zweiteres ist auch blöd, da Ben wahrscheinlich irgendwo im Straßengraben steht und den Daumen raushält, außerdem kommt in diese Richtung erstmal Nichts. Ein großes, australisches Nichts. Und wenn ich schreibe Nichts, dann meine ich das auch so. Da ist dann eine Straße und, na ja, das war’s auch schon. In Richtung Norden kommt zuerst eine kleine Stadt namens Coolgardie, dann kommt noch Kalgroorlie und das war’s dann auch schon. Wir entscheiden uns für dritteres, auf in den Norden. Wird schon schief gehen. Coolgardie ist eine echte Geisterstadt, hier gibt es noch nicht mal einen Bäcker. Coolgardie war mal eine Goldgräberstadt, seitdem die Goldvorräte ausgeschöpft sind ist da noch nicht mals mehr er Hund begraben. Also reisen wir weiter nach Kalgoorlie. Kalgoorlie ist ebenfalls eine Goldgräberstadt, allerdings um einiges größer, da findet man eher Arbeit haben wir uns sagen lassen. Ben hat uns zwar vor den Aboriginies gewarnt, aber wir sind ja nicht so ängstlich. Wird halt schon schief gehen.
Angekommen in Kalgoorlie ist es bereits dunkel und so suchen wir uns ein Quartier in Form eines 24- Stunden Parkplatzes und rasten erstmal.

21.9.2012

Wir stehen früh auf und gehen auf Jobsuche, kann ja nicht so schwer sein. Kalgroorlie ist um einiges größer als Coolgardie und die Informationstante gibt uns 25 Adressen die wir abfahren können. Die Adressen sind Leiharbeitsfirmen. Leiharbeit. Na toll, ich bin zurück! Sieben Monate Leiharbeit um mir Australien leisten zu können und nun geht das von vorne los. Ich sehe mich jetzt schon in irgendwelchen blöden Goldmienen rumkriechen um ein paar Goldnuggets zu finden.
Wir verbringen den Tag damit sämtliche Firmen abzuklappern und sämtliche Formulare über Leben, Tod, Alter, Familie, Führerscheine, Auto, Krankheiten oder sonst was auszufüllen. Gegen späten Nachmittag fahren wir auf den nah gelegenen Campingplatz, der sogar Umsonst ist. Ben hat uns ja schließlich gelehrt, dass man in Australien für’s Campen nicht zu bezahlen muss. Der Campingplatz ist am Lake Douglas und besteht eigentlich mehr aus „Platz“ als „Camping“. Man kann halt da Campen, mit einem Campingplatz wie man sich ihn vorstellt hat das allerdings nichts zu tun. Wir finden es sehr schön und bauen unser Lager direkt am Wasser auf.
Was echt komisch war: Gegen sieben waren wir fertig mit Essen usw. Und dann? Was macht man dann? Es ist total dunkel, man sieht die Hand vor Augen kaum, was soll man dann schon noch groß tun? Marius gähnt kurz und beschließt schlafen zu gehen, ich lese noch ein Buch aus und mache auch um neun die Augen zu.

22.9.2012

Samstag, wir beschließen den Waschtag 24 Stunden vorzuziehen und in die Stadt zu fahren. Außerdem bemühen wir uns weiterhin um einen Job. Irgendwie sind alle in der Stadt total komisch angezogen, alle tragen Anzüge und tolle Kleider, wir fragen uns ob wir irgendwas verpasst haben? Es ist ein Pferderennen und deswegen putzen sich alle raus wie Weihnachten. Wir spielen mit dem Gedanken hin zu gehen, allerdings interessieren uns Pferderennen wie Stockbrot, also gar nicht und außerdem haben wir noch Wäsche im Auto die es aufzuhängen gilt und bevor wir wieder in irgendwelche blöden Wetten rein gezogen werden oder andere Chosen beschließen wir uns lieber einen Goon zu kaufen um morgen auf Kopfschmerzen zu hoffen. Außerdem fallen uns die Aboriginies auf. Aboriginies sind echt ein komisches Volk, sie sind schwarz und haben alle total platte Gesichter. Wie ein Kuchen. Alle tragen einen Bart, unabhängig vom Geschlecht. Und sie lungern. Die lungern echt nur rum! Vor dem Supermarkt sieht man mal ein Grüppchen, dann vor der Sparkasse, vor der Polizei, Kfc, Mecces, Tanke..Die lungern einfach nur rum! Wie kann man soviel lungern? Marius und ich geben ihnen den Spitznamen „Lungerer“ und versuchen nicht weiter mit ihnen in Kontakt zu treten. Ich kann das nicht verstehen. Wieso machen die das? Wie ist das bei denen?

„Hmm, was machen wir heute?

„Komm wir lungern vor’m Supermarkt rum!“

„Geile Idee, da war ich schon lang nicht mehr!“

Wir haben die noch nie IM Supermarkt getroffen, VOR dem Laden sitzen sie in Rudeln.
Der Abend ist klasse, wir telefonieren mit der Heimat und bleiben so sogar bis 23h auf.

23.9.2012

Der Abend war klasse, mein Kopf kann es bestätigen. Ich suche verblüfft den Güterzug der offenbar des Nachts über meinen Schädel gefahren ist und beschließe den Goon vorerst an den Nagel zu hängen. Auch Marius ist nicht wirklich bester Dinge, na ja, immerhin war der Abend geil und wir waren nicht um neun im Bett.
Tagsüber sortieren wir den ganzen Krempel und beschließen unser Zelt für einen dauerhaften Aufenthalt zu rüsten, d.h. Vordach aufbauen, Küche aufbauen usw. Abends gehen wir wieder früh in die Koje, wir wollen uns morgen wieder auf Jobsuche begeben.

24.9.2012

Wir werden von der Sonne geweckt. „Ist schon neun durch?“. Mensch, wir haben uns echt verändert. Seitdem wir auf die Sonne angewiesen sind was das Licht betrifft, leben wir irgendwie auch so. Völlig neu für mich, normalerweise ist bei uns genau das Gegenteil der Fall gewesen. Wir wachen tatsächlich gegen acht Uhr auf und sind bereit in die Stadt zu fahren. Wir müssen eine unserer Gasflaschen auffüllen und auch die Wassertanks, die Jobsuche war bis jetzt nicht wirklich erfolgreich und so haben wir genug zu tun.
Zuerst wollen wir die Gasflasche nachfüllen, die Tante aus dem Gasladen erklärt, das sei nicht möglich, weil unsere Gasflasche seit 16 Jahren nicht mehr ausgecheckt wurde und man müsse die alle zehn Jahre auschecken lassen. Tolle Wurst. Sie sagt uns aber wer unser Mann hierfür ist. Er hat sein Geschäft außerhalb der Stadt und ist augenscheinlich schwul. Er ist völlig außer sich dass unsere Flasche solange nicht mehr ausgecheckt wurde. Wir erklären ihm, dass er doch genau dies tun sollte, er sagt, dass er nur vier Liter Flaschen und größer testet, unsere ist eine drei Liter Flasche, damit will er nichts zu tun haben. Schräger Vogel. Und diese Gestik..Herrlich. Er weiß allerdings auch wer unser Mann für diesen Zweck ist. Er erklärt, er habe sein Geschäft in einem „big blue house“ an der nächsten Straßenkreuzung, während er mit Armen und Beinen ein großes, blaues Haus über seinem Kopf formt. Wunderbar, aus einmal Gasflasche auffüllen wird eine Sightseeing Tour durch Kalgoorlie, die Stadt kennen wir doch schon. Ätzend. Der Kerl im großen, blauen Haus erklärt, dass wir unsere Gasflasche nur in Perth auschecken lassen können. Na toll. Wir lassen uns von ihm eine neue anschwatzen und hoffen, dass das mit den Wasserkanister auffüllen einfacher geht. War es auch.
Weiter geht es mit der Jobsuche. Gar nicht mal so einfach, gegen Abend haben wir sämtliche Leiharbeitsfirmen abgeklappert( es gibt über 20 hier) und auch in Fastfood Ketten oder Tankstellen nach Jobs gefragt. Viele wollen sich melden, keiner kann jedoch versprechen, dass er tatsächlich Arbeit für uns hat. Wir fahren gegen Nachmittag nach Hause, da hier sowieso nach fünf Uhr alles bis auf Supermarkt, Tankstellen Restaurants und Pubs geschlossen hat.
Da wir wahrscheinlich länger hier bleiben wollen, beschließen wir, unser kleines Heim etwas heimischer zu machen, indem wir einer Feuerstelle ausgraben. Ein Multifunktionshammer dient als Spaten und so bauen wir uns in kurzer Zeit eine ansehnliche Feuerstelle. Womit wir allerdings nicht gerechnet hatten ist das Holz. Nicht dass es hier nicht viel Holz gibt, aber die Brennqualität ist für die Katz. Alle zwei Minuten darf man hier einen neuen, riesigen Holzklotz nachlegen, mit den guten deutschen Eichen wäre so was nicht passiertl

25.9.2012

Marius weckt mich gegen neun mit den Worten „Na Steffen? Gestern zu lange gezecht? Nur wieder Pachty, Pachty, Pachty, Jubheidi& Jubheido im Kopf! Schlimm mit dir! Jung, wir suchen Arbeit! Nur weil wir Arbeitslos sind brauchst du jetzt nicht den faulen Hännes raushängen zu lassen und auf der Couch leben!“
Na toll, viel schlimmer kann so ein Tag echt nicht beginnen.
Wir fahren in die Stadt und fragen echt überall nach einem Jobangebot nach. Pubs, Tankstellen, Supermärkten, Ramschläden, Fastfood Ketten, Bars, wir fragen einfach jeden. Einige wirken zuversichtlich, manche brauchen eine Küchenhilfe, manche einen Barkeeper(damit kennen wir uns zum Glück ja aus) in Getränkemärkten wird jemand zum Kisten tragen benötigt. Für alles, was mit Alkohol zu tun hat brauch man jedoch erst mal einen Schein, den man im Internet machen kann. Außerdem ist es gerade auch für Marius schwer, die Leute zu verstehen. Ich mein, ich red ja schon einigermaßen fließend Englisch, aber der Akzent, den sich die Australier sich angeeignet haben ist auch für mich völlig Neuland. Die Leute ab 30 ca. reden verständlich, aber die jüngeren, genau wie Ben, sind echt schwer zu verstehen. Jeder Satz endet mit einem „aaay“. Wenn etwas gut ist, sagt man“ That’s goodaaaay“. Manchmal kommt das „aaay“ auch mitten im Satz, ich hab’ schon mal versucht irgendwelche Regelmäßigkeiten darin zu finden, Ben hat mir schließlich erklärt, dass es einfach eine Art Slang ist. Ein schwer verständlicher Slang.

26.9.2012

Wir machen das Gleiche wie die vorherigen Tage, rum fahren, jeden nach einem Job fragen und, was wir vorher auch schon öfters mal gemacht haben, beim Harvest Guide anrufen. Der Harvest Guide ist sehr empfehlenswert für jeden Backpaker in Australien. Darin steht welche Frucht wann und wo reif wird. Danach kann man seine Reise so ungefähr planen falls man auf Jobsuche ist. Beim Harvest Guide kann man auch anrufen und nach Jobs fragen. Häufig haben die einen Job. Nicht in Kalgoorlie, Kalgoorlie ist nichtsmals mit etwas Nennenswerten aufgeführt. Allerdings gebe es in Perth einen Job, sie vermittelt mir Ort und Telefonnummer, ich ruf an. Der Kerl ist sehr freundlich und sagt, dass er ab nächster Woche sehr viel zu tun habe. Wir sollten ihn am Dinstag noch mal anrufen, diese Woche habe er selber noch sehr viel zu tun und habe deswegen keine Zeit irgendjemanden anzulernen. Das klingt doch vernünftig. Perth ist ca. 600 Km von hier aber bei den 1000senden Kilometern die wir hier noch fahren werden stört uns das auch nicht. Ich werde ihn Freitag anrufen und fragen, wann ich anfangen kann.
Ansonsten beschränken sich unsere heutigen Erlebnisse auf ein paar Aboriginies die beim Klauen erwischt wurden und anschließend die zwei Kassiererinnen, die versucht haben, sie zu verfolgen, mit verschränkten Armen vor der Brust zurück in den Supermarkt gedrängt haben. Was sollen die zwei Kassiererinnen auch machen? Stärker sind sie nicht, die Pfannkuchenköppe, wie Marius sie heute getauft hat, sehen alle ziemlich gleich aus und bis die Polizei da ist sind diese sowieso über alle Berge. Die sind echt ätzend. Ständig quatschen die uns oder generell jeden von der Seite an und wollen irgendwas, Zigaretten, Geld, Sonstwas. Alle Australier mit denen wir geredet haben, haben die Schnauze voll von denen. Ich kann’s verstehen, wer nur lungert, klaut und Leute blöd anmacht ist bestimmt nirgendwo gern gesehen. Anderseits kann ich die Aboriginies auch verstehen, sie sind schließlich die Ureinwohner von Australien, der böse, weiße Mann hat ihnen ihre Heimat weggenommen. Aber sie könnten sich doch wenigstens anpassen und versuchen Arbeit zu finden, aufhören zu lungern oder generell einfach mal irgendwas anfangen.

27.9.2012

Wir fahren wieder recht früh in die Stadt um uns nach Arbeit umzusehen. Langsam sind wir beide echt genervt von der Arbeitslosigkeit. In einer Bar hatte man uns einen Job zugesagt und heute heißt es, dass es doch schon neue Leiharbeiter gebe. Die hätten uns wenigstens absagen können oder auch nur in irgendeiner Form einen Laut von sich geben können. Ich habe mittlerweile über 30 Lebensläufe in der Stadt verteilt, alle sagten, es sehe gut aus und hassenichgesehn, beim zweiten Mal nachfragen ist entweder niemand da der zuständig ist, oder es gibt schon neue Leiharbeiter. Ich habe nicht eine Absage auf dem Handy oder im E-Mail Postkasten.

28.9.2012

Marius und ich beschließen John, den Typen aus Perth, noch mal anzurufen. John scheint echt cool zu sein, beim ersten Telefonat hat er gefragt, wo Marius und ich herkommen und hat anschließend erklärt, dass er deutsches Bier sehr gerne mag. Außerdem findet er die Tatsache, dass wir aus Kalgoorlie angereist kommen für den Job spaßig. Er sagt, ich solle ihn Dienstag in der Früh anrufen um auch am gleichen Tag mit der Arbeit beginnen zu können. Stark! Mein erster Job in Australien! Ich weiß, dass es irgendwas mit Industrie ist, was nu genau, seh’ ich dann schon. Er könne auch bald noch einen zweiten Mann gebrauchen heißt es. Wunderbar.
Marius und ich haben in der letzten Zeit echt angefangen sparsam zu leben. Auch mal eine neue Erfahrung für uns. Immer um Supermarkt drauf zu achten, dass man nur „down, down, down!“-Produkte in den Wagen legt und ebenfalls aufzupassen, dass der Andere keine „Up, up, up!“-Markenprodukte kauft. Außerdem: in der Masse ist es billiger! Von unserem Ketchupvorrat könnten wir jede Menge gut gelaunte Grillpartygäste ernähren, allerdings haben wir noch nichts gefunden, was zum Ketchup dazu passt. Unser Nudelvorrat ist so gingantisch, wir könnten problemlos ein halbes Jahr lang Nudeln essen. Tun wir aber nicht, wir können ja jetzt schon keine Nudeln mehr sehen. Aber immer wenn ich etwas Teureres kaufen möchte haut der Marius mir auf die Finger und meint dann so was wie:„Nix da Paprika! Die kostet wieder teuer Geld! Außerdem gibt’s die nebenan im Woolworth fast für die Hälfte!“
Gegen Abend beschließen wir zwar weiterhin sparsam zu sein, jedoch nicht gleich mit dem Leben aufzuhören. Wir haben ja schließlich einen Job, also kaufen wir uns einen
Goon und machen ein schönes Lagerfeuer. Anschließend Skypen wir mit ein paar Leuten aus der Heimat und werden so auch über den neuesten Klatsch und Tratsch aufgeklärt. Echt klasse, wir sind hier echt schrecklich weit weg, bekommen jedoch trotzdem alles mit.

29.9.2012

Wir verbringen den lieben, langen Tag damit unser Zelt usw. zusammenzubauen, da wir vorhaben, morgen recht früh Richtung Perth aufzubrechen. Echt ätzend sind die Fliegen, die hier so rumfliegen. Insbesondere in den Morgenstunden lassen die uns echt nicht in Ruhe, also nicht nur heute, generell in Kalgoorlie sind diese Viecher total penetrant. Wenn einen in Deutschland mal eine Fliege nervt haut man sie tot, sagt „so, dat hasse nu davon!“ und die Sache ist gegessen oder eher gesagt gestorben. Hier sind einfach mal so richtig viele fliegende Fliegen. Die Krabbeln im Gesicht rum und irgendwie einfach überall. Total schlimm.

30.9.2012

Morgens gegen acht klingelt mein Wecker was dazu führt, dass ich ihn genervt aus dem Fenster werfe. Echt praktisch so ein Schlafplatz im Auto. Ich brauch einfach nur die Tür zu öffnen und schon hab ich frische Luft am Bett, früher musste ich dafür immer aufstehen. Ätzend ist nur, wenn man sich Nachts mal dreht und plötzlich so’n blöden Anschnaller zwischen den Rippchen hat. Das passiert Zuhause natürlich nicht. Dafür hat man Zuhause nicht den Komfort, dass ein großer Koffer mit allen wichtigen Krempel neben sich schläft.

Aber wozu vergleiche ich ständig mein neues Haus in Form eines Autos mit meinem alten Zuhause? Ich bin jetzt hier im Down Under und sollte mich lieber darauf konzentrieren, dass ich nicht untergehe.
Gegen 12 Uhr sind wir auch schon abfahrtsbereit und sitzen im Auto, das Navi sagt „in 570Km links abbiegen“, jo, alles klar. Eigentlich schade, unser Platz war abgesehen von den ganzen Fliegen wunderbar, Feuerstelle, Wald, Baum, See, Ruhe, noch mehr Bäume.. eigentlich viel zu schön um von hier wegzugehen, aber was tut man nicht alles für einen Job, auf nach Perth. Ach ja, nervig waren bei unserem Platz auch noch die Motocross Fahrer, die jeden Sonntag mit Quadts, Mopeds und irgendwelchen anderen Gefährten den Platz vewüstet haben. Ab acht Uhr in der Früh sind die die ganze Zeit ums Zelt um die Wette gefahren. Marius behauptet zwar, dass er sich jedes mal gefreut hat, wenn einer mit einem Motorrad gekommen ist, aber das war sicherlich nicht ernst gemeint.
Wir kommen so gegen acht Uhr in Perth an und beschließen einfach irgendwo zu übernachten, irgendein Parkplatz oder sonst was, die Campingplätze haben eh schon alle geschlossen und jetzt noch irgendwas zu suchen erscheint und als zu viel Stress, Perth ist einfach nur riesig, eine Großstadt in der alle Leute auf der falschen Straßenseite fahren und dann auch noch mit Anhänger usw.. Wir übernachten auf einem Parkplatz auf dem man Tagsüber vier Stunden parken darf.

1.10.2012

Wir werden davon geweckt, dass irgendwer mit seinem Jetski durch die Gegend fährt. Dass unser Parkplatz am Meer gelegen ist, war uns nicht neu, dass hier offenbar die Jetski Heimat ist aber schon. Wer geht denn schon um acht Uhr morgens Jetski fahren?
Wir gehen erst mal frühstücken um uns die Chose noch mal durch den Kopf gehen zu lassen. Wir kommen gegen Mittag zurück und offenbar hat jeder zweite Bewohner von Perth ein Jetski im Keller, alles ist voll mit Jetskis und der Parkplatz ist bis auf den letzten Platz zugeparkt. Der Strand ist voller Jetskifahrer/innen und Zelte. Wir kramen unsere Handtücher raus, gesellen uns dazu und beschließen noch eine Nacht zu bleiben. Den Tag verbringen wir am Strand, echt warm hier. Wir werden beide an dem einen Tag schon braun wie ein Bär.
Ist zwar schon etwas komisch auf einem Parkplatz zu leben, Marius auf dem Vordersitz und ich hinten in der Koje, aber wir sind ja auch hier um ein paar Lebenserfahrungen zu machen

2.10.2012

Heute haben wir einen Termin beim künftigen Arbeitgeber. John wirkte am Telefon sehr nett, bin mal gespannt wie der Typ sonst so ist.
Der Parkplatz ist zugewachsen mit irgendwelchen grasförmigen Gräsern und John ist ein echt schräger Vogel. Er verkauft Sachen die offenbar sich schmuckhaft im Garten machen sollen. Allerdings ein recht fragwürdiges Sortiment, wie wir finden. Als erstes sollen wir seinen Garten neu renovieren, juhu, wir werden Gärtner! Montag können wir anfangen.
Dann kommt endlich unsere Arbeitskleidung mal ins Spiel, Marius hat sich in einem Second Hand Shop eine Hose gekauft, die irgendwie ein bisschen viel Schlag hat. Er erinnert mich damit mehr an einen Hippster aus der Diskozeit, immer wenn er die Hose anhat ruft er „Let’s Disko!“ bevor wir irgendwo hingehen.
John tauft uns in Peter und Paul um, da er sich Marius nicht merken kann. Finden wir gut, wir hatten ihn sowieso insgeheim schon in Bill umgetauft.
Leider gibt es keinen tollen Campingplatz in Bills nähe, wir finden einen in ca. 25 Km Entfernung. Wir beschließen, erstmal zu bleiben.
Wir sind beide auf unseren ersten Arbeitstag nächste Woche gespannt.

Samstag, 22. September 2012

Campen, reisen, Ben.

Ich habe schon länger nichts mehr Online gestellt, ist auch echt viel passiert in den letzten Tagen! Campen, Ben, reisen..

11.9.2012

Schon wieder früh aufstehen- Termin beim Mechaniker. Er begrüßt und mit einem lauten Rülpser und erklärt, dass er Red Bull lieber frühstückt als Kaffee. Wir riechen es. Eine Servo konnte er in der Umgebung nicht organisieren, aber er könne in Perth anrufen. Ich sag ihm, dass er das dann auch tun soll, er tut’s auch. Super, die Servo ist günstiger als gedacht, für schlappe 520 $ kann er das Teil organisieren. Er fragt, ob ich bereit bin, meinen Schlafplatz über Nacht in der Werkstatt zu lassen. Ich weise ihn auf der Bettzeug in den hinteren Reihen hin und er sieht ein, dass das etwas komplizierter werden könnte. Wir machen für morgen einen Termin.

Tagsüber melden wir erst mal den Trailer an. Ich war gefühlte 50 mal in dem Shire Office um mir irgendwelche blöden Papiere zu holen, die Angestellten kannten mittlerweile sogar meinen Namen. Auto ist angemeldet, Trailer auch, das war’s! Marius wirft seine Kappe vor dem Office und die Luft und fühlt sich wie nach einem Schulabschluss. Auch ich kann es kaum glauben, endlich.
Die Welt ist echt klein. Sehr klein. Wir haben in Sydney Leute aus Köln kennen gelernt, die wir hier tatsächlich wieder treffen. Allein schon die Tatsache, dass wir in Sydney Leute aus Dabringhausen getroffen haben ist unglaublich.
Meine Steuernummer ist immer noch nicht da, die Versicherung lässt auch mit ihrer Bestätitungsmail auf sich warten. Nachdem ich 26 Minuten in einer Warteschleife verbracht habe erfahre ich nichts Neues. Status ist bei beiden auf „ currently in progress“ gesetzt und sollte dementsprechend diese Woche ankommen.
Zurück am Campingplatz, wir beschließen das gleiche Angebot wie letztes mal zu nehmen, wenn man drei Tage bleibt geht der vierte aufs Haus. Tolles Angebot, da wir Zeit haben, beschließen wir, genau wie beim letzten Mal, sechs Nächte zu bleiben und so gleich zwei Gratisnächte abzustauben. Der mieß gelaunte Campingplatzbewacher berechnet mir sieben Nächte und behauptet, das sei richtig so. Ich war sowieso schon total genervt und spiel kurz mit dem Gedanken, ihn in die Sache mit dem Zahlenstrahl und dem „Finger an der Hand Abzählsystem“ einzuweihen. Schlussendlich entscheide ich mich dafür, ihn einfach nur zu fragen wieso das letztes Mal geklappt hat und dieses mal nicht. Er behauptet das könne alles nicht sein und lacht herzlich. Komischer Typ, ich sag, dass mir unter diesen Umständen vier Nächte durchaus reichen. Da hat’er ‚n langes Gesicht gemacht!

12.9.2012

Ich werd vom lauten Summen des Handys geweckt, das kann schon mal nichts gutes heißen. 1.), wer hat den blöden langen Klingelton für eine blöde Sms eingestellt und 2.) wer weckt mich um dies unchristliche Zeit? Nicole war’s, sie hat Post für mich! Juhu, da hat sich das frühe Aufstehen ja doch gelohnt! Wahrscheinlich ist’s eh nur ein Werbeblättchen, das ich in weiser Vorraussicht im Supermarkt beantragt hab, wir treffen uns trotzdem mit ihr. Tax File Number und der Krempel von der Versicherung sind da, das glaub ich mir grad selber nicht! Endlich, nach vier Wochen warten kommt diese blöde **’Ä“$)* Nummer an! Das feiern wir mit einem Bierchen im Pub, haben wir uns ja auch verdient. Blöde Warterei. Im besagten Pub lernen wir einen australischen Packpacker kennen, der seit zehn Jahten selbstständig und unabhängig durch Australien reist, er heißt Dion. Wir nennen ihn Ben. Echt ein schräger Vogel! Er wohnt in Margaret River. Finden wir komisch, als Backpacker ein eigens Haus mit Garten? Ist nur vorrübergehend, ist nicht sein Haus, das Haus sah leer aus und ein Fenster stand offen, das ist momentan seine Heimat. Er ist komplett ohne Auto drei Mal komplett rund um Australien gereist, als Anhalter. In Alice Springs war er auch schon mehrere Male.


14.9.2012

Wir stehen wieder früh auf, das war zwar nicht beabsichtigt, aber wenn die Sonne so toll scheint wacht man halt schon mal früher auf! Wir freuen uns, scheint ja endlich mal bergauf zu gehen hier mit uns, tolles Wetter lädt zum Spazierengehen ein und wir haben alles für Bouritos zum Abendessen vorbereitet, der Tag kann nur geil werden. Aber irgendwie hat der Trailer Seitenwind, schräglage. Ein Reifen ist platt. Hmm, waren die Reifen nicht das, was der Tüv vor ca. drei Tagen ausgetauscht hat? Jebb, Reklamation! Also doch nicht spazieren, erst mal in die Stadt den Tüv aufsuchen. Dieser ist bester Dinge und gibt uns einen neuen Reifen für Umsonst, korrekt.
In der Stadt treffen wir Ben, unseren Backpacker Freund wieder. Wir unterhalten uns und beschließen ein bisschen rumzufahren, er kennt sich gut hier in der Umgebung aus. Aus „ein bisschen rumfahren“ wird ein Tagestrip durch Wa, Western Australia. In Wa gibt es echt traumhaft schöne Landschaften, wir haben schöne Fotos gemacht. Der Typ kennt echt Straßen, Puh, mit jedem normalen Auto wären wir stecken geblieben. Das war echt mal was ganz neues, komplett Querfeldein irgendwelche steilen Wiesen hoch, Straßen hoch und runter, die in Deutschland vielleicht noch in irgendwelchen Wäldern existieren. Ohne Allrad wären wir echt aufgeschmissen. Abends organisiert er noch eine Flasche Johnny Walker und wir lassen den Abend ausklingen.

15.9.2012

Abreisetag, Ben ist pünktlich gegen neun Uhr parat und hilft uns unsere Sachen zu packen. So langsam wird uns der Junge unheimlich, wer hilft denn schon freiwillig einen blöden Trailer zusammen zu rollen oder irgendwelchen Müll einzusammeln? Ben! Der Typ hat’s echt raus, der weiß sogar wie man einen Trailer zusammenfaltet, ohne dass ein riesiges Knäuel entsteht. Der hat unseren Krempel so Platz sparend gepackt, dass wir auf einmal viel mehr Stauraum haben. Oder fehlt hier einfach nur die Hälfte und Ben ist kriminell? Wir sind auf jeden Fall sehr vorsichtig, der Beifahrer hat stets zwei Laptops, zwei Kameras und alles andere was Wert haben könnte im Fußraum, wenn wir ihn ein Stück mitnehmen.
Ben ist echt ein verrückter Typ. So etwas haben Marius und ich noch nie erlebt. Allein schon wie der sein Geld verdient ist unglaublich. Er hat mehrere Methoden:
1.) Er kauft einen alten Wohnwagen, päppelt das Teil auf und verkauft ihn anschließend für hohe Preise auf Ebay
2.) Er hilft irgendwo als Metzger, Schreiner, Schuster, Schaffner, Mechaniker, Jäger, Sammler, Baumfäller oder Touristenführer aus. Und letzteres macht er echt gut, der kennt jeden Winkel von Australien wie es scheint.
3.) Er hat sich ein paar Schafe von einer benachbarten Wiese geklaut und sie im Wald angebunden. Anschließend hat er bloß gewartet bis den Wolleproppen ein Fell über die Ohren gewachsen ist, das er dann geschoren und weiterverkauft hat. Das mache er allerdings nur im Notfall. Für den absoluten Notfall weiß er sogar wie man ein Schaf ausnimmt.

Ben hat uns gefragt, ob er noch ein paar Kilometer mit uns reisen kann. Marius und ich sind zwar total misstrauisch, aber, warum nicht. Er kennt sich ja hier aus. Außerdem habe ich ihn gestern mal nach Namen und Adresse gefragt und heute um einen Lichtbildausweis gebeten, alles stimmte überrein. Wir glauben nicht, dass er uns etwas klauen will, wenn er dies gewollt hätte, hätte er es längst getan. Wir haben ihn schon mit 50$ einkaufen geschickt, er kam brav mit Wechselgeld, Einkäufen und Kassenbeleg zurück. Beim Aufräumen hat er Mariuss MP3 Player gefunden und ihn ebenfalls brav ausgehändigt. Solang er nicht vorhat uns komplett auszunehmen sollte eigentlich keine Gefahr mehr bestehen.
Wir nehmen ihn also mit. Als erstes läd er uns zum Frühstück in „seine Wohnung“ ein. Die Bude ist komplett leer geräumt, ein Herd und eine Matratze sind seine einzigen Besitztümer bzw. die vom Vorbesitzer. Er erklärt, dass die Stadtwerke vergessen hätten den Strom abzustellen und dass die Gasflaschen mehr oder weniger leer seien, das Haus werde bald abgerissen.
Nachdem wir ordentlich gefrühstückt haben geht es wieder nach Margaret River, er möchte uns einen Campingplatz zeigen auf dem man umsonst Campen darf. Echt ein sehr schönes Plätzchen, wunderschön gelegen, jeder Platz hat eine eigene Feuerstelle und Wassertanks sowieso Bbq-Plätze gibt es auch. Wir bleiben! Wielange? Länger. Eigentlich kostet eine Übernachtung 7$, unser Ben kennt allerdings den Besitzer, der gerade übrigens nicht da ist. Er sagt, dass wir aber nicht zahlen brauchen, wenn wir Lust haben, könnten wir ihm ein paar Bier vor die Tür stellen, dann sei der Kerl schon glücklich. Der Park ist in einem Nationalpark, d.h. dieser Abschnitt der Natur wurde seit sehr langer Zeit nicht mehr wirklich berührt. Finanziert und gereinigt wird der Park vom Government, der Besitzer bekommt lediglich 200$ pro Woche dafür, dass er ab und zu mal prüft ob der Park in Ordnung ist. Vor der Rezeption hängt ein Schild, dass man sich selbst registrieren soll und das Geld, wie viel auch immer, soll man einfach in den Briefkasten stecken.
Tagsüber möchte er uns Busselton zeigen, auch eine sehr schöne Stadt. Es gibt einen Steg, der zwei Kilometer ins Meer führt und so kann man sich da Wasser auch von da anschauen. Die Stadt ist sehr schön hergerichtet, wir beschließen uns noch mal ‚n kleines Goonchen zu gönnen um zu prüfen ob unser Rucksacktourist auch was verträgt. Er spendiert noch eine Flasche Rotweingemischtmitwhatever und beschließt, es könne losgehen. Marius und ich finden den Kerl immer noch merkwürdig, er läuft einfach in jeden Laden rein und fragt nach Arbeit, und das Barfuß. Er kauft noch jede Menge Grillfleisch und beschließt, dass wir grillen. Coole Idee, aber wir der grillt, das hat man hier auch noch nicht gesehen. Unglaublich, mit den Mitteln die wir haben würden Marius und ich wahrscheinlich noch nicht mal ‚n vernünftiges Feuer hinbekommen, der Kerl mariniert sämtliche Sachen, kocht Braten mit Hilfe von lediglich Fleisch, Alufolie, Öl und drei Gewürzen. Er grillt uns Currygeschnetzeltes und belegt uns Sandwiches. Ey, Hallo? Der belegt uns Sandwiches! Auf einem Grillabend. Marius fragt ihn, ob er ihn „Mama“ rufen darf. Er bejaht, ich bleibe vorerst bei Ben. Nachdem er dann angefangen hat uns Cocktails zu mischen mit irgendwelchen Getränken, von denen Marius und ich noch nie etwas gehört haben war es echt vorbei. Marius nimmt ihn herzlich ihn den Arm, zieht ihn schließlich an seinem Arm zu mir und fragt ob wir ihn behalten könnten. Hmm, eigentlich spricht so direkt nichts dagegen. Er kennt sich aus, weiß wie man Arbeit bekommt, kann gut kochen, ist ‚n taffer Naturbursche der wahrscheinlich sogar in einer Wüste ein paar Jahre leben würde wenn er müsste und wirklich arm scheint er auch nicht zu sein. Er behauptet, dass es in Adelaide viel mehr Arbeit geben würde, das ist allerdings 2000Km von hier. Ben ist letztens von Darwin nach Perth getrampt, das sind mal eben 4000Kilometer. Hat ca. vier Wochen gedauert.
Da er uns nicht belästigen will beschließt er sein eigenes Zelt aufzubauen, das nur aus zwei Planen, zwei Stangen und ein paar Schnüren besteht. Mein Zelt mit diesen Mitteln würde dann ungefähr so aussehen

P l a n e
Steffen mit Schnüren als Kissen
P l a n e
B o d e n

Also ich zwischen zwei Planen mit Schnüren als Kissen, Ben jedoch kram noch schnell einen Schlafsack aus seinem Turnbeutel und zimmert sein Zelt in zwei Minuten hoch, das verblüffenederweise steht wie eine Eins, und das im Dunkeln ohne Licht.
Wir beschließen ihn vorerst zu behalten, wie wir es aus Ironie nennen.
Am Abend stellt er unter Beweis, dass er gerne Mal auf seinen Wanderungen für ein Säckchen Goon zu begeistern ist, geht aber vor Marius und mir in seine Mulde.

15.9.2012

Ich werde als erstes wach und kann den ganzen Krempel immer noch nicht glauben. Er macht uns Sandwiches. Er kocht wie ne Tv-Mama. Er ist der größte Draufgänger überhaupt, er hat mir gestern Fotos von seinem zweijährigen Sohn gezeigt. Der kümmert sich um alles für uns, wirklich alles. Der weiß alles. Langsam glaube ich, dass der Kerl bloß eine Illusion ist, dass Marius uns die ganze Zeit nur eingebildet haben, dass uns einer hilft und in Wirklichkeit sind Marius und ich einfach irgendwie auf einmal total schlau. So einen Typen kann es doch gar nicht geben!
Während Marius sich noch im Tiefschlaf befindet und ich versuche dem Braten namens Ben Glauben zu schenken steht dieser bereits auf um Kaffee zu kochen, den er uns wie selbstverständlich ans Bett bringt. Dafür hat er lediglich ein kleines Feuer gemacht und darauf Wasser erhitzt. Instantkaffee macht’s möglich! Zum Frühstück gibt es wieder Sandwiches, richtig lecker! Tagsüber versuchen wir einen Job zu finden in Margaret River, wie er vorhergesagt hat, wird das schwieriger als erhofft, die Weinfarmen haben für die nächsten vier Wochen keinen Job mehr. Wir versuchen es auch an mehreren Baustellen, keine Chance.
Unser Arbeiterbuch, das wir haben bestätigt, dass es in Richtung Adelaide tatsächlich höhere Chancen auf ein gutes Jobangebot gibt.

17.9.2012

Gestern haben wir nichts besonderes gemacht, Ben hat uns noch ein bisschen rumgeführt und traumhafte Strände gezeigt, ansonsten haben wir eigentlich nur den Tag über gefaulenzt und ‚ne ruhige Kugel geschoben. Ben hat natürlich wieder drei Mahlzeiten zubereitet, schon wieder Sandwiches. Also so langsam könnte er seiner Kunst mal ein bisschen mehr freien Lauf lassen! Jeden Tag Sandwiches.. Und der Kaffee kommt auch immer früher. Unseren Humor haben Marius und ich immer noch nicht verloren, ich frage mich auch ernsthaft warum. Na ja, zum Glück spricht Ben kein Deutsch und kann unsere ironsichen Sprüche à la „kein Kaffee vor neun“ oder „du weißt doch genau, dass ich mein Brot alphabetisch belegt haben möchte: Toast, Ketchup Braten, , nicht Toast, , Braten, Ketchup!!!“ nicht verstehen. Sonst wäre er sicherlich angefressen, aber wir meinen das ja nicht ernst.
Mittags, gleich nach dem Mittagessen, ruft er seine Tante an und macht uns einen Job in Morgan bei Adelaide klar. Das sind zwar knapp 3000 Km, er will das Spritgeld mit uns teilen, sprich ca. 300$ pro Partei. Klingt echt verlockend, wir finden hier echt schwierig Arbeit, haben einen kochenden Superheld dabei und werden unterm Strich sogar noch dafür bezahlt. Wir sagen ihm, dass wir noch eine Nacht drüber schlafen wollen und uns dann entscheiden wollen.
Zum Abendessen kocht Ben wieder Braten, dieses Mal mit Terriyaki-Kartoffeln und eingelegten Gemüse, Yeah!

18.9.2012

Marius und ich beschließen mit Ben zu reisen. Er kennt sich aus, weiß wo es am schönsten ist, teilt das Spritgeld mit uns, kocht, wäscht ab, organisiert uns einen Job, was will man mehr. Bevor wir abreisen will Ben noch schnell bei seiner Cousine vorbei. Seine Cousine trägt recht gelassen den Pennerlook und sieht irgendwie total drauf aus. Nach dem Händeschütteln geht’s für Marius und mich sofort zum Hände waschen! Sie sieht echt fertig aus, sie gibt ihm irgendwas und wir reisen los. Nach ca. zwei Stunden kramt Ben einen Johnny Walker aus seinem Ranzen und ruft cheers! Marius und ich wollen jedoch fahrtüchtig bleiben und verzichten, Ben scheint echt in Urlaubsstimmung zu sein. Er gönnt sich ordentlich was aus dem Johnny Walker und ist seit dem wie verwandelt: Er schnauzt uns nur noch an, meckert die ganze Zeit, will selber fahren weil er meint, dass wir zu langsam seien, jede Tankpause wird als Sinnlos erachtet.. Er kann nicht verstehen, warum wir nicht trinken UND fahren wollen. Er erklärt, sein Vater mache das so, seine Mutter, seine Schwester, einfach jeder in seinem Umkreis. Echt komisch auf einmal dieser Typ.
Wir halten in Albany an und machen eine Pause. Wir gehen in ein Geschäft und Marius und ich finden zwei Sonnenbrillen schön, allerdings kaufen wir sie nicht, da sie uns zu teuer waren. Draußen vor dem Geschäft händigt Ben uns auf einmal die Sonnenbrillen aus. Er hat sie geklaut. Wir sagen ihm, er solle sie zurück bringen, er sagt, dass wir sie entweder behalten können oder er schmeißt sie zerbrochen in den Müll. Da die Sonnenbrillen echt schön waren und Marius und ich echt keine Lust hatten irgendwo mit reingezogen zu werden beschließen wir, die Brillen zu behalten.
Die weitere Fahrt ist Ben weiterhin schrecklich mürrisch und unerträglich. Er schnauzt Marius an, dass er gefälligst besser Englisch reden soll und gibt mir die Schuld für zu hohen Spritverbrauch. Wir beschließen gegen ein Uhr nachts auf einem Rastplatz zu schlafen, wir wollten eigentlich 100km bis nach Esperance weiterfahren und da übernachten, da wir jedoch recht wenig Sprit im Tank haben und die Tankstellen alle geschlossen sind beschließen Marius und ich zu rasten. Ben ist eh schon eingeschlafen. Beim Anhalten wacht Ben auf und ärgert sich, dass wir nicht weiterfahren. Er will weiterfahren erklärt er und genehmigt sich einen großen Schluck aus der mittlerweile ¾ geleerten Johnny Walker Flasche. Wir sagen ihm, er soll nu gefälligst die Füße still halten und den Mund zu machen, er schläft ein. Marius und ich trinken noch etwas vom Johnny Walker und lassen und die ganze Chose durch den Kopf gehen.
Wer ist dieser Kerl? Warum war er die ganze Zeit so unglaublich freundlich und zuvorkommend? Wieso kocht er uns Kaffee oder klaut uns Sonnenbrillen? Seit dem er bei seiner Cousine war verströmt er einen unglaublich starken und penetranten Parfümgeruch, außerdem bewacht er seit dem seine komische schwarze Tasche wie seinen Augapfel. Er schläft sogar darauf. Warum hat er auf einmal diese unglaubliche Hektik? Wenn wir genauer nachdenken fällt uns auf, dass er seit Tag eins, wo wir ihn kennengelernt haben, versucht hat sich an uns zu binden und uns zum Reisen zu überreden. Seit dem wir an ihn gebunden sind, wir mit ihm gereist sind, ist er ein völlig anderer Mensch.
Plötzlch wird und einiges klar: mit dem stimmt was nicht. Vielleicht schmuggelt er was oder wie auch immer, irgendwas stimmt mit dem Jungen nicht. Wir beschließen ihn wieder abzugeben.

19.9.2012

Wir haben beide fast gar nicht geschlafen, Ben hat auf der Rückbank im Schlaf wie verrückt rumgetobt. Wir tanken und brechen nach Esperance auf. Ben ist wieder bester Dinge und sagt er wolle fahren. Kann er voll vergessen.
In Esperance sagen wir ihm, dass wir schwer keine Lust mehr haben mit ihm zu reisen, da er irgendwie uns zu schräg ist. Er entschuldigt sich und unser Verlangen, dass er sich verp**st trifft auf Unverständnis. Wir erklären es ihm drei Mal und dann scheint er es verstanden zu haben. Er fragt uns, ob wir ihn noch 80Km bis nach Norseman fahren können, da er sonst nirgendwo mehr hinkäme und echt ein großes Problem habe. Wir beschließen, ihn mitzunehmen, da wir sowieso in diese Richtung müssen. Die folgenden 80Km waren die längsten 200Km meines Lebens. Er versucht sich einzuschleimen und alles. Er schenkt Marius seine Uhr und mir seine Lederjacke. Wir erklären ihm, dass wir den ganzen Kram gar nicht haben wollen und dass er einfach nur verschwinden soll, er beschließt Mittagessen zu kochen.
Wir fahren mit ihm zur nächsten Tanke und schmeißen ihn mehr oder weniger raus. Für den Fall, dass er in Ordnung ist, und Marius und ich bloß falsche Vorstellung hatten, haben wir ihm 70$ gegeben, damit er nicht völlig kaputt geht. Außerdem hab ich ihm meine Flip Flops gegeben, da er keine Schuhe mit hatte.

Was mit dem Typen nicht gestimmt hat wissen wir nicht. Vielleicht war er ja auch in Ordnung, wir wissen es nicht. Das mir dem Klauen scheint er öfters zu machen, immer wenn er uns etwas mitgebracht hat, hatte er nie einen Bon oder eine Tragetasche dabei. Generell haben wir auch nie Geld bei ihm gesehen.

Sonntag, 9. September 2012

Vom Camper zum..Camper

4.9.2012

Nach unglaublichen sechs Stunden warten auf den Trailer bekommen wir diesen nun endlich zurück. Ein paar kleine Sachen müssen geändert werden, nicht viel. Das Teil braucht nur eine VIN Nummer. Und neue Reifen, wiegen lassen sollen wir ihn auch. Wo bekommt man die VIN Nummer? Der Tüv sagt im Shire Office. Die Frauen aus dem Shire Office, (die ich mittlerweile traurigerweise alle kenne), behaupten der Tüv sei dafür zuständig. Sie wollen mir allerdings trotzdem helfen und lassen mich ein Online Formular ausfüllen. Da steht zwar irgendwas von self-made Trailer, aber ich denke mal die wissen schon was zu tun ist. Ich soll trotzdem noch mal zum Tüv zurück. Der Tüv Frau fällt es wie Schuppen aus den Augen: sie kann die Vin Nummer doch beantragen, wusste sie bis gerade auch noch nicht. Sie ist so freundlich dies auch zu tun. (Was hab ich eben im Shire Office ausgefüllt?)
Es regnet nach wie vor den ganzen Tag über. Anwohner erklären mir, dass sie so einen starken Regen selbst noch nicht erlebt hätten in diesen Breiten. Aber sie wüssten wo es schöner sei. Toll. Marius bleibt optimistisch und erklärt, solange es nicht regnet ist unser Zelt sogar wasserdicht =) .
Wir haben uns gefrustet einen kleinen Ofen für unsere klappbare zwei Zimmer Wohnung gekauft. Das war die beste Entscheidung die wir bis jetzt hatten, das Teil heizt super! Wir müssen halt nur immer die Tür vom Zelt zuhalten sonst zieht die warme Luft raus. Aber innen lässt es sich jetzt super im T-Shirt leben


5.9.2012

„wääh, mach das Teil aus!!“


Marius ist in der Nacht kalt geworden, ich wache auf und hab das Gefühl, dass ich über Nacht in eine große Sandwüste gereist bin. Und in dieser Wüste ist grad Mittag. Es war echt so warm in unserer Bude, meine ersten Schritte gingen zur Tür, Luft suchen.
Es regnet. „Gähn“, verschlafen brechen wir gegen Mittag in die Stadt auf und beschließen mal beim Goverment anzurufen wegen meiner Tax File Nummer. Die Warteschlange ist riesig, ich darf mir drei Mal in Folge Beethovens beste Werke als monotonen Klingelton anhören. Das Ergebnis ist, ich soll mich noch etwas gedulden. Außerdem habe ich eine Mail von einer mit unbekannten Firma bekommen. Sie gratulieren dem Unternehmen Steffen Hager und bedanken sich. Außerdem ist da eine Liste von VIN Nummern, die sie mir freihalten für meine Trailer. Aaah, da hab ich mich gestern eingetragen im shire Office. Die glauben doch jetzt tatsächlich ich hätte eine eigene Firma gegründet und bräuchte nun für meine eigenen Trailer die Vin Nummern.
Anschließend habe noch schnell eine Autoversicherung abgeschlossen, siehe da, meine Kreditkarte funktioniert nach vier Wochen nun endlich.


6.9.2012

Das Wetter ist mittelmäßig, warm genug um den Ofen mal eine Zeit lang auszulassen. Das Wetter wird immer besser, so beschließen wir in die Touristenstadt Dunsborough aufzubrechen. Dunsborough ist ca. 40Km von hier entfernt und berühmt für Wein. Ich glaube 1991 hat Dunsborough mal einen Tourismussonswasaward gewonnen, außerdem gibt es da einen Strand. Der Strand ist wunderbar, das Meer ist wie gemalt und die Sonne scheint sogar tatsächlich. Die Innenstadt ist nicht besonders, wir kaufen ‚ne Kleinigkeit ein und fahren wieder heim.

7.9.2012

Das Wetter ist prächtig und Marius und ich beschließen ‚ne kleine Wanderung zu machen, Gegend auskundschaften. Die Gegend ist spitze, schöne Wälder und das Meer ist auch nicht weit weg. Die Straßengräben sind auch echt krass. Es gibt Schilder die auf Wildwechsel aufmerksam machen, kennt man ja auch aus Deutschland. Hier liegt alle 30 Meter irgendein überfahrenes Känguru oder sonstige Skelette im Straßengraben. Nach ca. 45 min latschen kommen wir einer Sandstraße vorbei und beschließen da mal lang zu wandern. Scheint zwar Privat zu sein, aber das stört uns nicht. Nach weiteren 20 Minuten kommen wir dann an eine große Villa und zum Meer. Das Meer ist traumhaft schön auch wenn der Strand durch eine Steinlandschaft ersetzt wird. Schwimmen kann man hier allerdings nicht, starke Wellen stellen eine Gefahr wegen den Felsen dar.

Abends kommen wir nach Hause und während wir kochen macht einer der Australier ein Lagerfeuer und kramt ‚ne Gitarre aus seinem Turnbeutel. Wir freunden uns mit ihm an und begießen die gute Musik mit einem Vino.

8.9.2012

Dass Vino so einen Schädel macht kann auch keiner Ahnen. Naja, immerhin war der Abend geil. Wir beschließen den Tag erst mal ruhig angehen zu lassen. Marius kramt jede Menge Kram aus dem Trailer, den wir bis jetzt noch gar nicht angefasst haben. Das Vorzelt zum Beispiel haben wir noch nie aufgebaut da es bis jetzt immer geregnet hat oder wir außer Haus bzw. Zelt waren. Das Vorzelt hat ein auch ein Vordach und ist spitze. Nur nicht so richtig hoch. Wahrscheinlich für Leute mit Rückenproblemen oder welche, die gerne Rückenprobleme haben wollen. Wir kramen noch ein bisschen im Kram rum und sortieren alles nach Form, Farbe und Funktion. Wir haben echt mehr Kram als gedacht, auch Kram über dessen Funktion Marius und ich uns noch nicht einig geworden sind.
„Ist das ein Toaster oder eine Pfanne?“
„Hmm, keine Ahnung, mach’s mal sauber, schau welche Farbe es dann hat und pack’s zu dem komischen Melkschemel da!“
Die Nachbarn müssen uns auch für verrückt halten. Wir leben jetzt seit zehn Tagen auf dem Campingplatz und mauern uns heute erst so’n Vorzelt an die Bude. Morgen müssen wir das alles wieder abbauen da wir am Montag morgens früh einen Termin beim Tüv haben. Hoffentlich bekommen wir den Trailer durch den Tüv. Aber das sollte eigentlich kein Problem sein, wir sind dieses mal direkt zu dem Tüv unseres Vertrauens gefahren, der hat sich den angeschaut und kann alle Mängel auch selbst beheben.

Abends beschließen wir das Nachtleben der Innenstadt mal unter die Lupe zu nehmen. Wir fahren los, beim Ausparken gibt unser Auto echt merkwürdige Geräusche von sich. Scheint an der Lenkung zu liegen bzw. genauer gesagt an der Servo. Da es nur die Servo ist, beschließen wir weiterzufahren, wir wollten ja schließlich etwas unter die Lupe nehmen. Eine Lupe braucht man auch um dieses besagte Leben zu finden. Hier ist echt nichts los. Zwei Kneipen wo sich ein paar Leute die Füße platt stehen und weit und breit kein Auto. Das liegt wahrscheinlich daran, dass die Polizei hier wie verrückt Streife fährt. Wir bekommen in den 15 Minuten in denen wir draußen sind vier mal mit, dass die Polizei irgendwen anhält und nach dem Rechten schaut. Auch wir werden gefragt ob sie uns etwas bringen dürfen. Komische Jungs, aber sehr hilfsbereit.

9.9.2012

Wir stehen früh auf, da wir uns auf Skype mit den Jungs aus der Heimat verabredet haben. Diese sind gerade dabei ‚ne schöne Party zu feiern und freuen sich über günstige Bierpreise. Danke Jungs, schön von euch zu hören. Als nächstes beschließen wir mal nach Cowaramup zu fahren. Auch hier ist echt nicht viel los, echt merkwürdig alles hier. Der Alkoholladen macht Sonntags um zehn Uhr auf, die Tanke bleibt geschlossen. Außerdem hat noch ein Süßigkeitenladen offen, eine Bäckerei, ein Klamottenladen und eine Post. Bei uns nennt man dieses Dorf Tanke und es hat 24 Stunden offen! Da wir tatsächlich tanken müssen, beschließen wir wieder zurück ins alt bewährte Magaret River zu fahren, hier kennen wir wenigstens alles schon und werden nicht von einer geschlossenen Tanke oder so überrascht.
Die Tanke hat wie erwartet offen und wir gönnen uns noch eine Flasche Wasser für 6$, was für ein Schnäppchen! Wir beschließen, den Wald mal auszukundschaften, Zeit ist nämlich wie immer das Einzige, was wir im Übermaß haben. Offenbar ist es hier gang und gäbe seinen Müll im Wald abzuladen. Wir finden hier jede Menge Autowracks und sonstigen Müll.
Den Nachmittag verbringen wir damit, unser Vorzelt wieder in seine Bestandsteile zu zerlegen und auch den restlichen Kram wieder zu verkramen.

10.9.2012

Bzzm, schon wieder früh aufstehen?! Puh, wir haben um neun Uhr einen Termin beim Tüv. Dass das alles auch so Frühaufsteher sein müssen. 19 Uhr hätte doch gereicht. Wir schaffen das unglaublicherweise Problemlos. Ist eigentlich schon komisch. Wir haben einen Trailer und ein Auto, das Auto kann man sich problemlos in zwei Minuten zu einem recht bequemen Doppelbett umklappen, also nicht das Auto sondern die Sitze vom Auto, und im Trailer ist auch eine Doppelmatratze. Ich bin im Moment dran mit dem Autoschlafplatz. Echt komisch, man steht auf, krabbelt aus’m Auto und klappt sein Bett zu Sitzen um bevor man aufgestanden ist. Da macht man echt schon ein komisches Gesicht, man steht auf, faltet ein bisschen rum und auf einmal sitzt man in der dritten Reihe von einem großen Auto und fragt sich wie man dahin gekommen ist. Auch Marius wirkt irritiert, nachdem wir sein Reich zusammengefaltet haben und an mein Bett gehängt haben. Wer macht so was schon? Morgens aufstehen, Haus zusammen falten und mit zu Arbeit nehmen? Und das vor dem ersten Kaffee.
Der Tüv schnappt sich den Trailer und wir statten Sam, unserem Mechaniker unseres Vertrauens, einen Besuch ab. Wir fahren auf den Hof, er ist schon da und hört direkt dass unsere Servo Luft bekommen hat. Ich weise ihn noch darauf hin, dass das Leck, das wir letztens durch den Tüv geschmuggelt haben, stärker geworden ist. Es ist so stark, dass wir in den letzten Tagen täglich Öl nachfüllen durften. Nach kurzer Diagnose seinerseits beschließt er, dass wir eine neue Servo bräuchten. Kostenpunkt um die 1000 $. Na toll, wer auch immer uns hier einen Streich spielen will, er hat gewonnen! Erst bekommen wir das Auto nicht angemeldet und dann, wo wir gerade dabei sind, den Trailer anzumelden können wir wieder beim Auto anfangen! Was soll’n das’n?
Immerhin bekommen wir heute mit ein bisschen Glück den Trailer angemeldet. Das Auto funktioniert ja, ist halt nur etwas lauter und die Servo ist total unzuverlässig. Ich hoffe, dass wir es schaffen, in den nächsten Tagen eine Servo zu organisieren. Wir waren heute schon auf einem Schrottplatz und morgen besuchen wir noch ein paar andere Plätze. Eine neue Servo wäre weitaus teuerer.

Montag, 3. September 2012

Vom Farmer zum Camper

My Blog, my Blog, not flowerpot his Blog!

27.8.2012

Der lazy-Sunday gestern war klasse, heute ruft die Arbeit wieder. Nicole schickt uns heute mit einem Pick Up auf eine benachbarte Wiese um Steine zu sammeln, die im Sommer den Mähvorgang ungewollt verkürzen könnten. Viel ist da nicht zu tun, wir cruisen ein bisschen rum und finden ab und zu mal ‚n Stein, macht aber trotzdem Spaß. Außerdem finden wir fragwürdig geschweißte Gerüste auf der Wiese, einen Totenschädel von einem Känguru o.Ä., Fluffi, den Hund, der sich gleich wieder auf dem Pick Up postiert und noch viele andere schöne Dinge.

Nach getaner Arbeit waschen wir unser Auto und schrauben noch etwas am Anschnallgurt rum.

28.8.2012

Heute mussten wir wieder früh raus, der Mechaniker macht die finale Inspektion. Diesmal fallen wir nicht auf den 8:00 Uhr Trick rein! Pünktlich um neun stehen wir auf der Matte und siehe da, er kommt auch gerade an. Sein Lehrling ist schon vor ihm da und macht die Garage sauber. Er sagt wir sollen gegen 14:00 Uhr wiederkommen um das Auto abzuholen. Wir vertreiben uns derweil die Zeit mit Kaffee trinken und statten unserer Bank einen Besuch ab. Wir haben am 17.8. ein Bankkonto beantragt, es sollte maximal fünf Werktage dauern bis die Karte angekommen und funktionsbereit sei.

..

Na ja, Zeit ist ja ein Glück das Einzige, das Marius und ich hier tatsächlich im Übermaß haben. Warum die Karte nicht da ist bzw. wer sie so gut versteckt hat, weiß die Bankangestellte nicht, aber sie kümmert sich darum.
Kurze Zeit später bekommen wir auch schon einen Anruf von unserem gut gelaunten Mechaniker, er hätte das Auto parat und wir sollten mal rumkommen. Es gab zwei Dinge die er nicht reparieren konnte,: 1.) den Auspuff, der Tüv fand den Sportauspuff offenbar zu laut und 2.) gab es noch anderes Ersatzteil, das ein Ölleck hatte. Er gibt und ein Spray mit, das wir am Abend schön dick auf die zu bemängelnde Stelle auftragen sollten und am Folgetag in der Früh mit Wasser abspritzen sollten. Er hilft uns also den Tüv ein bisschen auszutricksen, das Ersatzteil hätte über 1000$ gekostet und deswegen sei es günstiger ‚n paar Schlücke Öl mehr nachzugießen und ab und zu mal sauberzumachen. Das Leck schadet nicht, weder sich selbst noch anderen Teilen in diesem Berreich. Außerdem findet auch er unseren Motorsound bärenstark und meint, wenn wir den Tüv wechseln, gäb’s keine Probleme. Den Tüv hatten wir eh schon gewechselt.

Am Abend schauen wir noch ein paar Filme und gehen früh schlafen.

29.8.2012

Früh schlafen gehen lohnt sich, heute haben wir einen Termin mit Tüv II. Der Tüv heißt Mary und ist bester Dinge. Er beschlagnahmt unser Auto für zwei Stunden in denen Marius und ich betteln und beten dass alles in Ordnung ist und schließlich drückt er uns die Schlüssel in die Hand und erklärt, dass alles in Ordnung sei. Unfassbar! Auch er fand unseren Sound anscheinend super. Wir fahren wieder zum Shire Office um den ganzen Krempel mit dem Auto und den Straßen offiziell zu machen. Die Anmeldung funktioniert problemlos, das feiern wir großzügig mit ‚ner großen Cola! Jetzt darf Marius auch endlich mal fahren, die 48- Stunden Fahrberechtigungen waren bis jetzt nur auf mich zugelassen. Marius bestätigt, dass wir beide etwas Angst hatten. Linksverkehr ist echt merkwürdig. Wer denkt sich so was aus? Der linke ist der rechte Weg? Da stimmt doch was nicht, wer konnte da das mit dem Daumen rechts und der Hand links und so nicht?
Na ja, wir haben trotzdem zwei Sachen geschafft, Auto durch den Tüv schmuggeln und anmelden. Da wir gerade schon mal so’n Lauf haben beschließen wir den Trailer gleich mit anzumelden. Dafür braucht man wieder die Vehicle Identification Number (VIN). Dann bekommt wieder man eine 48- Stunden Fahrerlaubnis und dann bringt man den Karren zum Tüv und dann quengelt der dann wieder rum und dann bringt man den Trailer zum Mechaniker und dann *BLAAH*, HALT! STOP!, den Quark kenn ich doch schon! Das Gleiche wie beim Auto! Aber diesmal wissen wir wenigstens zu welchem Tüv wir müssen und unser Mechaniker ist sowieso weiterzuempfehlen.

Die besagte VIN zu finden war nicht einfach. Ich hab jeden erdenklichen Winkel des Trailers abgesucht und schließlich mir den Laptop zur Hilfe genommen. Das Internet rät mir jeden erdenklichen Winkel des Trailers abzusuchen. Na Danke! Nach weiteren Recherchen stelle ich fest, dass die VIN 1981 eingeführt wurde, unser Trailer ist von 1979. Kann ja keiner Ahnen. Wir bekommen auch so eine 48- Stunden Erlaubnis und machen auch gleich einen Termin mit dem Tüv.

Während wir am kochen sind klopfen Nicoles Kinder (8, 11) an der Tür und erklären aufgeregt sie wollten uns was zeigen. Deutsche Kinder hätten uns jetzt wahrscheinlich den Vollmond gezeigt oder einen neuen Rekord auf der Playstation. Sie haben irgendwelche Chemikalien zusammen gemischt, den Kram mit einer Zündschnur versehen und winken mit einer selbstgebauten Silvesterrakete. Echt hart, ist ja nicht gefährlich oder so? Das Teil explodiert und alle bleiben verschont.

Wir beschließen außerdem unter die Camper zu gehen. Hier gibt’s jede Menge Campingplätze und wir wollen uns eingewöhnen, deswegen ziehen wir morgen mit Kind& Kegel auf einen Campingplatz in Magaret River. Da haben wir wahrscheinlich unseren ersten Job! Weinflaschen abfüllen. Nachtschicht… bzzzzzz
Heute Abend essen wir Hamburger mit Bratkartoffeln, yummi!

30.8.2012

Letzter Tag auf der Farm. Wir gönnen und noch mal ausschlafen und packen anschließend unser Auto. Gar nicht mal so einfach wie gedacht, drei große Kisten auf dem Dach plus zweites Ersatzrad, so viele Sachen im Kofferraum, das alles zu verstauen war nicht einfach. Ein Glück konnte ich Marius durch lautes Summen der Tetrismelodie stets motivieren Platz sparend zu packen. Gegen 15 Uhr sind wir fertig und beschließen einen Campingplatz aufzusuchen. Der erste Campingplatz den wir anfahren erinnert mehr an ein Senieronenheim, nur graue Menschen und die Frau aus der Rezeption ist auch sehr unfreundlich. Ein Glück war die Residenz ausgebucht.
Der zweite Campingplatz den wir anfahren ist etwas abgelegener. Hier sind sehr wenig Leute, die paar die hier sind scheinen sich zu kennen und sie sind alle sehr freundlich. In der Gemeinschaftsküche werde ich gefragt ob ich zu den neu Angereisten gehöre.
Wir bauen alles auf und gönnen uns zur Feier des Tages noch mal einen Goon, diesmal die rote Box, vorher hatten wir immer den Grünen. Dieser schmeckt wie ein schlechter Rotwein gemischt mit einer großzügigen Menge Zitronensaft und Großmutters alten Socken. Gemischt mit Cola aber verblüffender Weise lecker. Der Sockengeschmack ist wie weggeblasen und die Zitrone gibt der Cola eine feine Note. Das Weingemisch wird von der Cola gut überdeckt, kein kulinarisches Highlight aber besser als das mit den Socken.
Plötzlich kommen zwei Kängurus um die Ecke gehüpft und gesellen sich zu uns. Echt gesellig, diese falschen Hasen. Die Kängurus bleiben etwa 30 Minuten bei uns und suchen dann hüpfend das Weite. Viel mehr als das Weite werden die hier auch nicht finden.

31.8.2012

Erste Nacht im Trailer! Wir werden von einer starken Regenschauer geweckt. Marius fühlt die Decke ab, ich frage ob sie dicht ist, er verneint. Wir schauen auf den Tisch und stellen fest, dass es an mehreren Stellen tropft.
Marius nimmt das Ganze wie immer mit Humor, verteilt Töpfe unter die tropfenden Stellen, geht Raus und kommt kurze Zeit später mit zwei Taucheranzügen und zwei Rettungsringen zurück und behauptet, wir seien perfekt bewaffnet.


Marius ist bester Dinge



Ich kann das Ganze mal wieder nicht glauben während Marius bereits dabei ist unseren Laden Hochseetauglich zu machen indem er eine Plane mit vier Schnüren bewaffnet um diese über unser Zelt zu hängen. Wir bauen unser Provisorium auf und verziehen uns erstmal in die nächste Stadt.
Hier gehen wir Frühstücken und surfen etwas im Internet, siehe da, meine Debitkarte ist angekommen, meine Bankkarte. Das Wetter hat sich mittlerweile gelichtet und die Sonne kommt raus, wir fahren zurück zum Zelt um dieses endgültig abzudichten. Marius fragt mich lachend, ob er meine Gummistiefel anziehen darf wenn er unser Zelt betritt, so schlimm ist es aber auch nicht. Wir spannen weitere Planen über unser Zelt und testen den Campingplatzeigenen Tennis- und Basketballplatz aus. Die Plätze sind super, Marius und ich nur unglaublich untalentiert. Das merkt auch der Nachbar, ein Australier, der uns ständig den Ball zurück über den Zaun werfen darf.
Ein sehr freundlicher und älterer Australier bemerkt meine Halskette, ein Plektron mit zwei Drumsticks (Danke Mutti) und fragt mich ob ich Lust hab ein bisschen Gitarre mit ihm zu spielen. Vielleicht morgen.
Wir überlegen uns, sobald der Trailer angemeldet ist brechen wir auf, grobe Richtung Broome einzuschlagen, über Geraldton bzw. Kalberri zu fahren. In Kalberri soll es echt sehr schön sein, tolle Strände und Campingplätze. Zuerst müssen wir aber den Trailer angemeldet bekommen. Wir haben dem Mechaniker schon vorgewarnt, dass wir ihn am Dienstag noch mal besuchen werden.
Einige Regenschauern beweisen, dass unser Trailer nun wirklich Hochseetauglich ist. Marius räumt beruhigt die Taucheranzügen wieder weg und wir beschließen bis es dunkel wird Basketball zu spielen. Hier wird es übrigens in der Regel so gegen 6 Uhr morgens hell und gegen 18:30 ca. geht die Sonne auch wieder unter. Winter halt.

1.9.2012

September, wir haben September! Heute vor vier Wochen sind wir losgereist. Langsam beginnt der Frühling hier. Das Wetter ist heute auch schon wieder besser, wir spielen Basketball und Tennis. Den Tag verbringen wir größtenteils draußen, ich mein, eine große Wahl haben wir ja eh nicht.

2.9.2012

Es ist Sonntag und das ist uns, wie die letzten Male auch schon, völlig Schnuppe. Das Wetter ist super und wir beschließen, da wir eh schon Sonntag haben, gleich mal einen Waschtag zu machen. Wie war das noch? Buntwäsche trennt man von schwarz, rot ist nicht grün und die weiße Wäsche kann sowieso auf 90° knallgas gewaschen werden? Aus der Anleitung werden wir beide nicht schlau, versuchen es einfach mal auf gut Glück.
Das Waschen hat Spaß gemacht obwohl ich der Meinung bin, dass meine Kleidung schon mal dunkler war.

3.9.2012

Den Waschtag hätten wir uns besser für heute aufgehoben. Es regnet den ganzen Tag, na doll. Morgen früh gegen 8h sollen wir beim Tüv sein um unseren Trailer durchchecken zu lassen. Wir schauen ein paar Filme, ich mein, was sollen wir auch groß machen? Meine Steuernummer ist noch nicht da, Marius seine ist bereits letzte Woche angekommen, ich hab meine vor Marius seiner beantragt. Da ich beide Steuernummern beantragt habe, ist es auch sehr unwahrscheinlich, dass ich bei meiner etwas falsch gemacht habe, was ich bei Marius seiner anders gemacht hab. Weiterreisen können wir auch nicht, 1.) ist der Trailer noch nicht angemeldet und 2.) wird meine Steuernummer nach Magaret River geliefert, d.h. ich bin gezwungen hier zu bleiben und keine Arbeit zu finden.

4.9.2012

Wir haben 9h Morgens und der Trailer steht gerade beim Tüv. Marius und ich frühstücken in einer Bäckerrei. Hoffentlich geht dieses mal alles gut!

Sonntag, 26. August 2012

Die Farm

Internet ist hier wirklich schwer zu bekommen, wir leben ziemlich weit Abseits von der Zivilisation und der Internetempfang ist sehr schlecht trotz Verstärkerantenne.

19.8.2012

Es ist Sonntag! Für uns nichts Besonderes denn wir haben 1.) keinen festen Job mit geregelten Arbeitszeiten, 2.) kein angemeldetes Auto und dementsprechend ist es uns wumpe ob irgendwo irgendein Geschäft offen oder zu hat und 3.) bekommen wir hier sowieso nicht viel mit was mit diesem Zivilisadingens zu tun hat. Aber das ist auch gut so. Wir fühlen und beide etwas schwammig und beschließen erst mal im Bett zu bleiben. Mir geht es echt nicht gut und so beschränken sich meine Mahlzeiten auf zwei Dosen Cola und ein Glas Milch. Ein Glück hat Marius ein Lazareterstehilfenotfallseelsorgepaket dabei und wir sind sogar gegen Krankheiten bewaffnet, von denen wir beide noch nie etwas gehört haben.
Gegen 15 Uhr beschließen wir mal die Gegend auszukundschaften. Der benachbarte Wald ist echt krass, da stehen Bäume, die hat man im bergischen noch nie gesehen, auch die Vögel die hier rumflattern sind echt schräg. Diese schrägen Vögel sind saubunt und geben auch stellenweise fragwürdige „krächz“-laute von sich, die mich mehr an eine sterbene Ratte erinnern. Aber na ja, vielleicht üben die noch.

21.8.2012

Wir leben jetzt ziemlich genau eine Woche hier auf der Farm in der Nähe von Magaret River und haben uns gut eingelebt. Man vermisst schon irgendwie Muttis Küche, aber dafür wissen wir jetzt welche Fertigsoßen gut sind und welche nicht.
Wir lernen jetzt auch endlich mal unser gutes, bergisches Wasser zu schätzen! Unser Wasser Zuhause aus dem Wasserhahn ist glasklar, Wasser eben, das hier erinnert mehr so an Kakao. Schmeckt leider nicht so. Die Umwelt wird hier stellenweise auch etwas mehr vernachlässigt. In Deutschland ist es schon verboten, sein Auto zu waschen damit keine Öle etc. ins Trinkwasser kommen und hier stehen einfach mal so ein 1000L Benzin- und Dieseltank auf dem Hof. Bei dem Versuch unser Quadt zu tanken haben wir dieses eben fast in die Luft gejagt!

22.8.2012

Heute mussten wir früh aus den Puppen, da wir um acht Uhr einen Termin mit dem Mechaniker hatten, der unser Auto inspizieren möchte. Dafür habe ich mir bereits letzten Freitag eine weitere 48-Stunden Fahrerlaubnis für heute und morgen organisiert. Wir sind natürlich pünktlich wie ein Zimmermann und stehen kurz vor acht vor seiner Tür und klopfen. Er ist noch nicht da. Er kommt so gegen neun an und reibt sich seine verschlafenen Augen. Das ist Australien! Überhaupt kein Problem für Marius und mich, wir haben es nicht anders erwartet, wollten aber auch nicht einfach so eine Stunde später auftauchen. Gegen 12 Uhr und jede Menge Kaffe kommen wir zurück und er erklärt uns was alles kaputt ist. Marius witzelt, dass er uns besser erklären sollte was nicht kaputt ist, aber ganz so schlimm ist es nicht. Problem ist nur, dass er ein Teil nicht organisieren kann. Das Auto schläft heute eine Nacht bei dem Mann, vielleicht findet er ja doch noch eine Lösung.

Eigentlich wollten wir mit Nicole heimfahren, allerdings durch ein Missverständnis meinerseits verpassen wir uns. Da wir unglücklicherweise keine Taxinummer eingespeichert haben, lassen wir uns genervt die Nummer von einem Charterservice geben. Ein Albaner mit klapprigem Mitsubishibus holt uns ab und gibt vollgas. Sehr geile Taxifahrt, die Innengeräusche vom Interieur übertönen den Motor und Anschnallgurte gibt es gar nicht erst, obwohl es einen Aufkleber gibt, der uns verbietet ohne Anschnallgurt mitzufahren. Wie hat er das durch den Tüv bekommen?!

23.8.2012

Da unser Auto noch bei dem Mechaniker ist, beschließen wir, unseren Albaner des Vertrauens zu kontaktieren, dass er uns wieder abholen soll. Pünktlich wie ein Maurer steht er vor der Tür und begrüßt uns grinsend. Marius sendet noch schnell ein ausführliches Stoßgebet gen Himmel, Mekka und was ihm noch so einfällt und steigt misstrauisch ein. Viel größer ist die Freude, als er eine zwei Dollar Münze auf seinem Sitzplatz findet.
Der Mechaniker ist bester Dinge uns bietet uns ein Bier an, da er noch eine Kleinigkeit am Auto schrauben wolle. Sein Ordnungssystem ist der Hammer! Ungelogen: Er verteilt seine Schraubenzieher schwungvoll in alle Himmelsrichtung in der Werkstatt, sein Lehrling läuft hinter ihm her und sortiert sie nach Größe, Farbe und Form und packt sie zurück in den Werkstattkoffer. Während Cheffe am Auto schraubt, steht der Lehrling mit einer Auswahl an Schraubenziehern, Zangen und Hämmern daneben. Cheffe dreht sich um, nimmt eine Zange, wirft sie auf den Boden und wendet sich wieder dem Auto zu. Der arme Lehrling.
Anfangs stand das Auto noch auf der Hebebühne, er lässt es runter, fährt es raus und erklärt, er müsse nur noch eine Motorwäsche machen. Gesagt- getan.

Das Auto springt nicht mehr an.

Er schraubt, dreht und kurbelt, der Lehrling ordnet, sortiert und sucht, wir stehen daneben und können es nicht fassen, was für ein Glück, das Auto bleibt liegen und das direkt beim Mechaniker. Der Mechaniker ist immer noch bester Dinge, zum Nachteil für den Lehrling, der deswegen umso mehr Schraubendreher suchen muss. Nach einer Stunde Schrauben, werfen und sortieren baut er einen neuen Starter ein und erklärt uns, dass dieser aufs Haus gehe. Am Dienstag bekommt er das letzte fehlende Teil, wir machen einen Termin und hoffen, dass wir nun endlich nach zwei Wochen rumfahren und rumquacken unser Auto nächste Woche angemeldet bekommen.
Das feiern wir mit einer Box Goon. Goon ist ein Weinverschnitt, der hier offenbar das einzig finanzierbare alkoholische Getränk ist. Kennt jemand Wein aus’m Tetrapack? Schön wär’s! Ein Tetrapack, was für ein Luxus! Goon gibt es nur in vier- der fünf Liter Boxen, und, naja, man kauft eine Box in der sich dann ein Sack mit Goon befindet. Einfach nur ein silberner Sack.
Wenn man den Inhalt mit Zucker mischt schmeckt’s wie abgestandener Asti, wir hatten halt was zu feiern.

24.8.2012

Ouh, du gottverdammter Goon, fahre zur Hölle und bleibe da. Marius behauptet, dass heute Nacht ein extra langer Güterzug über seinen Schädel gefahren ist. Auch ich wunder mich, wer zum Teufel den Typen mit dem Presslufthammer in meinen Schädel gelassen hat. Wir nehmen es leicht und helfen Nicole auf der Farm. Sie gibt uns einen alten Pick-up und schickt und Stöcke holen. Mit von der Partie: Fluffi, ein stinkender Hund, der sich weigert die Ladefläche zu verlassen. Nicht mal auf den Stöckchentrick springt er an. Nicole erklärt uns, wir sollen ihn einfach unter den Ästen begraben.

Die Äste sollen wir auf eine der Müllkippen bringen. Die schmeißen da echt alles weg, ich frag mich auch, warum Marius und ich bis jetzt die Mülltrennung beachtet haben. In der Müllkippe war: Plastik, Metal, Kompost, mehrere tote Kuhbabys, ein halber Rasenmäher…Alles halt, echt ekelhaft, da kommt dann Erde drauf und das wird einfach vergraben.
Am Abend sitzen Nicoles Kinder im Garten und verbrennen Plastikflaschen gemischt mit einer großzügigen Menge Benzin.

26.8.2012

Heute ist Sonntag und unsere Stimmung passt zum Wetter, es ist nämlich „Körbchenwetter“, d.h. das Wetter ist so schlecht, dass nichtmals der ehrgeizigste Hund Lust auf einen Spaziergang hätte und lieber im Körbchen bleiben möchte. Wir verbringen unseren „lazy Sunday“ also damit Filme zu schauen und Käsetortillas zu verdrücken. Top Tag!
Gegen Abend habe ich mir überlegt doch mal ein kleines Ründchen joggen zu gehen. Hier laufen nachts echt komische Vögel rum, zuerst habe ich Vögel gesehen, die ungefähr die Größe und Form eines Strauß hatten, jedoch anders aussahen. Danach ist mir ein Känguru über den Weg gehopst. Mensch, die lassen uns im Sackhüpfen sicherlich alt aussehen.

Donnerstag, 16. August 2012

Sydney, Jetstar, zwei grinsende Chaoten und ein Bauernhof

Ich hab schon länger nichts mehr Online gestellt, das lag leider daran, dass wir echt viel Stress in letzter Zeit hatten.



10.8.2012

Wir waren gestern mit ein paar Leuten aus dem Hostel Fußball spielen. Das war so eine Art Veranstaltung vom Hostel, wir haben uns mehr oder weniger gedacht: „jau, warum nicht? Wird schon schief gehen!“ Mitgespielt haben: ein deutscher mit Jeans, ein verrückter Ire, ein normaler Ire, ein bunter Amerikaner mit Spongebob Uhr, ein Schweizer mit tollen Klamotten und wenig Potential, einer vom Hostel und Marius und ich. Wir sind also mit dieser lustigen Gemeinschaft losgezogen zum nächsten Park und haben ein kleines Feld abgesteckt und mit vier mitgebrachten Plastiktellern zwei Tore simuliert. Fußball ist ja eigentlich gar nicht so mein Ding, also so absolut überhaupt gar nicht. Aber wie gesagt, wird schon schief gehen war ja das Motto! Ich also auf den Platz, immer schön dem Ball hinterhergerannt und, hmm, hab sogar tatsächlich zwei Tore geschossen(davon keins ins eigene Tor!). Das erste Spiel haben wir auch gerade mal mit sechs Tores Rückstand verloren, das zweite ist 5:6 für das gegnerische Team ausgegangen. Anschließend hat das Hostel uns auf ein Bierchen und Nachos eingeladen, sehr nett.

11.8.2012

Tagsüber haben wir eine geführte Sydneytour mitgemacht, wieder geführt vom Hostel und wieder umsonst. Unglaublich, wir haben offenbar den einzigen Tag an dem es in Sydney regnet erwischt! Die Tour hat ca. sechs Stunden gedauert und es hat die letzten vier Stunden geregnet. Da kamen Heimatsgefühle auf, Sommer im bergischen!
Aber generell war es eine sehr geile Tour, wie haben viel gesehen und auch Fotos geschossen.
Am Abend hatte die Sidebar vom Hostel wieder geöffnet, ein scheinbar bekannter Dj legte Charts auf und zwei Gitarristen gaben auch Musik zum Besten. Die Bar war gut gefüllt und die Stimmung war vergleichbar mit einer Disko. Insgesamt war es ein sehr geiler Abend, Marius hat das Englisch zwar ziemlich zu schaffen gemacht, aber er muss es halt lernen



12.8.2012
Stress!! Und 1000 Dollar gespart bzw. einmal komplett neu einkleiden!
=> Folgendes ist passiert:
Morgen früh geht’s nach Perth, sehr früh sogar. Deswegen hatte ich die schlaue Idee heute erstmal schön im vorhinein einzuchecken und zwar Online. Wir uns also heute morgen mit dem Laptop in die Rezeption platziert und uns Internet für ‚n Stündchen gegönnt. Beim Einchecken fällt mir der Schriftzug „You have a fare, which does not include any checked baggage allowance.” auf. “Super” denk ich mir und überleg was zu tun? Ich bin mir sicher, dass ich angekreuzt habe, dass ich mit maximal 26kg Gewicht anreisen werde. Bisschen im Internet rumgesurft und festgestellt, dass die 70$ pro Gepäckstück berechnen wollen, günstiger wird es, wenn man es vorher per Telefon dazu ordert.

Die richtige Nummer rauszufinden war kein Problem, aber der elektronischen Frauenstimme namens Lena zu erklären, dass ich noch zwei Koffer mehr hab wurde dann schon problematischer. Ich habe das Gefühl, dass jemand versucht mir eine Waschmaschine oder ähnliches zu verkaufen, jedensfalls, als die Stimme mich gefragt hat, ob ich die Buchung für den 17. Oktoberber bestätigen möchte habe ich mich geweigert weiterhin Englisch zu reden. So kam es dann, dass ich mit einer echten Frau verbunden wurde. Ich dann also mein Anliegen in Bröckchenenglisch erklärt und versucht die Gepäckstücke zu buchen. Soweit kein Problem. Bis sie dann„Your Creditcard is declined“ behauptet, und erklärt, dass ich morgen früh nicht in Bar zahlen könnte. Einzige Möglichkeit wäre, das Gepäck morgen am Flughafen aufzugeben. Klingt recht einfach, also erkundige ich mich nach den Preisen. 25$ pro Kilokramm. Ich frage die werte Dame ob das ihr ernst wäre, war es.
„Nu ham wa den Salat!“ denk ich mir und rechne aus, dass mein dass Gepäck mir keine 500$ wert ist, 1000$ für beide lohnt sich einfach nicht.
Zum Glück haben wir auf der Sydneytour die Sophie kennengelernt (Sophie, falls du das liest, danke noch mal!), die uns dann schließlich ihre Kreditkarte geliehen hat. Ich also wieder zum Telefon und noch mal zu der elektronischen Stimme. Wieder habe ich das Gefühl, dass mir jemand einen Trockner oder Ähnliches verkaufen möchte. Nachdem ich wieder verbunden wurde, ging das ganze von vorne los. Ich wieder erklärt wer ich bin und wie viele, was ich denn möchte und blablub, ihre Kreditkarte funktioniert. Allerdings müsste Frau Jetstar kurz mit Sophie sprechen um sicher gehen zu können, dass ich ihre Kreditkarte nicht missbrauche. Sophie ist gerade auf der Suche nach ihrem Gepäck und dementsprechend nicht da. Auch irgendwie naiv meinerseits, naja, war halt auch etwas durch den Wind gerade.
Schon wieder Glück gehabt: Sophie kommt aus dem Aufzug gestolpert und ich ordere sie direkt zu mir. Sie erklärt Frau Jetstar wer sie ist und wie viele, und schon war das Gepäck gebucht. Frau Jetstar fragt mich noch ob sie mir ein Auto oder ähnliches verkaufen könnte, ich verneine und lege erleichtert auf!
Der Fehler könnte natürlich bei mir selbst legen, dass ich falsch gebucht habe, ich erinnere mich aber noch, dass man vier verschiedene Gepäckklassen auswählen konnte und ich mich dafür entschieden habe, gegen einen kleinen Aufpreis bis zu 26 Kg mitnehmen zu dürfen.
Also, Fazit: Jetstar hat zwar eine unglaublich großes Angebot, sollte jedoch besser vermieden werden.
Da unser Taxibus uns schon vor vier Uhr am Hostel abholen wollte, beschließen wir, gar nicht erst zu schlafen. Die Nacht haben wir in der Lobby verbracht, Musik hören, wach bleiben, Solitär spielen und so weiter. Der Weg zum Flughafen war soweit auch kein Problem, einchecken verlief auch problemlos.
Unser Flugzeug ist auch der Hammer! Die mit Stoff überzogenen Bierbänke fühlen sich nicht so bequem an, Unterhaltungsprogramm beschränkt sich auf die Flugzeug eigenen Angebotszeitschriften und zu Essen gibt es auch nichts (zum Glück). Marius verschläft den Flug, ich schlafe auch zwei Stunden und lerne dann das Angebotsheft auswendig.
Angekommen in Perth verschlägt es mir die Sprache, als Marius unsere beiden Rucksäcke auf einem Gepäckband entdeckt, zwar nicht auf dem, wo es sein sollte, aber es ist da. Ich versuche in der Zeit unsere Vodafone Simkarte zu aktivieren. Ich werde mit einer freundlichen Elektrostimme namens Laura verbunden. Sie verlangt Passnummer, Wohnsitz und alle möglichen anderen Daten von mir die nichts mit einem Telefon zu tun haben. Ich werde schlussendlich verbunden und die Verbindung reißt ab. Ich versuche es erneut, weigere mich mit Laura englisch zu reden und die Verbind reißt wieder ab. Das Spiel wiederholt sich ca. zehn Mal, ich gebe es auf.
Die geplanten zwei Stunden Busfahrt in einem Linienbus entpuppen sich als sechs Stunden in einem schicken Reisebus mit bequemen Ledersesseln. Unser Busfahrer ist guter Dinge und es läuft Omamusik. Wir können zwischen zwölf verschiedenen Omikanälen wählen, wir fühlen uns wohl.
Gegen sechs Uhr kommen wir in Cowamarup an, ein kleines idyllisches Dorf in dem wir von Nicole, die Frau der die Farm gehört, auf der wir erst mal leben werden, in Empfang genommen werden. Wir fallen gegen halb acht müde ins Bett.

14.8.2012

Wir wachen gegen neun Uhr auf und sind immer noch müde, also schlafen wir noch mal ein paar Stündchen. Tagsüber suchen wir unser Auto und finden es auch. Vor allem finden wir es cool! Es ist zwar dreckig aber trotzdem cool! Wir haben zwar weder Internet noch Handy, aber ein cooles Auto haben wir schon mal. Gar nicht mal so einfach so einen Karren hier anzumelden: man braucht einen unterschriebenen Kaufvertrag vom Vorbesitzer mit alten Kennzeichen, Fahrzeugnummer, Preis und hassenichgesehn. Super, kein Internet, Handy, zwar n cooles Auto jedoch ohne Zulassung und keinen Job. Hätten wir Internet, sähe die Chose schon mal anders aus!


15.8.2012

Wir sind heute in einen Telstra Laden gefahren, das waren die, die uns die Prepaidkarte verkauft haben. Er reaktiviert die Karte und lädt sie neu auf, keine Chance, er ist ratlos.
Ein Glück kennt sich Dominik, der Sohn von Nicole mit PC’s und allem drum und dran aus, er meint, wir müssten die Sprache des Computers auf Englisch stellen. Sehr gerne, nur wie? Ich erinnere mich, dass Windows mir erklärt hat, dass ich die Sprache nachträglich nicht mehr ändern kann. Wir versuchen es dennoch, erfolglos.
Marius grinst und winkt mit einer Windows CD, er will Windows einfach neu installieren. Gar nicht mal so dumm! Er formatiert seinen Laptop und die Installation beginnt. Nach ca zehn Minuten verlangt der Laptop nach CD2. Marius wirkt irritiert und fängt an zu suchen. Die Multi Media Cd hilft nicht weiter, mit Fifa lässt sich der Pc auch nicht verarschen, also kommt Cd1 wieder ins Spiel. Die Installation beginnt von vorne. Marius beschwert sich, dass sein Laptop nun ohne Betriebssystem ist und stempelt das ganze als schlechten Witz ab.
Kurze Zeit später klopft Dominik an unserer Pforte, schnappt sich meinen Laptop, (ohne auch nur ein Wort deutsch zu können) mach ein paar fluxe Mausbewegungen in mir bis dato unbekannte Felder, klickt wild rum, installiert die Software und fertig.

Heute haben wir Nicole auf der Farm geholfen d.h. wir haben ein Quadt bekommen und sollten Unkraut ernten. Die Farm ist unglaublich groß, ohne Quadt oder Motorrad ist da nichts zu machen! Um so besser für uns, Sturzhelm an, Schippe in den Hänger und knallgas! Unkraut ernten kann so witzig sein wenn man ein Quadt hat, das hat echt Spaß gemacht, Pflanzen rausziehen, in den Hänger und ab zur zwei Kilometer entfernten Müllhalde.

16.8.2012

Heute versuchen wir das Auto anzumelden. Um es anzumelden brauchen wir sämtliche Daten von Auto, Vorbesitzer, Pässen, Führerscheinen, Bank, Werkstatt. Wenn man dies alles zusammen gesammelt hat, darf man zum „shire office“ und sich eine 48 Stunden Lizenz für das Auto erkaufen. Dann muss man wieder zum office und die suchen dann nach Fehlern beim Auto. (Nicole hat mir erklärt, dass die immer einen Fehler finden. Sie hat mal versucht ein mehr oder weniger neues Auto anzumelden, auch da gab es was zu bemängeln) Die 48-Stunden Erlaubnis haben wir mittels Taxi bekommen. Unser Taxifahrer, nennen wir ihn mal Jörgen, ein Vollbart Australier mit krassen Akzent ist bester Dinge. Laute Musik und gute Laune beschleunigen seinen Fahrstil, er erklärt uns, dass er deutsches Bier super findet. Außerdem wüsste er wo wir einen Job finden könnten, allerdings muss dafür unser Auto erst mal funktionstüchtig sein.


17.8.2012

Happy Birthday Mama!

Wir waren heute morgen bei verschiedenen Werkstätten um das Auto reparieren zu lassen. Die finden echt immer einen Fehler. Ich schätze mal wir kommen mit ca. 600$ hin, Nicole bestätigt mir jedoch, dass das völlig normal sei. Wenn man sein Auto hier einmal angemeldet hat, bleibts das auch für den Rest des Lebens. Deswegen schaut der Tüv hier etwas genauer hin. Frühester Termin ist Mittwoch.
Wir lassen gerade die Windschutzscheibe austauschen, weil die 3 kleine Kratzer hatte. Marius sitzt nebenan im Waschsalon und kümmert sich um die Wäsche (ab jetzt Bauchfrei?)
Wie es ausschaut, wir unser Auto nächsten Donnerstag spätestens auf die Gleise gelassen!

Wir hatten zwar echt viel Stress in der letzen Woche, aber das soll normal sein, hab ich mir sagen lassen. Ich denke mal, dass die nächste Woche vielleicht auch noch etwas anstrengend wird. Wenn wir die hinter uns haben, können wir endlich irgendwo Weinstauden sägen oder andere Nüsse ernten.

Generell geht es uns aber echt gut. Die Farm auf der wir leben ist cool, zwar abgelegen wie sonst was, aber dafür fährt man ja hier hin, ne?